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Ein wenig Leben
HörbucHHamburg HHV GmbH, Hanya Yanagihara, Sprecher: Torben Kessler
Korrosion
Peter Beck
Robinson Crusoe
Daniel Defoe
Bereits gelesen: 38/463 pages

Ein einziger Flügelschlag

Die Macht des Schmetterlings - Matt Dickinson

Die Chaostheorie besagt, dass ein einziger Flügelschlag genügt, um eine Katastrophe auszulösen. Denn dieser führt zum Beispiel dazu, dass ein Hase einem Pferd vor die Füße läuft, was in einem wahren Desaster enden kann. Denn Ereignisse in Washington, Großbritannien, in Afrika und sogar auf dem Mount Everest werden von diesem unschuldigen Geschöpf angetrieben und es endet schlimmer als man anfangs denken mag. 

Bei diesem Buch hat mich von Vornherein die Grundthematik interessiert. Die Chaostheorie oder auch der Butterfly-Effekt (wissenschaftlich eigentlich der Schneeballeffekt) geht davon aus, dass ein winziges Ereignis wie der Flügelschlag eines Schmetterlings wahrhaft Großes - im Guten wie im Schlimmen - bewirken kann. Matt Dickinson hat sich des Themas auf spannende Weise angenommen und einen Roman geschrieben, der einen nicht loslassen kann.

Man verfolgt Ereignisse und Figuren wie per Drohne über den gesamten Erdball hinweg, weil man einfach alles sehen kann. Manchmal zoomt man ins Detail, dann stellt man breitere Winkel ein, beobachtet aus der Ferne oder lässt sich nicht einmal die Gedanken der Charaktere entgehen.

Die Figuren könnten unterschiedlicher nicht sein: Ein Arzt in Afrika, ein geschiedener Mann in Washington, zwei Jungs, die die Schule schwänzen, ein Geschäftsmann, auf dem Weg zum Flughafen, ein Mädchen, das den Mount Everest erklimmt und noch etliche mehr, die durch den Flügelschlag eines Schmetterlings verbunden sind.

Die Abfolge der Ereignisse ist in sehr kurze Sequenzen strukturiert, die den knappen Kapiteln und den unterschiedlichen Figuren entsprechen. Oftmals auf gerade mal ein bis zwei Seiten erfährt man, wie sich die Lage in Washington verhält, was die Jungen Jamie und Will im britischen Wald zu suchen haben, wie Kuni an der Schwelle zum Gipfel des Mount Everests steht oder wie Tina ihren Tag beginnt. 

Dieser stakkato-artige Erzählstil erzeugt Spannung und lässt die Seiten fliegen. Trotzdem hat er mir nicht durchgehend gefallen, weil ich oft aus der aktuellen Situation gerissen wurde und ich mich auf die nächste Sequenz einstellen musste. Einerseits war das Buch dadurch sehr spannend, gleichzeitig aber manchmal auch mühsam, weil ich gern etwas länger in der aktuellen Situation geblieben wäre.

Die Handlung ist genial eingefädelt, die von vorne bis hinten logisch, mitreißend und spannend zu lesen ist. Matt Dickinson hat ein Gedankenspiel ersonnen, das sich über mehrere Kontinente, unterschiedliche Menschen und Situationen erstreckt und dadurch sehr faszinierend zu verfolgen ist.

Wer sich für den Butterfly-Effekt interessiert und einen Roman dazu lesen mag, dem kann ich „Die Macht des Schmetterlings“ absolut empfehlen und will mir gar nicht vorstellen, was diese einfache Empfehlung bewirken kann. 

 

 

Die Dilogie:
1) Die Macht des Schmetterlings
2) Der Tod des Schmetterlings

Die Raunende Maske

Lockwood & Co. - Die Raunende Maske - Katharina Orgaß, Gerald Jung, Jonathan Stroud

London wird von einer Geisterplage heimgesucht, die man bisher noch nicht gesehen hat. Alle Agenturen werden zu Hilfe gerufen, nur Lockwood & Co. bleiben zumindest anfangs außen vor. Doch dann dürfen auch sie sich ins nebulöse Getümmel stürzen und kommen dem Ursprung der Plage auf die Spur. 

Die Geisteragentur Lockwood & Co. ermittelt wieder. Mit grausigem Charme, eigentümlichen Esprit und gruseliger Unbeholfenheit zeigen die berüchtigsten Agenten Londons den Geistern, dass sie im Diesseits keine Chance haben und sich lieber ins Jenseits verziehen sollten.

Es handelt sich um den 3. Fall von Lockwood & Co., die neben dem altbekannten Team aus der toughen Lucy, dem hochbegabten George und dem begnadeten Big Boss Anthony Lockwood himself, die liebreizende Holly in die Agentur holt, damit sie sich gegenüber der Geisterwelt nicht in der Unterzahl sehen. Wer die Agenten der Agentur bereits kennt, weiß, dass sich hinter Intelligenz, Talent und Charme eine gnadenlose Unprofessionalität verbirgt, die sie regelmäßig in die Bredouille bringt.

"Trotzdem ... so was Lustiges habe ich noch nie gesehen. Ihr seid wirklich die Unfähigkeit hoch drei." (S. 39)

Auch dieser Fall wird direkt von Lucy erzählt. Ich finde es großartig, wie sie sich an den Leser wendet und in sarkastischem Ton von den Ereignissen berichtet. Dabei spart sie natürlich nicht aus, was sie von der neuen Bürogehilfin Holly denkt, die in ihrem perfekt-organisiertem Überengagement so gar nicht zum Rest der Truppe passen will. Wären Lockwood und George nur nicht so angetan von ihr … 

Der Fall will lange Zeit nicht in Fahrt kommen und wird erst nach gut der Hälfte richtig aufgegriffen. Im Vordergrund steht der Team-Zuwachs und was Lucy von ihr denkt, aber auch, wie sie ihre neuentdeckten Fähigkeiten einsetzt.

Demzufolge steht natürlich Lucy im Vordergrund. Bei diesem Fall mutet sie sich allerdings zu viel zu und bringt nicht nur sich selbst sondern die ganze Agentur in Gefahr. Sie versucht einen neuen Zugang zur Geisterwelt auszuprobieren, wodurch es für alle Beteiligten ganz schön brenzlig wird.

Die Beziehung zwischen Lucy und Holly bietet ordentlich Konfliktpotential. Obwohl hier vom eigentlichen Geisterphänomen abgelenkt wird, habe ich mich großartig amüsiert. Ich mag Lucys trocken-sarkastische Art, die jede noch so harmlose Situation zu einer ausgewachsenen Gefahrenquelle macht und dabei nicht einmal ihre Freunde verschont.

Der Showdown war diesmal wirklich gruselig. Jonathan Stroud hat ein Wesen kreiert, das sogar mir Gänsehaut verursacht hat. Er beschreibt minutiös wie das Grauen über den Boden kriecht, sodass ich obendrein die eine oder andere Nacht nach der Lektüre noch Gänsehaut beim Gedanken daran hatte.

Das Ende ist ein richtiger Knall. Beinhart lässt der Autor den Leser im Dunkeln stehen und vertröstet mit dem 4. Band, der bald gelesen werden will.

Ich habe die Agenten von Lockwood & Co. einfach gern und kann auch ihren 3. Teil wärmstens weiterempfehlen. Die interessante Geisterwelt, der vor Sarkasmus triefende Erzählstil, das witzige Geplänkel der Figuren und die gruseligen Elemente sind meiner Meinung nach zu einem grandiosen Gespensterkrimi vereint, der junge und ältere Lesern bestimmt gleichermaßen begeistern kann. 

 

Die Reihe:
1) Lockwood & Co. Die Seufzende Wendeltreppe [Rezension lesen]
2) Lockwood & Co. Der Wispernde Schädel [Rezension lesen] 
3) Lockwood & Co. Die Raunende Maske
4) Lockwood & Co. Das Flammende Phantom

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Die Stadt der Überlebenden

Evolution: Die Stadt der Überlebenden - Rubikon Audioverlag, Mark Bremer, Thomas Thiemeyer

Eine Austauschgruppe Jugendlicher macht sich auf den Weg in die USA als ihr Flugzeug in Denver notlanden muss. Rasch liegt auf der Hand, dass unsere Welt binnen weniger Flugstunden verschwunden ist. Der Flughafen ist von Pflanzen überwuchert und die Tiere greifen die Menschen an. Was ist hier passiert?

Beim Klappentext allein bin ich schon angesprungen, weil die Vorstellung sehr gruselig ist: Man steigt in ein Flugzeug, es gibt Turbulenzen und als man in Denver eine Notlandung hinlegt, ist man auf einmal in einer fremden Welt gelandet. Für mich klingt das nach gutem Stoff mit Abenteuercharme.

Bei diesem Reihenauftakt handelt es sich tatsächlich um einen Endzeitroman mit Abenteuerflair, der in groben Zügen an große Klassiker von Jules Verne und H.G. Wells denken lässt. 

Die Gruppe Jugendlicher peilt via Flugzeug ein ganzes Jahr in den Vereinigten Staaten an. Man spürt die Aufregung und es liegt Freude in der Luft. Allen voran werden Lucie und Jamie gestellt. Lucie ist eine bunte Persönlichkeit, ohne aufdringlich zu sein. Sie hat nämlich die Begabung, die Welt und Menschen um sich herum in Farben zu sehen. Damit meine ich jetzt nicht das Gegenteil von Farbenblindheit. Nein, sie ordnet Menschen bestimmten Farben zu, beurteilt ebenso Personen und Gemütsverfassungen und gibt der Handlung einen geschickten Touch, weil sie dank ihr bunt zu hören oder zu lesen ist.

Jamie ist der gute Junge, der eigentlich ein sehr böser Knabe ist. Er hat sich auf das Jahr in den Staaten gefreut, weil sein Vater Amerikaner ist und er ihn nach zwei Jahren endlich wiedersehen will. So tugendhaft Jamie vom Charakter her ist, so bedenklich ist seine nahe Vergangenheit, die ihm als Figur interessante Würze gibt. 

Die restliche Gruppe ist nach dem üblichen Schema zusammengestellt. Etliche Figuren erscheinen am Rand, um der Handlung eine schöne Rundung zu verleihen. Selbstverständlich findet sich auch ein mieser Gegenspieler, der für das richtige Maß an Konfliktpotential sorgt.

In Denver heißt es zuerst einmal zu verstehen, wo sie überhaupt angekommen sind. Die hiesige Vegetation hat sich das Flughafengelände einverleibt, eigentlich harmlose Tiere greifen aggressiv die Gruppe an und ansonsten haben sich noch keine anderen Menschen blicken lassen, was allgemein für Unruhe sorgt. Denn wie sollen sie überleben, wenn sie ganz allein in dieser feindlichen Umgebung gestrandet sind?

Mit der Landung in Denver betritt man einen klassischen Abenteuerroman, der sich wohl an geläufigen Vorbildern orientiert. Die Handlung wurde sicherlich nicht neu erfunden, jedoch finde ich diese bekannten Aspekte sehr interessant vereint. Ich habe Elemente von Wells und Verne erkannt, die perfekt in einem modernen Rahmen eingepasst wurden und dank des ansprechenden jugendlichen Stils unterhaltsam aufbereitet sind.

Neben der mitreissenden Gruppendynamik hat mir vor allem diese postapokalyptische Welt gefallen. Es war spannend zu erkunden, wie sich dieses Umfeld warum entwickelt hat und Thomas Thiemeyer zeigt, dass die gegenwärtige Unbekümmertheit der Menschheit früher oder später einmal natürliche Konsequenzen hat. 

Zu guter Letzt muss unbedingt noch vor dem Cliffhanger warnen, der am Ende richtig böse ist, und einen am liebsten sofort den 2. Teil hören oder lesen lässt.

Thomas Thiemeyer hat meiner Meinung nach einen spannenden Abenteuerroman geschaffen, der sich mit Problemen unserer Gegenwart und ihren möglichen Folgen auseinandersetzt und dank des lebendigen Stils des Sprechers spannend zu hören ist.

 

 

Die Reihe:
1) Evolution. Die Stadt der Überlebenden
2) Evolution. Der Turm der Gefangenen
Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Spannender Thriller, ernstes Thema

Die Schule endet nie - Jessica Swiecik

Alissa hat in ihrer Schule nie Anschluss gefunden und daher ist ihr der Schulalltag eine Qual. Noch schlimmer ist für sie aber die Klassenfahrt, wo sich das Mobbing gegen sie ins Unerträgliche steigert. Doch Alissa hat einen Plan, mit dem sie sich rächen will …

Jahre später erhalten die Absolventen der Abschlussklasse mysteriöse Einladungen zum Klassentreffen. Aber von Alissa kann die Einladung nicht sein, oder? 

Dieser Thriller beschäftigt sich in erster Linie mit Mobbing, wie man es an Schulen kennt. Er kratzt dabei nicht nur an der Oberfläche sondern durchleuchtet die Ursachen von schikanösem Verhalten und die Motivation dahinter. Sehr geschickt veranschaulicht die Autorin diesen ernsten Hintergrund und lässt dabei vor Spannung die Seiten fliegen.

Protagonistin Alissa steht sich mit ihrer Schüchternheit selbst im Weg. Von Anfang an hat sie es schwer in der Klasse gehabt, weil sie nicht den Mund aufbringt. Nicht, dass sie einfach ignoriert werden würde, denn das könnte sie noch verkraften. Sondern ihre Schulkollegen haben es auf richtig fiese Weise auf sie abgesehen, dass es schon lange nicht mehr nur freundschaftliche Neckereien sind. Die Klassenfahrt wird für das Mädchen zur Tortur und die Situation spitzt sich zur Katastrophe zu.

Alissa hat mir unheimlich leid getan und gleichzeitig hätte ich sie manchmal schütteln wollen. „Mädel, kannst du denn nicht den Mund aufkriegen?“, habe ich mir öfter gedacht! Alissa selbst weiß, dass sie manchmal einfach etwas sagen müsste, nur schafft sie es nicht. Sie ist durch die bedrohliche Atmosphäre so verängstigt, dass sie der Situation gar nicht mehr die Stirn bieten kann, bis sie zumindest ein einziges Mal ihren ganzen Mut zusammen nimmt.

Der Thriller ist in zwei Zeitstränge unterteilt. „Damals“ und „Heute“ wechseln sich kapitelweise ab, was herrlich spannend zu lesen ist. Man weiß von Anfang an, dass damals etwas schreckliches passiert sein muss, allerdings bleibt dies lange im Dunkeln, wodurch man angespannt durch das Buch getrieben wird. 

Zuerst ruhig, dann immer dramatischer, spitzt sich die Situation zu und die Spannung baut sich auf. Eingangs werden nach und nach die Figuren eingeführt. Man lernt Alissa und ihre Peiniger kennen, greift sich an den Kopf, wenn man von den „Scherzen“ liest, denen Alissa ausgesetzt ist, und wundert sich, warum kein Lehrer ein Machtwort spricht.  

In der Gegenwart geht es ebenso ruhig und gleichzeitig heiß her. 10 Jahre nach dem Abitur wird zum Klassentreffen eingeladen, doch die Absolventen sind sich sicher, dass die Einladung nicht von Alissa ist. 

Der Wechsel der Erzählstränge hat es mir sehr angetan. Dadurch ist dieser Thriller von Anfang an sehr spannend gewesen. Dabei haben die Seiten geknistert, denn man will unbedingt wissen wie es weitergeht.

Mit dem Ende bin ich nicht ganz zufrieden. Das ist der einzige Punkt, der mir nicht so gefallen hat. Es kam zu einer merkwürdigen Konstellation, die zwar überraschend aber für mich nicht vollkommen nachvollziehbar ist.

Das Leitthema Mobbing finde ich ausgezeichnet umgesetzt. Die Autorin verzichtet darauf eine Schwarzmalerei darzustellen, sondern setzt dezent Grauschattierungen ein und zeigt, warum es überhaupt zum Mobbing kommen kann. Hier habe ich ein Plädoyer für gegenseitigen Respekt herausgelesen, was mir gut gefallen hat.

„Die Schule endet nie“ ist ein äußerst lesenswerter Thriller, der nicht nur die Spannung hält, die er verspricht, sondern Mehrwert bietet und zum Nachdenken anregt. Der fesselnde Aufbau und der eindringliche Hintergrund sind meiner Meinung nach für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen geeignet und daher kann dieses Buch nur weiterempfohlen werden.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Stimmungsvoller Krimi

Stimmen - Ursula Poznanski

Psychiatriestation des Klinikums Salzburg-Nord. Ein Arzt wird tot in einem Behandlungsraum aufgefunden. Nicht nur, dass ihm eine Schiene quer durch die Kehle getrieben wurde, sondern es sind auch noch Plastikmesserchen auf dem Leichnam drapiert. Nun liegt es an Beatrice Kaspary und Florin Wenninger einen Zugang zu den Patienten der Station zu finden. Denn die einen hören Stimmen, während andere überhaupt nicht kommunizieren. Aber Bea ist sich sicher, dass die Patienten etwas gesehen haben müssen.

Beatrice Kaspary und Florin Wenninger ermitteln in ihrem dritten Fall. Der Mord in der Salzburger Psychiatrie stellt sie vor eine Herausforderung, weil man sich kein Motiv erklären kann. Der junge Arzt war allseits beliebt und bei den Kollegen anerkannt. Bedeutet das, hier war der Wahnsinn im Spiel?

Den Tatort Psychiatrie finde ich sehr gut gewählt, weil einen schon allein dieser Umstand zum Frösteln bringt. Gerade auf dieser Station befinden sich schwer traumatisierte Menschen, denen man nicht so leicht eine Zeugenaussage entlockt. Dadurch leitet Ursula Poznanski ein interessantes Verwirrspiel ein und beschäftigt sich nebenher mit den Zuständen, die vielleicht auf mancher Station herrschen könnten. 

Weniger gefallen hat mir Beas Privatleben, dass sich immer wieder nach vorne drängt. Ich weiß, auch Ermittler haben abseits ihres Berufsalltags eine Existenz, aber diese ständigen Auseinandersetzungen mit ihrem Ex-Mann sind mir diesmal etwas auf die Nerven gegangen. Außerdem ist es mittlerweile so, dass ich die Hauptfigur Bea als Person überhaupt nicht mehr sympathisch finde, weil sie meiner Meinung nach in Selbstmitleid versinkt. Sie ist arm und überfordert, weil sie die Kinder abholen muss. Genauso arm gibt sie sich, wenn die Kinder bei ihrem Ex-Mann sind und sie allein daheim sitzt. Und ich frage mich da schon, was die gute Frau überhaupt will. 

Immer wieder wird thematisiert, ob sie eine schlechte Mutter ist. Ich glaube, die Frage kann man rundheraus ehrlich beantworten, denn der Award als Mutter des Jahres wird ihr sicherlich nicht verliehen. 

Dennoch ist es für mich ok, weil ich eine Protagonistin nicht unbedingt mögen muss, und diese Spannung zwischen der Protagonistin und mir der Handlung weiteren Pfeffer gibt.

Die Ermittlungsarbeit stellt Protagonistin Bea in den Mittelpunkt, wobei der gut aussehende Florin Wenninger als schmückendes Beiwerk zum tragen kommt. Seine Rolle beschränkt sich auf den Retter in der Dunkelheit bzw. den Kollegen, der für sie in die Presche springt. Trotz dieser Besetzungskritik gefällt es mir unheimlich gut, dass die Ermittlungen von Kaspary und Wenninger nicht einfach zu durchschauen sind und sogar Fehler passieren, wie es wahrscheinlich der Realität entspricht. Denn rasch hat sich aus einem kleinen Fauxpas eine Lawine entwickelt, die die ganze bisherige Arbeit in Gefahr bringen kann.

Der Fall an sich war wieder einmal genial und sehr schön eingefädelt. Bis zum Ende hin war mir nicht klar, wer dahinter stecken könnte und mit dem Motiv wurde ich ordentlich überrascht, obwohl es eigentlich Hinweise gegeben hätte.

Poznanskis Schreibstil ist gewohnt souverän. Sie schreibt gekonnt spannend und flüssig, sodass dieser Krimi wunderbar zu lesen ist.

Wer bereits mit Kaspary und Wenninger ermittelt hat, wird auch ihren 3. Fall mit Spannung verfolgen, weil die Autorin erneut einen stimmungsvollen Krimi geschaffen hat. Ich habe dieses Buch wieder sehr gern gelesen und freue mich, wenn es mit den Ermittlungen der Abteilung Leib und Leben in Salzburg weitergeht.

 
 
Bisherige Fälle:
1) Fünf 
2) Blinde Vögel 
3) Stimmen
4) Schatten
Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Gnadenloser Abschluss

Das Labyrinth ist ohne Gnade - Rainer Wekwerth

Lohnt es sich gemeinsam zu kämpfen, wenn sowieso nur einer überleben kann?

Im Abschlussband der Labyrinth-Trilogie wird eine Gruppe von Jugendlichen durch weitere Mysterien gejagt und man merkt, dass das Labyrinth gar nicht gnädig ist.

Jeb, Jenna und Mary kommen im letzten Band von Rainer Wekwerths Labyrinth-Trilogie an und werden quer durch Gefahren gehetzt, ohne zu wissen, wann und ob es zu Ende ist.

Die Essenz der Handlung ist, dass die Jugendlichen keine Ahnung haben, warum sie sich an diesen seltsamen Orten befinden. Es scheint keine nachvollziehbaren Regeln zu geben, dabei werden sogar Naturgesetze außer Kraft gesetzt. Dieser Punkt hat einerseits meine Neugier entfacht, andrerseits hätte es mir wahrscheinlich noch besser gefallen, wenn ich gewusst hätte, was der Sinn des perfiden Spielchens ist.

So werden Jeb, Jenna und Mary durch die letzte Welt des Labyrinths gejagt. Diesmal hat mir das Setting den Boden unter den Füßen weggezogen, weil es auf mich den Eindruck absoluter Hoffnungslosigkeit machte und ich glaube, die Charaktere waren auch nicht besser als ich dran. Ständig habe ich gegrübelt, wie sie aus der Situation rauskommen wollen und natürlich habe ich mir - wie die Figuren - laufend Theorien zu den Hintergründen überlegt, weil mich die am stärksten beschäftigt haben:

„Was war die Wahrheit hinter alledem?“ (S. 169)

Das Labyrinth ist bedrohlich und lebensrettend zugleich. Es tötet seine Insassen, hilft ihnen aber auch aus brenzligen Situationen herauszukommen. In einem Moment wirkt es wie unsere Realität während es als nächstes in eine unmögliche Welt übergeht. Gleichzeitig fragt man sich, warum sich jemand so viel Mühe gibt, die Jugendlichen derart zu peinigen und was ausgerechnet diese Personen zu etwas ‚Besonderem‘ macht. Denn sie können sich kaum an ihr Leben oder ihre Herkunft erinnern und wurden aus ungeklärten Gründen für diesen Überlebenskampf ausgewählt.

Daher habe ich jede Seite mit Hochspannung gelesen. Ich wollte endlich wissen, was hinter dieser bösartigen Jagd steckt. Gemeinsam mit den Figuren wurde ich in unvorstellbare Situationen katapultiert, die es zu meistern gilt und den Charakteren immer mehr Kraft abverlangen. Zwar kann nur eine Person überleben, das weiß man von Vornherein, aber die muss doch letztendlich die Hintergründe erfahren, hoffte ich.

Und ich bin wirklich sehr froh, dass Rainer Wekwerth dieses stumme Versprechen gehalten hat. Bereits beim zweiten Band hatte ich befürchtet, dass er die Auflösung offen lässt. Umso mehr war ich erstaunt, als sich der Blick auf die Ursachen des Labyrinths gelüftet hat. Die Antwort auf all meine Fragen hatte ich vielleicht irgendwann mal grob erahnt, sie dann doch als unmöglich abgetan. Jedenfalls hat der Autor bis zum Schluss die Spannung gehalten und ich finde, dass der Abschluss exzellent gelungen ist. Zwar mag es einen Hauch übertrieben sein, dennoch macht es Sinn und ich bin als Leser sehr zufrieden damit.

Rainer Wekwerths „Das Labyrinth ist ohne Gnade“ schickt den Leser auf Irrwegen in die hintersten Winkel einer Todesfalle und lässt vor Spannung die Seiten fliegen. Mit einem gut gewählten Ende und einleuchtenden Hintergründen, hat der Autor seine Trilogie zu einem fabelhaften Abschluss gebracht, der meiner Meinung nach sogar besser als die ersten beiden Teile ist.

 

 

Die Labyrinth-Trilogie:
1) Das Labyrinth erwacht 
2) Das Labyrinth jagt dich
3) Das Labyrinth ist ohne Gnade
Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Von Sex, Ehrgeiz und der Wissenschaft

Die Terranauten: Roman - T.C. Boyle, Dirk van Gunsteren

Die Zukunft beginnt in den 90ern als sich acht Wissenschafter für die Dauer von zwei Jahren in die Glaskuppel „Ecosphere 2“ begeben. Als in sich geschlossenes Ökosystem darf in dieser Zeit nichts und niemand raus oder rein, weil das Experiment ansonsten als gescheitert gilt.

T.C. Boyle hat sich an einer wahren Grundlage bedient und versucht seiner Version der Ereignisse rund um das Experiment „Biosphere 2“ in den 1990ern in Arizona gemeinsam mit dem Leser auf den Grund zu gehen. Allerdings beschäftigt sich Boyle nicht ausschließlich mit dem offensichtlichen Nutzen oder Ablauf dieses Forschungsvorhabens sondern stellt die Beziehungsebene der Terranauten in den den Vordergrund.

Die Terranauten sind jene wagemutigen Wissenschafter die sich zwei Jahre lang für dieses Experiment zur Verfügung stellen. Sie sind es, die bereits jahrelang am Gelingen arbeiten, mit Fleiß und Ehrgeiz bei der Sache sind und vor Freude in die Höhe springen, weil sie es letztendlich in die Kuppel geschafft haben. Diese acht ambitionierten Personen, die sich aller Hürden zum Trotz - teilweise dank Ellbogenmentalität - von ihren Konkurrenten abgehoben haben, sind nun als Team für ihr eigenes Überleben verantwortlich. Denn „Ecosphere 2“ ist vollkommen abgeschlossen von der Außenwelt. Egal ob Nahrung oder Sauerstoff, sie dürfen sich nur auf die selbstproduzierten Ressourcen verlassen, weil das Experiment ansonsten misslungen ist.

Die Thematik um „Ecosphere 2“ ist an sich schon sehr interessant. Welche Erkenntnisse kann man durch dieses Forschungsvorhaben gewinnen? Wie reagiert die Öffentlichkeit darauf? Inwiefern kann es zukünftigen Entwicklungen dienen? Und wie wird es den Terranauten ergehen?

Besonders die letzte Frage steht ganz klar im Vordergrund. Ablauf, Umfeld und Rahmen der Handlung wird von „Ecosphere 2“ geboten. Hier geht der Autor auf Hintergrundfakten und möglichen Nutzen ein, beschäftigt sich jedoch in erster Linie mit der Beziehungsebene der Terranauten und wie sich diese unter dem Überlebensdruck und der Abgeschiedenheit zu verändern beginnt.

Diese Beziehungsebene wird durch drei Figuren betrachtet. Dawn ist für die Nutztiere innerhalb des Glaskastens verantwortlich und hat damit einen Teil der Nahrung des Teams zu verantworten. Ramsay als Kommunikationsoffizier treibt die Public Relations für die Außenwelt voran, und Linda musste draußen bleiben und schielt neidvoll auf die Glücklichen im Inneren. Durch Dawn und Ramsay erfährt man aus erster Hand, was unmittelbar in "Ecosphere 2" vor sich geht und wie sich die Terranauten schlagen. Dank Linda bleibt ein Bezug zur Außenwelt und man weiß dadurch, wie Mission Control zu den Ereignissen in „Ecosphere 2“ steht.

Keinesfalls darf man sich hier sympathische Charaktere erwarten, denn ich mochte keinen Einzigen davon. Sie sind allesamt fast vom Ehrgeiz zerfressen, nicht einmal den besten Freunden etwas vergönnt und freuen sich nur so lange für das Team, wie es ihnen selber nützt.

Die Handlung an sich hat sich zwischen den Figuren ereignet und damit war ich nicht ganz zufrieden. Teilweise habe ich mich wie in einer Teenie-Soap gefühlt, weil es oft nur darum ging, wer mit wem geschlafen hat. Außerdem ist das Thema Sexualität überproportional besetzt, was auf mich übertrieben, abgedroschen und langweilig wirkt.

Trotz dieser Kritik hat mich Boyle mit seinen Terranauten großteils an sich gefesselt. Meist ist es sehr faszinierend mit diesen drei Personen das Experiment anzugehen, dabei in ihre Seelen zu blicken und bei manchen Aktionen von Mission Control den Kopf zu schütteln.

Das Ende hat mir gut gefallen. Ich weiß nicht, ob man damit rechnen kann, aber hier hat sich allem Anschein zum Trotz eine interessante Entwicklung ergeben, wodurch der letzte Abschnitt sehr spannend war und ich doch noch zufrieden das Buch zugeklappt habe.

Der Schreibstil ist ruhig, Actionszenen darf man sich nicht erwarten, und trotzdem wurde ich meist von der Intensität der Figuren erfasst, die mich nicht losgelassen hat.

Alles in allem war es für mich eine interessante Leseerfahrung. Ein spannender Rahmen, zu viel Sex, dafür aber authentische Figuren, langweilige Passagen und fesselnde Entwicklungen, lassen mich mit gemischten Gefühlen zurück und ich weiß nicht so recht, wie ich es als Gesamtwerk einordnen soll.

Bei diesem Roman kommt es meiner Meinung nach auf die Erwartungshaltung an. Wer sich ein spannendes Abenteuer in den USA der 90er erhofft, wird nicht glücklich werden. Wer sich allerdings auf eine schonungslose Charakterstudie einlassen will und sexbesessenes Teenie-Gehabe ertragen kann, findet darin einen lesenswerten Roman, den ich mit seinen intensiven Figuren und dem futuristischen Rahmen empfehlen kann.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Aus dem Leben eines Bassisten

Der Feinripp-Macho - Hans Umschaden, Hans Umschaden, Hans Umschaden

Der Profi-Musiker UMBO alias Hans Umschaden, präsentiert sich in diesem Büchlein von seiner autobiographischen Seite und geht mit Schmäh und deutschem Akzent die Aufarbeitung seiner Karriere als Bassist, Songtexter und Entertainer an.

Der „Feinripp-Macho“ ist kein Hörbuch im klassischen Sinn, sondern eine Mischung aus Popmusik und Kabarett, die sich im Buchgewand präsentiert. Zum Hörbuch wurde die Printversion mitgeliefert, die alle Texte verschriftlicht enthält.

„Was Sie hier in Händen halten, ist das Resultat einer dramatischen Entwicklung. Es ist ein Einblick in die Lebensgeschichte eines Vertreters einer vom Aussterben bedrohten Spezies - dem Berufsmusiker!“ (S. 6)

Wer übrigens meint, von UMBO noch nie etwas gehört zu haben, den muss ich wahrscheinlich korrigieren, weil er u.a. für Christina Stürmer „Mitten unterm Jahr“ geschrieben hat.

Hans Umschaden erzählt in vielen kurzen Anekdoten, wie es ihm als professionellen Musiker ergangen ist. Es geht um seine Kindheit in Kärnten, seine Ausbildungswege und natürlich auch, wie er es durchgehalten hat, einen meist brotlosen Beruf nachzugehen.

Aber hier wird nicht einfach trocken aus einem Bassisten-Leben berichtet, sondern der Autor und Musiker strebt wohl gleichzeitig eine Karriere als Comedian an. Denn alle Anekdoten werden im amüsant-süffisantem Ton erzählt, sodass es auch ohne direkten Bezug zum Schmunzeln anregt.

Das Buch bzw. das Hörbuch ist in 41 Abschnitte unterteilt, die zwischen einer Minute bis hin zu guten 8 Minuten dauern.

Schon eingangs wird man darauf aufmerksam gemacht, dass ein Tonstudio keine Kläranlage sei (s. Band läuft), womit sich der Musiker wohl auszukennen scheint.

Man wird quer über die Alpen bis nach Deutschland gezerrt - woher wohl die zackig-korrekte Aussprache stammt - es wird über Political Correctness, dem gespannten Verhältnis von Frauen und Männern und viel über das Leben wie es früher war gesprochen. Gerade diese Rückblicke in die letzten Jahrzehnte haben mir recht gut gefallen, weil es der Jugend von heute zeigt, wie schwierig es war, sich in Zeiten von VHS (nein, damit ist nicht die Volkshochschule gemeint) einen Pornofilm anzusehen und welche Herausforderungen damit einst verbunden waren.

„Der alberne Hans“ hat mir ebenfalls gut gefallen. Hier geht UMBO alle Arten von Hänsen an, weil er - selbst auf den Namen getauft - aus Erfahrung sprechen kann. Ich frage mich allerdings, ob er bewusst Österreichs berühmtesten Hans (Falco) der Popkultur bei seiner Erörterung ausgelassen hat … 

Die Anekdoten eines Bassisten beschäftigen sich nunmal mit Musik, wobei der Profi manchmal etwas zu arg zum Vorschein kommt.  Denn ich habe keine Ahnung davon, wie und warum man einen Takt „loopt“ oder was ein Funkalbum ist. An solchen Stellen habe ich mich überrumpelt gefühlt und habe mich geistig vom Inhalt verabschiedet. 

Musik wird nicht nur thematisiert sondern immer wieder eingestreut. Kurze Musikpassagen wechseln sich mit den Texten ab, was nicht ganz meinem Geschmack entspricht. Ich bin ein textlastiger Mensch, der sich zwar gern etwas erzählen, aber nicht unbedingt etwas vorsingen lässt. 

„Der Feinripp-Macho“ ist dennoch ein originelles Werk, das ich mir zwischendurch sehr gern angehört habe. Ich habe noch nie über die Musiker hinter Songtexten, Popgrößen oder von Vorgruppen nachgedacht, und daher ist es ein informativer sowie unterhaltsamer Einblick ins Musikgeschehen.

Insgesamt ist „Der Feinripp-Macho“ ein ausgefallenes Hörerlebnis, das meiner Ansicht nach zwar schwierig einzuordnen dafür aber recht amüsant zu hören ist. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Montagsfrust und -lust

Montagsgedanken: 52 Impulse zum Wochenbeginn. Damit Montage zu Lieblingstagen werden. - Ellen Nieswiodek-Martin

Der Montag. Jeder kennt ihn und wir müssen alle durch. Der Schlendrian des Wochenendes verabschiedet sich und wir müssen uns erneut den Aufgaben der Woche stellen. Der eine beginnt die Woche als Morgenmuffel, ein andere springt energiegeladen den Herausforderungen entgegen, aber eines hat der Wochenstart für uns gemein: wir müssen alle durch.

Dieses Buch beschäftigt sich mit dem Montagsblues, diesem Gefühl, wenn man dem Wochenende nachtrauert und lustlos auf die nächsten Tage blickt. Dabei dienen den Autorinnen Bibelverse als Anhaltspunkt, mit denen sie alltägliche Geschichten und Gedanken verknüpfen.

Der Untertitel verspricht „52 Impulse zum Wochenbeginn. Damit Montage zu Lieblingstagen werden“ und dementsprechend sind darin 52 Texte vereint, die sich mit leidigen Alltagsthemen beschäftigen.

Die Autorinnen spiegeln dabei verschiedene Lebenssituationen wieder und jede bringt ihre eigene Perspektive auf den Alltag mit. Berufstätige Mütter, Witwen, Pensionistinnen, Bäuerinnen berichten genauso von ihrer Sicht auf den Wochenbeginn wie es u.a. auch Geistliche oder Marketingmitarbeiterinnen tun, die allesamt durch ihren Glauben verbunden sind.

Nein, man braucht nicht befürchten, dass hier der religiöse Zeigefinger geschwungen wird. Das Thema Alltagsfrust und -lust wird eher aus philosophischen Winkeln betrachtet, bei denen zitierten Bibelstellen als Ausgangslage dienen. Zwar kommt es auch vor, dass die Autorinnen von Gebetsstunden oder dem Gespräch mit Gott berichten, aber ohne hier selbstgerecht oder kleinkariert zu wirken. Dennoch muss man sich bewusst sein, dass es sich um Texte gläubiger Frauen handelt, wenn man dazu greift. 

Die Autorinnen besprechen viele Situationen, die, glaube ich, jeder von uns kennt. Das Wochenende, das viel zu kurz ist, weil wir uns mit Aufgaben überladen haben, den Bekannten, dem wir aus dem Weg gehen, weil uns ein kleiner Plausch ausgerechnet jetzt gar nicht in unseren Zeitplan passt, oder der Hang zum Perfektionismus, der manches Mal ins Wahnhafte abdriften kann.

Insgesamt ist die Kernaussage gleich: Wir machen uns das Leben oft selber schwer. Ja, wir stellen uns selbst ein Bein, anstatt froh über zwei gesunde Exemplare davon zu sein. Und das hat mir sehr gut gefallen.

Manche Texte waren mir trotz positiver Grundstimmung zu religiös, wenn es zum Beispiel darum geht, freudig auf die andere Seite zu Gott zu gehen oder seine Braut zu werden. 

Trotzdem lassen sich die kurzen Impulse sehr angenehm lesen. Anfangs wollte ich mich Stück für Stück mit dem Buch beschäftigen, konnte dann aber nicht die Finger davon lassen und habe gleich wieder zur nächsten kurzen Geschichte gegriffen. Mich haben die „Montagsgedanken“ zum Innehalten angeregt, ich habe nachgedacht, mich oft selbst erkannt, und sie haben mir gezeigt, dass man einfach mal abschalten soll und nicht ständig ein schlechtes Gewissen haben braucht, weil die To-do-Liste noch nicht abgearbeitet ist. Denn warum fürchtet man den Montag? Meistens wohl, weil man sich am Wochenende zu sehr ausgepowert und sich selbst kaum Zeit gelassen hat.

„Montagsgedanken“ ist ein sehr freundliches Buch, das einen vor Augen führt, dass man gut auf sich achten, sich Zeit lassen und vertrauen soll. Der Montag kommt sowieso, egal ob man sich ihm frustriert entgegenstellt oder ihn voller Lebenslust anlächelt. Und dieses Büchlein erinnert einen daran, dass ein Lächeln immer die bessere Wahl ist.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Ein Krimiklassiker schlechthin

Der Tod auf dem Nil - Agatha Christie, Pieke Biermann

Für Detektiv Hercule Poirot sind Ferien am Nil angesagt, doch zu erholsamen Stunden kommt es nicht. Denn auch die allseits begehrte Millionärin Linnet Ridgeway hat sich den Ausgang ihrer Flitterwochen sicher nicht mit dem eigenen Tod vorgestellt.

Es handelt sich hierbei um einen der bekanntesten Krimis der Literatur und um einen Klassiker im Genre, der auch 70 Jahre später noch unterhaltsam, rätselhaft und spannend zu lesen ist.

Es dauert etwas, bis man endlich in Ägypten ist. Die Autorin lässt sich Zeit ihre Figuren einzuführen und geht schon lange vor der Reise die Passagierliste der Kreuzfahrt durch. Zuerst habe ich mich von den vielen Personen regelrecht erschlagen gefühlt. Allerdings sind diese Charaktere mit ihren offensichtlichen Eigenheiten so schillernd beschrieben, dass mich Agatha Christie trotzdem rasch für sich eingenommen hat.

Mit Detektiv Poirot tritt man endlich eine Reise durch die ägyptische Nillandschaft an. Hier hat die Autorin die Landschaft und das Erlebnis Ägypten wunderbar eingefangen. Als Leser fühlt man sich als ob man mit den Ladys und Gentleman die Stadt Assuan, Abu Simbel oder andere ehrfuchtgebietende Tempel dieser vergangenen Welt im Wüstensand besucht. Dabei vergisst man ganz, dass es bald einen Kriminalfall zu lösen gibt.

Denn es dauert sehr lang, bis man endlich zum Kern der Handlung vorgedrungen ist. Erst bei ungefähr der Hälfte des Romans wird ein tödlicher Schuss gelöst, der Poirot raus aus dem Erholungsmodus und zurück in den Arbeitsalltag reißt.

Hercule Poirot ist ein Star-Ermittler seiner Zeit. Berechtigterweise etwas eingebildet, doch mit einem guten Herz, versucht er mit seinem stechend scharfem Verstand kriminalistische Rätsel zu enthüllen und geht dabei sehr methodisch vor. So natürlich auch bei dieser Nil-Kreuzfahrt, wo er sich von den Mitreisenden nicht beirren lässt:

„Sehen Sie mal, um jemanden wie Linnet Doyle herum gibt es so viele widerstreitende Gefühle, Hass und Eifersucht und Neid und Gemeinheit. Das ist wie eine Wolke aus lauter Fliegen, die summen und summen …“ 
(S. 243)

Der Clou sind die vielen Figuren, weil fast jede verdächtig ist. Hat man erst einmal einen Tatverdächtigen ausgeschlossen, kommt ein neues Motiv daher, wird ein möglicher Hergang für unmöglich abgetan, ergibt sich ein Hinweis, der den Ablauf in neuem Licht betrachten lässt, und glaubt man, den Fall durchschaut zu haben, haut einem Poirot sanft auf die Finger und schüttelt den Kopf dabei, weil es einfach zu offensichtlich ist.

Der Rätselspaß steht ganz klar im Vordergrund. Es ist ein Vergnügen mit Poirot auf Verbrecherjagd zu gehen, dabei die lebendigen Figuren und schillernden Persönlichkeiten zu beobachten und sich von Agatha Christies Personenvielfalt um den Finger wickeln zu lassen.

Obwohl „Der Tod auf dem Nil“ als Klassiker schlechthin eigentlich Staub angesetzt haben sollte, handelt es sich um einen erstaunlichen Krimi mit besonderem Unterhaltungspotential, der mir außerordentlich viel Vergnügen bereitet hat.

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Von der Wahrheit

DIE WAHRHEIT: Thriller - Nina Kunzendorf, Melanie Raabe, Florian Lukas

Sieben Jahre ist es her, dass Sarahs Mann in Südamerika verschwunden ist. Sieben Jahre lang hat sie gehofft, gebangt und mit dem gemeinsamen Sohn dahingelebt. Nach sieben Jahren ist es an der Zeit loszulassen, doch genau jetzt taucht Philipp wieder auf. Aber was, wenn der angebliche Ehemann ein Fremder ist?

Von einem Moment auf den anderen war Sarahs Mann in Südamerika verschwunden. Der wohlhabende Geschäftsmann ist auf dem Weg zu einem Kundengespräch gewesen und wurde seither nicht mehr gesehen. Es gab keine Lösegeldforderung und es wurde auch keine Leiche entdeckt. Nach jahrelanger Ungewissheit wird Philipp in einem Lager voller Entführungsopfer aufgefunden, doch was, wenn dieser Mann nicht Philipp ist?

So ergeht es Sarah als sie sich auf Philipp am Flughafen freut. Journalisten drängen zuhauf, die zuständigen Behörden sind vor Ort, ihr kleiner Sohn schmiegt sich verunsichert an sie und plötzlich steht sie vor diesem Mann, der nicht Philipp ist.

Äußerlich wahrt sie den Schein, weil sie nicht alles verlieren will. Denn es gibt nicht nur ihren Mann, sondern auch ihr Kind und ein Leben, das nach Außen perfekt zu sein scheint.

Mit dieser Vorstellung hat Melanie Raabe mal wieder einen Nerv getroffen. Jahrelang sieht man seinen Mann nicht und hat keine Ahnung, was damals geschehen ist. Wurde er in Südamerika verschleppt, ist er bei einem Unfall gestorben, oder hat er sich einfach abgesetzt? So viele Fragen gehen einen durch den Kopf und plötzlich ist da dieser Mann, der behauptet, Philipp zu sein.

Zu Beginn lernt man aber erst einmal Sarah kennen. In groben Zügen bekommt man ein Bild von ihr, wie sie versucht ein neues Leben zu beginnen, wie sie nach all der Zeit von Philipp Abschied nimmt und endlich wagt, nach vorne zu sehen. Dann geht es Schlag auf Schlag. Ungläubig und dennoch voller Freude erfährt sie, dass ihr Mann auf den Weg zurück nach Deutschland ist. Etwas nervös, kann sie es kaum erwarten, ihn daheim zu begrüßen. Bis sich am Flughafen herausstellt, dass dieser Mann nicht Philipp ist.

Hier hat mich lange Zeit gestört, dass dieser Mann Philipp angeblich zum Verwechseln ähnlich sieht, und deshalb nicht entlarvt werden kann. Auf alle Fragen hat er eine Antwort. Jahreszahlen hat er scheinbar auswendig gelernt. Es sind nur Kleinigkeiten, die Sarah sofort ins Auge springen. Das war für mich lange Zeit nicht recht nachvollziehbar, dass niemand außer Sarah ihren Mann kennt. Man hat doch gemeinsame Bekannte, Freunde oder wie in Philipps Fall sogar Angestellte. Da müsste es doch etliche Möglichkeiten geben, um der Wahrheit auf den Grund zu gehen.

Allerdings droht ihr dieser Mann, dass er ihr angenehmes Leben aus den Angeln heben wird, wenn sie nicht die Vorstellung des zurückgekehrten Ehemanns nach Außen gibt.

Es handelt sich dabei um einen ruhigen Thriller, der mit Kontrollverlust und Verwirrungstaktik spielt. Sarah muss sich mehr oder weniger auf den Fremden einlassen, obwohl sich ihr ganzes Wesen dagegen sträubt. Allerdings hat sie ein Geheimnis, das eventuell dahinter steckt. Somit gibt es den Thrill auf mehreren Ebenen. Einerseits die bekannte Situation mit dem Fremden, Rückblenden auf Sarahs Vergangenheit mit ihrem Ehemann, und ein furchtbare Tat, die ihr auf’s Gewissen drückt. 

Mittendrin fand ich die Handlung ziemlich konstruiert und hatte schon mit einem allzu unglaubwürdigem Ausgang gerechnet. Doch dann hat Melanie Raabe ein großartiges Ende herbeigeführt, mit dem ich so nicht gerechnet hatte, und dass dem Thriller einen nachvollziehbaren Abschluss gibt. 

Insgesamt habe ich mich von Melanie Raabes „Die Wahrheit“ gut unterhalten gefühlt. Zwar hat sie mich oft an der Handlung zweifeln lassen, aber mit dem Schluss noch richtig schön die Kurve gekriegt. Wer sich also fragt, was denn nun wirklich die Wahrheit ist, sollte nicht zögern, sondern zu diesem Buch greifen. 

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Wenig Dystopie, viel Gefühl

Artikel 5 (Artikel 5, #1) - Kristen Simmons, Frauke Meier

In den USA der Zukunft wird Moral groß geschrieben. Ein totalitäres System wird durch die Moralmiliz gnadenlos durchgesetzt. Die amerikanische Kirche ist Gesetz, die unter anderem auf die althergebrachten Geschlechterrollen pocht und ihren moralischen Kodex so weit treibt, dass uneheliche Kinder keine Staatsbürger sind. Genau dieser Artikel trifft auf Ember zu, weil ihre Mutter nie mit ihrem Vater verheiratet war. Nun droht ihrer Mutter Bestrafung und Ember selbst wird in eine Besserungsanstalt gesteckt. Wird sie sich diesem System unterordnen?

Kristen Simmons hat für ihre Dystopie einen interessanten Ansatz gewählt. Das Amerika der Zukunft tritt noch moralischer auf als es ohnehin schon ist. Jugendliche dürfen sich nicht berühren, wer bei Verstoßen erwischt wird verschwindet von der Bildfläche und die Gesetze greifen sogar bis in die Vergangenheit zurück. Denn Artikel 5 besagt, dass nur Kinder verheirateter Paare vollwertige Staatsbürger sind, und deshalb muss Ember auf einmal in eine Besserungsanstalt.

Die Realität in dieser Dystopie sieht allerdings anders aus. Und hier habe ich mir etwas schwer getan, weil die Autorin so inkonsequent in der Umsetzung war. Ember landet in der Besserungsanstalt, wo sie eigentlich zu einer moralisch einwandfreien Bürgerin werden soll. Aber ihr Umfeld hält sich nicht an die eigenen Regeln. Dies ist quer durch die ganze Handlung der Fall. Daher frage ich mich, warum all diese Menschen, die gegen die Gesetze verstoßen, der Moralmiliz locker entkommen, während genau das Ember und ihrer Mutter zum Verhängnis wird. Geht es nur darum nach Außen den Schein zu wahren? Oder haben Ember und ihre Mutter einfach Pech gehabt?

Außerdem nimmt die Beziehungsebene sehr großen Raum in der Handlung ein. Im Klappentext wird Embers große Liebe Chase bereits erwähnt und mit ihm gemeinsam ist sie in der Bredouille gelandet. Meistens geht es darum, Chases Verhalten Ember gegenüber zu deuten, die ihn als undurchschaubar empfindet. Allerdings war mir sofort klar, was sich hinter seinem Gebaren verbirgt. Hier muss man Ember zu Gute halten, dass sie eben ein 17jähriges Mädchen ist, das noch kaum Lebenserfahrung hat, und es ihr vielleicht deshalb so schwer fällt, ihr Gegenüber einzuschätzen.

Mir persönlich war diese Beziehungsebene einfach zu viel und ist zu sehr im Vordergrund geblieben. Meiner Meinung nach hat der dystopische Charakter nur den Rahmen für eine Liebesgeschichte im Teenie-Stil geboten und die Haupthandlung hat sich zwischen den Figuren Ember und Chase abgespielt.

Das letzte Drittel war aber dennoch spannend, weil diese Welt ein bisschen genauer betrachtet wurde und Ember einen Teil ihrer Naivität aufgegeben hat. Es haben sich interessante Einblicke ergeben und man konnte endlich etwas hinter die Kulissen dieser Dystopie schauen.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr gut. Es liest sich locker und ist aus Embers Perspektive geschrieben, sodass man immer an ihrer Gedankenwelt - die sich viel zu sehr mit Chase beschäftigt - teilhaben kann.

Insgesamt hatte ich mir mehr Dystopie und weniger Gefühl erwartet und finde es schade, dass die Autorin ihr System nicht gnadenlos umgesetzt hat. Dennoch hat sie einige spannende Momente und faszinierende Ideen zu bieten, die mir gefallen haben. Ich denke, dieses Buch richtet sich in erster Linie an junge Leser, die eine Liebesgeschichte in spannendem Umfeld mögen, und sich mit überzogenen Moralvorstellungen auseinandersetzen möchten.

 
 
Die Reihe:
1) Artikel 5
2) Das Gesetz der Rache
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Hass

Purer Hass: Thriller - Wrath James White

Hass ist ein starkes Motiv. Purer Hass ist tödlich. In den 90er-Jahren hat der ‚Pine Street Slasher‘ Homosexuelle gekillt, später hat sich der ‚Chaperon‘ auf Paare spezialisiert und mittlerweile ist der ‚Family Man‘ dran. Die Ermittler James Bryant und Titus Baltimore sind diesem grausamen Killer auf der Spur. Denn auch, wenn die Tötungsart so unterschiedlich ist, ist ihnen klar, dass nur eine Person für die Morde verantwortlich sein kann. Sie wissen wer er ist und warum er derart um sich schlägt. Nur wie sie ihn aufhalten können, das wissen sie nicht …

Wrath James White hat einen außergewöhnlichen Horror-Thriller geschrieben. Splatter, sexuelle Abartigkeit und einen unbeschreiblich bösen Charakter hat er gekonnt zu einem Thriller mit kriminalistischen Zügen vereint.

Von Vornherein weiß man, wer der Täter ist und nimmt ständig unterschiedliche Perspektiven ein. Man begleitet Malcolm und wird dabei in seine wahnhafte Welt versetzt. Hier wird man mit seiner Motivation und seinem soziopathischen Wesen konfrontiert, kann manche Beweggründe sogar nachvollziehen während einem andere sprachlos den Kopf schütteln lassen.

„Manche Menschen mochten böse geboren werden, aber die meisten wurden dazu gemacht.“ (S. 162)  

Die Ermittlerebene wird durch James und Titus präsentiert. James entspricht zum Teil dem typischen Cop, der die obligatorische Ehe in den Sand gesetzt hat, und als sturer Bock gegen die Weisungen der Vorgesetzten aufbegehrt. Sein Begehren ist besonders im Privatleben zentral, weil er nach Feierabend seine Sexsucht auszuleben gedenkt. 

Im Gegensatz dazu ist Titus der Jungspund im Team. Obwohl er noch grün hinter den Ohren ist, verfolgt er nicht nur den Täter, sondern auch ehrgeizig seinen Karriereplan. Als hochintelligentes Muttersöhnchen aus reichem Haus zieht er damit eine Heerschar von Neidern an, denen er selbstbewusst die kalte Schulter zeigt.

Meiner Meinung nach haben diese Perspektivenwechsel dem Thriller eine besondere Note verliehen, weil man nicht nur die Figuren kennt, sondern sogar erfährt, was wer über andere denkt. Dadurch hat der Autor seinen Charakteren richtige Tiefe gegeben, was ich bei einem Roman solcher Art nicht in dieser Dichte erwartet hätte. 

Die Splatterelemente sind im Großen und Ganzen auszuhalten, obwohl allein das Cover so grausig ist. Es werden furchtbare Szenen beschrieben, die in ihrer Brutalität allerdings sehr unrealistisch sind und denen daher die wahrhafte Grausamkeit abhanden kommt.

Sexuelle Abartigkeit kommt ebenfalls zum Tragen. Auch hier liegt es wohl am Leser, wie sehr man sich darauf einlassen kann. Manche Szenen waren meinem Geschmack nach einfach übertrieben, haben aber durchaus im Gesamtpaket ihre Berechtigung.

Die Handlung ist im Grunde ein Katz-und-Maus-Spiel der brutalen Art. Denn purer Hass als Motivation geht mit absoluter Unberechenbarkeit einher. Auf diese Weise hat der Autor für etliche Überraschungen gesorgt.

Meiner Ansicht nach ist „Purer Hass“ von Wrath James White ein guter Thriller, der in die Tiefe geht, mit Sex und viel Gewalt ins Splattereck gehört und für Genre-Interessierte auf jeden Fall empfehlenswert ist. 

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Fesselnder Thriller für die Ohren

Im dunklen, dunklen Wald - Der Audio Verlag, Helen Ruth Elizabeth Ware, Julia Nachtmann

Ein idyllisches Wochenende in einem Haus im Wald? Das könnte es sein, wenn nicht der Junggesellinnen-Abschied von Clare gefeiert werden soll. Nora hat ihre ehemals beste Freundin schon über 10 Jahre lang nicht mehr gesehen. Trotzdem gibt sie sich einen Ruck und nimmt die Einladung zur Feier an. Aber es läuft einiges verkehrt. Richtig verkehrt.

„Im dunklen, dunklen Wald“ ist einer dieser Thriller, die für kurzweiliges Hörvergnügen sorgen, und der mich von Anfang bis Ende sehr gut unterhalten hat.

Nora ist die Hauptperson des Geschehens, obwohl natürlich die zukünftige Braut - Clare - im Mittelpunkt steht. Nora hat vor Jahren mit alten Freunden und Bekannten gebrochen, weil damals etwas vorgefallen ist, was sie bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht verkraftet hat. Daher zögert sie lange, ob sie die Einladung zu Clares Junggesellinnen-Abschied überhaupt annehmen soll. Aber manchmal muss man eben über seinen Schatten springen, und so findet sie sich in illustrer Runde in einem Haus im dunklen, dunklen Wald wieder.

Diese Runde besteht aus Clares Freunden, die Nora nur teilweise kennt. Mit Nina ist sie zur Schule gegangen. Aber es gibt noch die durchgeknallte Flo - ja, sie ist wirklich durchgeknallt - , Melanie, ein eher blasser Charakter, der kaum im Gedächtnis bleibt, und Tom, der schwule Hahn im Korb. Obwohl alle Gäste ziemlich unterschiedlich sind, gibt man sich Clare zuliebe der guten Laune hin, bis etwas Grauenvolles passiert.

Gut die Hälfte des Thrillers verbringt man mit Clares Junggesellinnen-Abschied. Dabei weiß man, dass etwas geschehen wird, und auch, dass etwas geschehen ist. Ein Zustand, der dem Thriller die nötige Spannung gibt. Denn welcher Vorfall Nora einst zum Rückzug von ihrem Freundeskreis zwang, bleibt lange ungewiss.

Die Autorin lässt den Leser lang im Dunklen tappen, wirft ihm immer wieder kleine Häppchen hin und heizt damit die Spannung an. Meiner Meinung nach kommt die Atmosphäre sehr gut rüber. Man fühlt, wie sich alle bemühen, um es Flo - der Organisatorin - Recht zu machen, teilweise wird man von der Feierlaune angesteckt, nur um dann mit der sarkastischen Nina genervt die Augen zu verdrehen.

Leider hatte ich den Plot in seinen groben Zügen schnell durchschaut. Gestört hat mich das nicht unbedingt, aber es wäre schön gewesen, wenn es noch Überraschungen gegeben hätte. Zwar hat die Autorin einige Zweifel gestreut, aber es war tatsächlich so, wie ich es erwartet hatte.

Sprecherin Julia Nachtmann hat lebendig gelesen und dabei sehr natürlich gewirkt. Sie hat mir das Gefühl vermittelt, als ob mir Nora persönlich von diesem Wochenende berichtet. Es war als ob man im Kaffeehaus sitzt und einer Freundin oder Bekannten lauscht, die - noch immer unter Schock -  von diesen furchtbaren Ereignissen erzählt.

Alles in allem hat mir Noras Wochenende im dunklen, dunklen Wald sehr großen Spaß gemacht. Es ist ein fesselnder Thriller für die Ohren, der kurzweilig zu hören und spannend zu verfolgen ist. 

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Still.

Still: Ungekürzte Lesung mit Christoph Maria Herbst (6 CDs) - Zoran Drvenkar

Wenn sich die Landschaft unter die winterliche Schneedecke legt, dann wird in Brandenburgs Wäldern das Böse wach. Immer im Winter verschwinden Kinder, meist sogar aus den Elternhäusern und nur ein einziges Mädchen ist jemals zurückgekehrt. Daraufhin beschließt ein verzweifelter Vater, der Spur seines Kindes selbst nachzugehen.

Zoran Drvenkar hat mit „Still“ einen bemerkenswerten Thriller geschaffen, der andere Roman des Genres deutlich in den Schatten stellt. Vordergründig stehen die Stille und die Kälte des Winters, wie sie mit den Machenschaften der Täter und der Haltung der Opfer gleichgesetzt werden.

„Still“ steht aber auch für den Erzählstil, der sehr ruhig gehalten ist. In richtig beherrschtem Ton wird von abscheulichen Verbrechen, gnadenlosen Jagden und der Motivation der Täter berichtet, sodass ich beim Hören einen Kloß im Hals gespürt habe. Christoph Maria Herbst spricht in eiskaltem Stil, der mir unter die Haut gegangen ist.

Zudem ist „Still“ ein außergewöhnlicher Thriller, der durch seinen ungewöhnlichen Aufbau besticht. Der Roman ist in die Perspektiven „Du“, „Sie“ und „Ich“ unterteilt, die jede für sich die Spannung auf’s Äußerste reizt.

„Du“ ist das Mädchen Lucia, das einzige Opfer, das bisher zurückgekehrt ist. „Sie“ sind die Täter, denen dieses Mädchen entkommen ist, und „Ich“ ist der Vater, der ab sofort ein Jäger ist.

Anfangs habe ich vor Unglauben den Kopf geschüttelt. Da ich mich im Vorhinein kaum über den Inhalt informiert hatte, bin ich mit meinem ersten Eindruck absolut daneben gelegen. Stilistisch geschickt, hat mich Zoran Drvenkar lange Zeit in die falsche Richtung gelenkt, was mir sehr gut gefallen hat.

Jede Minute habe ich unter Hochspannung gehört und der Autor hat mir Hintergründe präsentiert, die ich auf diese Weise niemals vermutet hätte. Wie bereits gesagt, bin ich zu Beginn fälschlicherweise dem äußeren Schein gefolgt, womit ich gleich zweimal in die Irre geführt wurde. Zwar gibt der Autor häppchenweise Informationen preis, die man nicht so ganz ins Bild einfügen kann, allerdings habe ich mich trotzdem relativ lang nicht von meinen Vermutungen abbringen lassen.

Das Ende ist der einzige Punkt, der mich nörgeln lässt. Den Schluss an sich habe ich als grandios empfunden, jedoch ist er gar so abrupt gekommen, dass ich richtig verwundert war. Bei der Hörbuchversion war mir nicht einmal klar, dass ich mich bereits im Showdown befinde. Das kann einerseits daran liegen, weil der gesamte Thriller dermaßen spannend ist, oder auch, weil die Kurve zum Ende hin nicht ganz so gut gelungen ist. 

Ich habe „Still“ dennoch als bemerkenswerten Thriller wahrgenommen, der mit der dunklen Seite der Gesellschaft abrechnet, Protagonisten sowie Leser der Stille und Kälte des Winters ausliefert und zu guter Letzt eine dämpfende Schneedecke über abscheuliche Taten legt, wie es wahrscheinlich auch in der Realität geschieht.

Insgesamt ist „Still“ ein Thriller, den man als Genrefreund unbedingt lesen oder hören sollte, weil er viele andere seiner Art im Schnee stehen lässt und bestimmt lange in Erinnerung bleibt.

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Exit

Exit (Silo 3) - HörbucHHamburg HHV GmbH, Peter Bieringer, Hugh Howey

Die Menschheit hat sich in Silos unter die Erdoberfläche zurückgezogen. Hier lebt sie bereits seit Jahrhunderten und niemand weiß, wie es dazu gekommen ist. Außer der Leser und die Bewohner von Silo 1, die darauf achten, dass niemand sonst vom höheren Plan der Silos erfährt.

Es handelt sich um den 3. Band der Silo-Trilogie, die mit „Exit“ ihren Abschluss findet.

Juliette Nichols ist zur Bürgermeisterin von Silo 18 geworden und sie denkt nicht daran, sich an die Regeln zu halten. Bisher hat ihr Widerstand nur zum Guten geführt. Im letzten Band „Level“ hat sie sich der Säuberung widersetzt und dadurch die Nachbarn in Silo 17 kennengelernt, und nebenbei die Machenschaften in Silo 1 entdeckt. Aber hat sie sich jemals um den Preis dafür Gedanken gemacht? Das fragen sich nicht nur die Autoritäten von Silo 18, sondern sogar die eigenen Leute zweifeln an ihr.

Während mir die ersten beiden Bände sehr gut gefallen haben, konnte mich das Finale leider nicht mehr überzeugen. 

Die Handlung plätschert vor sich hin. Die Bewohner aus Silo 17 müssen - wie es Juliette in „Level“ versprochen hat - gerettet werden, dabei bringt sie das eigene Silo in Gefahr. Natürlich bekommen die Machthaber in Silo 1 Wind davon und behalten Silo 18 mit Argusaugen im Blick. 

Der Großteil der Handlung konzentriert sich auf die Rettungsaktion von Silo 17 und dem Widerstand von Juliettes Leuten in den eigenen Reihen. Das ist zwar spannend zu hören, ging aber an meinen Erwartungen nach den ersten beiden Bänden großteils vorbei. Denn der übergreifende Handlungsrahmen von mehr als 50 Silos wird außen vor gelassen. Zwar schwenkt man immer wieder zu Silo 1, wo Donald und Charlotte einen positiven Ausgang anstreben, allerdings haben auch sie dabei nur den eigenen Silo 1 und Silo 18 in Sinn. 

Was als atemberaubende Dystopie begann, hat im Abschlussband eindeutig die Würze verloren. „Silo“ und „Level“ haben durch das großartige Setting, die geniale Idee und den nüchternen Stil bestochen. Mittlerweile ist das Setting verbraucht und Hugh Howey hat konnte das Mysterium der Silos nicht mehr aufrecht erhalten. Der Handlungsrahmen hat seinen Reiz verloren, weil sämtliche Geheimnisse bereits aufgedeckt sind. Außerdem hat sich der Autor meiner Meinung nach zu ausführlich und lang den Details in besagten 3 Silos gewidmet, anstatt das Gesamtbild zu betrachten.

Trotz dieser Kritik fand ich den Abschluss gut zu hören, weil letzten Endes die Geschichten der Figuren so weit zu Ende gesponnen wurden, dass man von ihnen gut Abschied nehmen kann.

Das Ende an sich war auch nicht gerade überragend. Ich fand es ok, wie die Geschichte ihren Schluss findet, dennoch kommt es an den episch angelegten Stil des Trilogie-Auftakts nicht ran, und hat bei mir einen faden Nachgeschmack hinterlassen.

Sprecher Peter Bieringer hat gute Arbeit geleistet und dem zurückhaltenden Erzählstil meinem Empfinden nach Leben eingehaucht.

Nichtsdestotrotz habe ich „Exit“ gern gehört und ich bin trotz meiner Kritikpunkte froh, dass ich nun weiß, was aus den Bewohnern aus Silo 17, 18 und 1 geworden ist.

 

 

Die Silo-Trilogie:
1) Silo [Rezension lesen]
2) Level [Rezension lesen]
3) Exit

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at