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Melodischer Regional-Krimi

Tödliche Fälschung: Kriminalroman (HAYMON TASCHENBUCH) - Thomas Baum

Für Kommissar Robert Worschädl sollte es ein schöner Abend im Linzer Konzerthaus werden. Doch genau da wird ein Musiker hinter der Bühne erdrosselt aufgefunden. So wird aus dem erhofftem Amusement bitterer Ernst und aus dem Feierabend ein neuer Fall für den Linzer Ermittler.

"Tödliche Fälschung" ist ein Regionalkrimi, der in erster Linie in der oberösterreichischen Stadt Linz angesiedelt ist, und einen Blick über die Grenze nach Italien wirft.

Führend ist die Kriminalhandlung um den Mord im Linzer Konzerthaus. Der ermordete Virtuose sorgt für Furore, weil sich zunächst niemand ein Motiv erklären kann. Allerdings wird auf den zweiten Blick klar, dass es ein breites Spektrum an Beweggründen gibt, die zum Mord führen konnten. War es der musikalische Gegenspieler? Steckt die ehemals drogensüchtige Organisatorin dahinter? Oder handelt es sich um ein privates Motiv?

Protagonist Robert Worschädl ist ein Ermittler, der mir vom ersten Moment an gefallen hat. Selten begegnet man einen derart normalen Menschen, der durch die Handlung eines Kriminalfalls führt. Worschädl hat zwar  - wie viele andere Krimi-Kommissare - ein Problem mit der Obrigkeit, aber insgesamt macht er einen sehr glaubhaften und angenehmen Eindruck. Robert Worschädl ist ein Mann der Tat, der nicht immer richtig liegt, an etlichen Entscheidungen zu beißen hat, und sich in besonders süffisante Wortgeplänkel mit seiner Angetrauten Karin begibt.

Obwohl Karin nur eine Nebenfigur ist, hat ihre Gegenwart für erheiternde Momente gesorgt. Sie ist Psychologin durch und durch, liefert zu jedem menschlichen Verhalten eine treffende Analyse und setzt dabei Charme, Schmäh und Augenzwinkern ein.

Die Krimihandlung ist geschickt erzählt. Durch unterschiedliche Perspektiven hat man beim Lesen einen guten Überblick, wobei die Zusammenhänge ausgespart sind und man gut rätseln kann. Obwohl ich mich damit wohl gefühlt hatte, muss ich hier mit meiner Kritik ansetzen. Mir wäre es lieber gewesen, ein bisschen weniger Blickwinkel einzunehmen. Zum Beispiel wird ein blindes Mädchen in Italien entführt und man ist bei diesem Erzählstrang in der Entführungssituation dabei. Zwar ist es interessant und spannend zu lesen, ich persönlich wäre aber lieber länger bei Kommissar Worschädl in Linz geblieben.

Trotzdem sorgt das Ende für einen Überraschungseffekt, was ich dem Autor hoch anrechne. Es gehört schon einiges an Finesse dazu, einerseits den Leser durch umfassende Blickwinkel zu führen und ihm andrerseits genauso viel vorzuenthalten, dass es spannend und er bei der Stange bleibt.

Denn Autor Thomas Baum bedient sich kurzer Kapitel, deren Spannung schnell überschwappt. Damit war ich sofort in der Handlung drin und musste mich immer wieder losreissen, weil die einzelnen Sequenzen sehr fesselnd geschrieben sind.

Erwähnen muss ich unbedingt noch den feinen Humor, der wie ein Schelm aus jeder Seite lacht, die detaillierten Schilderungen, wie es überhaupt erst zu dem einen oder anderen Zufall gekommen ist, und die musikalische Untermalung, weil nicht nur der Schauplatz des Linzer Konzerthauses sondern auch die Handlung an sich sehr melodisch geschrieben ist.

Alles in allem ist „Tödliche Fälschung“ ein harmonischer Regional-Krimi, der sich dank des feinen Humors und exzellenten Erzählstils ausgezeichnet lesen und an Krimi-Freunde unbedingt weiterempfehlen lässt. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Zwischen Himmel und Hölle

Höllenflüstern  - Jana Oliver, Maria Poets

Die siebzehnjährige Dämonenfängerin Riley Blackthorne hat es nicht leicht. Ihr Vater wurde getötet und ist als Reanimierter auferstanden. Der Dorftrottel Beck hat sie an die Jäger des Vatikans verraten. Dem Teufel schuldet sie einen Gefallen, während der Himmel ihr die Rettung der Welt aufgetragen hat. Dabei hatte sie sich doch nur verliebt und wollte weiterhin Dämonen fangen. Während Rileys Leben im Sumpf versinkt, kündigt sich nebenher die Apokalypse an. 

"Höllenflüstern" ist der dritte Teil der Reihe um Riley Blackthorne, der Dämonenfängerin. Grundsätzlich zeichnet sich die Reihe durch die fantasievolle Welt aus Dämonen und Engeln aus, die mitten in unserer Gegenwart entstanden ist.

Denn in Riley Blackthornes Version von Atlanta haben sich die Tore der Hölle aufgetan. Dämonen schwirren wie Ungeziefer herum und sie gehört sozusagen den Kammerjägern an. Als Dämonenfängerin hat sie gut zutun. Noch dazu, weil sie als erste Frau eine Meisterin der Zunft werden will. 

Nicht nur die Hölle sondern auch der Himmel kommt zum Zug und mischt sich in die Belange der Dämonenfängerzunft ein. Riley wird vom Himmel aufgetragen die Welt zu retten, weil sie mit einem gefallenen Engel geschlafen hat. Gleichzeitig erhebt Gegenspieler Luzifer Anspruch auf sie, zumal eben eine Hand die andre wäscht. 

An dieser Reihe mag ich die ausgearbeitete Welt aus Himmel und Hölle und wie sie zum festen Bestandteil unserer Realität wird. Im Grunde funktioniert das Leben ganz normal, bis auf die Dämonen und die Magie, die aus allen Ecken und Winkeln kriechen. 

Mittendrin ist Dämonenfängerin Riley, die es so richtig schwer im Leben hat. Ihre Mutter ist tot, ihr Vater ist kürzlich gestorben, als einziges Mädchen geht sie eine Lehre als Dämonenfängerin an und nun haben es auch noch Luzifer und der Vatikan gleichzeitig auf sie abgesehen. Dabei ist Riley ganz normal, beschäftigt sich mit ihrem verkappten Leben und versucht das Beste daraus zu machen. 

Verdeutlicht wird das durch viele Szenen, die mich immer wieder zum Schmunzeln bringen. Zum Beispiel als Riley vor der großen Schlacht ihre Schmutzwäsche wäscht, weil sie im Ernstfall keine Unannehmlichkeiten hinterlassen will.

In diesem Teil liegt es an Riley die Apokalypse abzuwenden, weil ihr der Himmel diesen Auftrag gegeben hat. Für sie ist es schwierig, den richtigen Weg zu sehen, weil Gut und Böse gerne Prüfungen auferlegen, die der menschliche Geist nicht gleich durchschaut. Wie kann es sein, dass sie Luzifer beansprucht hat, aber er ihre Seele nicht will? Warum hat jemand ihren toten Vater reanimiert und wie kommt es, dass der Dorftrottel Beck so gemein zu ihr ist?

Leider spielt mir diesmal viel zu sehr die Liebe rein, was besonders im Verlauf der ersten Hälfte mühsam war. Riley ist enttäuscht, weil sie Ori - den gefallenen Erzengel - falsch eingeschätzt hat. Beck ist aufgrund jüngster Ereignisse wutentbrannt und sie gesteht sich ein, dass sie sich zum ihm hingezogen fühlt.

Ab der Hälfte regiert der dämonische Alltag wieder und es wird so spannend, dass sogar die Teufelsbrut ins Schwitzen kommt. Magische Rituale werden geübt, neue Waffen erprobt und kleinere Kämpfe geschlagen bis man im Showdown einer großen Schlacht entgegensieht.

Für mich ist "Höllenflüstern" der bisher schwächste Teil der Reihe, obwohl ich mit Riley Blackthorne nach wie vor gerne auf Dämonenfang gehe. 

 
 
Die Reihe:
1) Aller Anfang ist die Hölle
2) Seelenraub
3) Höllenflüstern
4) Engelsfeuer
Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Vom Alleinsein und der Einsamkeit

Die andere Schwester: Roman - Kristin Hannah, Hedda Pänke

Die Schwestern Claire und Meg stehen sich nicht besonders nah. Doch dann schlägt bei Claire die Liebe wie der Blitz ein und sie will auf der Stelle heiraten! Meg möchte die jüngere Schwester vor drohendem Unglück bewahren. Sie weiß selbst nur allzu gut, auf welche Art viele Ehen enden können.

Es geht um die Schwestern Meg und Claire, die eine schwierige Kindheit hinter sich haben und auseinander gedriftet sind. Sie haben als Erwachsene kaum Kontakt, nehmen am Leben des anderen nicht teil und werden durch die kommenden Ereignisse unerwartet zueinander geführt.

Claire ist Mitte Dreißig und begnügt sich mit einem eher beschaulichen Leben. Ihr Töchterchen und das Management eines kleinen Feriendorfs halten sie genug auf Trab, und sie fühlt sich im Großen und Ganzen wohl in ihrem Leben. 

Meg ist Anfang Vierzig und die toughe Business-Lady vor der sich die Männer hüten müssen. Als Scheidungsanwältin ist sie gefragt und schafft es, den Herren zugunsten der geschiedenen Gattinnen das letzte Hemd auszuziehen. In ihrem Leben ist es mit der Liebe nicht weit her. Ihr reicht es, abends in die Bars zu ziehen und nach jungen, appetitlichen Betthüpfern zu sehen. 

Claire hat sich auf den ersten Blick in den Countrysänger und Vagabunden Bobby verliebt. Doch mit dem Verliebtsein allein ist es nicht getan, es muss natürlich gleich eine Hochzeit sein. Da sieht Meg rot und möchte die kleine Schwester vor diesem Unglück bewahren. Schnell stellt sich heraus, dass Meg eben nicht alles kann ... 

Hauptsächlich geht es darum, dass sich Meg und Claire zugleich ähnlich und fremd sind. Gleichzeitig thematisiert Kristin Hannah Einsamkeit und fehlendes Vertrauen, das dem Alleinsein zugrunde liegt. Und natürlich geht es um die Liebe, die alles aus den Angeln hebt.

Die Handlung an sich fand ich ok, auch wenn sie nicht voll und ganz überzeugen kann. Ich persönlich verstehe nicht, wie sich eine Mutter und Mittdreißigerin auf eine Blitzhochzeit einlassen kann ohne abgesichert zu sein. 

Aber gut, jedem das Seine, denn die Geschichte nimmt schon sehr interessante Züge an. Die Schwestern haben eine schwierige Kindheit hinter sich gebracht, an die man in sanften Rückblenden herangeführt wird. Problematischer Mittelpunkt ist die extravertierte Mutter mit Star-Qualität, die ihre Töchter stets vernachlässigt hat. Außerdem wurden die Schwestern regelrecht auseinandergerissen, was der Ursprung ihrer - ja - traumatischen Beziehung zueinander ist.

Neben dem Blick in die Vergangenheit steht die unmittelbare Zukunft vor der Tür. Die Hochzeit steht bevor und so ein Ereignis will gut vorbereitet sind. Dieser Part nahm mir viel zu viel Raum im Geschehen ein. Es werden Brautkleider anprobiert, Menüs werden besprochen und die Liebe laufend geschworen, was für meinen Geschmack zu sehr in Richtung Chick-Lit geht. 

Obwohl es spannende Elemente gibt - ein mysteriöser Joe taucht auf, der ein schreckliches Geheimnis hat - wird die Geschichte plätschernd erzählt, was mich stellenweise gelangweilt hat.

Kristin Hannahs Schreibstil ist phänomenal. Der Roman liest sich schon fast wie Butter, durch die man durchflutschen kann. 

Insgesamt ist „Die andere Schwester“ ein netter Frauenroman, der teilweise in die Tiefe geht, allgemein betrachtet dann doch zu sehr an der Oberfläche kratzt. Spannende Hintergründe und unvorhergesehene Ereignisse trösten über mädchenhafte Szenen hinweg, was im Endeffekt zu einem angenehmen Leseerlebnis führt. 

Mir war „Die andere Schwester“ zu sehr ein Frauenroman, was weniger meinem Geschmack entspricht. Wäre das Buch von einer anderen Autorin gewesen, hätte ich wahrscheinlich nicht dazu gegriffen. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Das Leben als Wunschkasten

Gwendys Wunschkasten - Stephen King, Richard Chizmar, Ulrich Blumenbach

Stephen Kings Kleinstadt Castle Rock in Maine war Schauplatz seltsamster Vorkommnisse. Da wundert es nicht, dass ihre Einwohnerin Gwendy einen sonderbaren Mann antrifft, der ihr einen merkwürdigen Kasten schenkt.

"Gwendys Wunschkasten" ist eher eine Kurzgeschichte als ein Roman. Dennoch schaffen es Stephen King und Richard Chizmar auf diesen wenigen Seiten eine eindringliche Schauerstory zu erzählen.

Die kleine Gwendy lebt in Castle Rock und ist bemüht, ihren Baby-Speck anzugehen. Während sie ihren Fettzellen mit Sport und Treppenlaufen zu Leibe rückt, erregt ein absonderlicher Mann ihre Aufmerksamkeit. Der Fremde scheint sie zu kennen und bietet ihr einen Wunschkasten mit unterschiedlichen Hebeln und Schaltern an, der ihr ihre Träume erfüllt.

Natürlich kann Gwendy nicht ablehnen, weil sie damit ihrem schlanken Dasein näher kommt, und ihr Leben in ganz neue Bahnen lenkt.

Die Geschichte hat mich von der ersten Seite an fasziniert und hingerissen! Ich kann einfach nicht glauben, wie es Stephen King schafft, seine Figuren zum Leben zu erwecken. Auf diesen wenigen Seiten habe ich Gwendy durch mehrere Jahre ihres Lebens begleitet und hatte ständig das Gefühl, einen echten Menschen vor Augen zu haben.

Gwendy hat sich mit dem Wunschkasten eine richtige Bürde aufgeladen. Zwar geht ihr vieles leicht von der Hand, gleichzeitig hat sie aber auch mit seiner Bedrohung zu kämpfen, auf die ich hier nicht weiter eingehen will. Erwähnt sei nur, dass damit auch eine große Verantwortung verbunden ist. 

King geht auf das klassische Thema des kalten Kriegs aber auch der Gegenwart ein. Man denkt sofort an den berüchtigten roten Knopf, der Atombomben und Sprengsätze starten lässt und so manchen Regierungen ausgeliefert in seiner Unscheinbarkeit augeliefert ist. Was ist, wenn man einen solchen Button tatsächlich zur Verfügung hat? Könnte man widerstehen oder will man sehen, was passiert wird?

Die Handlung ist von dem Zwang und der Bedrohung des Wunschkastens geprägt. Sie wird dicht geschildert und beschrieben, obwohl sie sich auf wenige Seiten erstreckt. Hier bin ich auch bei meinem einzigen Kritikpunkt angelangt, weil die Geschichte durch die Kürze ihr volles Potential verschenkt. 

Ich habe dieses Büchlein sehr gern gelesen, hatte Gänsehaut und habe mit Gwendy gefühlt. Denn ihr Leben hat rasante Veränderungen erfahren, was allerdings zum Erwachsenwerden gehört und nicht ausschließlich am Wunschkasten liegt. Der Wunschkasten kann dementsprechend als Symbol für die Entwicklung zum erwachsenen Menschen gesehen werden. Denn man weiß, dass sich manche Kindheitsträume erfüllen, doch das Leben als Erwachsener genauso eine Bürde ist.

Das Ende ist mir unter die Haut gegangen, hat mich schmunzeln lassen und ich habe zufrieden das Buch zugeklappt. Es hat mir insgesamt großen Spaß gemacht. 

Ich bin mir sicher, Leser, die Stephen Kings Kurzgeschichten mögen, werden mit „Gwendys Wunschkasten“ eine schaurig-dichte Erzählung im berühmt-berüchtigten Castle Rock erleben. Aber passt auf, wenn ihr dem Mann mit der kecken Melone begegnet!

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Von Nicu und Jess

Nicu & Jess - Cordula Setsman, Sarah Crossan, Brian Conaghan

Nicu und Jess könnten unterschiedlicher nicht sein und sind sich doch ähnlich. Sie lernen sich beim Müllaufsammeln im Park kennen, wodurch sich eine zarte Freundschaft spinnt. Doch dann treffen sie eine folgenschwere Entscheidung und das Drama beginnt.

"Nicu & Jess" ist ein untypischer Jugendroman mit einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte, der in erster Linie gesellschaftliche Randgruppen, Fremdenhass und schwierige familiäre Verhältnisse thematisiert.

Jess ist ein toughes Mädchen, das einen relativ guten Stand bei ihren Freundinnen hat. Doch dann wird sie beim Klauen erwischt und als Strafe zum Müllaufsammeln im Park geschickt.

Nicu konnte ebenfalls seine Finger nicht bei sich behalten. Mit dem Griff zum unbezahltem Schokoriegel hat er sich strafbar gemacht. Jetzt ist der rumänische Einwanderer nicht nur zum Dienst an der Allgemeinheit via Müllaufsammeln verpflichtet, sondern es wird auch gemeinschaftlich die Schulbank gedrückt.

Beide Charaktere sind entzückend, glaubhaft sowie mit Ecken und Kanten beschrieben. Schnell fügt man sich in ihr jeweiliges Leben ein und versteht, warum sie so gehandelt haben. Während sich Nicu und Jess beim Müllaufsammeln kennenlernen, bekommt man einen Blick hinter die Kulissen.

Die Jugendlichen haben familiäre Probleme, die mehr als unangenehmes Geplänkel sind. Nicu fühlt sich seiner Familie verpflichtet, die ihn liebt und unterstützt. Aber sie spart für seine Hochzeit mit einem Mädchen aus der Heimat, womit er so gar nicht einverstanden ist. Denn Nicu sieht in den Roma-Bräuchen seiner Familie keine Zukunft für sich und möchte viel lieber in Großbritannien bleiben.

Hier Fuß zu fassen ist alles andere als einfach. Schon allein wegen der Sprachbarriere ist es für ihn schwierig, sich verständlich auszudrücken. Egal ob Lehrer, Mitschüler oder Sozialarbeiter, kaum jemand macht sich die Mühe den jungen Mann kennenzulernen und mehr als den Fremden in ihm zu sehen.

Im Gegensatz dazu ist Jess alteingesessen, hat es aber mit sehr schwierigen Familienverhältnissen zutun. Ihre Mutter hat sich an einen gewalttätigen Mann gebunden, der nicht nur ihr Leben bedroht. 

Unter diesem Umständen lernen sich Nicu und Jess kennen, respektieren und glauben, dass ihre Chance gekommen ist.

Die Handlung ist grundsätzlich rasch erzählt und dennoch nimmt diese Geschichte sehr viele Facetten an. Schulische Einrichtungen werden genau wie das Sozialwesen zur Rechenschaft gezogen und es wird auf mangelnde Unterstützung durch Lehrer, Sozialarbeiter und Gesellschaft aufmerksam gemacht. Eigentlich will jeder nur seine Ruhe haben und ist froh, wenn er sich gar nicht erst um die Schutzbefohlenen bemühen muss.

Daher ist dieses Buch meiner Meinung nach sehr gut gelungen, obwohl man mit dem Schreibstil schon seine Mühe hat.

Es wird nämlich in Versform abwechselnd aus den Perspektiven von Jess und Nicu erzählt. An die prägnanten Verse hatte ich mich rasch gewöhnt, allerdings habe ich mit Nicus Part oftmals zu kämpfen gehabt. Bei seinem Teil kommt ein furchtbarer Kauderwelsch zum Zug, der  wohl der Sprachbarriere Ausdruck verleihen soll. Charmant ist dafür, wenn man merkt, dass der Junge etwas falsch verstanden hat, und er sich seinen eigenen Reim drauf macht.

Das Buch ist schnell gelesen, hat einen eigenartigen Sog und überzeugt mit einem dramatischen Ende, das ich mir so nicht ausgemalt habe.

Meiner Meinung nach ist die Geschichte von „Nicu & Jess“ ein wichtiges, wenn auch teilweise schwierig zu lesendes Buch, das auf gesellschaftliche Missstände zeigt und damit zum Nachdenken anregt.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Der Horror in Vakkerville beginnt

Dämmergrau: Das Erwachen der Geister ist erst der Anfang (Vakkerville-Mysteries 1) - Anton Serkalow

Vakkerville ist eine normale Stadt. Doch als ein Pirat und ein Zwerg beschließen, ein Restaurant zu überfallen, öffnen sie damit unabsichtlich dem unaussprechlichen Horror die Tür.

"Dämmergrau" ist der 1. Band der Vakkerville-Mysteries-Trilogie, die durch mysteriöses Grauen und exzellenten Horror besticht. 

Schauplatz des Geschehens ist die Stadt Vakkerville, die auf den ersten Blick eine Stadt wie jede andere ist. Es gibt einen Kiez, Restaurants, Bürgermeisterwahlen, unzufriedene Menschen und damit es richtig schön horrormäßig ist, wird auch nicht an der städtischen Psychiatrie gespart.

Es lässt sich kein Protagonist identifizieren, weil das Geschehen aus vielen unterschiedlichen Figuren und Perspektiven besteht. 

Besonders gut in Erinnerung ist mir der Agoraphobiker Leo mit seinem Katerchen Edgar geblieben. Seit Jahren wagt er es erstmals die Wohnung zu verlassen, um einem Freund zu Hilfe zu eilen. Dabei stellt er sich unzähligen Gefahren, doch ihm geht der Geist eines Mädchens zur Hand.

Als unheimlichste Figur habe ich den Scheuch empfunden. Er ist Insasse in der stadteigenen Psychiatrie, wo er sich ausschließlich von seiner besten Seite zeigt. Ich kann ihn schwer einschätzen und weiß nicht, ob er der Gute oder der Böse in der Reihe ist. Allerdings sorgt er für reichlich Gänsehaut, obwohl er als fleißiges Helferlein mit Down-Syndrom auf den ersten Blick sehr unscheinbar wirkt.

Eine weitere bemerkenswerte Figur ist Samira. Sie ist ein weiblicher Bodyguard. Jahrelang hat sie bei der Polizei gedient, was für eine türkisch-stämmige Frau aus konservativen Verhältnissen doch sehr ungewöhnlich ist. Sie hat sich gegen die überholten Vorstellungen ihrer Familie gestellt und dabei ihren Willen durchgesetzt. Mittlerweile steht sie bei Bürgermeister-Kandidat Kristóf Szabó im Dienst, wo sie Wert auf Pflichterfüllung legt. 

Es werden viele andere Figuren einbezogen, wobei jede lebendig und real auf mich wirkt. Jeder hat seine Geschichte und Beweggründe. Es wird gezeigt, warum sich jemand wie verhält und auch die Vergangenheit wird beschrieben. Meiner Meinung nach hat der Autor hier äußerstes Geschick bewiesen, weil man trotz der umfangreichen Personenzahl niemals den Faden verliert.

Dreh- und Angelpunkt sind der Zwerg und der Pirat, die das Restaurant überfallen. Immer wieder kehrt man zum Überfall zurück, was ein bisschen an Quentin Tarantinos Film "Pulp Fiction" denken lässt. 

Der Erzählstrang springt zu einer Person, deren (Lebens-) Weg zum Restaurant beleuchtet wird, nur um dann gemeinsam mit einer anderen Figur erneut bis zu diesem Punkt zu gehen. Die unterschiedlichen Perspektiven sind wohl dosiert aufeinander abgestimmt und ineinander verflochten, so dass eine packende Dynamik entsteht.

Mysteriöse Elemente werden auf allen Ebenen eingebaut. Egal, ob es nun der unheimliche Scheuch mit der harmlosen Miene ist, Türen zu grauenerregenden Illusionen sind, oder geisterhafte Erscheinungen, die man nur schwierig einordnen kann.

Die Atmosphäre ist drückend, man spürt, dass sich etwas zusammenbraut und der wahre Schrecken erst beginnen wird. Gleichzeitig spart der Autor nicht an einer Prise Humor, die der Geschichte die richtige Würze gibt. 

Mich hat Anton Serkalow gleich von der ersten Seiten an mit dieser dichten Stimmung und der packenden Handlung um den Finger gewickelt. Zudem kann ich kaum glauben, dass dieses Horror-Schätzchen bisher an mir vorbei gegangen ist. 

Ich habe diesen Reihenauftakt sehr, sehr gern gelesen und bin mehr als positiv überrascht. Wer feinen Horror mag, wird mit "Dämmergrau" auf seine Kosten kommen und ich bin sehr auf den nächsten Teil der Trilogie gespannt.

 
 
Die Vakkerville-Mysteries:
1) Dämmergrau. Das Erwachen der Geister ist erst der Anfang
2) Nebelgrenze: Sind wir bereit, den Toten die Tür zu öffnen
3) Spiegelgrund: Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren
Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Die dunkle Seite

Stephen King "STARK THE DARK HALF", Weltbild Sammleredition - Stephen King

Schriftsteller Thad Beaumont will sich von seinem Pseudonym verabschieden. Doch nachdem er sich von dem Namen George Stark offiziell getrennt hat, geht ein blutrünstiger Mörder um, der ausgerechnet Thad Beaumonts Fingerabdrücke hat ...

Stephen Kings "Stark. The Dark Half" ist ein blutiger Horror-Roman, der im Stil von Robert Louis Stevenson mit den zwei Seiten der Medaille spielt. 

Auf der einen Seite gibt es den bekannten Autor Thad Beaumont, der es mit seinen Büchern zumindest zu Preis-Nominierungen und passablen Verkaufszahlen bringt. Im Gegensatz zum berüchtigten George Stark, schlagen seine Bücher aber nicht so in den Bestseller-Listen ein. Stark punktet durch Blutrünstigkeit und einem rasiermesserscharfen Protagonisten, dem keine furchtsame Regung entgeht.

Für Beaumont ist es an der Zeit dem bösen Stark offiziell "Adieu" zu sagen, weil er in der Hand eines Erpressers ist. Außerdem ist es ganz nett, auf diese Weise einen PR-Gag zu veranstalten und Stark im wörtlichen Sinn zu Grabe zu tragen. 

Doch was, wenn sich das fiktive Pseudonym dem inszenierten Tod widersetzt und zu mordgieriger Realität wird?

Meiner Meinung nach hat Stephen King hier mal wieder eine wahre Horror-Vision kreiert, die vielleicht manchem Autor das Blut in den Adern gefrieren lässt. King lässt Beaumonts Pseudonym auferstehen, haucht im Leben ein und dieser werkt wie eine Furie, um nicht als Fiktion begraben zu werden.

Beaumont holt die Realität schnell ein, weil seine Fingerabdrücke bei Mordopfern gefunden werden. Die Polizei hat ihn im Visier, George Stark sitzt ihm im Nacken und er selbst kann nicht begreifen, wie es überhaupt erst dazu gekommen ist.

Bei diesem Buch spritzt das Blut, verwest das Fleisch und stinkt der Eiter, wobei alles Geschehen von einer bedrohlichen Aura umgeben ist. Setzt sich das Böse durch oder wird das Gute siegen? Und wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass zwei Seiten einer Person lebendig sind?

King geht auf etliche Themen ein, die sogar in natürlichen Vorkommnissen ihren Ursprung haben. Davon will ich hier allerdings nichts erzählen, weil man es beim Lesen selbst erfahren soll. Jedenfalls räumt er dem schriftstellerischem Schaffensprozess viel Platz in diesem Werk ein, was für versierte Kingleser bestimmt hoch interessant zu lesen ist. Meiner Meinung nach geht er mit "The Dark Half" auch die dunkle Seite des Schriftstellerseins an. Er reisst Sorgen sowie Probleme an, die mit dieser Berufung verbunden sind und wenig im Rampenlicht stehen.

Ich habe Stephen King erneut von einer anderen Seite kennengelernt, weil er in „Stark. The Dark Half“ relativ viel Blut einsetzt und dennoch das Mysteriöse zum Zug kommen lässt. Es hat mir gut gefallen! Besonders beim ersten Drittel bin ich an den Seiten geklebt. Danach lässt die Spannung etwas nach, weil die Handlung fast zu glatt über die Bühne geht. Schnell hat man den Dreh raus und ahnt sehr früh, wie das alles wohl enden wird. Dafür ist die Grundidee schaurig, grauslich und Furcht einflößend zugleich, und wird von King in blutige Details zerlegt.

Der Schreib- und Erzählstil ist gewohnt souverän und phänomenal. Von kleinen Details bis zu großen Zusammenhängen ist alles dabei, was das Horror-Herz begehrt. 

Meiner Ansicht nach ist „Stark. The Dark Half“ ein Horror-Roman für den blutliebenden Leser geschrieben, der sich für Schreibprozesse von Schriftstellern interessiert und sich gern vom Mysteriösem fesseln lässt. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Lou in New York

Mein Herz in zwei Welten (Lou Clarke 3) - Argon Verlag, Jojo Moyes, Luise Helm

Endlich traut sich Lou zu, ihre Ringelstrumpfhosen mit Stolz zu tragen und ihren eigenen Weg zu gehen. Nach traumatischen Erfahrungen wagt sie in New York einen Neuanfang, der sie in eine chaotische Familie katapultiert. Während sie nicht recht weiß, was hier überhaupt von ihr erwartet wird, scheint sie sich erneut selbst zu verlieren, weil sie ihre neue Liebe Sam in London aus den Augen verliert … 

Wer „Ein ganzes halbes Jahr“ gelesen hat und sich über „Ein ganz neues Leben“ wagte, wird vielleicht „Mein Herz in zwei Welten“ skeptisch gegenüberstehen. Mir hat die Beziehung von Lou und Will die Schuhe ausgezogen, weil ich damals hinter dem liebreizenden Cover niemals so eine umwerfende Geschichte vermutet hätte. „Ein ganz neues Leben“ hatte auch seine Berechtigung, weil dadurch gezeigt wird, dass es danach eben nicht vorbei ist. Dann ist „Mein Herz in zwei Welten“ erschienen und ich habe mich gefragt, was denn jetzt noch kommen soll. Ich wurde tatsächlich positiv überrascht.

„Mein Herz in zwei Welten“ ist voll und ganz der Protagonistin Lou gewidmet. Lou, die sich immer für andere aufopfert. Lou, die ohne Will nicht weiß wer sie ist. Lou, der sicherlich wieder ein Missgeschick passiert. Sie darf in diesem Roman endlich sie selbst werden.

Thematisch geht es also darum, seine wahre Identität zu finden, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu erkennen, und diesen fernab der Erwartungen anderer zu entsprechen. 

Dazu reist Lou nach New York, wo sie erst einmal macht, was sie am besten kann: sich um andere kümmern. Sie landet als persönliche Assistentin bei einer richtig reichen Familie, und macht da sozusagen den Hampelmann. Hier habe ich mir oft gedacht, dass sich Lou unter ihrem Wert verkauft, weil sie so viel mehr kann als zur rechten Zeit einen Smoothie darzureichen. Doch Lou möchte „Ja“ zu Herausforderungen und zum Leben sagen, daher gibt sie nicht auf.

Obwohl diese Schilderung ernst und trocken klingt, wird es im üblichen amüsanten Ton erzählt. Lou nimmt den Leser in ihr neues Leben mit. Sie glänzt durch charmante Ironie, ihrem unverwechselbarem Sarkasmus und nimmt bigotte Situationen mit einer würdevollen Haltung inklusive Augenzwinkern hin. Mehr als einmal hat mir Lou damit ein Lächeln und sogar ein Lachen entlockt. Allein wie sehr sich sich auf der morgendlichen Joggingrunde bemüht, wie sie in heiklen Situationen ihre Frau steht und auf Ringelstrumpfhosen besteht, ist herrlich zu lesen. 

Die Handlung hält jetzt nicht unbedingt großartige Überraschungen bereit und verläuft relativ glatt in ihrer Bahn. Neben mehreren dramatischen Höhepunkten gipfelt es in ein Ende, das Raum für Lous weiteres Leben lässt. 

Nichtsdestotrotz hat sich Lou ihre eigene Identität - ihren ganz persönlichen Roman - verdient. Und ich bin der Ansicht, dass ihr diese amüsante Erzählung gerecht geworden ist. 

Ich habe dieses Buch sehr, sehr gern gehört, weil ich Protagonistin Lou schon im ersten Band in mein Herz geschlossen habe. Es macht Freude mit ihr eine weitere Herausforderung zu bestehen und mit ihr gemeinsam nach New York zu gehen.

 

Reihenfolge:

1) Ein ganzes halbes Jahr 
2) Ein ganz neues Leben
3) Mein Herz in zwei Welten
Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Monster der Vergangenheit

Die Monster von Templeton - Lauren Groff, Judith Schwaab

Dokoratsstudentin Willie ist ihren Ahnen auf der Spur. Denn nur so kann sie herausfinden, wer ihr Vater ist. Dabei fördert sie unaussprechliche Familiengeheimnisse zutage, deren Schatten bis in die Gegenwart reicht. Gleichzeitig wird aus dem See ihrer Heimatstadt ein Monster gezogen, das für Furore sorgt.

Willi kehrt unglücklich und abgehetzt in ihre Heimatstadt Templeton zurück. An der Universität sind Dinge vorgefallen, über die sie nicht sprechen kann. Außerdem fürchtet sie, dass sie ihre Karriere als Wissenschafterin an den Nagel hängen muss. Gerade ist sie im Städtchen Templeton angekommen, wird der Kadaver des Monsters im See entdeckt. Es ist ein Wesen, das sich niemand erklären kann.

„Die Monster von Templeton“ ist weniger Schauergeschichte sondern ein Familienroman. Es geht um die Stadtgründung, alte Geheimnisse, verwegene Ahnen und Willies Platz in der Welt, damit sie sich einreihen kann.

Willie hat wegen besagter Ereignisse die Flucht ergriffen und sich in die Arme ihrer Mutter und Templeton geflüchtet. Hier versucht sie zur Ruhe zu kommen und geht gleichzeitig die Geschichte ihrer Ahnen an.

Ihre Familiengeschichte ist in der Stadt Templeton verwurzelt, weil Willies Vorfahren die Gründungsväter sind. Mit einem gewissen Stolz hat ihre Familie seither in Templeton residiert und Willie geht nun die verborgensten Winkel ihrer Ahnen an. Dazu schmökert sie in Briefen und Tagebüchern, lässt sich von Dorfbewohnern Geschichten und Gerüchte erzählen und stöbert in der hiesigen Bibliothek, weil sie nur so das Geheimnis ihrer Herkunft lüften kann.

Auf diese Weise wird man mit dem Leben vieler Vorfahren vertraut. Es werden witzige, schockierende und sogar unheimliche Geschichten aufgedeckt. Willies Vorfahren haben schon ihren eigenen Charme. Zudem werden die Lebensgeschichten mit Fotos und Bildern unterstützt, was auf mich glaubwürdig wirkt und sehr unterhaltsam gewesen ist. Gerade dieser ungewöhnliche Erzählstil hatte es mir angetan. Beispielsweise wird im vertraulichen Briefverkehr zweier Matronen ein Schauder erregender Verdacht bestätigt oder der abscheuliche Charakter mancher Berühmtheit entdeckt. Abschließend bleibt über Willies Ahnen zu sagen, dass sie ein skurriler Haufen sind. 

Bei der Rahmenhandlung um Willie wollte die Autorin meiner Ansicht nach zu viel, denn es wurden etliche Probleme hineingepackt. Es geht um Willie und ihr Liebesleben, ihre Beziehung zu und ihrer Mutter, um eine Freundschaft, die von einer Krankheit überschattet wird und das Kleinstadtleben an sich, das Willie so vertraut geblieben ist. Mir hat es bei der Rahmenhandlung am Spannungsbogen gefehlt. Durch die vielen aufgegriffenen Themen plätschert sie vor sich hin. Es gibt kaum Höhepunkte oder Überraschungen, sondern ausschließlich philosophisch-anmutende Begegnungen. 

Die Figuren - allen voran Willie - finde ich sehr gut gelungen. Sie wirken natürlich, charmant und lebensnah, wodurch auch das Kleinstadtleben in Templeton seinen Charme versprüht.

Das Monster bekommt nur einen sehr kleinen Part und ist eher entzückend als beängstigend.  Mit den angepriesenen Monstern im Buchtitel sind wohl eher Willies Vorfahren gemeint.

Insgesamt ist „Die Monster von Templeton“ ein unterhaltsamer sowie ungewöhnlicher Familienroman, dem es am packenden Handlungsverlauf fehlt, doch aufgrund der Geheimnisse der Vergangenheit sporadisch zu fesseln weiß.

 

 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Ein Gedenken

Ein Held dunkler Zeit - Christian Hardinghaus

2. Weltkrieg. Wilhelm Möckel ist Arzt in der Panzer-Aufklärungs-Abteilung 16 und kämpft um das Eiserne Kreuz I an Front. Er ist aber nicht von heroischer Verbohrtheit getrieben, sondern es ist der einzige Weg, wie er Leben retten kann: Das Leben seiner Frau, die Halbjüdin ist. 

"Ein Held dunkler Zeit" ist ein historischer Roman, der den gesamten 2. Weltkrieg umspannt. Der Autor geht auf die vorherigen Entwicklungen ein, schildert detailliert das Kampfgeschehen und schließt in der Gegenwart ab.

Wilhelm bleibt nur eine Chance, um seine Frau Annemarie und die Kinder zu retten. Ihm wird eine Ausnahmeregelung der Nationalsozialisten ans Herz gelegt, um seiner Frau arisches Blut zu bescheinigen. Wenn er das Eiserne Kreuz I für seinen Heldenmut im Krieg erlangt, wird Annemaries Status heraufgesetzt. Wilhelm setzt alles daran, diese Auszeichung zu erhalten. Daher meldet er sich als Arzt an die Front, wo Helden gebraucht werden.

Über den 2. Weltkrieg und all seine Dramen wurden schon viele Bücher geschrieben. Ich glaube, dass es noch lange nicht genügend sind. Das Besondere an diesem Roman ist, dass er auf wahren Ereignissen basiert, die zeigen, dass es eben keine Geschichten sind.

Autor Christian Hardinghaus schafft einen wunderbaren Roman, der auf dieser realen Begebenheit basiert. Allerdings wird sie nicht aus erster Hand erzählt, sondern vom greisen Friedrich im Altersheim niedergeschrieben. Friedrich war einst mit Wilhelm an der Front und hat dadurch seine Geschichte miterlebt. 

Dabei erhält man einen Überblick über das Gesamtgeschehen. Man lernt Wilhelm und Annemarie kennen, erfährt, wie sie zueinander gefunden haben, und wie sich langsam der Schatten der Nationalsozialsten über Deutschland legt.  

Denn die Schrecken des Krieges werden sehr detailliert geschildert. Hier bewegt sich der Leser meistens mit Wilhelm und Friedrich im Kampfgeschehen, das aus unerbittlichen Gefecht und trister Langeweile besteht. 

Außerdem gefällt mir, dass Hardinghaus nicht mit Schmach und Freuden des Soldatenlebens spart und dabei stets authentisch bleibt. So lernt man neben den vielen Kameraden auch die Hündin Norka kennen, die ich ins Herz geschlossen habe und niemals vergessen werde. Man erfährt wie menschlich es trotz der Gräuel oft zugegangen ist, wenn sich Russen und Deutsche tatsächlich gegenseitig bei der Verwundetenversorgung geholfen haben. 

Hardinghaus vermittelt ein Gefühl für die Situation und man merkt, dass er über bemerkenswertes Wissen verfügt. Stellenweise hat es sich einen Hauch zu sehr wie ein Sachbuch gelesen, wenn etliche Informationen ins Geschehen eingeflossen sind. Einerseits hat mir das gefallen, weil ich auf diese Weise sehr viel dazu gelernt habe, andrerseits hat es meinem Gefühl nach die Handlung etwas aus dem Fluss gebracht.

Nichtsdestotrotz hat mich „Ein Held dunkler Zeit“ getroffen, gepackt und schockiert. Es war mir eine Ehre von diesen Schicksalen zu erfahren und ich freue mich, dass sie nicht vergessen sind. 

Christian Hardinghaus hat aus einer bewegenden Geschichte einen ergreifenden Roman gemacht, den ich sehr gerne gelesen habe und der mir die Schrecken dieser Zeit vor Augen geführt hat. Meiner Meinung nach ist es ein Buch gegen das Vergessen, um Annemarie, Wilhelm, Friedrich, Norka und den vielen Menschen der Kriegsgeneration zu gedenken. Es lohnt sich sehr!

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Vor der Abrechnung kann sich keiner drücken

Keine Menschenseele - Faye Hell

Die Gäste eines Hotels haben eines gemeinsam: sie haben in ihrem Leben richtiges Glück gehabt. Ein Moderator, der zum Liebling aller Zuschauer geworden ist, ein Mann, der als Kind die unumstößliche Zuneigung eines Tieres gewonnen hat, eine Frau, die ihrer großen Liebe begegnet ist und eine Autorin, deren Bücher sich wie von selbst an die Spitze der Bestsellerlisten aufschwingen. Doch alles hat im Leben seinen Preis und den bekommen sie mit ihrer Hotelrechnung präsentiert.

Dieser Horror-Roman basiert grundsätzlich auf fünf Kurzgeschichten, die sich zu einem furchteinflößenden Hotelaufenthalt verdichten. 

Als Gäste checken sie in diesem Hotel ein. Manche wissen gar nicht so recht, wie sie da überhaupt hingekommen sind, nehmen das aber als gegeben hin. Augenscheinlich sind sie sehr glücklich und wurden vom Schicksal verwöhnt. Doch in jedem dieser Leben hat sich ein unfassbares Grauen ereignet, von dem sie während ihres Aufenthalts eingeholt werden.

Neben schrecklichen Episoden in der Vergangenheit ist das Zimmermädchen des Hotels eine weitere Gemeinsamkeit. Allesamt werden sie von diesem Dienstmädchen betreut, das meinem Gefühl nach aus dem Schlund der Hölle gekrochen ist. Sie ist kühl, äußerst distanziert und berechnend. Äußerlich habe ich einen androgynen ameisenartigen Körper vor Augen, der in ein steriles Dienstgewand gekleidet ist.

Thematisch geht es wohl darum, dass man stets von der Vergangenheit eingeholt werden kann, auch wenn man scheinbar mit ihr längst fertig ist. Man sollte zu seinen Taten stehen und stets daran denken, dass man mit den Konsequenzen leben muss. Alles hat seinen Preis und vor der Abrechnung kann sich keiner drücken. 

Die Geschichten der Hotelgäste sind atmosphärisch und schön-schaurig erzählt! Es geht unter anderem um gefolterte Tiere, monströse Menschen und leidende Monster. Dabei verschwimmen Vergangenheit und Gegenwart, wobei das Grauen aus jeder Seite spricht.

Die Einzelgeschichten mochte ich extrem und konnte kaum genug davon bekommen. Sie sind fesselnd, grauslich und schrecklich exzellent!

Leider habe ich mir mit dem Rahmen des Hotels sehr schwer getan. Diese Intermezzi waren mir zu abgedreht, teilweise obszön und richtig wirr erzählt. Die Übergänge zwischen Vergangenheitsbewältigung und Hotelgeschehen sind kaum merkbar ineinander geflossen. Das hat starke Konzentration erfordert und meinen Lesespaß gebremst. 

Diese Abschnitte haben mich an Stephen Kings "Shining" erinnert, waren mir aber inhaltlich sowie sprachlich zu orientierungslos und wirr erzählt. In kurzen Sätzen, manchmal nur einzelnen Wörtern, wird eine Flut von Emotionen transportiert, die mich lesetechnisch überfordert und mir das Lesevergnügen gekostet hat.

Wenn dieser Rahmen um das Hotelgeschehen nicht so konfus gewesen wäre, dann hätte ich "Keine Menschenseele" sogar zum Highlight erklärt! Denn die Einzelschicksale sind außergewöhnlich und meisterlich erzählt. 

Daher spreche ich allein wegen der intensiven Hotelgast-Geschichten eine Leseempfehlung für Horrorfreunde aus, weil man diesem Buch bei Interesse unbedingt eine Chance geben muss.

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Manipuliert

Manipuliert (Bd. 2) - Teri Terry, Petra Knese

Die Menschen um Shay sterben und sie denkt, sie ist der Grund! Um sich gegen die Epidemie zu wenden, will sie sich der Regierung zur Verfügung stellen. Doch dann merkt sie, dass sie einem furchtbarem Irrtum aufgesessen ist, während im ganzen Land die Hetzjagd auf die Überlebenden der Krankheit beginnt.  

Es handelt sich um den 2. Band der Dark-Matter-Jugendbuch-Trilogie, bei der sich eine todbringende Seuche über die britischen Inseln erstreckt.

Ein Virus sucht Großbritannien heim. Niemand weiß, woher diese Krankheit kommt, wie sie sich verbreitet noch wie sie aufzuhalten ist. Die Krankheit ist absolut tödlich, denn nur wenige Menschen haben sie bisher überlebt.

Shay ist eine Überlebende, doch nach ihrer Genesung nimmt sie merkwürdige Veränderungen an sich wahr. Schon im 1. Teil beschließt sie, sich für Forschungszwecke zur Verfügung zu stellen. Ob das die richtige Entscheidung gewesen ist?

Kai ist mitten in der Epidemie drin. Schon vor Ausbruch der Krankheit hat er seine Schwester Callie gesucht, dabei ist Shay das einzige Bindeglied zu ihr. Da sich mittlerweile zwischen ihm und Shay etwas angebahnt hat, kann er ihre Wahl nicht gutheißen und wacht eines Morgens ohne sie auf.

Thematisch geht Teri Terry viele Wege an. Natürlich steht die Krankheit im Vordergrund, wo sie eine geniale Theorie eingearbeitet hat. Was ist, wenn die Erkrankung gar keinen biologischen Ursprung hat?

Zudem kommt im Land eine starke Furcht vor den Überlebenden auf, weil alle denken, dass sie die Überträger des Virus sind. Dementsprechend stachelt Angst die Menschen an, die im Kampf gegen die wenigen Überlebenden Feuer und Flamme sind. Diese Hexenjagd nimmt einen Großteil der Handlung ein, was die Figuren quer über die Insel treibt. Es ist wahnsinnig spannend zu lesen, wie sie manches Mal gerade noch so entkommen können oder auch, was passiert, wenn sie in eine Falle getappt sind. 

Hinzu kommt eine Verschwörungstheorie, die ich noch nicht durchschaut habe. Ich finde es sehr interessant, wie Teri Terry hier lose Fäden in die Gesamthandlung verwebt und bin irrsinnig neugierig, welches Bild sich am Ende ergeben wird. 

Die sanfte Liebesgeschichte zwischen Kai und Shay ist zwar vorhanden, nimmt jedoch nicht Überhand. Es ist gerade richtig, um der Geschichte Pep zu verleihen. 

Erzählt wird erneut aus den Perspektiven von Shay, Kai und Callie, wodurch man als Leser über Vermutungen, Verdächtigungen und Absichten dieser Figuren stets im Bilde ist. Interessant finde ich, dass sich dadurch auch Spannung ergibt, weil man selbst einen besseren Blick über die Entwicklung hat.

Insgesamt hat mir dieser Band genauso gut wie der Auftakt gefallen. Mit Finesse geht die Autorin ihre Geschichte an, spielt mit den Entwicklungen der Krankheit, geht aber auch auf die dadurch entstandenen Wirren in der Bevölkerung ein. Kai sucht Shay, Shay ist mit anderen Überlebenden eingepfercht und Callie erkennt, dass sie falsch gelegen hat. 

Am Ende pfuschen fragwürdige Personen in die Entwicklung rein, es kommt zu Missverständnissen, die Gefahr ist greifbar und ich hoffe, dass sich im Abschlussband alles positiv aufklären wird!

Alles in allem hat Teri Terry einen famosen 2. Band geschrieben, der unglaublich gut zu lesen ist. Es ist spannend, interessant und durch die Perspektivenwechsel packend erzählt. Wem das erste Buch gefallen hat, wird garantiert auch diese Fortsetzung mögen. 

 
Bisher erschienen:
1) Infiziert 
2) Manipuliert

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Verworrene Geschichte mit literarischem Anspruch

Idaho: Roman - Emily Ruskovich, Stefanie Jacobs

An einem heißen Sommertag im Wald gehen die Mitchells der Holzarbeit nach. Vater und Mutter schlichten das Holz auf den Pick-up, während die beiden Mädchen ausgelassen im Wald spielen. Doch dann hat die Mutter ein Beil in der Hand und von einem Moment auf den anderen ist der idyllische Tag und die Familie zerstört.

"Idaho" ist ein literarisch anmutender Roman, der in der eindrucksvollen Umgebung des amerikanisches Bundesstaates Idaho spielt. 

Ausgangspunkt der Handlung ist die Tragödie im Wald. Jenny hat ihre kleine Tochter May mit dem Beil umgebracht, woraufhin die andere Tochter June davon gelaufen ist. Vater Wade weiß sich nicht zu helfen und Jenny gesteht vor Gericht sofort ihre Schuld ein.

Anders als gedacht ist es schon fast schwierig hier Protagonisten zu definieren. Eine Hauptfigur ist Ann, die erst nach den schrecklichen Ereignissen im Wald in Wades Leben tritt. Sie ist Musiklehrerin und heiratet Wade wenige Monate danach, weil sie Wade in seiner schweren Zeit beistehen will.

Denn Wade hat neben dem blutigen Grauen seiner Familie ein weiteres tragendes Problem. Er ist an einer perfiden Form der Demenz erkrankt, sodass er schon in relativ jungen Jahren mit gröberen Aussetzern zu kämpfen hat.

Jenny ist im Gefängnis und setzt alles daran in ihrer Schuld aufzugehen. Sie begrüßt die Einzelhaft und lehnt sogar den täglichen Spaziergang im Hof ab.

Es fällt mir schwer aus dem Roman tragende Themen herauszukitzeln. Natürlich dreht sich alles um den blutigen Tag im Wald und die Versuche, die verschwundene June zu finden.

"Wie unvermittelt dieses Leben beendet worden war, wie erschreckend endgültig sämtliche Gedankenspiele hinfällig wurden. May bekam im Moment ihres Todes eine Eigenschaft, die ihre Schwester nie besaß und auch nie besitzen wird - sie wurde absolut." (S. 200)

Dennoch steht auch Wades Demenz im Vordergrund, seine unvorhergesehenen Aussetzer, in denen er sogar Ann bedroht und der Versuch, dem Vergessen entgegenzuwirken.

Weder aus dem Roman noch aus den Figuren bin ich schlau geworden. Richtig schwer habe ich mir mit Ann getan, weil ich nicht verstehe, warum sie Wade von einem Moment auf den anderen geheiratet hat. Es ist nicht so, dass sie sich liebend in die Arme gefallen sind, sondern sie hat ganz nüchtern - ohne deutliche Beweggründe - diese Entscheidung getroffen.

Erzählt wird aus unterschiedlichsten Perspektiven, was Figuren und die zeitliche Abfolge betrifft. Man begleitet nicht nur die genannten Personen, sondern hat zwischendrin auch mit ganz anderen Figuren zutun. Wades Vater kommt genauso vor, wie ein ehemaliger Schüler von Ann, deren Bezug zur Handlung für mich sehr vage und undurchsichtig ist. Zudem werden unterschiedliche Jahre - einmal ist man in den 1970er-Jahren, dann im Jahr 2025 - aufgegriffen, was mir genauso unlogisch erschienen ist.

Wahrscheinlich mangelt es mir an literarischem Feingefühl, um die Tiefe des Romans zu verstehen. Mir wäre eine weniger wortgewandte, dafür handfeste Geschichte lieber gewesen. Nichtsdestotrotz war ich gebannt und bin an den Seiten geklebt. Denn der Tag im Wald wird immer wieder durchlebt ohne dass der Mord selbst ein Thema ist.

Im Endeffekt bleibt eine verworrene Geschichte, bei der ich mir mit ihrem literarischen Anspruch schwer getan habe. Ohne Höhen und Tiefen plätschern die Ereignisse vor sich hin, fesseln nur durch ihre Undurchsichtigkeit und haben mich zu guter Letzt nicht völlig überzeugen können.

Ich kann „Idaho“ nur bedingt weiterempfehlen. Vor allem Leser, die eine eindringliche Atmosphäre mögen, einen Blick auf den Bundesstaat Idaho werfen wollen und mit nicht greifbarer Logik umgehen können, sollten es zumindest versuchen.

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Todesreigen

Todesreigen (Sneijder & Nemez 4) - Der Hörverlag, Andreas Gruber, Achim Buch

Eine Selbstmordwelle geht durch die Kollegenschaft, daher nimmt Sabine Nemez die Ermittlungen auf. Es ist zu merkwürdig, dass sich in einem derart kurzem Zeitraum so viele Kollegen selbst das Leben nehmen. Dabei kommt Nemez einem alten Fall auf die Spur und zieht Profiler Maarten S. Sneijder heran. Doch der verweigert die Zusammenarbeit … 

„Todesreigen“ ist der 4. Teil der Reihe um den Profiler Maarten S. Sneijder und BKA-Kommissarin Sabine Nemez. Meiner Meinung nach ist es wichtig, die Reihenfolge der Bände einzuhalten, weil die Entwicklung ansonsten nur halb so interessant und eventuell nicht immer nachvollziehbar wäre.

Sabine Nemez hat nicht nur ihre gewünschte Tätigkeit als BKA-Ermittlerin erreicht, sondern ihr wird auch die Ehre zuteil, andere auszubilden. So steht sie zwischen dem Fall und der beiläufigen Lehre und versucht in die Fußstapfen ihres Mentors Martin S. Sneijder zu schlüpfen.

Martin S. Sneijder - der renommierte und derangierte Profiler aus den Niederlanden - ist durch gewisse Aktivitäten im letzten Band auf dem Abstellgleis gelandet. Er zieht sich im Großen und Ganzen in diesem Band zurück, wobei auch ihm gewisse Passagen zugestanden werden. Dennoch ist der verschrobene Kauz die treibende Kraft dieser Reihe, weil er u. a. durch Vanilletee- und Marihuana-Konsum stark aus der Reihe tanzt.

Der Fall selbst war mir persönlich viel zu aufgesetzt und ich hatte meine Probleme damit. Ich mag es nicht besonders, wenn die ermittelnden Figuren persönlich in ihre Fälle involviert sind. Das hat zwar bei den letzten Teilen meinem Gefühl nach noch sehr gut funktioniert, doch diesmal war die Handlung überzogen und fast bis in den letzten Winkel ausgereizt. Für mich hatte sie den Kitsch-Charme einer Soap-Opera und ich habe nur mehr darauf gewartet, dass manch Totgeglaubte auferstehen. 

Dennoch muss ich Gruber zugute halten, dass er einen spannenden Plot entwickelt hat und mit seiner Erzählweise enorm punkten kann. Sein Stil wirkt lebhaft, zieht in die Geschehnisse rein und kann einem kaum kalt lassen.

Schon am Anfang war ich mittendrin, als drei LKW-Fahrer meinen, einen Geisterfahrer auf der Autobahn anhalten zu müssen. Ich war mit ihnen live dabei, habe ihre Ängste ausgestanden, das Vibrieren während der Fahrt gespürt, das Knacken in den Funkgeräten gehört und auf den großen Knall gewartet. 

Der eigentliche Fall geht den bekannten Gang, wo eben auch meine Kritik ansetzt. Sogar das Finale wurde mir zu sehr in die Länge gezogen. Anstatt die Spannung im Showdown zu genießen, habe ich mir immer wieder gewünscht, dass wir jetzt mal die Kurve kriegen. Gefühlt war es dann doch noch ein sehr langer Weg.

Der Schluss an sich war interessant und hat Sabine Nemez und mir einiges abverlangt, weil hier sehr mit Moralvorstellungen gerungen wird. Mir hat der Ausgang gefallen, und ich denke, dass die Reihe nun abgeschlossen ist.

Die Krimi-Thriller-Reihe um Martin S. Sneijder und Sabine Nemez richtet sich meiner Ansicht nach an Leser, die untypische Ermittler mögen und dem eher typischen Krimi-Thriller-Plot viel abgewinnen können. Während die ersten drei Teile noch einigermaßen glaubhaft waren, schmerzt mich hier der Logikbruch und der darunter leidende Spannungsbogen. Zum Abschließen der Reihe ist dieser Band natürlich ebenso wie seine Vorgänger lesenswert.

 
 
Die Reihe:
1) Todesfrist 
2) Todesurteil 
3) Todesmärchen
4) Todesreigen
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Ein Fantasy-Epos beginnt

Der letzte Todeshexer (Kronen der Allmacht 1) - Jouette M. Bassler

Seit Jahrtausenden werden die Menschen der Insellande von Hexern beherrscht. Sie und ihre Magie sind aus Feuer, Licht und Tod geboren und sie haben jahrelang in Frieden regiert. Doch dann begannen sie gegeneinander Krieg zu führen, wodurch sich die Adelshäuser selbst in den Ruin trieben. Noch ist es aber nicht zu spät, denn aus der Liaison zwischen Prinz Askon aus dem Hause Nox mit der schönen Tochter von König Viktor, könnte die Zukunft der Insellande entstehen.

Bei „Der letzte Todeshexer“ handelt sich um einen Reihenauftakt, der in die Welt und Magie der Insellande entführt. Episch angelegt, beweist der Autor schon bei seinem Debüt Potential, indem er ein schillernde Erzählung kreiert. 

Ich denke, dass dieses Werk unter High Fantasy einzuordnen ist, weil keinerlei Bezug zu unserer Welt besteht, sich magische Wesen tummeln und es mittelalterlichen Flair verströmt.

Neugierig hat mich vor allem der Klappentext gemacht, weil ich dieses Genre mal wieder ausprobieren wollte. Ich möchte anmerken, dass ich im High-Fantasy-Bereich sehr wenig lese und es nicht unbedingt meine bevorzugte Schiene ist.

Der Rahmen um die Hexer und ihre Insellande sprüht vor Fantasie, ist vielfältig und sehr einfallsreich. Die Hexer sind die Regenten der Insellande und auf die Adelshäuser Feuer, Licht und Tod verteilt. Problematisch ist mittlerweile, dass sie sich kaum mehr fortpflanzen können und daher sogar Bündnisse mit Feinden eingehen. Sie hoffen, dass sich doch noch Paare finden, die magischen Nachwuchs zeugen. 

Damit ist ein übermäßiges Thema die Sexualität, die meiner Meinung nach etwas zu viel hervorgehoben wird. Es gibt etliche Sexszenen bis hin zur Vergewaltigung, wabernde Busen werden gezeigt und gefühlt jeder zweite Blick wandert in ein pralles Dekolleté, wobei fast alle Höschen feucht werden. Meiner Ansicht nach wäre hier weniger mehr gewesen, dennoch denke ich, dass es Leser gibt, die darin einen Reiz sehen. 

Protagonist Prinz Askon ist ein 16jähriger Jungspund, der vom Hitzkopf rasch zum weisen Regentensohn mutiert. Obwohl er anfangs einen missmutigen Eindruck macht, wird er rasch zum Held der Handlung stilisiert. Zu Beginn ist er mit Körpereinsatz dabei, sich gegen seinen Vater zu stellen, während er in der weiteren Entwicklung adlige Würde erhält. Prinz Askon war mir in der weisen Version sehr sympathisch, obwohl ich das einem 16jährigen nicht ganz zutraue. Gestört hat mich hier, dass er gar so edelmütig und weise geworden ist und von allen angehimmelt wird.

Die Handlung ist gut und nachvollziehbar aufgebaut, auch wenn ich mir etwas mehr Schwung gewünscht hätte. Im Fantasy-Stil wird Prinz Askon auf eine Reise geschickt, es gibt Gefahren, Intrigen und es gilt Feinde zu bezwingen. Der Spannungsbogen konnte nicht durchgehend gehalten werden, was aber durch fesselnde Szenen aufgefangen wird. 

Zum Beispiel schickt Jan A. Baßler den Leser detailliert ins Kampfgeschehen, schleudert Feuerbälle und spießt den Gegner auf, dass einem der Atem stockt! Diese Szenen sind allesamt exzellent erzählt und haben Lesespaß gebracht.

Der Erzählweise ist flüssig, wobei manchmal ein bisschen zu viel zwischen den Figuren gesprungen wird. Hier möchte ich dem Autor unbedingt zugute halten, dass es sich um einen Erstling handelt, der erstaunlich gut geschrieben ist!

Alles in allem habe ich gern mit Todeshexer Askon seine facettenreiche Welt erkundet, mich mit ihm dem Kampf gestellt, wir sind Gefahren entronnen und einer Verschwörung auf die Spur gekommen. Ich bin mir sicher, dass Fantasyfreunde mit „Der letzte Todeshexer“ eine gute Wahl treffen. 

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Verzweiflung der Nachkriegszeit

Trümmerkind: Roman - Mechtild Borrmann

Hamburg, 1946/47. Der 2. Weltkrieg ist vorbei und Hamburg ist zerstört. Tausende Menschen sind in den Trümmern der Stadt mit dem täglichen Überlebenskampf konfrontiert. Da findet der 14jährige Hanno eine nackte Frauenleiche. Wenige Schritte von ihr entfernt ist ein kleiner Junge, den er kurzerhand mit nachhause nimmt. Der Kleine wird fortan Joost genannt, weil er kein Wort über die Lippen bringt. 

„Trümmerkind“ ist ein historischer Roman, der in der Nachkriegszeit des 2. Weltkriegs in Hamburg spielt. Dabei greift die Autorin wahre Begebenheiten auf und verarbeitet sie zu einer fiktiven Geschichte.

Die Handlung ist in drei Erzählstränge unterteilt, wovon zwei unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg angesiedelt sind. Es geht nicht nur um Hanno und seine Familie in Hamburg, sondern auch um Clara Anquist und wie sie von ihrem Gut aus der russischen Besatzungszone fliehen muss. Eine weiterer Handlungsstrang findet in den frühen 1990er-Jahren statt, wo Lehrerin Anna einem gut gehüteten Geheimnis auf die Schliche kommt.

Der 14jährige Hanno bringt sich und seine Familie einigermaßen durch. Er stöbert in den Trümmern nach Brauchbarem, um es am Schwarzmarkt zu verkaufen. Seit der Vater in den Krieg gezogen ist, fühlt er sich als Mann im Haus. Diesem Verantwortungsgefühl ist es wohl auch geschuldet, dass er den kleinen Joost aufklaubt, weil er ihn nicht allein in den Trümmern lassen will.

Clara Anquist ist eine Frau in den 20ern. Sie hat mit ihrer Familie auf einem ansehnlichen Gut am Land gelebt. Mit dem Ende des Krieges kommen die Russen in die Region und nehmen sich alles, was ihnen ihres Erachtens zusteht. Clara merkt, dass es in ihrer Heimat keine Zukunft für sie gibt und geht die Flucht Richtung Spanien an.

Anna ist Lehrerin. Ihre Generation hat den Krieg und seine Nachwehen längst hinter sich. Dennoch nagen ihr Gewissen und die Sorge um ihre Mutter an ihr. Die Mutter spricht niemals vom Kriegsgeschehen und Anna ahnt, dass sie etwas zu verbergen hat.

Thematisch hält sich die Autorin an den Wirren der Nachkiegszeit fest. Dabei nimmt sie die Trümmermorde aus dem Winter 1946/47 als Grundlage und überlegt, was damals geschehen sein kann. Denn in den Trümmern von Hamburg wurden damals tatsächlich vier nackte Leichen gefunden, deren Ermordung niemals aufgeklärt wurde.

Mir gefällt, dass Mechthild Borrmann diese Morde aus dem Sog des Vergessens zieht und damit Bewusstsein für den harten Winter, die umgreifende Armut und die Verzweiflung der Menschen schafft.

Die Handlung ist nachvollziehbar, baut sich langsam auf und spielt mit spannenden Momenten. Am Ende trumpft Mechthild Borrmann noch mit einer Überraschung auf, die ich so nicht erahnt hätte.

Mir hat es etwas an atomsphärischer Dichte gefehlt, einige Stimmungen und Ereignisse wurden mir zu distanziert beschrieben. Manche Szenen werden nur angedeutet und enden abrupt, obwohl hier mehr Hintergründe interessant gewesen wären. Dafür wirkt „Trümmerkind“ äußerst authentisch, weil genau diese Aussparungen Wissenslücken vermuten lassen. Zum Schluss habe ich sogar gezweifelt, ob es nicht doch die Beschreibung einer wahren Begebenheit ist, weil es durch den nüchternen Erzählstil tatsächlich so wirkt.

„Trümmerkind“ von Mechthild Borrmann ist ein guter historischer Roman, der auf die Trümmermorde Hamburgs aufmerksam macht, den Blick auf die Verzweiflung der Nachkriegszeit richtet und das harte Leben der damaligen Menschen vor Augen führt. Bei Interesse sollte dieser Roman unbedingt gelesen werden!

 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at