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NiWa

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Das Grauenvolle Grab (Lockwood & Co. 5)
Deutschland Random House Audio, Anna Thalbach, Jonathan Stroud
Die Verlorenen von New York
Susan Beth Pfeffer
Bereits gelesen: 18/352 pages

Facettenreicher Fantasy-Mix

Blutbraut - Gerald Paradies, Der Hörverlag, Lynn Raven, Adam Nümm, Marie Bierstedt

Lucinda ist schon ihr ganzes Leben lang auf der Flucht. Sie flieht vor Joaquín de Alvaro, einen Magier, der unbedingt ihr Blut braucht. Denn sie ist seine Blutbraut und damit seine einzige Hoffnung kein Nosferatu zu werden. Aber dann wird Lucinda von Joaquíns Schergen geschnappt, genau in dem Moment als sie ihrer ersten großen Liebe näher kommt.

„Blutbraut“ ist ein Fantasyroman, der in ein atemberaubendes Setting entführt. Es gibt Vampire, märchenhafte Anlehnungen und eine Protagonistin, die mir vom ersten Augenblick an gröber auf die Nerven ging.

Die Geschichte an sich ist großartig und konnte mich sofort begeistern. Lynn Raven bedient sich unterschiedlichster Elemente aus Mythen, Sagen sowie Legenden und macht dabei auch vor Populärkultur nicht halt.

Es gibt so viele Motive, denen ich in diesem fulminanten Fantasywerk begegnet bin. Zuerst sind da die Vampire, die es als dunkle, mächtige und blutgierige Wesen gibt. Joaquín de Alvaro ist am besten Weg einer zu werden, wenn er nicht rechtzeitig das Blut seiner Braut erhält.

Außerdem habe ich Anlehnungen an „Die Schöne und das Biest“ erkannt. Genau wie im Märchen liegt es an Protagonistin Lucinda, das Biest in Form des bösen Magiers von seinem Fluch zu befreien. Doch sie muss es freiwillig tun.

Zudem erinnern die Machtstrukturen der Familie de Alvaro an das System, das bei den Narcos - der südamerikanischen Mafia - herrscht. Es sind zwar keine Drogen im Spiel, dennoch fungiert Joaquín de Alvaro als Don bzw. Familienoberhaupt und hat eine ganze Stadt in seinem Griff.

Gleichzeitig nimmt Lynn Raven noch zu Trends Bezug, indem sie Joaquín de Alvaro Rennen fahren lässt, die es mit „The Fast and The Furious“ aufnehmen können. 

Die Handlung hat mich in ihren Facetten begeistert und hat mir sehr großen Spaß gemacht. Man fühlt die brütende Hitze der Wüste, kommt den Machenschaften hinter de Alvaro auf die Schliche und erfährt, wie es in der Vergangenheit überhaupt erst zum Nosferatu-Fluch gekommen ist.

Allerdings ist Protagonistin Lucinda Moreira eine echte Nervensäge. Ich hatte noch niemals mit einer so schwachen, enervierenden Protagonistin zutun. Bei dem ganzen Gejammer und Gezeter denkt die Gute auch noch, dass sie ein toughes Mädchen sei! Lucinda heult, jammert und schreit, sie zittert und hat sogar vor ihrem eigenen Schatten Angst. Ich glaube, an Joaquíns Stelle wäre ich wahrscheinlich freiwillig zum Nosferatu geworden, bevor ich mir dieses Mädchen an meiner Seite antue. 

Nichtsdestotrotz konnte ich meine Abneigung gegen Lucinda überwinden und ich habe mich auf die Geschichte konzentriert. Die Handlung ist unterhaltsam, hat einige unerwartete Wendungen und sehr viel Charme parat. 

Meiner Meinung nach ist „Blutbraut“ ein schillerndes Werk, das Fantasyfreunden zu empfehlen ist, die Vampire mögen, Sinn für Populäres haben und über eine nervige Protagonistin hinwegsehen können. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Böser Krimi

Böses Kind: Der erste Fall für Kommissar Henry Frei - Martin Krist

In Berlin wird gemordet und ein Opfer wird gekreuzigt aufgefunden. Kriminalkommissar Frei und seine Kollegin Albers ermitteln in diesem Fall.
Währenddessen ist Suses Tochter Jacqueline spurlos verschwunden. Hat das Mädchen etwas mit den Morden zutun? Ist sie ein Opfer? Oder hängt sie einfach nur mit Freunden ab?

Martin Krists „Böses Kind“ ist einer der besten Krimis, die ich in letzter Zeit gelesen habe. 

Die Ausgangslage ist genial und der Roman wird auf zwei Haupt-Ebenen erzählt. Im Vordergrund steht Suse mit ihrer Situation als alleinerziehende Mutter. Sie hat drei Kinder, fühlt sich absolut überfordert und plötzlich fehlt von ihrer ältesten Tochter Jacqueline jede Spur. Ist der Teenager nur wieder einmal ausgebüchst? Oder hat Suse berechtigterweise ein ungutes Gefühl?

Die zweite Ebene beschäftigt sich mit dem Ermittlungsteam Frei und Albers in sehr angenehmer Form. Krist arbeitet die Ereignisse chronologisch ab, versieht sie mit Uhrzeiten und geht mit den Beamten ihren Alltag durch. Dieser nüchterne Stil hat mir außerordentlich gut gefallen, weil sich der Autor damit auf das Wesentliche konzentriert. Zwar zeigt er auch kleine Einblicke in ihr Privatleben, dennoch bleibt er in erster Linie am Fall dran, womit man bei mir immer punkten kann.

Henry Frei und Louisa Albers stehen als ermittelnde Polizisten abseits vom Klischee. Sie sind weder geschieden, noch Alkoholiker oder hängen mit ihrem Familien- oder Freundeskreis persönlich im Fall drin. Natürlich haben sie ihre Eigenheiten, die sie individuell machen, doch es bleibt im glaubwürdigem und nachvollziehbaren Bereich. Man kann sich einfach zurücklehnen und den Fall ‚genießen‘ - den Krist exzellent einfädelt hat.

Eigentlich glaubt man zu wissen, was geschehen ist. Ständig winkt Krist mit einer möglichen Lösung des Falles vor der Nase herum. Man glaubt, ihn durchschaut zu haben, während man sich plötzlich auf einem ganz anderen Weg bewegt. Diese Änderungen kommen langsam, sie schleichen sich in die Story rein, während man eine Vermutung nach der anderen abhaken kann.

Gleichzeitig fasziniert mich Krist mit seiner realitätsnahen Erzählweise. Ich war noch nie in Berlin. Es ist eine absolut fremde Stadt für mich, und trotzdem habe ich den Eindruck, als ob ich dort gewesen bin. Er beschreibt soziale Problemfelder, das Lebensgefühl, das die Berliner haben, und wie trist Deutschlands Hauptstadt für manche ist. 

Der Schluss kam sehr abrupt. In einem Moment hat man die Aufklärung des Falls erreicht und im nächsten ist tatsächlich das Buch zu Ende. Ich fand es befremdlich und habe mich überrumpelt gefühlt. Dennoch hat’s mir gefallen, weil es mal etwas anderes als endlose Epiloge ist.

Meiner Ansicht nach hat Martin Krist mit „Böses Kind“ einen richtig bösen Krimi geschrieben, der durch den realistischen Stil sehr besonders ist. Fazit: Wer Krimis mag, wird Krist lieben.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Frostige Weihnachtszeit

Am Anfang war der Frost: Roman - Delphine Bertholon

Weihnachten 2010. Nathan kommt mit seinen Kindern nachhause, wo er mit Mutter und Schwester gemeinsam Weihnachten verbringt. Unvermutet steht sein verschwundener Vater vor der Tür und mysteriöse Geschehnisse gehen in dem idyllisch anmutenden Familienhaus vor.

„Am Anfang war der Frost“ ist ein düsterer Familienroman, der sich mit Liebe, Verlust, dem Loslassen und der damit verbundenen Trauer auseinandersetzt. 

Nathan kommt an Weihnachten mit seinen beiden Kindern heim, um mit seiner Schwester und der Mutter die Feiertage zu verbringen. Doch die Stimmung ist alles andere als feierlich, als er erfährt, dass sein Vater kürzlich vor der Tür gestanden ist. Der Mann, der seine Familie vor 30 Jahren Hals über Kopf verlassen hat. 

Der Roman ist in zwei Erzählstränge unterteilt. Einerseits befindet man sich mit Nathan im Jahr 2010, wo er dieses irritierend-nüchterne Weihnachten mit seiner Familie verbringt. Seine Mutter ist kühl, die Schwester noch kälter und seine Kinder machen ihm durch mysteriöse Bemerkungen ein wenig Angst. Dann erscheint der längst verschollene Vater am Parkett, wodurch die Situation noch angespannter wird.

Nathan hat das Leben nicht besonders gut mitgespielt. Er hat sich schon immer allein gefühlt, als ob ihm von Anfang etwas gefehlt hätte. Als junger Witwer vermisst er seine Frau und gibt sich ganz der Erziehung seiner Kinder - der Zwillinge - hin. 

Besonders Nathans Geschichte hat mich berührt, weil man merkt, wie verloren er eigentlich ist. Es halten ihn einzig seine Kinder am Leben, ansonsten gibt es nur die Erinnerung an die wenigen Jahre mit seiner Frau. 

Der zweite Erzählstrang beschäftigt sich mit Grâce Batailles Tagebuch, worin sie ihr Leben festhält. Auf den ersten Blick ist es wunderbar, wären da nur nicht anfängliche Spuren des Alters in ihrem Gesicht, der Ehemann, der immer auf Reisen ist, und dieses Au-Pair-Mädchen, mit dem naiv-unschuldigem Blick. 

Diese Grâce im Jahr 1981 ist wütend, sie ist frustriert und ihre Verzweiflung lässt sich auf allen Seiten spüren. Dennoch schafft sie es nach Außen stoische Ruhe zu bewahren und gibt sich demonstrativ würdevoll. 

Trotz der angemessenen Beschaulichkeit geht ein eiskalter Schauer durch die gesamte Erzählung. Man ist Geheimnissen auf der Spur, fühlt, etwas Unaussprechliches zwischen den Zeilen, ist vom Schicksal der Familie irritiert und berührt zugleich, und ahnt, dass man langsam hinter die Fassade blickt.

Die Handlung an sich ist ein familiäres Drama, das trotz des ruhigen, nüchternen Erzählstils für ordentlich Furore sorgt. Es ist aufwühlend und - auch wenn es kein Krimi ist - schon fast ein roman noir, der durch eine dunkle Note besticht. 

Meiner Meinung nach ist es ein fesselnder Familienroman, der durch die drückende Stimmung, den ruhigen Stil und die Wucht der Ereignisse beeindrucken kann. Obwohl das Geschehen eher gedämpft vonstatten geht, brodelt es unter der Oberfläche bis es am Ende in seinem gesamten Umfang greifbar ist. 

Wer gern Familiengeschichten liest und es auch mal eher düster mag, wird in „Am Anfang war der Frost“ eine ideale Weihnachts- bzw. Winterlektüre finden. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Verschlafener Kleinstadtkrieg

Sleeping Beauties - Stephen King, Owen King, Bernhard Kleinschmidt

Eine Pandemie zieht über die Welt, die ausschließlich Frauen befällt. Sobald sie einschlafen, wird ihr Körper von einem kokonartigen Gebilde umhüllt. Weckt man die Frauen auf, zerfleischen sie ihr Gegenüber als ob sie tollwütige Tiere wären. 

„Sleeping Beauties“ ist ein Horror-Roman, der in pandemischen Ausmaß die Frauen von den Männern trennt. Stephen und Owen King heben den Kampf der Geschlechter hervor und gehen ihn von einer neuen Seite an.

Was geschieht, wenn es plötzlich keine Frauen mehr gibt? Was passiert, wenn die Gesellschaft nur mehr aus Männern besteht und das weibliche Geschlecht einen Neuanfang wagen kann?

Hauptschauplatz ist die Kleinstadt, in die Stephen King immer gerne entführt. Brennpunkt ist hier ein Frauengefängnis, das durch die Pandemie und der umwerfend-mysteriösen Evie ins Zentrum der Geschichte rückt. 

Die Handlung lässt sich gut lesen, geht mir persönlich aber zu gleichförmig dahin. Stephen und Owen King halten ein anregendes Spannungslevel, das jedoch bis zum Finale relativ geradlinig bleibt. So taucht man in die Story um die schlafenden Frauen von Dooling langsam ein, wird von manch blutig-brutaler Szene durchgerüttelt und findet sich mitten im Kleinstadtkrieg wieder.

Dieses Setting hat es King schon immer angetan. So verwundert es nicht, dass er sie auch diesmal als Schauplatz wählt. Es werden sofort altbekannte Muster geweckt, anhand der vielen Figuren wird man mit dem gesellschaftliche Gefüge konfrontiert und steht damit der mysteriösen Krankheit im Angesicht. 

Der Kleinstadtkrieg an sich hat endzeitmäßige Züge, die man aus anderen Romanen kennt. Bewährte Strukturen lösen sich auf, Männer müssen ihren Mann stehen und keiner weiß, wohin die Pandemie führen wird. In all dem Chaos bahnt sich im Frauengefängnis eine brenzlige Situation an, die es in den Griff zu bekommen gilt.

Die Charaktere sind weit gestreut. Es gibt Lila, den weiblichen Sheriff der Stadt, die so lange wie möglich die Augen offen hält, ihren Mann Clint, der sich als Psychiater den Frauen im Gefängnis annimmt, boshafte Verbrecher und Trunkenbolde, verliebte Jugendliche und die mysteriöse Evie, die gleichzeitig mit der Krankheit auf der Bildfläche erschienen ist. 

Ich mag es weniger, wenn King so viele Figuren ins Zentrum der Erzählung stellt. Zwar bekommt man als Leser einen umfassenden Blick über die Geschehnisse, hält aber ständig eine gewisse Distanz, die mich weniger angesprochen hat. 

Dadurch hat es mir an dem typischen King-Horror - dieser einnehmenden Atmosphäre - gefehlt, die mich normalerweise binnen weniger Seiten in die Geschichte zieht. Die oberflächliche Perspektive auf das Gesamtgeschehen, die Aneinanderreihung der handelnden Figuren, haben mich durchgehend auf Abstand gehalten, was bei mir das Lesevergnügen hemmt.

Nichtsdestotrotz haben Stephen und Owen King einen lesenswerten Kleinstadtkrieg entflammt, dem es allerdings am kingschen Horror fehlt. Ich denke aber, wer „Die Arena“ gern gelesen hat, wird an den schlafenden Schönheiten genauso seine Lesefreude haben.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Schockierender Erfahrungsbericht

Kälter als die Nacht: Gefangen im Keller eines Serienmörders (Lübbe Sachbuch) - Josefina Rivera, Veronika Dünninger

Als Josefina bei Gary Heidnik ins Auto steigt, weiß sie nicht, dass ihr Monate der Pein und des Schreckens bevorstehen. Denn sie hat sich einen psychopathischen Serienkiller als Freier ausgesucht, der sie daraufhin in seinem Keller gefangen hält.

„Kälter als die Nacht“ ist kein Thriller, kein Krimi, sondern schonungslose Realität. Josefina Rivera wurde tatsächlich vom mehrfachen Mörder Gary Heidnik entführt, der später in der Todeszelle gelandet ist.  

Josefina Rivera ist eines seiner Opfer, das ihm nach Monaten der Qual durch ihre Tapferkeit und Durchsetzungskraft entkam. 

Ausgerechnet vor Thanksgiving steigt die drogensüchtige Prostituierte bei einem Mann ins Auto ein. Statt der paar erhofften Dollar für ihren Drogenkonsum, wird sie von ihm in den Keller verfrachtet. Wenig später kommen weitere junge Frauen hinzu.

Rivera berichtet von den Wochen im Keller. Zuerst war sie allein, später hat sich Heidnik weitere Frauen ‚angeschafft‘. Schonungslos erläutert sie ihre Erlebnisse, die Schreckmomente und ihren eigenen Zwang, die Hoffnung nicht aufzugeben.

In diesem Buch hat Josefina Rivera nicht nur dieses Verbrechen sondern auch ihre eigene Geschichte verarbeitet. Sie erzählt, warum sie bei Adoptiveltern gelandet ist, wo sie eine liebevolle Erziehung genossen hat und sich trotzdem nicht vom Drogensumpf fern halten konnte. 

Außerdem berichtet sie von ihren eigenen Kinder, die ihr aufgrund ihrer Profession und Abhängigkeit entglitten sind. Wobei natürlich auch Heidnik einiges an Schuld daran zu tragen hat. 

Josefina Rivera ist eine starke Frau, die sich mit diesem Buch ihren Erinnerungen und ihrem Leben stellt. Besonders die Szenen im Keller haben mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Man merkt Josefinas Hilflosigkeit, fühlt sich mit ihr ausgeliefert und hat ständig vor Augen, dass es tatsächlich so geschehen ist. 

Außerdem rechnet Josefina mit der Presse ab. Nachdem Heidnik gefasst wurde, hat sich eine Pressemeute auf die überlebenden Opfer gestürzt und nahm besonders die farbige Prostituierte in Augenschein. Abstruse Behauptungen, erschütternde Schuldzuweisungen und entgleisende Spekulationen haben Josefinas Leben erneut aus der Bahn geworfen, womit sie mit diesem Buch wohl aufräumen will.

Sie veranschaulicht ihre guten und schlechten Seiten, geht auf ihren Drogenkonsum und ihr Dasein als Prostituierte ein, und zeigt den Medien, dass sie trotzdem ein Opfer und sicher keine Täterin ist. Allerdings ist mir genau dieser Teil etwas zu viel gewesen. Man merkt der Autorin ihre bemühten Rechtfertigungsversuche an, die sich mir persönlich etwas zu sehr gezogen haben. 

Gleichzeitig beschreibt sie Gary Heidniks Wesenszüge, seine berechnende Art und die brutale Vorgehensweise. Kein Hauch Menschlichkeit war laut diesem Bericht an ihm. Zudem hat sie seinen Opfern damit ein Andenken gesetzt, indem sie u.a. von Sarah erzählt, mit der sie trotz schrecklichster Umstände wunderbare Momente verbracht hatte. 

Meiner Meinung nach hat Josefina Rivera mit „Kälter als die Nacht“ einen schonungslosen Bericht über die Zeit in Heidniks Gewalt geschrieben und damit mit lüsternen Spekulationen über sich und die anderen Opfer aufgeräumt. Dieses Buch ist keinesfalls für schwache Nerven und sollte mit Bedacht gelesen werden!

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Die Hüter des Todes

Scythe – Die Hüter des Todes - Pauline Kurbasik, Neal Shusterman, Kristian Lutze

Die Menschheit hat sich selbst übertroffen und ist am Gipfel der Entwicklung angelangt: endloses Wissen, endloser Wohlstand und ein endloses Leben. Doch der Tod ist nach wie vor präsent. 

Neal Shusterman hat mit „Scythe. Die Hüter des Todes“ einen grandiosen Trilogie-Auftakt geschrieben. Es ist eine Dystopie, in der die Menschen dem Tod von der Schippe springen, Regeln des Lebens und Sterbens selbst erschaffen, und die Hüter des Todes ihrer dunklen Aufgabe nachkommen. 

Meiner Meinung nach geht Neal Shusterman ganz große Themen unserer Gesellschaft an. Er nimmt die Unsterblichkeit her, verpackt sie in einer Welt aus Wohlstand, umwickelt das Paket mit Technik, und stellt den Menschen als Opfer seines eigenen Daseins dar.

Die Jugendlichen Citra und Rowan leben in dieser Welt, in der es keine Kriege, keine Armut und grundsätzlich auch keinen Tod mehr gibt. Die Menschen haben Unsterblichkeit erlangt. Allerdings muss für das Gleichgewicht auf Erden gesorgt und eine Überbevölkerung verhindert werden. Daher gehen die Scythe ihrer Berufung als moderne Sensenmänner nach.

Citra und Rowan sollen zu Scythe ausgebildet werden und nehmen beim eherenwerten Scythe Faraday eine Lehrstelle an. Sie beginnen das Handwerk des Todes zu lernen, obwohl sich in ihnen alles dagegen sträubt. Nichtsdestotrotz erkennen sie, dass diese Aufgabe notwendig ist, denn nur so kann die Balance der Menschheit bewahrt werden.

Neal Shusterman hat sich eine packende Welt ausgedacht, die meiner Ansicht nach gar nicht abwegig ist. Mich faszinieren immer die Perspektiven, mit denen der Autor spielt. Er beruft sich auf gegenwärtige Ängste, Visionen und Szenarien, die er einen konträren Schritt weiterdenkt. Zum Beispiel sieht er die dunkle Seite der Unsterblichkeit, die mit Überbevölkerung, Überfluss und Depression einhergehen kann. Was, wenn einem alle Zeit der Welt bleibt? Ist damit Trägheit vorprogrammiert? Dann legt er das Schicksal der Menschheit in Maschinenhand ohne die panischen Vorstellungen unserer Gegenwart zu erfüllen. Ein Computer ist unbestechlich, kann nicht emotional reagieren und für seine Entscheidungen ausschließlich Algorithmen verwenden. Was bleibt sind perfekt genutzte Ressourcen im Überfluss und ein Wohlstand, der den gesamten Planeten überspannt.

Kernstück der Erzählung ist natürlich die Ausbildung von Citra und Rowan. Die beiden Jugendlichen machen sich gezwungenermaßen auf in die Lehre um Scythe zu werden. Shusterman diskutiert anhand ihrer Erfahrungen die verschiedensten Sichtweisen auf den Tod, wie er begangen werden kann, worin die Würde eines Menschen liegt und wie unterschiedlich der Umgang jedes Einzelnen damit ist.

Obwohl es thematisch ein düsteres Buch ist, hat mir das Lesen sehr großen Spaß gemacht. Die jugendlichen Protagonisten entdecken ihre Welt, hinterfragen sie und verstehen, dass alles immer zwei Seiten hat. Gleichzeitig sorgen ein flüssiger Stil und spannende Szenen für kurzweiliges Lesevergnügen, die von nachdenklich stimmenden Gedanken begleitet werden.

Meiner Meinung nach ist „Scythe. Die Hüter des Todes“ ein großartiger Trilogie-Auftakt, der für mich Highlight-Status hat und den ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Kafkaesk

Die Verwandlung: Eine Erzählung (Klassiker der Phantastischen Literatur) - Rolf Bächi,  Franz Kafka

Als Gregor erwacht ist er plötzlich zum Käfer geworden. Es liegt auf der Hand, dass er sich nicht seinen täglichen Pflichten widmen kann, weil so etwas Haarsträubendes geschehen ist.

Dieser Klassiker der phantastischen Literatur erklärt auf wenigen Seiten, was unter dem Begriff ’kafkaesk’ zu verstehen ist. Kafka geht auf Lieblosigkeit, Pflichtgefühl und familiäre Zwänge ein und lässt seinen Protagonisten als Käfer dahinsiechen.

Vielleicht ist es unglaublich - es ist aber wahr, ich habe noch nie etwas von Franz Kafka gelesen. Ich hatte große Bedenken und noch viel mehr Respekt, mich diesem Werk zu widmen. Jetzt bin ich froh, dass ich es getan habe.

Gregor erwacht als Käfer in seinem Bett und wird gleich mit den versäumten Pflichten konfrontiert. Der Prokurist klopft schon an der Wohnungstür an, die Eltern und die Schwester wissen sich nicht zu helfen, und Gregor siecht als Käfer in seinem Bett vor sich hin.

Meine Ausgabe ist in drei Teile unterteilt, wobei sich der erste Abschnitt mit den kurzfristigen Konsequenzen der plötzlichen Verwandlung auseinandersetzt. Hier habe ich Tränen gelacht, weil ich die Idee des Käferleibs richtig witzig gefunden habe. Man stelle sich vor, dass man als Insekt erwacht und die größte Sorge ist, wie man zur Arbeit kommt? Damit hatte mich Kafka sofort bei der Stange, vor allem, als er dann noch die Bewegungsversuche des schwerfälligen Leibs beschreibt. 

Im zweiten Teil werden ernstere Töne angeschlagen, weil Gregors Familie in ihrem Sohn einen ärgerlichen Lebensumstand sieht. War er doch als angesehener Handlungsreisender stets für den Unterhalt der Familie verantwortlich, nützt er in seiner jetzigen Gestalt - als Ungeziefer -  kaum etwas.

Der Abschluss der Geschichte ist mir dann richtig unter die Haut gegangen und regt ordentlich zum Nachdenken an. 

An eine Interpretation wage ich mich nicht heran, weil das auch gar nicht mein Anspruch ist. Ich vermute, dass Kafka auf das Leben, Familie und Pflichten eingeht und dabei die Reduktion des Einzelnen auf seinen gesellschaftlichen Nutzen hervor streicht.

Mich hat Kafkas „Die Verwandlung“ jedenfalls überzeugt, auch wenn ich mir vieles nicht erklären kann. Es ist eine abgefahrene Geschichte, die vor Fantasie und Gesellschaftskritik strotzt und viele Emotionen anregt. Ich habe gelacht, gebangt, war traurig und ergriffen - was man bei knapp 100 Seiten erst einmal zustande bringen muss.

In diesem Sinn muss ich mich der geläufigen Meinung anschließen und meine, dass man Kafka gelesen haben muss. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Nebulöser Monday Club

Monday Club. Das erste Opfer: Band 1 - Krystyna Kuhn

Was ist Wahrheit, was ist Illusion? Fayes beste Freundin Amy stirbt bei einem Autounfall. Doch wenig später sieht sie ihre verstorbene Freundin auf der Straße stehen! Ist Amy am Leben oder hat sie halluziniert? Warum darf sie nicht darüber sprechen? Und was hat der nebulöse Monday Club damit zutun?

„Monday Club. Das erste Opfer“ ist ein Trilogie-Auftakt im Bereich Mystery-Thriller und richtet sich an eine jugendliche Leserschaft.

Jugendbücher lese ich sehr gern, auch wenn ich schon längst dem Alter entwachsen bin. Zu „Monday Club“ habe ich viele begeisterte Stimmen gehört und wollte mir selbst eine Meinung bilden.

In erster Linie geht es um das Spiel zwischen Sein und Schein. Was ist real und was bildet sich Protagonistin Faye ein? 

Faye ist sechzehn und ist an idiomatischer Insomnie erkrankt. Dabei handelt es sich um eine Schlafkrankheit, die sie nachts nicht zur Ruhe kommen lässt. Zum Schlafentzug gesellen sich demnach weitere körperliche Symptome, zu denen auch Halluzinationen zählen.

Ihre beste Freundin Amy kommt bei einem Unfall ums Leben. Doch etwas später trifft Faye Amy auf der Straße an. Hat sie sich dieses Treffen nur eingebildet oder vielleicht sogar geträumt? Denn ein Mensch, der gestorben ist, kann doch nicht in der Nacht herum spazieren.

Über allem hängt das Damoklesschwert des Monday Clubs, der sich nebulös über sämtliche Ereignisse erstreckt. Jeden Montag treffen sich ehrwürdige Bürger der Stadt, um hinter verschlossenen Türen … was zu tun?

Meiner Meinung nach ist es ein Plot der Spannung verspricht, sie jedoch in der Umsetzung nicht ganz halten kann. Einerseits liegt sehr viel im Ungewissen, andrerseits schwebt mir die Handlung zu sehr zwischen Wahrheit und Illusion.

Doch fangen wir von vorne an. Schon allein Amys tödlicher Unfall und Fayes merkwürdige Verwicklung darin hat mich nicht überzeugen können. Es ist bestimmt schlimm, wenn die beste Freundin stirbt, aber auch andere Menschen trauern sicherlich um sie. Im Buch hatte ich das Gefühl als ob nur Faye in Trauer ist und Amys Umfeld den Tod als gegeben hinnimmt. Auffällig ist, dass alle mit Faye so viel Mitleid haben, wobei wohl auch Amys Mutter vom Tod ihrer Tochter betroffen sein sollte. 

Der Monday Club bleibt von Anfang bis Ende sehr nebulös und genauso sind auch weitere Charaktere dargestellt. Sie reihen sich wie Schablonen in die Handlung ein, ohne ein Gesicht zu bekommen. Es gibt Fayes Freunde, ihre Familie und Bekannte, die eben ihre Rollen erfüllen, ohne für mich als Leser wirklich greifbar zu sein. Sogar Protagonistin Faye bleibt meiner Meinung nach blass, weil sie nur bedauert und herumgeschoben wird, ohne selbst zu wissen, was sie eigentlich macht.

Die Handlung an sich war teilweise recht spannend zu lesen, auch wenn sie mich nicht ganz für sich eingenommen hat. Mir hat es an Logik hinter den Ereignissen gefehlt und so konnte ich viele Entwicklungen einfach nicht nachvollziehen.

Im Endeffekt kann ich mir aber gut vorstellen, dass die Geschichte für junge Leser recht gut funktioniert, weil sie eine sehr geheimnisvolle Stimmung hat und trotz der genannten Schwächen Neugier entfacht.

 

Die Trilogie:
1) Monday Club. Das erste Opfer
2) Monday Club. Der zweite Verrat
3) Montag Club. Die letzte Rache

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Eiskalter Thriller

Eisige Schwestern: Psychothriller - S.K. Tremayne, Susanne Wallbaum

Sarah und Angus wagen einen Neuanfang. Vor einem Jahr ist ihr Mädchen Lydia bei einem Unfall gestorben. Es bleibt Lydias Zwillingsschwester Krystie, der sie nun ihre ganze Aufmerksamkeit schenken wollen. Dazu ziehen sie auf eine Insel nach Schottland, wo sich der Neuanfang als Ende entpuppt.

Sarah und Angus ziehen auf eine abgeschottete Insel, wo sie die Vergangenheit hinter sich lassen möchten. Denn nach Lydias Unfall haben beide das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. In der neuen Umgebung hoffen sie auf andere Gedanken zu kommen. Doch bald behauptet Krystie in Wirklichkeit Lydia zu sein. Haben sie das falsche Zwillingsmädchen begraben? Oder bildet sich Krystie das nur ein?

Großteils verbringt man mit Sarah seine Zeit, die sich dem ungemütlichen Inselleben beugt. Sie versucht das heruntergekommene Haus herzurichten und ihrem verbliebenen Mädchen Krystie eine gute Mutter zu sein. Doch nach und nach häufen sich die Merkwürdigkeiten und Sarah vermutet schon, dieses Mädchen kann nicht Krystie sein …

Damit ist S. K. Tremayne ein spannender Plot gelungen. Man stelle sich vor, man ist Eltern von Zwillingen und einer stirbt. Wie kann man bei kleinen Kindern sicher sein, welcher von ihnen gestorben ist? Immer wieder geht Sarah den Unfall im Geiste durch und beobachtet ihre Tochter ganz genau. Handelt es sich um Krystie oder Lydia? Lydia oder Krystie? Oder bildet sie sich das alles in ihrer Trauer nur ein?

Angus hingegen hat mit den finanziellen Sorgen der Familie zu kämpfen. Denn um die Finanzen ist es schlecht bestellt. Daher stürzt er sich in die Arbeit, wobei er nur zu gut weiß, dass der Unfalltod seiner Tochter doch merkwürdig war.

S. K. Tremayne schildert die Ereignisse aus Angus’ und Sarahs Perspektive, wobei Sarah deutlich die Oberhand behält. Nach und nach wird klar, dass die Protagonisten dem Leser und sich gegenseitig Informationen vorenthalten, die Licht ins Dunkel bringen könnten. Das macht unter anderem die unterschwellige Spannung dieses Thrillers aus. 

Hinzu kommt der Schauplatz der einsamen Insel, den die Familie gegen das bunte Treiben in London tauscht. Auf der Insel ist es kalt, das Haus ist halb verfallen, sie ist schwer erreichbar und dann zieht auch noch ein Unwetter auf. Dieses Setting hat es mir angetan, weil dadurch eine subtile Bedrohung entstanden ist, die durch die Handlung begleitet hat.

Zudem kommen feine Mystery-Elemente, die man sich nicht wirklich erklären kann. Liegt es daran, dass Krystie eigentlich Lydia ist? Interpretieren die Beteiligten zu viel in die Situation hinein? Oder drehen sie ganz einfach durch?

Am Ende sorgt die Handlung noch für einen sanften Schauer, es wird sogar etwas gruselig und ich bin an den Seiten geklebt.

Meiner Meinung nach hat S. K. Tremayne  mit „Eisige Schwestern“ einen stimmungsvollen Psychothiller geschrieben, der es einem teilweise eiskalt den Rücken runter jagt. Das einsame Setting, das Verwirrspiel um das Mädchen und Sarahs Bemühen eine gute Mutter zu sein haben mich nicht kalt gelassen. Ich habe ständig eine latente Spannung gespürt.

„Eisige Schwestern“ ist ein Thriller für Leser, die das subtile Grauen mögen, unterschwellige Spannung in Büchern schätzen und Mystery-Elementen gerne eine Chance geben. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

CeCe, die Künstlerin

Die Perlenschwester: Roman - Die sieben Schwestern 4 - - Lucinda Riley, Sonja Hauser

CeCe d'Aplièse wurde wie ihre Schwestern adoptiert. Ihre Vorgeschichte ist nicht bekannt. Doch ihr Vater hat ihr nach seinem Tod einen Hinweis hinterlassen, der sie nach Australien zu einer dramatischen Geschichte Anfang des 20. Jahrhunderts führt.

Es handelt sich um den 4. Band der Sieben-Schwestern-Reihe, die ihre Leser mit mysteriösen Geheimnissen konfrontiert. Allesamt aufgewachsen wie gut betuchter Adel im märchenhaften Ambiente am Genfer See, wird es für die Schwestern nach dem Tod ihres Adoptivvaters Zeit, ihrer Herkunft auf den Grund zu gehen.

In diesem Band wird Schwester CeCes Geschichte ergründet, die sich bisher immer an ihre Lieblingsschwester Star geklammert hat.

Bei dieser Reihe werden insgesamt drei Geschichten erzählt: Die alles umspannende Handlung von Pa Salt und seinen adoptierten Töchtern, der man immer ein kleines Stückchen näher kommt, die Entwicklung der Schwester, der der jeweilige Band gewidmet ist, und ein historischer Part, der mit der Herkunft der thematisierten Schwester zusammenhängt. 

CeCe geht nun ebenfalls ihrer Herkunft auf den Grund. Zwar wusste sie lange nicht, ob sie der gelegten Spur folgen soll, hat es sich dann aber anders überlegt, weil sie sich verloren fühlt. 

So kommt es, dass sie das Leben und Werk von Kitty Mercer erkundet. Eine Frau, die um die Jahrhundertwende als junges Mädchen den Weg von Schottland nach Australien fand, um ein dramatisches Leben zu begehen, dass bis in die Gegenwart Konsequenzen trägt. 

Der Handlungsstrang um CeCe hat mir diesmal weniger gefallen. Es treibt sie nach Australien und ihre Suche verläuft eher unspektakulär. Die Erzählung ist eintönig und hat einen bemühten Eindruck auf mich gemacht. Zudem wurde noch eine Nebenhandlung in diesen Strang gepfercht, wahrscheinlich um das Ganze etwas aufzupeppen. Zumindest bei mir hat das nicht funktioniert, weil ich es als ausgefranst und lieblos empfunden habe.

Ich hatte mir CeCe bisher ganz anders vorgestellt. In den vorherigen Bänden habe ich sie als dominant und aggressiv erlebt, während sie selbst als Protagonistin eher ein verunsichertes Hascherl (auf Hochdeutsch: eine verschlossene, verunsicherte Person) ist. Es gefällt mir auch weniger, dass Riley sie äußerlich in den Schatten ihrer Schwestern stellt, weil sie nicht dem gewohnten Barbie-Look entspricht und CeCe dadurch machmal einen richtig armseligen Eindruck macht. 

Eher eine Randerscheinung, dennoch bemerkenswert, ist die Kunst der Aborigines, die zwar thematisiert, aber nicht zu sehr aufgebauscht wird. Einerseits fand ich das gut, weil es mir persönlich an Bezug zur Kunst fehlt, andrerseits hat auch dieses Element in CeCes Strang auf mich etwas farblos gewirkt.

Dafür war Kitty Mercers Geschichte packend, dramatisch und sehr spektakulär. In jungen Jahren wurde sie - eher durch Zufall - von Schottland nach Australien verschifft und hat ein bewegendes Leben geführt, das mich nicht so schnell losgelassen hat. Zwischen den Zeilen lag eine Portion von Pioniergeist und Abenteuerlust, die grad in dieser historischen Epoche für eine Frau eher ungewöhnlich ist.

Insgesamt hat mich Lucinda Riley nicht enttäuscht, auch wenn ich mir von CeCes Geschichte ein bisschen mehr Aufregung versprochen hatte. Im Gegenzug dazu taucht man mit Kitty in das heiße Australien ab, darf mit ihr ein bewegendes Leben durchmachen und ahnt von Beginn an, dass es sehr ergreifend wird.

Meiner Meinung nach ist dieser vierte Band der Reihe genauso lesenswert wie die Vorherigen und ist dank der unnachgiebigen Kitty Mercer eine Perle im Bücherregal. 

 


Die Sieben-Schwestern-Reihe:
1) Die sieben Schwestern [Rezension lesen]
2) Die Sturmschwester [Rezension lesen]
3) Die Schattenschwester [Rezension lesen]
4) Die Perlenschwester

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Testosterongesteuerter Zickenalarm

Im finsteren Eis: Roman - Bracken MacLeod, Frank Dabrock

Das Versorgungsschiff Arctic Promise ist auf dem Weg zu einer Bohrinsel als es sich mitten in einem eisigen Sturm befindet. Schiff und Mannschaft kämpfen gegen Wind und Wetter an bis sie merken, dass sie mitten in die eisige Dunkelheit abgedriftet sind. Sie sitzen auf einer Eisscholle fest während die Crew unter einer mysteriösen Krankheit leidet.

„Im finsteren Eis“ zählt meiner Meinung nach in die Kategorie Mystery-Thriller. Mysteriöse Begebenheiten treffen auf spannende Actionszenen, während die Mannschaft des Schiffes mit Unruhen an Bord und der Natur zu kämpfen hat.

Gleich die ersten Seiten haben es in sich. Die Arctic Promise kämpft gegen einen eisigen Orkan an, der einem beim Lesen das Blut in den Adern gefrieren lässt. Das Schiff wird vom Wind getrieben, peitscht zwischen gigantischen Wellen hin- und her, während es die Crew mit dem Eis aufnimmt, das den sicheren Untergang bedeuten würde.

Denn die Arctic Promise ist in eiskalten Gewässern unterwegs. Hier ist es so kalt, dass sogar das Meer gefriert und die Eismassen ganze Schiffe zerdrücken können.

Genau diese unwirtliche Umgebung hat mich sofort gereizt. Es fasziniert mich, wenn sich Menschen an Grenzen wagen und genau das ist bei einem Versorgungsschiff dieser Art der Fall.

Die Ereignisse werden aus der Sicht des Protagonisten Noah geschildert, der sich zu meinem Leidwesen als erheblicher Störfaktor entpuppt. Wegen des Geldes und aufgrund privater Probleme hat er den Job auf der Arctic Promise angenommen. Er hat zwar Erfahrung auf See, ist aber bisher nie auf einem Schiff wie diesem tätig gewesen.

Hier hat es mich erheblich gestört, dass er sich so aufgespielt hat. Für den Verlauf der Handlung ist es wichtig, dass er als Protagonist sozusagen die Führungsrolle übernimmt. Jedoch ist dieser Umstand für mich nicht nachvollziehbar. Warum sollte sich ausgerechnet er gegen die Entscheidungen des Kapitäns stellen? Immerhin ist eine Handvoll weitaus erfahrenerer Seebären an Bord! Ständig geht er in die Offensive und greift den Kapitän - der auch sein Schwiegervater ist - an. Dass dieser davon nicht begeistert ist, kann ich sehr gut verstehen. Denn ich gehe mal davon aus, dass er nicht ohne Grund Kapitän geworden ist.

Zusätzlich sind diverse Feindseligkeiten innerhalb der Crew von Beginn an gegeben, wobei Noah immer der Buhmann ist. Das empfand ich deutlich übertrieben und es hatte für mich sogar etwas von testosterongesteuerten Zickenalarm.

Nichtsdestotrotz ist der Verlauf der Handlung gut. Wenn man emotionale Kleinkriege, beiläufige Anfeindungen und persönliche Differenzen einigermaßen überwunden hat, taucht die Handlung in ein mysteriöses Ambiente ab, was mir sehr gut gefallen hat. Es ist kalt, das Schiff ist auf dieser Eisscholle aufgelaufen und viele Männer leiden an einer seltsamen Krankheit. Doch am Horizont - über eine unvorstellbare Eismasse hinweg - ist ein Punkt zu sehen, der eventuell ein anderes Schiff sein kann …

Meiner Meinung nach hätte der Roman ein bisschen weniger künstliches Drama, dafür mehr von der eiskalten Atmosphäre vertragen können. Eventuell ist es auch ein Buch, das Männern besser als Frauen gefällt. Ich bin jedenfalls mit der Arctic Promise auf der Eisscholle gelandet, habe mir den Hintern abgefroren, furchteinflößende Dinge entdeckt und über die Männer an Bord den Kopf geschüttelt.  

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Fantastische Märchen vom dunklen Turm

Wind (Der dunkle Turm 8) - Stephen King

Roland, der Revolvermann, hat mit seinem Ka-tet den Grünen Palast verlassen, als sie ein furchtbarer Sturm einholt. Während sie das Unwetter aussitzen, beginnt Roland seinen Gefährten aus seinem Leben zu erzählen. Dabei entführt er sie in die stürmischen Zeiten seiner Jugend, wo es einst gegen einen unheimlichen Gestaltenwandler zu kämpfen galt.

„Wind“ ist ein Teil von Stephen Kings Reihe um den Dunklen Turm und ist zeitlich zwischen „Glas“ und „Wolfsmond“ angesiedelt. Zwar kann man dieses Buch auch ohne Kenntnisse der Reihe lesen, doch ich glaube, dass man sich zumindest bis „Glas“ gelesen haben sollte, um es richtig genießen zu können.

In diesem Werk sind drei Erzählungen vereint. Die Rahmenhandlung ist eben in der Chronologie der Turmreihe angesetzt, wo sich Roland, Eddie, Jake, Susannah und Oy vor dem Unwetter verkriechen. Hier erzählt Roland, der Revolvermann, ein Abenteuer seiner Jugend, das wahnsinnig spannend zu hören ist.

Denn Roland wurde einst nach Donnerschlag geschickt, wo ein Gestaltenwandler sein blutiges Unwesen trieb. Der Gestaltenwandler hat bereits unzählige Leben gefordert und viele Menschen regelrecht zerfetzt. Dabei braucht es Feingefühl für die hiesigen Gebräuche und kriminalistisches Gespür, um der Kreatur das Handwerk zu legen. 

Außerdem kommt Roland dazu, in der Geschichte eine weitere Geschichte zu erzählen. Es geht um einen Jungen namens Tim, der all seinen Mut zusammengenommen hat, um sich einen bösen Zauber entgegenzustellen und einen Tiger aus einer Misere befreit.

Wer die Welt des dunklen Turms bereits kennt, wird sich sofort wohlfühlen. Die Westernstimmung, die mittelalterlichen Bräuche und die modernen Elemente entführen in ein Fantasy-Spektakel, das man nur bestaunen kann. Ich mag es besonders, wenn unsere Welt auf Mittwelt trifft und auch hier gab es wieder etliche Anhaltspunkte, die darauf schließen lassen. Gerade wenn vom Zauberer Merlin, der Stadt Gilead und Schaltknüppeln aus PKWs die Rede ist, merkt man, wie viele Welten der Turm in sich vereint.

Außerdem hat „Wind“ einen zauberhaften Märchenflair. Es werden Geschichten erzählt, es werden Gefühle geweckt, es wird der Sinn für Zusammengehörigkeit sowie Vergänglichkeit geschärft. Schon fast nostalgisch habe ich Rolands Worten - gesprochen vom famosen David Nathan - gelauscht und mich gefreut, dass King noch einmal die Tür zur Welt des dunklen Turms geöffnet hat. 

Ich sage danke-sai für die magischen Hörminuten und wünsche lange Tage und angenehme Nächte. Mögen diese Geschichten aus Mittwelt noch vielen Lesern Freude bereiten!

 

 

Der-Dunkle-Turm-Reihe:
1) Schwarz
2) Drei 
3) Tot 
4) Glas 
5) Wolfsmond
6) Susannah 
7) Der Turm
8) Wind
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Unheimliche Geschichten

Das siamesische Klavier: unheimliche Geschichten - Christiane Neudecker

In diesem Kurzgeschichtenband sind acht unheimliche Erzählungen zusammengefasst. Ein siamesisches Klavier im Dschungel, ein Schatten, der sich verselbstständigt oder ein Online-Spiel mit einem Verstorbenen, laden zu mysteriösen Lesestunden ein.

Mit dieser Geschichtensammlung habe ich mir schaurige Lesestunden in der kalten Jahreszeit erhofft. Christiane Neudecker hat sich sichtlich Mühe gegeben, die leider meinen Geschmack - bis auf eine Ausnahme - gar nicht getroffen hat.

Die Geschichten sind eher mysteriös-verrückt als unheimlich. Zum Beispiel wird ein Boxkampf minutiös beschrieben, ein Schachspiel mit all seinen Zügen durchlebt oder in der Nacht Autos aufgelauert, was schon durch die Tätigkeit an sich für Gähnen sorgt.

Dabei beschreibt Neudecker die Situation bis ins kleinste Detail, geht auf die Gedanken und Gefühle ihrer Protagonisten ein und lässt am Ende die Geschichte in einem Satz verpuffen - vielleicht soll das ja gruselig sein.

Ich habe mich bemüht ihren Ausführungen zu folgen, aber alle Erzählungen haben einen faden Beigeschmack. Sie wirken bemüht und sind literarisch recht hochgestochen geschrieben, ohne wirklich zu fesseln oder gar spannend-schaurig zu sein.

Einzig mit der Geschichte „Gerufene Geister oder: Der Carpenter-Effekt“ konnte mich die Autorin bei der Stange halten und ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Hier ist sie aus der Situation rausgegangen und hat sich einem längeren Zeitraum gewidmet, anstatt sich wie bei den anderen Erzählungen in eine detaillierte Situation zu verlieren.

Die anderen Geschichten zeichnen sich neben dem literarisch anmutenden Ton durch die uninteressanten Themen aus - egal ob Autos, Schach oder Boxen - die mich beim besten Willen nicht packen konnten.

Alles in allem habe ich mir mit diesem Buch sehr schwer getan, dabei hätte ich es gern gemocht. Ich glaube, dass literarisch anspruchsvollere Personen damit Freude haben könnten, auch wenn sie sich wahrscheinlich genauso wenig gruseln werden. 

 

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Mit Katherine fängt der Horror an!

Hex - Thomas Olde Heuvelt

Eigentlich ist der Ort Black Spring ganz normal. Es ist ein beschauliches Städtchen im Hudson Valley in den USA. Allerdings liegt schon 300 Jahre lang ein Fluch auf der Stadt und die Bewohner haben gelernt, mit ihm bzw. mit ihr zu leben. Sie haben eine Hexe im Ort, die es vor der Öffentlichkeit zu verbergen gilt. Denn wenn die Augen der Hexe geöffnet sind, fängt der Horror erst an.

Thomas Olde Heuvelt hat mit „Hex“ einen Wahnsinns-Horror-Roman geschrieben, der mir so richtig unter die Haut gegangen ist. Ich hatte ja die leise Vermutung, dass man mit „Hex“ den üblichen Horror in den Händen hält, der schön in der Masse untergeht. Weit gefehlt! „Hex“ ist subtil, spannend und verursacht Gänsehaut!

Zuerst lernt man das Städtchen, seine Bewohner und natürlich die Hexe kennen. Black Spring ist an und für sich ganz normal, nur dass die hiesige Bevölkerung mit dem Fluch der Hexe belastet ist. Meistens begleitet man die Familie Grant, die aus Vater Steve, Mutter Jocelyn sowie den Teenie—Söhnen Tyler und Matt besteht. Durch sie lernt man das Leben in Black Spring kennen und ahnt, welche Bedrohung von der ortseigenen Hexe - Katherine - ausgeht. 

Denn Katherine bewegt sich frei durch den Ort, erinnert mit ihren zugenähten Augen und Mund an eine furchteinflößende Mumie, und kann schon mal mitten im Wohnzimmer stehen, wo man sie am besten mit einem Geschirrtuch bedeckt. 

Abgesehen von Katherines Erscheinungsbild hat allein die Anwesenheit der Hexe im Ort mir einen Schauer über den Rücken gejagt. Ein jahrhundertealtes Wesen, dass einfach so neben einem erscheint? Eine verfluchte Vettel, die eine ganze Stadt mit sich in die Dunkelheit ziehen kann? Beim Gedanken daran stellen sich bei mir die Zehennägel auf.

Während man zu Beginn das Leben mit und um die Hexe kennenlernt, den Fluch versteht und die Bedrohung begreift, baut sich eine wahre Gefahr für die gesamte Ortschaft auf: denn Tyler und seine Freunde möchten mit der Hexe an die Öffentlichkeit gehen.

Heuvelt nimmt eine bekannte Märchengestalt, die wir in ihren diversen Ausprägungen kennen, und baut sie in ein modernes Setting ein, was ihm auf unnachahmliche Weise gelungen ist. Obwohl Katherine mit ihrem Fluch hunderte Jahre am Buckel hat, wird sie in unsere moderne Welt mit Facebook und Blogs verschleppt. Was zuerst vielleicht sogar lächerlich erscheint, hat einen schonungslosen Bann, der einen immer weiter nach Black Springs zieht. Denn Katherine und ihr Fluch wirken so real, dass man nicht entkommen kann. 

Die Handlung war für mich unvorhersehbar und ich bin gespannt an den Seiten geklebt. Es war schaurig, gruselig und wird sehr ansprechend erzählt, obwohl der Autor einen ruhigen Grundton beibehält.


Außerdem zeichnet sich Heuvelt durch dichte Atmosphäre, eindringliche Erzählweise und überraschende Schockmomente aus. Zeitweise wird der Horror durch eine Brise Humor entschärft, nur damit es unbarmherzig weitergeht.

Genauso stelle ich mir guten Horror vor. Es gibt subtile Schauermomente, eine Moral, die hinter den Ereignissen steht und eine Geschichte, die für mich plausibel ist. 

Meiner Meinung nach hat Thomas Olde Heuvelt mit „Hex“ die Meisterprüfung für das Genre hingelegt. Ich habe mich gefürchtet, der Roman ist mir unter die Haut gegangen und die Handlung hat mich zum Nachdenken gebracht. Vergesst die Blair Hexe, erst mit Katherine fängt der Horror an!

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Honduras Dschungel & amerikanischer Heldentum

Die Stadt des Affengottes: Ein mysteriöser Fluch, eine unbekannte Zivilsation, eine wahre Geschichte - Der Hörverlag, Douglas Preston, David Nathan

Bereits im 16. Jahrhundert gab es Geschichten um eine Stadt im Regenwald. Mitten im Dschungel von Honduras soll diese prächtige Stadt sein, die lange Zeit unentdeckt geblieben ist. Erst vor wenigen Jahren schloss sich Schriftsteller und Journalist Douglas Preston einer Expedition an, die die Stadt des Affengottes gefunden hat.

Alte Zivilisationen und archäologische Stätten wecken bei mir den Abenteurergeist. Daher musste ich zu diesem Hörbuch greifen, weil ich wissen wollte, was vor wenigen Jahren in den Wäldern von Honduras geschehen ist.

Douglas Preston geht auf die Ereignisse um den Fund der weißen Stadt ein. Er schildert, wie man ihr durch Lasertechnik auf die Spuren kam, wie schwierig es war, überhaupt Genehmigungen zu erhalten, wie sie sich durch den Dschungel mit all seinen Gefahren kämpften und was sie am Fundort erwartete.

Zuerst erzählt Preston von den Gerüchten um die Stadt und wie sie von modernen Archäologen oft als Märchen abgetan wurden. Hier legt er etliche Thesen dar, zeigt dann aber auch, wie durch moderne Lasertechnik die Stadt gefunden wurde. 

Im nächsten Schritt schildert er das Zustandekommen und die Teilnehmer der Expedition. Meiner Meinung nach ist Preston hier zu sehr ins Detail gegangen. Denn ich hatte das Gefühl, alles von jedem zu wissen. Preston berichtet in heroischem Ton gefühlt von jedem Einzelnen, und das ist mir etwas zu viel geworden. Zwar ist es gut zu wissen, wer an einer solchen Expedition teilgenommen hat, doch finde ich es uninteressant, über das halbe Leben dieser Personen aufgeklärt zu werden.

Das Abenteuer an sich hat sich für mich - im Vergleich zu den anderen Teilen des Buchs - sehr kurz angefühlt. Endlich hat man die Stadt des Affengottes im Dschungel erreicht, schon wird man wieder per Hubschrauber davon geflogen. Dabei hätte der Teil das Kernstück dieses Berichts ausgemacht. Nichtsdestotrotz erhält man ein Gefühl für die schwierigen Bedingungen und merkt, wie gefährlich dieses Unterfangen war. Wilde Tiere, krankheitserregende Mücken und ungemütliche Wetterbedingungen lassen die Teilnehmer nicht zur Ruhe kommen und verlangen ihnen das Äußerste ab. 

Wie bereits angedeutet, mir war Prestons Erzählstil viel zu heroisch angehaucht. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass er sich für das Vorgehen der Expedition rechtfertigen will. Wissenschafter weltweit haben die Indiana-Jones-Vorgehensweise des Trupps kritisiert und mir scheint, dass sich Preston in diesem Buch dieser Kritik entgegenstellt.

Zusätzlich thematisiert Preston die politische Lage Honduras, geht auf die Geschichte des Landes und der Bevölkerung ein und lässt dem Leser am Ende noch mit einem fiesen Virus Bekanntschaft machen, der meiner Meinung nach ein eigenes Buch wert ist.

Für mich war „Die Stadt des Affengottes“ interessant zu hören, allerdings hätte es ein kürzerer Einblick wohl genauso getan. Wer sich für alte Stätten und versunkene Kulturen gespickt mit amerikanischen Heldentum erwärmen kann, wird im Dschungel Honduras bestimmt Erstaunliches entdecken. 

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Verwunschene Orte

Atlas der unheimlichen Orte: Eine düstere Reise um die Welt - Olivier Le Carrer, Regine Schmidt, Sabine Grebing, Ursel Schäfer

Dieser Atlas geht auf die Geografie des Grauens ein. Er entführt an mysteriöse Orte, auf unheimliche Plätze sowie unwirtliche Inseln und hat dabei immer den Schrecken für den Leser im Blick.
Ich habe mir diesen Atlas gekauft, weil mich düstere Orte schon immer fasziniert haben. Der Titel lädt auf diese grauenvolle Reise ein und ich habe mich entspannt zurück gelehnt.

Der Atlas ist in mehrere Abschnitte gegliedert, wobei sich jeder auf eine bestimmte Region bezieht. Dabei werden die Orte in das alte Europa, zwischen Mittelmeer und südlichen Afrika, von einer Seite des indischen Ozeans zur anderen, rund um den Golf von Bengalen, zwischen Ostindien und Ozeanien, Amerika, auf den Inseln der neuen Welt und den Atlantik unterteilt. 

Insgesamt werden 40 schaurige Orte und Schauplätze beschrieben, deren Grauen recht unterschiedlich ist. Manche handeln von alten Sagen und Legenden, andere sind Ort eines furchterregenden Naturschauspiels oder werden in Zukunft Ausgangspunkt einer Katastrophe sein. 

Die Orte selbst sind mir zu ungenau beschrieben und ich hätte mich über Bilder der Gegenden gefreut. Zwar darf man nicht vergessen, dass es kein übliches Sachbuch sondern ein Atlas ist, trotzdem hätte ich mir mehr Hintergrundinformationen gewünscht.

Olivier Le Carrer erzählt meist auf einer Seite von der schaurigen Essenz der Schauplätze, geht mit Augenzwinkern auf historische Fehleinschätzungen ein oder spitzt manche Legende lächerlich zu, was doch einen sehr subjektiven Anstrich hat. Er schreibt eher wie in einem Essay als in objektiver Perspektive und veranschaulicht, worin der Schrecken dieser Orte liegt.

Natürlich wird jeder Schauplatz mit einer Landkarte ansprechend illustriert, die jedoch von Ort zu Ort im Maßstab unterschiedlich ist.

Ich gebe zu, dass ich mir von diesem „Atlas der unheimlichen Orte“ mehr erwartet hatte. Es ist dennoch eine interessante Lektüre für zwischendurch, die unheilvollen Gegenden werden mir jedoch zu rasch abgehakt und nur oberflächlich behandelt.

Meiner Meinung nach bietet der „Atlas der unheimlichen Orte“ trotz meiner Kritik eine gute Übersicht über mysteriöse Gegenden auf unserem Planeten und wird bestimmt andere Leser faszinieren - wenn auch nicht allzu genau informieren - können.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at