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NiWa

NiWa

Ich lese gerade

Schatten
Argon Verlag, Ursula Poznanski, Andrea Sawatzki
Die Hungrigen: Roman
Charlotte Lungstrass-Kapfer, Mike Carey
Bereits gelesen: 13/464 pages

Rätselhafte Spannung an der Bayview High

One of us is lying - Karen  M. McManus, Anja Galic

Fünf Schüler sind zum Nachsitzen an der Bayview High verurteilt, als einer von ihnen unvermutet zusammenbricht. Simon kämpft um sein Leben, während die anderen hilflos daneben stehen. Kurze Zeit später wird im Krankenhaus sein Tod festgestellt, und es ist klar, dass es keine natürliche Ursache gewesen ist. Aber es waren nur vier weitere Schüler mit ihm im Raum ... 

"One of us is lying" hatte ich zunächst zur Seite geschoben, weil ich dahinter keine so immens spannende Story vermutet habe. Begeisterungsstürme aus der Leserschaft haben mich dann doch neugierig gemacht. Zugegeben, Karen M. McManus hat den typischen High-School-Thriller nicht auf neue Beine gestellt, aber der Handlung mit ihrem packenden Stil wahnsinnig viel Spannung verliehen.

Die Ausgangslage sind fünf Jugendliche, die sich zum Nachsitzen im Chemie-Saal treffen. Die Autorin geht ganz ohne Schnörkel direkt in die Situation rein. Schon zu Beginn des Romans betritt man den Raum, wo Simon wenige Seiten später japsend am Boden liegen wird. Diese Konfrontation mit dem Schlüsselereignis gleich am Anfang, hat mir irrsinnig gut gefallen. Ich mag es, wenn man sofort mitten im Geschehen steckt, zumindest, wenn es übersichtlich bleibt.

Die vier Protagonisten hingegen sind nicht neu, weil sie den üblichen Stereotypen an High Schools entsprechen:

Bronwyn ist die toughe Hochbegabte, die sich sicher auf der bevorzugten Elite-Universität wähnt. Addy geht ganz in ihrer Beziehung auf und glänzt als gekrönte Ballkönigin. Cooper ist die Sportskanone, die sich allseits großer Beliebtheit und Bewunderung erfreut. Hingegen wird um den schuleigenen Drogendealer Nate eher ein Bogen gemacht.

Das Opfer am Boden, das sich eingangs am Boden windet, ist Simon gewesen, der alle ihre Geheimnisse kennt, und sie stets über seine Gossip App zu verbreiten weiß. 

Ein Toter, vier Schüler und hundert Motive. Wer hat es getan?

Nach Simons Zusammenbruch und seinem plötzlichen Todesfall stehen diese vier überlebenden Schüler im Rampenlicht. Die Polizei sieht sie sich zuerst als Augenzeugen, später als Verdächtige näher an, und man weiß, dass jemand im Raum für den Mord verantwortlich ist. Doch wer sagt die Wahrheit, oder lügen sie alle vier?

Die Ereignisse werden abwechselnd aus der Perspektive dieser vier Verdächtigen erzählt, was insgesamt spannend und extrem fesselnd zu lesen ist. Man lernt die Menschen hinter der perfekten - oder in Nates Fall anrüchigen - Fassade kennen und stellt fest, dass sie auf den zweiten Blick gar nicht übel sind.

Die kurzen Kapitel heizen die Spannung an, dezent wird von den Figuren auf ihre jeweiligen Geheimnisse verwiesen, während man sich fragt, wem die Tat zuzutrauen ist. 

Meinem Gefühl nach hat Bronwyn den meisten Raum eingenommen, obwohl ich sie als uninteressanteste Person empfunden habe. Schade, weil ich viel lieber mehr mit Cooper und Addy unterwegs gewesen wäre, oder über Nates Hintergründe erfahren hätte. 

Nichtsdestotrotz bin ich durch die Seiten geflogen. Mir hat dieses Rätsel um Simons Tod unter den Nägeln gebrannt. Laufend habe ich die Situation im Chemie-Saal gedanklich durchgespielt, dennoch bin ich meistens mit meinen Theorien nicht weiter als die Figuren gekommen. Erst im letzten Viertel hat es dann bei mir ‚Klick‘ gemacht. Da wusste ich, was vor sich gegangen ist.

Der Schreibstil ist einem Jugendbuch entsprechend einfach und heizt ordentlich den Lesefluss an. Die knappen Kapitel tendieren dazu, in einem spürbaren Cliffhanger zu enden, sodass einen die Neugierde weiter durch die Seiten treibt.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich trotz der typischen Charaktere, mörderisch-spannenden Lesespaß an der Bayview High hatte, der McManus fesselnden Stil und der rätselhaften Handlung zu verdanken ist. Es bleibt mir nur, diesen Jugendthriller definitiv zu empfehlen, wenn man mal wieder einen Pageturner mag.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Berührender Jugendthirller

Der Tag, an dem Cooper starb - Edith Beleites, Rebecca St. James

Cooper hat sich umgebracht! Seine Freundin Libby kann es nicht fassen, weil er augenscheinlich glücklich war. Nach dem ersten Schock stellt sie Fragen, die Coopers Freunden und seiner Familie unangenehm sind.

"Der Tag, an dem Cooper starb" ist ein Jugendthriller, der nicht nur Spannung verspricht, sondern zugleich gefühlvoll und wunderschön zu lesen ist.

Gleich zu Beginn erlebt man Coopers letzte Sekunden mit und  erfährt seine Gedanken. Allerdings weiß man nicht, was geschehen ist. Dieser Einstieg hat sofort die unheilvolle Stimmung von den Klippen am Meer direkt in mein Wohnzimmer katapultiert. 

Danach wird man gemeinsam mit Libby mit Coopers Selbstmord konfrontiert. In diesem Augenblick habe ich mit Libby gefühlt, schon fast geweint, und wir standen benommen vor der Tatsache, dass sie niemals wieder mit ihm sprechen wird

Libby ist Coopers Freundin. Sie ist ein nettes Mädchen, das sich voll auf ihr Studium konzentriert. Gemeinsam mit ihren Freunden genießt sie die Abende am Strand, überlegt sich Geburtstagsüberraschungen und -geschenke und schaut zuversichtlich ihrer Zukunft entgegen.

Doch dann tritt Cooper in ihr Leben, von dem sie bisher dachte, dass er ein eingebildeter Schnösel sei. Immerhin zählte er schon zu Schulzeiten zu den angesagten Kids und hat sich auf den wilden Partys seines besten Freunds Sebastian einen berüchtigten Namen gemacht.

Berüchtigter als seine Freundin Claire kann er jedoch nicht sein. Denn Claire ist das It-Girl im Partymodus schlechthin. Statt wie Libby ihre Nase in Bücher zu vergraben, zieht sie sich damit eine Line nach der anderen rein, schwebt ständig im Wodka-Himmel und hat sich durch ihre sexuelle Unbeständigkeit um ihre große Liebe Cooper gebracht.

Exquisite Partys sind Sebastians Markenzeichen. Er ist Coopers bester Freund und hat mehr Geld, als man ausgeben kann. Andrerseits ist es mit dem familiären Rückhalt in seiner Familie nicht weit her, und er sieht in Cooper, mehr als einen Freund. 

Die Figuren sind allesamt beeindruckend grauschattiert. Trotz meiner simplen Beschreibung, die eher auf Klischees schließen lässt, hat Rebecca James ein facettenreiches Bild von ihren Figuren gemalt, die man mit jeder Seite besser kennenlernt. Es gefällt mir, wie die Autorin die Motivation ihrer Charaktere langsam einfließen lässt. Sie erklärt, warum Claire eine drogenvernichtende Bitch geworden ist, wie es dazu kommt, dass Sebastian seinem Freund Cooper die neue Liebe nicht gönnt, und den Grund, warum Coopers Selbstmord unerklärlich ist.

Dreh- und Angelpunkt der Figuren und der Handlung ist Libby, die Coopers Selbstmord nicht hinnehmen kann. Sie haben herrlich romantische Stunden verbracht, sie hatten Pläne und depressiv hat ihr Freund beim besten Willen nicht gewirkt. Aber warum ist Cooper tot?

Libbys Stellung wird vor allem durch die Perspektive gestärkt. Insgesamt wird die Handlung von Cooper, Sebastian, Claire und Libby erzählt, dennoch erfährt man Libbys Sicht direkt aus der Ich-Erzählung. Zudem spielt Rebecca James mit den Zeitsträngen, indem sie die Vergangenheit mit ‚Damals‘ zum Leben erweckt und unter ‚Jetzt‘ in der Gegenwart auftaucht. Dieses Perspektivenspiel hat Handlung und Figuren unheimliches Leben und fesselnde Spannung eingehaucht. 

Ich war von der ersten Seite an berührt, weil mich die Trauer um Cooper regelrecht erschlagen hat. Das Leid, die Fassungslosigkeit und der Schock haben sich schwer zwischen die Zeilen gelegt und mich sofort eingefangen. 

Zum Glück ist nicht die ganze Handlung nur von Trauer übersät, weil man unter anderen erfährt, wie aus Libby und Cooper ein Liebespaar geworden ist. Man erlebt glückliche Momente mit ihnen, die beim Lesen vom nahenden Selbstmord überschattet sind.

Für mich ist „Der Tag, an dem Cooper starb“ ein exzellent gelungener Jugend-Thriller, der mit Atmosphäre, zugänglichen Figuren und einer mitreißenden Handlung punktet. Überwältigende Emotionen treffen auf packende Thrillerelemente, die das Buch zum Pageturner machen.

 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Vier Kurzromane

Frühling, Sommer, Herbst und Tod. Vier Kurzromane - Stephen King

Verurteilte Unschuldige, strebsame Schuljungen, Freunde für's Leben und beherzte Doktoren zeigen, wie nah das Grauen der täglichen Realität sein kann. In „Frühling, Sommer, Herbst und Tod“ sind insgesamt vier Kurzromane vom Meister des Horrors vereint. 

In dieser Sammlung sind die Kurzromane "Die Verurteilten. Pin-up", "Der Musterschüler", "Die Leiche" und "Ein Wintermärchen" erschienen, wobei zwei davon mittlerweile verfilmt worden sind.

Mir fällt es immens schwer, einige Worte zu Sammelwerken zu schreiben. Einerseits möchte ich jeder Geschichte gerecht werden, andrerseits besteht aufgrund der kurzen Handlungen relativ leicht Spoilergefahr.

"Die Verurteilten. Pin-up" führt den Leser für Jahrzehnte in ein Gefängnis, wo man Teil des gleichmäßigem Alltags wird. King geht minutiös auf das Gefängnisleben ein und man merkt, wie sehr er dieses Bestrafungssystem in Frage stellt. Gleichermaßen spielt er mit Mut, Zukunftsangst und Zufällen, die manchmal unerhört grausam oder unverhofft glücklich sind.

"Der Musterschüler" Todd ist ein abgedrehter Scheißer, der eine makabre Faszination am Geschehen im Zweiten Weltkrieg entwickelt hat. Da kommt es ihm gelegen, dass er einen alten Herren ausfindig macht, der ihm als Zeitzeuge vom Krieg in Europa berichten kann. 

"Die Leiche" ist eine Geschichte in der Tradition von "Es", die von einer Jungen-Bande erzählt, die sich auf einen gefährlichen Waldmarsch begibt um einer Leiche ins Gesicht zu sehen.

"Ein Wintermärchen" lädt in ganz klassischem Gruselrahmen zum prasselnden Feuer am Kamin, wo es in der Fasson von Twighlight darum geht, eine Schauergeschichte zu erzählen.

Mein Lieblingsroman aus dieser Sammlung ist eindeutig "Der Musterschüler" gewesen. Zum einen hatte ich nicht mit so einem durchtriebenen Mistkerl gerechnet - und damit sind Todd genauso wie der Alte gemeint - zum anderen konnte mich King mit dem Hintergrund der Geschichte, dem Rahmenthema und der Handlung laufend überraschen und schockieren, was für den Lesegenuss spricht. Schnell kristallisiert sich ein dynamischen Katz-und-Maus-Spiel heraus, dass mit seinen unvorhergesehenen Wendungen ständig zu fesseln weiß.

"Die Verurteilten" war gut zu lesen, tiefsinnig und hat zum Nachdenken angeregt, obwohl mir mittendrin etwas gefehlt hat, das ich leider nicht benennen kann.

"Die Leiche" besticht mit sommerlicher Atmosphäre, der tiefen Verbundenheit kindlicher Freundschaften und dem Abenteuer-Charakter des Vorhabens. Dazu kommen einige absolut spannende und recht gruselige Szenen, die gegen das traurige Ende der Geschichte nur mehr spärlich vorhanden sind.

"Ein Wintermärchen" hat dafür, neben dem klassischen Schauerambiente, Horror auf zwei Ebenen zu bieten. Einerseits besucht man als Leser einen mysteriösen Herrenklub, der als Rahmen der Geschichten dient und deutlichen Gruselfaktor hat. Andrerseits wird eine abscheulich-surreale Geschichte erzählt, die man sich eigentlich gar nicht vorstellen mag, weil sie doch recht blutig ist. 

Insgesamt habe ich mich von allen vier Kurzromanen angenehm unterhalten gefühlt, wobei mir gerade "Der Musterschüler" in sehr guter Erinnerung bleibt, obwohl hier nur das reale Grauen seinen Platz erhält. Gerade als Gustostückerl für Zwischendurch kann ich "Frühling, Sommer, Herbst und Tod" durchaus empfehlen, obwohl mir persönlich 'richtige' Romane lieber sind.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Klassisches Drama im dystopischen Gewand

Ymberra: Momente der Hoffnung - Jeidra Rainey

Als der Regen fiel, hat er die Welt fortgespült. Was bleibt ist die Insel Ymberra, die als einzige Zuflucht der Menschheit gilt. Hier herrscht ein strenges System, das die Ordnung erhalten soll: Partner binden sich ein Leben lang, außer sie wollen auf ewig einsam sein. Für die Partnerwahl bleibt ein Jahr Zeit und im Jahr des Momentums steht die Suche nach der Beziehung für's Leben an. Wie wird sich Pearl entscheiden?

Ymberra ist der einzige Ort auf der Welt, wo Leben möglich ist. Die Menschheit ist auf die Insel geflüchtet, und hat sich ein striktes System der Partnerwahl zurechtgelegt. 

Im Momentum müssen Jungen und Mädchen zueinanderfinden und sich nach diesem Jahr des Kennenlernens den Namen ihrer Wahl auf die Stirn tätowieren. Nur wenn die Entscheidungen übereinstimmen, steht dem Paar ein glückliches Leben als Fortunas bevor. Ansonsten werden sie als Devius immer allein und am Rand der Gesellschaft stehen.

Das Mädchen Pearl hat vor ihrem Momentum regelrecht Angst, weil sie sich als introvertierte Einzelgängerin schwer mit anderen tut. Außerdem rechnet sie sich keine Chancen auf den idealen Partner aus, und stellt sich schon jetzt ihre Zukunft als Devius vor.

Jesper sträubt sich gegen das System, daher geht er sein Momentum mit großem Widerwillen an. Von Vornherein strebt er ein Leben als Devius an, weil es für ihn die einzige denkbare Möglichkeit ist. 

Doch dann zeigt das Schicksal, das es eigene Pläne für diese beiden Leben hat.

Anfangs habe ich Pearl gegenüber Mitleid empfunden. Sie ist durch ihr unsicheres Wesen gehemmt und steht sich selbst im Weg. Im Lauf der Erzählung wollte ich ihr etliche Male in den Hintern treten, weil sie mit ihrer ablehnenden Haltung dementsprechend nicht auf Gegenliebe stößt. Sie kritisiert, dass andere in Schubladen denken, doch selbst neigt sie ebenfalls dazu. Sobald sie neuen Menschen gegenübersteht, rechnet sie mit Ablehnung, was natürlich zur selbsterfüllenden Prophezeiung führt. Zum Glück macht sie im Lauf der Handlung eine enorme Entwicklung durch, die spannend zu verfolgen, und richtig gut zu lesen ist. Pearl lernt sich kennen und merkt, dass sie ihr Glück in die eigene Hand nehmen und zu ihren Überzeugungen selbstbewusst stehen muss.

Jesper ist ein schwerer Fall, der hoffnungslos in eine triste Zukunft blickt. Er mag sich nicht einmal selbst und hat sich ein ruppiges Schutzschild zurechtgelegt, damit ihm niemand anderer Sympathie entgegenbringen kann. Aber wie Pearl wird Jesper klar, dass eine schwere Last gemeinsam leichter zu tragen ist.

Die Hauptfiguren und ihr depressives Wesen haben sofort einen Beschützerinstinkt in mir geweckt. Beide hätte ich am liebsten mal durchgeschüttelt und ihnen eine Portion Lebensfreude vorgesetzt, damit sie in die Gänge kommen. Doch dann finden sie ihr persönliches Quantum Trost in einer Liebesgeschichte, die schon viele Generationen vor ihnen in Staunen versetzt hat.

Die Rede ist von "Romeo und Julia", ein Werk, das auf Jeidra Raineys Ymberra wichtigen Raum einnimmt. Man fühlt die Begeisterung für die große Liebe, die tiefen Emotionen und gelebte Verbundenheit, was sich eben auch bei Shakespeare zwischen den Zeilen streckt. 

Die Liebe ist außerdem Grundlage des schikanösen Systems, das die Menschheit Ymberras in Devius und Fortunas einteilt. Diesen Ansatz fand ich spannend gewählt, weil gerade die Liebe als Schlüssel zur Unterdrückung ungewöhnlich ist.

Die Handlung finde ich gut, sie ist interessant zu lesen und die Figuren absolvieren einen dystopischen Spießrutenlauf der Gefühle, auch wenn das Genre damit nicht neu erfunden ist.  

Das Ende der Geschichte, vor allem die Abschlusssequenz, fand ich großartig gewählt und erzählt. Ich war angenehm überrascht, habe das Buch zufrieden zugeschlagen und in mich hineingelacht.

Meiner Meinung nach ist "Ymberra. Momente der Hoffnung" eine Dystopie mit ganz viel Gefühl im klassischen Rahmen, die hoffentlich viele Leser bangen lassen und bezaubern wird.

 
Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Dies ist ihre Geschichte

Terror - Audible Studios, Detlef Bierstedt, Dan Simmons

1845 brechen die zwei modernsten Schiffe ihrer Zeit zu einer Expedition in die Arktis auf.  130 Männer brechen auf und werden nie wieder zurückkehren. 

Dan Simmons hat sich bei "Terror" einer wahren Begebenheit bedient und zeigt in diesem Roman, was wohl geschehen sein könnte. Im Jahr 1845 sind die Schiffe "Terror" und "Erebus" in See gestochen, sollten berüchtigte Nord-West-Passage finden und als gefeierte Helden zurückkehren. Allerdings hat man von den beiden Schiffen unter dem Kommando von Sir John Franklin nie wieder etwas gehört. Es wurden nur wenige Fragmente von ihnen im ewigen Eis gefunden.

An solchen Abenteuer-Romanen mit wahrem Hintergrund fasziniert mich tatsächlich der Heldenmut, den diese Männer damals an den Tag gelegt haben. Sogar heutzutage ist es kein Zuckerschlecken in die Arktis aufzubrechen. Damals war es erst recht eine gefährliche Angelegenheit, in lebensbedrohliche und noch dazu unbekannte Gefilde vorzudringen.

Simmons nimmt sich der mysteriösen Geschichte der "Terror" und der "Erebus" an und versucht einen logischen Ablauf zu kreieren. Dabei geht er nicht einfach chronologisch vor, sondern verpackt etliche Themen, die im Zusammenhang mit der Expedition von Interesse sind.

Als Leser bzw. Hörer bekam ich eine Vorstellung davon, wie umfangreich diese Expedition gewesen ist. Allein die Lebensmittelvorräte, die auf beiden Schiffen gelagert wurden, der Umgang der Mannschaften untereinander und die psychische Spannung, nachdem es zu ersten Problemen kommt. 

Zur unvorstellbaren Kälte, mit der erhebliche Erfrierungen einhergehen, kommen grausige Verletzungen und Verstümmelungen hinzu, die Simmons minutiös beschreibt, und spätestens hier das Blut in den Adern gefrieren lässt. 

Außerdem plagen sich Offiziere und der Kapitän mit den üblichen Erkrankungen auf solchen Expeditionen ab. Der Skorbut greift um sich, sorgt für Zahnfleischbluten und jeder weiß, welche Konsequenzen der weitere Verlauf dieser Mangelerscheinung hat.

Nebenher werden Themen wie Sexualität und Religion gestreift, die natürlich auch abseits des Festlands ihre Berechtigung fordern. 

Mir hat weniger gefallen, dass Simmons ein arktisches Monster zu Hilfe holt, das es meiner Meinung nach nicht gebraucht hätte. Die Beschreibungen und Vorstellungen an sich waren für mich ausreichend, auf diesen übernatürlichen Touch hätte ich verzichten können.

Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt und dabei bekommt man einen Einblick in das Seemannsleben. Zum Beispiel haben mir die Schilderungen des Schiffsarzts sehr gut gefallen. Er hat sozusagen als Frischling zum ersten Mal seinen Dienst auf einem Schiff angetreten, und damit hatte er ähnliche Fragen wie ich.

Die Erzählung selbst hat einen gleichförmigen Verlauf und wird nur selten von erzählerischen Höhepunkten angefeuert. Das hat es dann doch zeitweise etwas langatmig gemacht, obwohl die klirrend-kalte Atmosphäre unschlagbar ist. 

Obwohl mir das Fantasy-Element des Monsters und manch ausschweifender philosophischer Exkurs weniger gefällt, habe ich diesen beklemmenden Roman gerne gehört, weil er aufgrund der realen Grundlage faszinierend zu lesen ist. Ich denke, wer sich für Expeditionen ins ewige Eis interessiert, wird sich für das Schicksal der „Terror“ erwärmen können.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Ein Exorzismus

A Head Full of Ghosts - Ein Exorzismus: Psychothriller - Paul Tremblay

Als die 14jährige Majorie sich merkwürdig zu benehmen beginnt, wissen weder Eltern, Lehrer noch Psychologen weiter. Bald wird in Frage gestellt, ob es tatsächlich eine Geisteskrankheit ist. Oder treibt ein Dämon sein Unwesen? Der geplante Exorzismus heizt die Fantasie der Familie an. Außerdem kommen die Medien ins Spiel, die eine teuflisch unterhaltsame Reality-TV-Show aus dem verstörenden Verhalten der Teenagerin kreieren.

Für mich sind Bücher und Filme zum Thema Exorzismus der Inbegriff des Horrors. Leider gibt es kaum gute Romane dazu, weil meistens übertrieben von der katholischen Art der Teufelsaustreibung geschrieben wird. Doch "A Head Full of Ghosts" konnte mich von Beginn an überzeugen und hat mir wohliges Gruseln beschert.

Im Mittelpunkt steht allerdings nicht Majorie sondern ihre jüngere Schwester Meredith, die vom Exorzismus an ihrer Schwester erzählt. Denn die Ereignisse sind bereits jahrelang her als Meredith als kleines Mädchen im familiären Albtraum gefangen war. Eine Schriftstellerin interessiert sich nun dafür, das Geschehen aus Merediths Perspektive zu erzählen, wofür sie ihr gern ein Interview gibt.

Dieses Interview mit Meredith ist die Rahmenhandlung, aus der rückblickend Majories Besessenheit betrachtet wird. Meiner Meinung nach wurde damit ein exzellentes Gerüst gewählt, weil es authentisch und seriös wirkt. 

Meredith war zum Zeitpunkt des teuflischen Geschehens ein kleines Kind. Sie ist sich sehr wohl bewusst, dass man in dem Alter manche Situationen falsch einschätzt und interpretiert. Das betont sie während der Interviews immer wieder und führt entsprechende Beispiele an. 

Man geht also mit Meredith in ihre Vergangenheit zurück und merkt, wie sich innerhalb der Familie das Grauen anbahnt. Die große Schwester Majorie verhält sich zunehmend merkwürdig, weil sie von üblichen Teenager-Gepflogenheiten abweicht und makabre Geschichten erzählt. Psychiatrische Behandlungen schlagen nicht an und es reift der Entschluss, geistigen Beistand ins Haus zu holen. 

Dieses 'Vorspiel' bis zum Exorzismus nimmt viel Raum im Roman ein und lässt sich schaurig lesen. Merediths Erinnerungen wirken echt, als ob tatsächlich jemand von einem traumatischen Erlebnis aus der Kindheit erzählt. Sie neigt weder zu Übertreibungen noch heizt sie die Fantasie mit übernatürlichen Spekulationen an. Dennoch ist es gruselig, wenn man ihre Erzählung liest. Denn Majorie hat sich grausame Geschichten ausgedacht, spricht mit dem Priester auf Augenhöhe über Bibelverse und weiß Dinge, die sie beim besten Willen nicht wissen kann.

Außerdem kommt mit Majories anomalen Verhalten die Film-Crew der Reality-Show dazu. Jetzt wird aus dem Grauen der Familie Unterhaltung für die Massen gemacht, was weitere Probleme mit Nachbarn, Schule und sozialem Umfeld schafft.

Bezüglich des Exorzismus-Rituals wurden förmliche Fehler gemacht, die allerdings im Roman selbst aufgegriffen und kritisiert werden. Zum Beispiel darf ein Exorzismus nicht zum öffentlichen Spektakel skandieren, weil es dem Teufel eine Bühne verschafft. Der Vatikan oder die Diozöse würde einer Reality-TV genauso wenig wie Tonbandaufzeichnungen o. ä. niemals zustimmen. Und ohne ausdrückliche Genehmigung darf kein Exorzismus durchgeführt werden. 

Zu den Erinnerungen und der Rahmenhandlung kommt eine weitere Perspektive dazu, die sich mit der Reality-TV-Show auseinandersetzt. Dazu werden in Blogbeiträgen sämtliche Folgen regelrecht seziert und bis ins kleinste Detail analysiert. Etliche Parallelen zu den bekanntesten Horror-Schockern werden gezogen und Special Effects werden diskutiert. 

Damit hat man als Leser drei Perspektiven auf den Exorzismus von Majorie, der damit einen mysteriös-gruseligen, dennoch echt und glaubwürdigen Grundton hat. Teilweise liest es sich wie ein Sachbuch, aus Merediths Perspektive eher wie ein Coming-of-Age-Roman, um dezent die Grenze zum Horror zur überschreiten, der das düstere Leserherz höher schlagen lässt.

Meiner Ansicht nach ist Paul Tremblay ein hervorragender Exorzismus-Roman gelungen, der sich an bekannten Vorgängern bedient, gleichzeitig moderne Elemente anhand der Reality-TV-Show einfließen lässt und aufgrund des sachlichen Schreibstils fesselnd zu lesen ist.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Mörderische Träume

Die Saat des Killers: Thriller - Paul Cleave, Anke Kreutzer

Joshuas Vater ist Polizist und wird bei einem Einsatz getötet. Für Joshua ändert sich mit einem Schlag sein Leben, weil ihm sein Vater ein Geschenk hinterlässt: Er spendet dem blinden Jungen seine Augen, damit er die Welt für sich entdecken kann. Allerdings ist bei der Operation ein Fehler passiert und Joshua wird das Auge eines Killers eingesetzt. Daraufhin hat er furchtbare Träume, die er sich nicht erklären kann.

"Die Saat des Killers" musste ich unbedingt lesen, weil ich endlich mal wieder Lust auf Cleaves Christchurch hatte. Wer Paul Cleave bereits kennt, muss sich auf eine ungewöhnliche Geschichte einstellen, die mir dennoch ausgezeichnet gefallen hat.

Joshuas Vater stirbt bei einem Einsatz, als er und sein Kollege Ben einen Mörder stellen. Nach dem Tod seines Dads ändert sich Joshuas Leben von Grund auf, weil der blinde Junge die Augen seines Vaters erhält. 

Gleich zu Beginn wird man in die Mordszene hineinmanövriert, und sieht, wie Joshuas Vater um's Leben kommt. Hier zeigt sich Cleave, wie man ihn kennt. Blutig, schnörkellos und knallhart leitet er den Tod der Figuren herbei, um im Anschluss Joshua aus der Blindenschule abzuholen.

Bei einer Transplantation ist Zeit ein wichtiges Kriterium. Joshua kommt nicht einmal dazu, den Tod des Vaters zu realisieren, schon wird er operiert und findet sich mit einem Verband um die Augen im Krankenhaus wieder. 

Daraufhin findet sich der 16-Jährige in die Welt der Sehenden ein. Nur diese grausamen Träume suchen in heim, in denen er sieht, wie sein Vater getötet wird.

Mit dem Polizeieinsatz hat mich Cleave sofort wieder nach Neuseeland gezogen. Ich mag sein Christchurch und wie die polizeilichen Ermittlungen in dieser Stadt laufen. Doch dann sieht der Autor vom Ermittlungsstrang ab, und wendet sich in erster Linie Joshua zu.

Für Joshua öffnet sich eine neue Welt, was sehr interessant zu lesen ist. Er war sein bisheriges Leben lang blind. Jetzt kann er sogar auf eine normale Schule gehen, und sehenden Auges die Zukunft planen. Zudem ist Joshua verwirrt, weil er eben den Tod des Vaters und die neue Lebenssituation verkraften muss. Außerdem wird er von merkwürdigen Visionen geplagt, die er sich nicht erklären kann.

Gerade dieser Part um Joshua hat mir enorm gefallen, weil Cleave damit zeigt, dass er nicht nur mit den bösen Jungs kuscheln kann. Der jugendliche Protagonist nimmt zwar oftmals den Thrill aus der Handlung raus, gibt dafür aber fesselnden Raum für die Entwicklung der Story her.

Thematischer Hintergrund des Romans ist zelluläres Gedächtnis. Es gibt die Annahme, dass sich transplantierte Organe an ihre biologischen Eigentümer erinnern, und es deshalb bei Organempfänger manchmal zu merkwürdigen Anwandlungen kommt. Beispielhaft werden die plötzliche Vorliebe für deutsches Bier oder der unabdingbare Drang, Klavier zu spielen, angeführt, obwohl der Empfänger vor der Operation niemals damit in Berührung kam. Und nun stelle man sich vor, man bekommt das Herz eines Serienkillers eingesetzt … 

Die Handlung ist für einen Cleave relativ ruhig, wird dennoch sehr fesselnd erzählt. Es gibt einen blutigen Rachefeldzug, der meiner Ansicht nach genau im richtigen Maß gewählt wurde, die Polizei hat Dreck am Stecken und das Tempo zum Ende hin wird stetig erhöht.

Insgesamt ist „Die Saat des Killers“ ein großartiger Roman, für Cleave aber mit wenig Thrill, in dem der Autor jedoch neue Facetten zeigt. Rahmenthema und Handlung haben mich fasziniert, daher ist es ein Thriller, den ich durchaus empfehlen kann.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Ehrliche Liebesgeschichte

Du + Ich = Liebe - Heike Wanner

Die 17jährige Nika hat einen guten Plan. Nach einem Jahr im Ausland will sie nun Schulsprecherin werden, das Abi mit Bravour bestehen und danach ein Studium beginnen. Doch lernt sie den neuen Mitschüler Ben kennen, der nach einem schweren Unfall in sein Leben im Rollstuhl finden soll.

Wieder einmal war mir nach einer Liebesgeschichte und auch in dem Genre suche ich nach dem Besonderem. Zwar hatte ich bei dem Cover und Titel tatsächlich mit so einer richtigen Teenie-Schnulze mit ganz viel Herzschmerz gerechnet, doch ich wurde sehr positiv überrascht!

Natürlich geht es um Nika und Ben und wie sie zueinander finden. Schon hier zeigt die Autorin, dass Liebesgeschichten sehr natürlich und humorvoll erzählt werden können, wofür ich ihr richtig dankbar bin.

Nika kommt nach einem Jahr im Ausland an ihre Schule zurück und kracht gleich einmal mit Ben zusammen. Denn Ben steht ganz und gar nicht auf ihren Charme, doch sie will unbedingt seine Aufmerksamkeit gewinnen. Aus ersten Kabbeleien, wird dann Sympathie bis sie letztendlich zärtliche Gefühle füreinander entwickeln. 

Ben hatte einen schweren Unfall und ist mittlerweile schon längere Zeit im Rollstuhl unterwegs. Dieses Leben hat er weder begrüßt noch sich ausgesucht, aber der Teenager akzeptiert diese Situation und macht das Beste daraus. Gerade diese lebensbejahende Einstellung hat Ben unheimlich viel Natürlichkeit und Esprit gegeben. Er jammert nicht, versinkt ebenso wenig in einer mitleidserregenden Lethargie, sondern er ist ein Mann der Tat und packt ganz einfach wie jeder andere sein Leben an.

"Das was passiert ist, ist scheiße, aber leider nicht zu ändern." (S. 209)

Nika ist beeindruckend bodenständig und falls es solche Mädchen in dem Alter auf dieser Welt gibt, kann man nur den Hut vor ihnen ziehen. Sie mag Ben. Punkt. Alles, was mit seiner Behinderung zusammenhängt, ist ihr absolut egal. Sie akzeptiert Unannehmlichkeiten und nimmt diese als gegeben hin. Dabei hat sie einen sehr natürlichen Zugang zu Körper und Leben, sodass man von ihr tatsächlich etwas lernen kann.

Erzählt wird die Geschichte von Nika und Ben abwechselnd aus ihren Perspektiven, was mir gut gefällt. Als Leser hat man dadurch Einblick in die Gedanken und die Gefühlswelt der Protagonisten, wodurch man in vielen Situationen richtig mitfiebern kann.

Im Großen und Ganzen steht Bens Querschnittlähmung und die anbahnende Liebe zwischen Nika und ihm im Vordergrund. Die Autorin beweist vortreffliches Fingerspitzengefühl, indem sie äußerst gekonnt Hintergrundwissen zur Querschnittlähmung einfließen lässt, ohne der Handlung den Flow zu nehmen. 

Mit der ersten großen Liebe und einer Behinderung ist es aber noch nicht getan, denn diese tiefsinnigen Inhalte werden zusätzlich von den Themenkomplexen Trauer und Depression ergänzt. Im Endeffekt ist es bestens gelungen und gibt ein ausgewogenes Gesamtbild ab. 

Die Handlung an sich ist ebenso rund erzählt und dabei flüssig sowie faszinierend zu lesen. Nur das Finale an sich und die zuspitzende Wendung waren nicht so ganz nach meinen Geschmack. Ich bin eher die Leserin, die relativ wenig Desaster braucht, um in einer Geschichte aufzugehen. Mir ist jedoch klar, dass der Handlungsbogen den Tiefstand benötigt, weil es sonst zu flach geendet wäre.

Alles in allem ist „Du + ich = Liebe“ eine wunderschöne Liebesgeschichte voller Ehrlichkeit, Lebenslust und Akzeptanz, die ich gerne gelesen habe und nur empfehlen kann.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Genialer Genre-Mix

Niceville - Carsten Stroud

Das Städtchen Niceville liegt im Süden der USA. Es ist genau, wie man sich solche Südstaaten-Orte vorstellt: idyllische Landschaft, gepflegte Gärten und das Grauen schielt aus der Dunkelheit hervor.

Ich muss gestehen, dass es mir sehr schwer fällt zu diesem Buch eine Rezension zu schreiben, weil es gar so abgefahren, großartig und absolut meisterlich geschrieben ist!

Wie der Titel schon sagt, geht es um die kleine Stadt Niceville, die in ihrer altbackenen Art sehr charmant auf den Leser wirkt. Sie ist genau so, wie ich mir diese Städte im Süden der USA vorstelle, und wie man sie aus dem Fernsehen kennt. 

Aber in Niceville geht etwas vor und dieses Etwas ist wohl schon etliche Jahrzehnte (oder gar Jahrhunderte?) alt. 

Es beginnt mit dem mysteriösem Verschwinden des kleinen Jungen Rainey Teague, das die ganze Gemeinde auf Trab bringt. Niemand kann sich erklären, wo der Junge abgeblieben ist, bis er mehrere Stunden später an einem unheimlichen Ort wieder das Licht der Stadt erblickt. 

Ein Jahr später ist ein ereignisreiches Wochenende zentral, das gefühlt die ganze Stadt ins Chaos wirft.

Von Anfang an ist man mitten im Geschehen drin und gerade auf den ersten Seiten habe ich mich von den Figuren regelrecht erschlagen gefühlt. Ich wurde von unterschiedlichen Perspektiven überrumpelt, bin desorientiert mitten in Niceville gestanden und wurde von Carsten Stroud noch mehrmals um meine eigene Achse gedreht. Dennoch konnte ich mich dem Sog der Story nicht entziehen und bin an den Seiten geklebt, was unter diesen Umständen wirklich ein Kunststück ist.

Merle Zane und Charlie Danziger begehen einen actionreichen Banküberfall, der für sich allein genommen Quentin Tarantino alle Ehre macht. Wie das Leben oft böse spielt, beginnen sie einen Streit und knallen sich gegenseitig ab. Schwer verletzt geht jeder für sich eigene Weg, was den Leser in packendes Grauen führt. 

Ehemaliger Elite-Soldat, jetziger Ehemann und Polizist Nick war vor einem Jahr an den Ermittlungen des Falls Rainey Teague involviert. Jetzt ist er voll und ganz mit dem Überfall beschäftigt und darf sich noch dazu mit dem Verschwinden einer alten Dame auseinandersetzen, was ihn mit seinen ganz persönlichen Albträumen konfrontiert.

Hingegen ist seine Frau Kate an der Geschichte der Stadt und der vier Gründerfamilien dran, weil sie ganz merkwürdige Erscheinungen hat. Außerdem macht ihr ihr Vater große Sorgen, der sich ebenfalls mal mit dem historischem Hintergrund von Niceville beschäftigt. hat.

Und es gibt Tony Bock, der mit seinem ‚Unschuldsprojekt‘ etwas in Gang setzt, womit nicht einmal er gerechnet hat … 

Dabei handelt es sich nur um einige Figuren und Stränge aus denen das Geschehen in Niceville entsteht, was trotz der Orientierungslosigkeit enorm zu fesseln weiß. Die einzelnen Schicksale, Situationen und Begebenheiten greifen ineinander, sind detailliert aufeinander bezogen und schaffen Raum für ein großes Gesamtpaket, auf das man am Ende des Buches späht. Ich erhoffe mir sehr viel mehr Licht in den Folgebänden und kann jetzt nur von meinen Eindrücken erzählen.

Ich habe die Geschichte wie eine spannende Serie empfunden, weil man von Geschehen zu Figuren, Perspektive und dem nächsten Ereignis hetzt. Es sind immer wieder kapitelweise Cliffhanger eingestreut, die mir keine Ruhe gelassen haben. 

Action, Sprachniveau und der ausgeprägte Touch of Noir haben mich an Quentin Tarantino denken lassen, weil „Niceville“ ganz dem Tempo und Erzählstil des meisterhaften Regisseurs entspricht. Außerdem habe ich mich wie in einem Western gefühlt, wenn Colts gezückt, Zigaretten geraucht, Whiskey getrunken sowie Freund und Feind charmant grinsend niedergestreckt werden. 

Mein liebster Zweig behandelt vor allem übersinnliche Elemente, wie man sie aus guten Horror-Romanen kennt. Diese Aspekte sind wunderbar grazil eingestreut, sodass sie zwar die Haupthandlung allerdings nicht das hauptsächliche Geschehen sind. Klingt schräg? Ist es auch!

„Aber wir sind hier nicht in einem Horrorfilm.“
„Aber vielleicht in einer Gespenstergeschichte.“
(S. 469)

Trotz Verwirrung und Orientierungslosigkeit bin ich aufrichtig begeistert und freue mich enorm, wenn es in „Niceville“ erneut ans Eingemachte geht!

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Vom Ansatz her richtig, richtig gut, aber ...

Blind Date mit der Liebe - Kari Lessir

Ninas Leben dreht sich um die Arbeit und sogar beim Joggen denkt sie nur daran. Im Anzeigenverkauf muss man eben immer Vollgas geben. Doch sollte man im Park vielleicht seine Umgebung nicht völlig vergessen. Denn auf einmal rennt sie einen richtig heißen Typen um, der ihr daraufhin ordentlich die Leviten liest.

Der heiße Typ ist nämlich blind und sieht es gar nicht ein, dass andere keine Augen im Kopf haben. Schnell erholt sich Nina von ihrem Fauxpas und Jan bandelt mit ihr an.

Mir war mal wieder nach einem Liebesroman und ich dachte mir, dass ich mit "Blind Date mit der Liebe" goldrichtig liege. Mich hat an dem Buch das Thema Blindheit beim Kennenlernen und sich Annähern gereizt, weil es mal etwas anderes zu lesen ist.

Jetzt aber zurück zu Nina und Jan, die in diesem Roman regelrecht aufeinander prallen. Diese Eingangsszene fand ich sehr charmant und ich hoffte, dass die Handlung im weiteren Verlauf ebenso hinreissend erzählt wird. 

Leider musste ich die Hoffnung aufgeben und kann der Autorin derzeit nur ihre ausgezeichneten Ideen zugute halten. 

Jans Blindheit ist natürlich stark im Vordergrund und sämtliche alltägliche Situationen, die damit einhergehen, werden exzellent beschrieben und wunderbar umgesetzt. 

Doch Jans Handicap wird im zwischenmenschlichen Bereich absolut überthematisiert. Nina beginnt für ihn Gefühle zu entwickeln und Jan geht es ebenso. Als Leser habe ich mich gefragt, was die Grundlage für diese Emotionen ist? Denn sie sprechen ausschließlich über die Behinderung. Es dreht sich einfach alles darum! Mir ist schon klar, dass solche Umstände eine große Rolle spielen und man sich beiderseits fragt, ob man überhaupt eine Beziehung eingehen will und zu einem gemeinsamen Leben fähig ist. Jedoch muss man vorher den anderen Menschen kennenlernen, bevor man an mögliche amouröse Entwicklungen denkt. Protagonist Jan wird komplett auf seine Blindheit reduziert und Nina ist schmückendes Beiwerk dazu.

Außerdem haben etliche Handlungen auf mich nicht schlüssig gewirkt. Sei es, dass Jan mal etwas ausprobieren will, was er sich bisher nicht getraut hat und dieses Vorhaben trotz Unsicherheit vor Publikum angeht, in der einen Minute tough und in der nächsten einfach armselig wirkt, oder wie der Antagonist der Story reagiert. 

Leider wird der Strang um Jans ‚Gegenspieler‘ ziemlich abstrus und verliert für mich komplett an Glaubwürdigkeit. Die Grundstory hätte mit Jan und Nina meiner Ansicht nach schon gereicht, weil mit dem Thema Blindheit schon von Vornherein sehr viel Konfliktpotential vorhanden ist.

Hingegen hat sich die Autorin bei anderen Facetten - zum Beispiel Jans emotionalem Verfall - wieder richtig viel Gedanken gemacht und diesen Hergang hervorragend geschildert.

Ganz ehrlich gesagt, dieser Roman hat auf mich einfach unfertig gewirkt und ein professionelles Lektorat wäre für die Autorin bestimmt hilfreich gewesen. Der Spannungsbogen hängt durch, die Zwischentöne fehlen und dramaturgisch wurde gravierend daneben gegriffen, was mir richtig weh in meiner Leserseele tut.

Obwohl das jetzt eine schlechte Kritik an diesem Werk ist, fand ich es vom Ansatz her richtig, richtig gut. Ich würde „Blind Date mit der Liebe“ lieber als Konzept oder Entwurf verstehen, aus dem noch ein fundierter und großartiger Roman entstehen kann. Bedauerlicherweise kann ich keine Leseempfehlung aussprechen, sollte die Geschichte aber eines Tages auf soliden Füßen stehen, würde ich sie sehr gern ein weiteres Mal lesen.

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Irre Story

Irre Seelen - Graham Masterton

Jack Reed entdeckt ein verfallenes Gebäude im Wald, das ihn sofort in seinen Bann zieht. Er möchte das alte Gemäuer in eine gehobenes Hotel verwandeln und sieht schon vor seinem geistigen Auge, wie er als Hotelbesitzer im noblen Rahmen agiert. Zu spät merkt er, dass etwas Böses in den Wänden lauert, denn da hat es schon seinen Sohn entführt. 

Bei "Irre Seelen" ist ein Schauerroman aus der Feder von Graham Masterton. Obwohl ich den Plot und die Handlung der Story genial finde und mich eigentlich vor dem Autor verneigen müsste, hat es leider nicht so ganz geklappt.

Am Anfang stößt man gemeinsam mit Jack auf dieses Anwesen im Wald. Jack ist regelrecht begeistert und malt sich die Zukunft als Hotelier aus. Er sieht seine Gäste, wie sie durch den gepflegten Park flanieren, und wie das baufällige Gebäude im neuen Glanz erstrahlt. Gleichzeitig überkommt ihn ein ungutes Gefühl und ich bin als Leser sofort bei der Sache gewesen. Denn mysteriöse Umstände haben Jack zum Haus gelockt und das hat bei mir für Gänsehaut gesorgt.

Aber dann ging es mir viel zu schnell und die Hintergründe um das Gebäude wurden meinem Geschmack nach zu bald ins Spiel gebracht. Ich liebe es, wenn sich das Böse, das Grauen oder Unvorstellbare langsam in den Alltag von Protagonisten schleicht. Doch bei Graham Masterton wird man von einem Moment auf den anderen mit dem Unvorstellbaren konfrontiert. Für mich ist hier die Stimmung auf der Strecke geblieben und mir wäre ein langsamer Übergang deutlich lieber gewesen.

Allerdings ist der Plot an sich schon sehr genial und Masterton hat mich mit dem Hintergrund seines Bösen überrascht, was sogar sehr informativ gewesen ist. 

Es gibt Exorzismus-Elemente, uralte Legenden und interessantes Wissen, das als Grundlage der Handlung dient. Diese Aspekte haben mir gefallen und ich fand sie im Großen und Ganzen gut umgesetzt.

Die Geschichte wird großteils aus Jacks Perspektive erzählt, was an und für sich recht passend war. Manches Mal werden Sichtweisen von Nebenfiguren eingeflochten, um der Handlung eine Wende zu verleihen. 

Jack als Charakter hat auf mich eher nichts sagend gewirkt. Er hat sich von einem Moment auf den anderen in seinen Fund verliebt und wirft auf der Stelle sein bisheriges Leben über Bord. Zudem bin ich mir unsicher, ob er unter einem bösen Bann gestanden hat, oder dieser Switch tatsächlich seinem Naturell entspricht. Jedenfalls konnte ich die Motivation dahinter nicht nachempfinden und es gibt meiner Meinungen einige unschlüssige Reaktionen seinerseits. 

Ansonsten gibt es noch sehr viel Blut und ganz grausliche Todesszenen, die dem Ganzen ein feines Horror-Häubchen aufsetzen.

Obwohl Graham Masterton meinem Geschmack nach viel zu schnell zum Punkt kommt und es an Gänsehaut-Feeling missen lässt, möchte ich noch einmal betonen, dass der Plot an sich bemerkenswert ist. 

Alles in allem konnte mich der Autor nicht für sich gewinnen, auch wenn blutiges Horror-Potential und eine kreative Idee als Grundlage seines Romans dienen. Ich denke, mir liegt sein Erzählstil einfach nicht, dennoch sollten sich Interessierte unbedingt selbst ein Bild machen.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Texanischer Sommer

Ein feiner dunkler Riss (German Edition) - Heide Franck, Joe R. Lansdale

Texas, Ende der 1950er-Jahre. Der 13jährige Stanley hat bis vor Kurzem noch an den Weihnachtsmann geglaubt. 1958 muss er dann auch noch lernen, woher die Kinder kommen, was Rassismus ist und wie gewaltigtätig die Menschen um ihn herum sein können. Gleichzeitig erlebt er einen unvergesslichen Sommer, weil er einer Spukgestalt auf die Schliche kommt.

Stanleys Familie zieht in einen kleinen Ort, wo sein Vater ab sofort das hiesige Autokino betreibt. Der Sommer zieht ins Land und Stan macht einen merkwürdigen Fund: mitten im Wald hinter dem Haus befindet sich die Ruine einer abgebrannten Villa und er kommt dadurch einem Geheimnis auf die Spur.

Im Sommer 1958 wird Stanley sehr viel für sein Leben lernen. Er stellt Nachforschungen zu seiner Entdeckung an und stellt sich einer aufregenden Gespensterjagd, die Konsequenzen haben wird.

Dem Leser wird direkt von Stanley seine Geschichte erzählt. Dabei ist es sehr unterhaltsam, die Welt aus den Augen eines 13jährigen Jungen zu betrachten, der noch dazu ein wirklich feiner Kerl ist. Stan mag Comics, ist sehr an den Hintergründen um den Spuk interessiert und packt daheim mit an. Er merkt, dass manch andere Kinder im Texas der 50er-Jahre ganz andere Pflichten als er zu erfüllen haben und weiß, dass er in eine gute Familie hineingeboren ist.

Oberflächlich betrachtet geht es um Stanleys Kindheit und wie er langsam erwachsen wird. Hier finden sich deutliche Züge eines Coming-of-Age-Romans, weil sich Stan im Laufe des Sommers rätselhafte Zusammenhänge erschließen. 

"Man denkt, man wär erwachsen, und irgendwann weiß man, man wird es nie." (S. 268)

Ihm wird erklärt woher die Babys kommen und wie man das mit einem Ballon verhindern kann. Er sieht, dass Gewalt zwar keine Lösung, aber ein herkömmliches Mittel ist, und begreift, dass viele Menschen Rassisten sind. 

Diese tiefgreifenden Themen sind ganz typisch für Lansdale und er webt sie gekonnt in die Handlung ein. Mir gefällt, wie geschmeidig die Ereignisse ineinandergreifen und wie locker der Tonfall bei allen Situationen bleibt. Dabei zeichnet sich Lansdale durch seine rohe Ausdrucksweise aus und kann gleichzeitig poetisch werden. 

Die Handlung ist eher ruhig erzählt und weist trotzdem einige dramatisch sowie spannende Momente auf. Zentral ist Stans Sommer, wobei das Geheimnis mal mehr, mal weniger in den Vordergrund rückt. Es gibt nur eine Angelegenheit, die der Autor meiner Meinung nach am Ende nicht zum Abschluss bringt und deshalb mein einziger Kritikpunkt ist. 

Besonderes Augenmerk liegt auf der Zeit der 1950er-Jahre, die Lansdale dem Leser in jedem Moment spüren lässt. Man könnte beim Lesen fast nostalgisch werden, weil man richtig im damaligen Flair abtauchen kann. Charme aber auch Schattenseiten brodeln durch die Seiten, während man mit Stanley im Autokino sitzt, mit dem Fahrrad Spukhäuser erkundet oder ganz einfach mit Hund Nub draußen spielt. 

Mich hat Joe R. Lansdale erneut in die dichte Atmosphäre seiner Erzählung gezogen und mir eine berührende Geschichte erzählt. Es ist alles dabei, was einen guten Roman ausmacht und ich will unbedingt mehr von dem Autor lesen. 

„Ein feiner dunkler Riss“ ist ein bewegender Coming-of-Age-Roman mit kriminalistischer Spannung, mitreißenden Gruselmomenten und eindringlichem Flair, den ich nur empfehlen kann.

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Am Ufer entspringt der Tod

Spreeblut - Die Typonauten GmbH, Karsten Krepinsky, Franziska Pigulla

An der Spree ist ein hinterlistiger Serienmörder am Werk. Er tötet so subtil, dass er nicht ins Visier der Polizei gerät. Frauen verschwinden, Leichen werden nicht gefunden. Dennoch sind sich Ana und Jan sicher, dass System hinter dem Verschwinden mancher Frauen steckt. 

"Spreeblut" ordne ich als Horror-Thriller ein, weil er die Serienmörderjagd mit übernatürlichen Elementen vereint. 

Thematisch werden Machtverhältnisse zwischen Opfern und Tätern in den Fokus gerückt, was sich neben der offensichtlichen Handlung um die Serienmorde auch in den Persönlichkeiten der Figuren finden lässt. 

Ana ist Ende Dreißig und nach den Beschreibungen des Autors eine wunderschöne, sinnliche Frau. Auf den ersten Blick könnte einen wahrscheinlich der Neid fressen, wenn man ihr gegenüber steht. Allerdings hat sie sich mit ihrer Heirat nicht nur den Aufenthalt in Deutschland gesichert sondern ein Gefängnis geschaffen. Ihre Ehe ist nicht wie es scheint und sie hat sich in der Hölle des Löwen - bei ihrem Mann - selbst eingesperrt.

Jan betritt etwas später das Parkett. Eines Tages spricht er Ana an, als sie gerade eine Vermisstenanzeige studiert. Nach kurzem Geplänkel erkennen sie, dass sich hinter etlichen Vermisstenfällen ein Muster verbirgt, das zwar nicht logisch aber schlüssig ist. Gemeinsam gehen sie ihren Mutmaßungen auf den Grund.

Die Handlung an sich ist durchdacht und dank der Sprecherin mitreissend erzählt. Leider musste ich rasch feststellen, dass sie kaum Überraschungen bereithält. Die Ereignisse werden chronologisch abgearbeitet, dabei hat es mir an Dichte und Stimmung gefehlt. Denn die Figuren Ana und Jan sind sehr zentral und der Rahmen um die Morde gerät ins Hintertreffen. 

Die ganzen Hintergrundinformationen zu Ana und ihrem Leben als armselige Ehefrau wurde mir zu sehr in den Vordergrund gerückt. Teilweise habe ich ganz den Mörder vergessen und war schon richtig auf Ana an der Seite dieses furchtbaren Mannes fokussiert. Zwar finde ich es wichtig, Figuren lebhaft darzustellen, nur wurde mir dieser Part zu einseitig und monoton erzählt. 

Gleichzeitig hätte ich mir fesselndere Einblicke bei der Spurensuche gewünscht. Die Protagonisten sind über die Lösung gestolpert, weil sich der Serienmörder in Anas direkten Umfeld vergreift. Alle anderen Versuche ihrerseits haben grob gesagt ins Nirgendwo geführt. 

Ich habe zu diesem Hörbuch gegriffen, weil mich viele begeisterte Rezensionen neugierig gemacht haben. Zwar schließe ich mich der allgemeinen Meinung an, denn es wird eine gute Geschichte erzählt, doch die Spannung ist mir persönlich viel zu schnell abhanden gekommen. Schon zu Beginn weiß man, was es mit dem Mörder auf sich hat, woraus sich der weitere Verlauf der Handlung schnell ableiten lässt.

Einfallsreich war Karsten Krepinsky allemal, wenn man an den Mörder denkt. Diese Originalität hätte ich mir eben auch im weiteren Geschehen gewünscht, damit es nicht gar so vorhersehbar ist.

Natürlich ist das Jammern auf hohem Niveau, weil grundsätzlich alles an der Geschichte passt. Die Figuren sind interessant, entsprechen nicht allzu sehr den Klischees und der kreativ-mysteriöse Rahmen kommt gut zum Zug. Dennoch fehlt es mir am Wow-Effekt, den ich mir schon erwartet habe. 

Alles in allem weiß „Spreeblut“ mit seinem ungewöhnlichen Mörder und dem Tathergang gut zu unterhalten und hat sich als solider Horror erwiesen. Dem Thriller-Part hat’s meiner Ansicht nach stark an Spannung gefehlt, wovon sich Interessierte aber nicht beirren lassen dürfen. 

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Überlastung, Stress & Lebensglück

Schnell und sicher ins Burnout: 5 Glücksgesetze, die Sie missachten müssen, um schnell alt, krank und unglücklich zu werden - Uma Ulrike Reichelt

Ein hektischer Arbeitsalltag, hohes Freizeit-Tempo und falsche Bescheidenheit heizen Überlastungssyndrome in unserer Gesellschaft an. Früher oder später ist bei vielen Menschen die Belastungsgrenze erreicht. Damit es nicht unbedingt im Burnout endet, verrät Uma Ulrike Reichelt 5 Glücksgesetze, die dem Lebensglück auf die Sprünge helfen. 

Normalerweise lese ich keine Ratgeber, weil sie mir schlicht und einfach zu populärwissenschaftlich sind. Bei diesem Buch hat mich aber der Zugang zum Thema und der Titel gereizt. Uma Ulrike Reichelt geht das Problem nämlich von einer ganz andren Seite an, indem sie den Weg IN die Burnout-Krise beschreibt.

Dieser Ratgeber ist in drei Bereiche eingeteilt. Im ersten Teil schildert die Autorin genau, was überhaupt Stress und Burnout sind, wie sie sich äußern und woran man sie erkennen kann. Dabei geht Reichelt auf bewussten und unbewussten Stress ein, welche Ursachen Stress haben kann und was dabei im Körper geschieht. 

Im zweiten Teil stehen fünf Glücksgesetze im Vordergrund, die es zu brechen gilt, wenn man im Burnout ankommen will. Hier geht es um Lebensenergie, Balance, natürlich um Stress und allgemein um Lebensenergie. Hier erläutert die Autorin kurz die genannten Elemente und fasst am Ende des Kapitels fünf Kernaussagen zusammen, damit man rechtschaffen in die Krise schlittern kann. 

Der Übungsteil als abschließender dritter Abschnitt hat mir persönlich am besten gefallen. Es geht darum, die eigenen Glückskomponenten zu identifizieren, zu sehen, woran man Freude hat, was einem gut tut, und wie man diese Elemente im eigenen Leben fördern kann. Ebenso wird man angehalten, sich selbst anzunehmen und zu erkennen, dass man nicht unbedingt den Erwartungen anderer entsprechen muss.

Im Großen und Ganzen sind die aufgegriffenen Themen, Elemente und Gedanken der Autorin nicht neu und hilfreiche Tipps lassen sich wohl in vielen Ratgebern nachlesen. Dennoch hat Reichelt einen interessanten Zugang zum Überlastungssyndrom, weil sie ihren Leser - vor allem im zweiten Abschnitt - vor Augen führt, wie man sich selbst in die Krise treibt.

Besonders gut haben mir die Selbsttests gefallen, bei denen man abschätzen kann, wie weit die eigene Überlastung schon fortgeschritten ist. Das bringt Dynamik zwischen die Seiten und lässt nicht nur das Gelesene sondern auch gleich über das eigene Leben reflektieren. 

Außerdem mag ich die ‚Arbeitsblätter‘ sehr. Im Übungsteil geht es zum Beispiel darum, dass man ‚Ja‘ zu sich selbst sagen soll. Es gilt Fragen zu beantworten, wie zum Beispiel was man an sich toll findet oder warum man eine gute Partie sei. Die Argumentation dahinter ist, dass Akzeptanz und Selbstliebe der wahre Schlüssel zum Glück sind. Nur wer sich selbst liebt, wie er ist, hört auf dem ‚Glück‘ hinterherzujagen. Und was man nicht sucht, kommt oft von allein.

Der Schreibstil ist angenehm, relativ einfach und sehr alltagsnah, was das Buch sehr authentisch wirken lässt.

„Fragen Sie sich auch manchmal: Warum tue ich mir diesen Stress eigentlich an?“ (S. 64)

Wer diese Frage mit einem deutlichen Ja beantwortet sowie mehr über die eigenen Stresssymptome erfahren und diese reflektieren will, sollte sich Uma Ulrike Reichelts „Schnell und sicher ins Burnout“ schnappen, vielleicht kann man dadurch tatsächlich einer Krise entgehen.

Ich für meinen Teil habe diesen Ratgeber sehr gern gelesen, es war mal etwas anderes und hat meinen Blick auf den betriebsamen Alltag geschärft. Zumindest habe ich mir vorgenommen, besser auf mich aufzupassen und meinem Selbst mehr positive Gedanken zu gönnen, weil mir das Leben zu kurz für die hektische Tretmühle ist. 

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Schlussendlich eine nette Liebesgeschichte

Liebe und der erste Blick - Josh Sundquist, Claudia Gray

Wills erster Schultag könnte besser nicht sein: er greift einem Mädchen unabsichtlich an die Brüste und setzt sich in der Mittagspause bei jemanden auf den Schoß. Dabei wollte er allen beweisen, dass er es als blinder Junge genauso gut in einer normalen Schule schaffen kann. 

Will ist seit Geburt an blind und ist bisher auch an eine Blindenschule gegangen. Doch er möchte sich selbst und seinen Eltern beweisen, dass er es auch an einer regulären Schule schaffen kann und setzt sich durch. Schon am ersten Tag tritt er in das eine oder andere Fettnäpfchen, wobei ihm nicht alle davon sofort bewusst sind. 

Protagonist Will ist ein ziemlich selbstironischer Typ, der sich durch's Leben kämpft. Mit seiner Blindheit geht er gut um, immerhin hat er es nie anders gekannt. Doch die neue Schul-Umgebung gibt ihm dann doch zu knabbern, weil er nun mit sehenden Mitschülern mithalten muss. 

Nachdem er sich im neuen Umfeld einigermaßen eingelebt und sogar Freunde gefunden - die Schoßgeschichte - hat, wird ihm eine innovative Operation vorgeschlagen. Sie wird ihm das Augenlicht geben und ihm die Welt der Sehenden sowie ihre Geheimnisse eröffnen. Daraufhin erkennt Will, dass er beinhart angelogen wurde und sein Mädchenschwarm Cecily gar nicht so gut aussieht. 

Allein die Inhaltsbeschreibung nimmt schon einiges von dieser Liebesgeschichte vorneweg, was sich im Lauf des Romans zu entwickeln gedenkt. Doch richtig packend ist gar nicht der Handlungsverlauf, sondern Wills schwarze Welt, in die der Autor einen Einblick gibt.

Wills Leben mit Blindheit ist exzellent beschrieben und der Autor zeigt, wie gut sich blinde Menschen zurechtfinden können. Eingangs erzählt Will, was oft nicht alles passiert, wenn ihm sehende Menschen zur Hand gehen wollen, und wie unhöflich es ist, wenn man einem Blinden ins Ohr schreit. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie sich Will in seiner Umgebung zurechtfindet, woher er weiß, wo er gerade ist und was um ihn herum geschieht, und dass er trotz seiner Behinderung zu einem normalen Leben fähig ist. 

Der Roman wird aus Wills Perspektive in Ich-Form erzählt und hier ist dem Autor Bemerkenswertes gelungen. Obwohl Will nicht sieht und von seinem Umfeld, den Menschen und den Ereignissen aus seiner Sicht erzählt, konnte ich mir das gesamte Geschehen lebhaft und farbenfroh vorstellen. 

Besonders gut hat mir gefallen, dass die Ängste der Eltern blinder Kinder einbezogen werden. Will muss sich bei vielen Entscheidungen mit seiner Mutter messen, weil sie immer nur das Beste für ihren Sohn will. Diese kleinen Machtkämpfe hatten den Anstrich einer Übermutter, die mit ihrer überbordenden Sorge ihr Kind erstickt. Im Lauf der Handlung und gerade am Ende hat ihr Verhalten durchaus nachvollziehbar und schlüssig gewirkt.

Außerdem ist die Liebesgeschichte zwischen Will und Cecily zentral, die sich nach wenigen Seiten zu entwickeln beginnt. Sie werden rasch Freunde und verbringen viel Zeit miteinander. Bald wird aber klar, dass Cecily nicht so gutaussehend ist, wie Will denkt. 

Die Liebesgeschichte war für mich nett und gehört im Teenie-Alter wohl dazu. Für die Handlung an sich wäre sie meiner Meinung nach gar nicht notwendig gewesen, weil es auch so eine sehr interessante Erzählung war. Den Makel von Cecilys Aussehen hat’s für mich wirklich nicht gebraucht, das war mir einen Hauch zu viel. Natürlich spielt der Autor damit auf das Vertrauen blinder Menschen und die Ehrlichkeit ihres sozialen Umfelds an, aber vielleicht hätte man das auf andere Art, ein bisschen subtiler, lösen können.

Dennoch war die Geschichte in sich rund, schlüssig und gut zu lesen. Gerade Wills Selbstironie und sein lockerer Umgang mit seiner Blindheit hat dem Roman viel Elan gegeben. Ich konnte mich in seine Bedenken einfühlen und habe gern mit ihm gemeinsam den Schritt auf eine normale Schule gewagt.

Schlussendlich ist „Liebe und der erste Blick“ eine nette Liebesgeschichte mit einem blinden Jungen, der die Welt für sich entdeckt und die ich durchaus weiterempfehlen kann. 

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The End

The Death 1: Quarantäne: Endzeit-Thriller - John W. Vance, Andreas Schiffmann

Eine tödliche Pandemie breitet sich aus und löscht innerhalb kürzester Zeit Leben aus. Devin Chase hatte dahingehend Glück, dass er sich rechtzeitig aus dem städtischen Trubel zurückgezogen hat. So war er sozusagen in Quarantäne als der Virus namens "The Death" seiner Bestimmung nachgegangen ist. Nach etlichen Monaten bricht Devin aus seinem Einsiedler-Dasein aus und erblickt eine Welt, in der ganz neue Regeln gelten.

"The Death. Quarantäne" ist der erste Teil einer Endzeit-Reihe, die sich mit dem Leben nach dem tödlichen Virus beschäftigt. 

Gleich zu Beginn war ich etwas enttäuscht, weil man von der Pandemie selbst nur wenig mitbekommt. Als Leser ist man auf Devins Wissensstand, der sich in einem Schuppen auf einer Farm zurückgezogen hat. Gemeinsam mit ihm entdeckt man die Welt, durch die der Virus gewütet ist. 

In einem weiteren Handlungsstrang ist man mit Lori unterwegs. Sie konnte sich mit ihrer Familie in ein Camp der Katastrophenschutzbehörde zurückziehen. Nach und nach kommt ihr in den Sinn, dass das nicht unbedingt ein sicherer Ort ist. 

Thematischer Schwerpunkt dieser Reihe liegt laut diesem Band im zwischenmenschlichen Bereich. Nach dem der Virus 90 % der Menschheit umgebracht hat, kristallisieren sich neue Machtgefüge heraus, die auf dem ersten Blick im Recht des Stärken bestehen. 

Diesbezüglich wurden schon etliche Szenarien entworfen und auch John W. Vance reiht sich mit seinen Ideen in gängiger Manier ein. Gewalt steht an der Tagesordnung, Frauen werden vergewaltigt, Menschenhandel und Kannibalismus gehören zum Tagesgeschehen und es gibt natürlich eine Geschichte hinter dem Virus, die es aufzuspüren gilt. 

An der Entwicklung des Virus' und seiner Verbreitung ist der Erzählpart um Lori dran. Sie ist es, die die Zusammenhänge im Hintergrund für den Leser entdeckt, und damit Licht um das mysteriöse Auftauchen von "The Death" bringen kann. Leider hatte ich die Hintergründe um den Virus viel zu schnell durchschaut, weil der Autor ziemlich geradlinig und ohne Schnörkel in seinem Erzählstil ist. Zwar erlebt man durch Lori den Camp-Alltag und politische Machenschaften aus erster Hand, doch insgesamt hat es an Atmosphäre sowie Spannung gefehlt.

Genauso ist es mir auch mit dem Strang um Devin ergangen. Gemeinsam mit Devin ist man im 'offenen' Land weitab regierungsnaher Organisationen unterwegs und schlägt sich mit Selbstjustiz und brutalen, selbsternannten Führungsriegen herum. Alles in allem handelt es sich dabei um Elemente, die bei mir nicht unbedingt den Reiz einer Endzeit-Story ausmachen. 

Meiner Meinung nach ist der Autor viel zu schnell ans Eingemachte gegangen, und hätte seiner Story etwas mehr Tiefe geben können. Allein schon der Hergang der Pandemie selbst hätte mich interessiert, doch dieser bleibt bis auf wenige Rückblenden vollkommen ausgespart. 

Im Endeffekt bleibt ein eher typischer Endzeitverlauf, der aufgrund der Namenswahl und persönlicher Ereignisse der Figuren marginal an "The Walking Dead" erinnert, im Unterschied dazu (leider) keine Zombiemeuten aufzuweisen hat. 

Leser, die besonders gern in intrigante Machenschaften einer Menschheit am Ende der Zeit eintauchen, werden dennoch ihre Freude haben, weil es zweifellos ein solider Reihenauftakt ist. Mich hat "The Death" nicht ganz überzeugt, da ich mir mehr Endzeitstimmung erhofft hatte. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at