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Geplagte Seelen der Vergangenheit

Blutiges Echo: Roman (suhrkamp taschenbuch) - Heide Franck, Joe R. Lansdale

Harry hat sich als Kind nicht nur Mumps sondern damit auch eine quälende Gabe eingefangen. Sobald sich am Schauplatz einer Gewalttat Geräusche ergeben, ist er mitten im Geschehen: Er sieht die Gequälten, fühlt ihr Leid, und finden sich in einer grausamen Vision aus der Vergangenheit. Diesen Fluch versucht er zu umgehen, bis ihn seine Jugendliebe Kayla bittet, den Tod ihres Vaters aufzuklären.

"Blutiges Echo" ist ein typischer Lansdale, auch wenn der Autor bei diesem Werk eher düstere Töne anschlägt. Wieder einmal lässt es sich schwierig einordnen, weil es als kriminalistischer Mystery-Thriller genauso wie als spannend-mysteriöser Roman durchgeht.

Anfangs geht es deutlich in die Coming-of-Age-Richtung. Harry ist ein kleiner Junge und zieht den Leser in sein beschauliches Familienleben rein. Es flammt eine erste, zarte Liebe auf, Harry genießt seine Kindheit, bis ihm der Mumps zum Verhängnis wird und nicht nur dadurch das Leben seine harte Seite zeigt.

Später ist Harry am College und ertränkt den Fluch im Alkohol. Er erträgt die quälenden Visionen ansonsten nicht, die entsetzlich-brutalen Blicke in die Vergangenheit, wo er nur Leid, Kummer und Schmerzen sieht. 

Doch dann wendet sich das Blatt als er in einem betrunkenen Kampfsportmeister seinen Mentor findet und sich die Liebe erneut blicken lässt.

Es ist keine geradlinige Geschichte, sondern sie geht mehrere Wege, die auch im echten Leben keine Einbahnstraße sind. Allen voran mochte ich die Figuren, die mit trockenem Humor und derbem Charme, Harrys Wegbegleiter sind. Sie sind allesamt angeschlagen, herrlich mangelhaft und sprühen mit all ihren Aktionen lebendiges Chaos aus.

Der Autor streut einen blutrünstigen Mystery-Effekt ein, der an und für sich schon beängstigend ist. Egal, wo Harry ist, wenn sich in der Vergangenheit jemand verletzt hat oder an diesem Ort gestorben ist, strahlen die Bilder, Schmerzen und Qualen bis in die Gegenwart zu Harry ab. Meiner Meinung nach ist es kein Wunder, dass der Junge zum Alkohol greift, um diese Empfindungen zu betäuben.

Doch dann merkt er, dass ein Fluch manchmal auch ein Segen ist. Mithilfe der Visionen kann er üblen Schurken das Handwerk legen, und für Gerechtigkeit sorgen.

Meiner Meinung nach darf man sich vom Mystery-Einschlag nicht täuschen lassen. Lansdale geht hier ernste Themen an. Neben der bereits erwähnten Alkoholabhängigkeit, stellt er Freundschaft sowie Gerechtigkeit in den Vordergrund. Außerdem spielt er gekonnt mit gesellschaftlichen Kontrasten, indem er in ihrer Gegensätzlichkeit die Gemeinsamkeiten betont. 

Besonders Lansdales Unverblümtheit, die groben Beschreibungen und Reden sowie die direkte Ausdrucksweise haben es mir angetan. Sein Stil ist sicherlich nicht für jeden geeignet, doch genau das macht für mich einen typischen Lansdale aus. 

Alles in allem ist „Blutiges Echo“ ein düsterer Roman, auf mysteriöser Grundlage mit blutrünstigen Auswüchsen. Positiv chaotisch, derb, und auf Freundschaft fokussiert, handelt es sich um ein weiteres Werk von Lansdale, das ich empfehlen kann.

 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.com

Märchenhaft wortreich

Das Land, in dem die Wörter wohnen - Clemens Sedmak

Manchmal passiert es: Ein Wort will einem einfach nicht über die Lippen kommen, obwohl es einem auf der Zunge liegt. Aber was ist, wenn es uns mit allen Wörtern so ergeht? Falsche Wörter, missbrauchte Begriffe und entrissene Sprachfetzen ziehen sich von der Menschheit zurück, weil sie sich in ihrem Sprachgebrauch missverstanden fühlen.

Clemens Sedmak hat mit "Das Land, in dem die Wörter wohnen" ein entzückendes Märchen verfasst, das genauso als gesellschaftskritischer Denkanstoß und wortreiche Philosophie eine Perle im Bücherregal ist.

Die Geschichte wird vom kleinen Günther erzählt. Sein Papa ist der Erste, der Schwierigkeiten mit dem Erzählen hat, weil ihm die Worte fehlen. Was bei der gemeinsamen Mahlzeit mit der Familie beginnt, breitet sich rasch über die gesamte Gesellschaft aus. Die Wörter haben sich zurückgezogen, es herrscht Stille, weil es an der Grundlage zum Kommunizieren fehlt. 

Günther und seine beiden Schwestern werden daraufhin ins Wortreich gezogen. Hier lernen sie König Logos kennen, und erfahren, warum die Wörter in Streik getreten sind. Nun liegt es am familiären Trio, die Sprache für die Menschheit zurückzugewinnen. Sie gehen mit einem mulmigen Gefühl ihr Abenteuer im Wortreich an.

Dieses Büchlein ist ein bezauberndes Werk, das sich trotz der spärlichen Seitenzahl in unglaublich liebevollen Details verliert. Ich bin mit Günther und seinen Schwestern in das Reich der Worte abgetaucht, und habe mit einem Schmunzeln im Gesicht, unter anderem die Bekanntschaft der Wörter 'Freund' und 'Hoppala' gemacht. Denn Clemens Sedmak haucht jedem Wort Leben ein. Er verleiht ihnen Charakter, Wesenszüge, und zeigt, wie ihr Sprachgebrauch auf ihre Eigenschaften wirkt. So ist 'Frömmigkeit' mittlerweile sterbenskrank, weil sie im falschen Kontext verwendet wird, und aus der eleganten 'Anmut' ist eine alte Dame geworden, die kaum noch in Einsatz ist.

Günther und seine Schwestern verlieren sich in Kultur und die Regeln der Wörter, erfahren mehr über ihren familiären Zusammenhalt, und wie sie zu den Menschen stehen. Dabei ist den Geschwistern klar, dass sie vor einem großen Abenteuer stehen, als sie König Logos zur Rettung des Sprachschatzes auf die Reise schickt.

Ich habe dieses Buchperlchen sehr gern gelesen. Mit jeder Seite, jeder Zeile, mit jedem Wort zog es mich tiefer in sein Reich. 

Einerseits ist es im bezaubernd märchenhaftem Stil geschrieben, sodass es oberflächlich betrachtet - aufgrund der simplen Erzählung eines kleinen Jungen - durchaus für Kinder geeignet ist. Denn Clemens Sedmak nimmt sie auf ein wortreiches Abenteuer in das Land der Sprache mit. 

Gleichzeitig findet der bibliophile Leser charmante Details, achtsam verwobene Sprachelemente, und eine hinreissende Wortkultur, die mich vom meinen ersten Schritt im Wortland an beeindruckt haben.

Hauptsächlich sind es gesellschaftskritische Themen, die den Leser zum Nachdenken bringen. Falsch gefärbte Botschaften, manipulierende Nachrichten und irreführende Meldungen führen die Wörter an ihrem Ziel vorbei, weshalb sie sich für Stille entschieden haben.

Mir hat mein Abenteuer im Land, in dem die Wörter wohnen mit seinem unaussprechlichen Charme sehr gut gefallen. Ich bin in bibliophile Gefilde abgetaucht, habe mich den kritischen Tönen gestellt, die Stille zum Nachdenken gebraucht, und mit den Kindern eine märchenhafte Reise erlebt - die ich jedem empfehlen kann!

Anthropologe mit detektivischem Gespür

Die ewigen Toten - Simon Beckett

Das Krankenhaus St. Jude in London steht schon jahrelang leer. Kurz vor dem Abriss wird am Dachboden eine mumifizierte Leiche gefunden. Bei der Begutachtung des Leichnams bricht die Decke ein. Darunter befindet sich ein unzugänglicher Raum, ausgestattet mit Krankenbetten und weiteren mumifizierten Leichen darin. David Hunters sechster Fall beginnt ... 

"Die ewigen Toten" ist der 6. Teil der David-Hunter-Reihe. Der forensische Anthropologe schreitet dann zur Tat, wenn von Leichen fast nur mehr Knochen übrig sind. Daher ist er beim Fall um die ewigen Toten im ehemaligen Krankenhaus St. Jude gefragt.

Schauplatz der Ermittlungen ist das stillgelegte Krankenhaus St. Jude in London. Es soll abgerissen werden, daher wurden überhaupt erst die Leichen gefunden. Vom Setting her hat es beinahe Lost-Place-Charakter, weil überall noch Überbleibsel vom geschäftigen Treiben vergangener Zeiten sind. 

Die Leichen dürften zu einem späteren Zeitpunkt hinzugekommen sein, gerade deshalb sind David Hunter und sein Fach gefragt.

Der Fall selbst ist aufgrund der mumifizierten Leichen natürlich mysteriös. Hunter geht mit professioneller Ruhe seiner Arbeit nach, und entlockt den Toten ihre Geheimnisse.

Mir gefällt an dieser Reihe, dass man aufgrund Hunters Beruf Einblicke in das Fachgebiet der Anthropologie erhält. Es gibt Fakten zu Beckenknochen, der Länge von Oberschenkelknochen, woran man das Alter einer skelettierten Leiche erkennt, und wie ein Gebissvergleich funktioniert. All diese Hintergrundinformationen machen die Reihe interessant für mich.

Dabei ist es in Ordnung, dass der Fall an sich eher ruhig abgehandelt wird. Der smarte Anthropologe mischt sich unabsichtlich in die Ermittlungen ein, schlägt Wellen bei offiziellen Stellen, und merkt dabei, dass die jüngere Anthropologen-Generation mittlerweile in den Startlöchern steht. 

All das hat Simon Beckett fesselnd und gekonnt umgesetzt, und den kriminalistischen Anteil auf eine interessante Grundlage gebaut. Obwohl ich bei Krimis oft ahne, wer in welchem Ausmaß seine Finger im Spiel hat, konnte mich Beckett am Ende sogar verblüffen - was die Handlung zu einem kriminalistischen Vergnügen macht.

Außerdem weiß ich es zu schätzen, dass Hunter weder ein durchtrainierter Action-Held noch im Fall selbst eine persönliche Rechnung begleicht. Er ist schlicht und einfach Anthropologe mit detektivischem Gespür, das bei manchem Fall eine Hilfe ist.

Im Endeffekt bin ich von „Die ewigen Toten“ begeistert. Es war genau das, was ich mir von einem soliden David-Hunter-Krimi erwarte. Ich hoffe auf weitere Bände, und freue mich, falls es mit Hunter wieder an die Knochen geht.

 

 

Die David-Hunter-Reihe:
1) Die Chemie des Todes
2) Kalte Asche
3) Leichenblässe
4) Verwesung
5) Totenfang
6) Die ewigen Toten

Ein düster-fesselnder Roman

Nachtangst. Das Wesen der Stille - Emely Dark

Nachts wird Emely von Dämonen geplagt. Weder die Schrecken ihrer Kindheit noch die religiöse Obsession ihres Vaters lässt sie zur Ruhe kommen. Obwohl diese Zeit hinter ihr liegt, schafft sie es nicht, den boshaften Nachtmahr zum Schweigen zu bringen. Als das Schicksal erneut seinen dunklen Schatten über ihr Leben wirft, gerät die Jugendliche völlig aus der Bahn.

"Nachtangst. Das Wesen der Stille" ist ein feiner Horror-Roman und das Debüt-Werk von Emely Dark, die sich in diesem Buch selbst als Protagonistin sieht. 

Die relativ komplexe Geschichte beginnt mit Emelys Kindheit. Als Leser lernt man die Schrecken dieser jungen Jahre kennen: Den gewalttätigen, wahnhaft religiösen Vater, die nächtlichen schaurigen Besucher und Emelys Angst, die sich in jeder Faser ihres Körpers festsetzt.

Als Jugendliche scheint sie dieser Zeit entkommen und langsam entwachsen zu sein. Dem Vater entflohen, ein neues Leben in Sicht, schließt sie Freundschaften und verliebt sich. Doch gerade noch im siebenten Himmel, schlägt sie ein brutaler Schicksalsschlag nieder, der ihr Furcht und Wahn eindringlich spüren lässt.

Protagonistin Emely ist ein faszinierender Charakter. Zurückgezogen, desillusioniert, teilweise ernüchtert, und dennoch hoffnungsvoll geht sie ihren Weg im Leben an. Egal, wie sehr sie versucht, ein normaler Teenager zu sein, die religiösen Wahnvorstellungen über Hexen, Wiedergänger und Satanismus ihres Vaters, holen sie ständig ein. 

Das Mädchen sehnt sich nach Stille und Geborgenheit, wird aber nachts von schaurigen Träumen und Visionen bedroht. Dieser Teil nimmt den Horror-Aspekt des Geschehens ein, der sich teilweise in Emelys Realität streckt.

Die Handlung ist ungewöhnlich und komplex. Neben Emelys Kindheit, geht es um ihre Familie, wie sie die Beziehung zu ihrem Vater verdaut, und trotz ihres Versuchs ein normales Leben zu führen, sie teils gruselige Mystik davon abzuhalten bedroht.

Autorin Emely Dark geht damit speziell auf Jugendliche am Rand allseits beliebter Cliquen ein. Sie thematisiert das schüchterne Mädchen ebenso wie den verwahrlosten Jungen, wobei sie zeigt, warum diese Menschen so geworden sind. Gleichzeitig versucht sie, ihre Figuren auf einen guten Weg zu bringen, und ihnen die Richtung in ein besseres Leben zu weisen. Trotzdem gibt es keinen Kitsch und kaum ein Klischee, sondern es liest sich erfrischend neu, weil sie das Thema sehr geschickt in Szene setzt.

Ganz ohne Kritik komme ich nicht aus. Manche Situationen wurden mir zu gewollt herbeigeführt, und mancher Übergang war für mich nicht nachvollziehbar. Zum Beispiel verstehe ich nicht, warum Emely überhaupt nicht mit ihrer Mutter über ihr Leben spricht.

Die Stimmung ist düster wie fesselnd zugleich. Emelys Ängste, Erwartungen und Hoffnungen, wie ihre Gefühlswelt sind absolut greifbar umgesetzt. Mich hat ihre Geschichte fasziniert, leicht gegruselt, und aufgrund des interessanten, ungewöhnlichen Plots beeindruckt.

Die Autorin hat für ein Debüt einen bemerkenswert flüssig-genialen Schreib- und Erzählstil bewiesen. Stellenweise hat sie mich an den Meister des Horrors persönlich erinnert, weil sie bildliche Vergleiche zieht und ihren Figuren Leben verleiht, was mich die Story nicht nur erleben sondern spüren lässt . 

Im Endeffekt habe ich in „Nachtangst. Das Wesen der Stille“ einen auffallend prägnanten Horror-Roman gefunden, der aufgrund des ungewöhnlichen Plots sowie der düster-fesselnden Atmosphäre ein faszinierendes Werk und daher lesenswert ist.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.com

Solide Action, adretter Humor & abwechslungsreiche Kulissen

Die Spur des Geldes - Peter Beck

Die Leiche eines Mitarbeiters der Berliner Wasserwerke wird grausam verstümmelt entdeckt. Niemand kann sich erklären, wer es auf den altgedienten Kollegen abgesehen hätte. Und keiner weiß, woher die geheimnisvolle Geldsumme auf einen Schweizer Bankkonto auf seinen Namen kommt. Nun liegt es an Tom Winter, der Spur des Geldes zu folgen.

"Die Spur des Geldes" ist der dritte Band der Reihe um Tom Winter, der im Auftrag einer Schweizer Privatbank als Ermittler tätig ist. 

Auch diesmal erweist Peter Beck besonderes Talent für aktuelle Themen und unbewusste Ängste. Es geht um das Zusammenspiel europäischer Institutionen - in- und außerhalb der Europäischen Union - genauso wie um die Möglichkeit von terroristischen Akten, die Europa aus den Angeln heben könnten.

Nun aber zu Tom Winter und der Spur des Geldes, die er aufnehmen muss. Der Mitarbeiter des Berliner Wasserwerks ist eindeutig zum Mordopfer geworden. An und für sich hat er bisher ein normales Leben geführt - bis auf die Tatsache, dass er etliche tausend Euro auf Toms Schweizer Bank gebunkert hat. Woher stammt das Geld? Und warum hat er es in der Schweiz deponiert?

Tom Winter geht seine Rolle als Ermittler an. Die Spur des Geldes führt ihn nach Berlin bis in die Türkei. Außerdem legt er sich mit Russen an, die hinter etwas ganz anderem her sind.

Winters Ermittlungen sind spannend, hochinteressant und regen zum Nachdenken an. Manches davon kann einem regelrecht Angst einjagen, obwohl diese Furcht teilweise durch angeführte Fakten entkräftet wird. 

Ich kenne die Figur Tom Winter bereits aus dem vorherigen Band "Korrosion". Ich muss sagen, dass er sich meinem Eindruck nach sehr positiv entwickelt hat. Zwar hat er noch Helden-Allüren - ganz zu schweigen von seiner umwerfenden Wirkung auf's weibliche Geschlecht - doch er kommt mir menschlicher, umgänglicher und sympathischer vor. 

Das liegt wohl einerseits daran, dass er wie jeder normale Mensch Fehlentscheidungen trifft, andrerseits ihm das Schicksal nicht immer wohlgesinnt ist, und er Rückschläge einstecken muss. 

Peter Becks Schreibstil gefällt mir ausgesprochen gut. Obwohl er laufend die Spannung hält, schafft er es, mich durch amüsante Bemerkungen oder Beschreibungen zum Lachen zu bringen. Sei es, dass sich ein Kater im fahrenden Wohnmobil sein Plätzchen sucht, oder sich Winter mit seiner Assistentin ein vergnügtes Geplänkel liefert - die Spannung ist manchmal kaum auszuhalten, und trotzdem regt der Autor zum Schmunzeln an.

Außerdem ist das Geschehen vor abwechslungsreichen Kulissen drapiert, was einem zum Autofeilschen in die Türkei oder in den grauen Alltag eines deutschen Gartencenters führt. Natürlich kommt die Schweiz mit ihrer alpenländischen Idylle auch nicht zu kurz, wo eben das Hauptquartier von Tom Winter ist.

Der Fall selbst ist interessant ausgearbeitet und mit sanftem politischen Einschlag versehen. Ich mag hier gar nicht zu viel verraten, kann aber sagen, dass ich mit diesen Hintergründen nicht gerechnet habe.

Unterm Strich bleibt ein spannend-interessanter Thriller mit ausgiebiger Ermittlungstätigkeit, der durch solide Action-Szenen, adretten Humor und abwechslungsreicher Szenerie überzeugend zu lesen ist. 

 
 
Bisherige Tom-Winter-Fälle:
1) Söldner des Geldes
2) Korrosion
3) Die Spur des Geldes
Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.com

Über die Kunst eines angenehmen Lebens

Mr. Doubler und die Kunst der Kartoffel - Seni Glaister

Mr. Doubler mag zwar nicht der größte Kartoffelbauer sein, aber er ist eindeutig der Beste auf seinem Gebiet. Schon mehr als zehn Jahre hockt Doubler in seiner Farm auf dem Hügel. Dabei vergisst er ganz die Welt um sich herum. Das ändert sich schlagartig als seine Haushälterin Mrs. Millwood nicht mehr zur Arbeit erscheint.

"Mr. Doubler und die Kunst der Kartoffel" ist ein charmant-verrücktes Buch, das dank des eigenbrötlerischen Kauz Doubler zum Nachdenken anregt. Gespickt mit Alltagsphilosophie und eine großen Portion herzlicher Gutmütigkeit, lernt man nicht nur die Kunst der Kartoffeln sondern auch eines angenehmen Lebens kennen.

Die Handlung bezieht sich auf das Einsiedler-Dasein von Mr. Doubler, und seine ersten Schritte in die weite Welt hinaus. Nachdem seine Haushälterin Mrs. Millwood nicht zur Arbeit kommt, mangelt es ihm nun völlig an menschlicher Nähe. Daher wird es für ihn Zeit, seinen Hügel zu verlassen, und sich sachte an Gesellschaft zu gewöhnen.

Mr. Doubler ist ein schrulliger Eigenbrötler, mit dem ich mir manchmal schwer tat. Oftmals fragte ich mich insgeheim, ob er zurück geblieben ist, weil er sozial derart inkompetent ist. 

Die Handlung ist großteils auf Gesprächs-Variationen beschränkt. Sei es, dass Doubler mit seiner Haushälterin Mrs. Millwood telefoniert, oder mit anderen Figuren über deren Leben schwadroniert. 

Im Fokus stehen eindeutig Menschen und Lebenssituationen, wobei sich die Autorin vor allem auf den Lebensabend konzentriert. Jedenfalls werden alle Figuren - mit oder ohne Beteiligung von Doubler -  im großen Stil analysiert, ohne diese zu verurteilen. Dabei zeigt der Protagonist selbst ein Händchen für das Auseinanderpfücken seiner Mitmenschen. Er durchdenkt die jeweilige Situation, und versucht, gemeinsam mit den Personen Lösungen für vorhandene Probleme zu finden.

Sprachlich und emotional finde ich Mr. Doublers Geschichte entzückend. Zusätzlich ist sie tiefsinnig umgesetzt. Dennoch fehlt es mir am letzten Funken, es hat Bewegung in der Geschichte gefehlt.

Meinem Empfinden nach leidet die Handlung zu sehr unter den philosophisch-anmutenden Gesprächssituationen. Es tut sich ingesamt wenig. Mr. Doubler lernt neue Menschen kennen, und stolpert damit in die nächste Plauderstunde.

„Es ist komfortabel. Vielleicht zu komfortabel. Meine Gefühle sind wie betäubt. Es ist schwer, sich an etwas zu freuen, wenn der Kontrast fehlt.“ (S. 278)

Dafür lernt man gemeinsam mit Doubler einen störrischen Esel und seine Pseudobesitzerin kennen, und erhält einen Crashkurs in die Thematik der Gin-Produktion. Die Esel-Eskapade fand ich amüsant, die Ausführungen zum Gin höchst interessant. Natürlich darf ich die Kartoffeln nicht vergessen, denn die sind essentiell! 

Insgesamt ist „Mr. Doubler und die Kunst der Kartoffel“ ein entzückendes, philosophisches Werk für ruhige Leseabende, das im Gesamtpaket überaus angenehm zu lesen ist. 

640 Seiten purer Showdown

Lazarus: Schweden-Krimi (Joona Linna) - Adrien Meisch, Lars Kepler, Thorsten Alms, Susanne Dahmann

Ist der gefährlichste Serienmörder Europas wirklich tot? Walter Jurek wurde erschossen, seine Leiche ist dabei in einen Fluss gestürzt und wurde nicht gefunden. Jetzt - Jahre Später - wird der Schädel von Joona Linnas verstorbener Frau bei einem Grabschänder gefunden. Gleichzeitig geht eine brutale Mordserie in Europa um. Ermittler Joona Linna wird klar, dass das wahre Entsetzen erst begonnen hat.

"Lazarus" ist der siebente Band um den schwedischen Kommissar Joona Linna. Obwohl ich die vorherigen Bände nicht kenne, muss ich gleich vorneweg zugeben, dass mir dieser Teil gut gefallen hat.

Im Mittelpunkt des Geschehens stehen Joona Linna und Walter Jurek. Joona Linna hat im Serienmörder Walter Jurek seinen Erzfeind gefunden. Der perfide Killer hat jahrelang Linna und seinen Angehörigen zugesetzt, unzählige Opfer gefordert und Familien entzweit. Allerdings ist Jurek kein Mörder im herkömmlichen Sinn, weil ihm das Töten keine Freude macht. Ihm liegt es eher, seine Opfer lebendig unter der Erde zu verscharren. Und er quält sie, indem er ihnen den Tod versagt.

Vor Jahren haben Linna und sein Team Jurek gestellt. Allerdings zweifeln sie daran, dass der Killer wirklich getötet worden ist. Denn ein Serienmörder geht in Europa um, der Jureks Handschrift trägt.

"Lazarus" ist einer der spannendsten und temporeichsten Polizei-Thriller, die ich je gelesen habe. Ich bin durch die Seiten geprescht, hatte aufgrund der Geschwindigkeit mit dem Atmen Probleme und wurde von brutalen Szenen erschreckt.

In Punkto Brutalität ist das Autoren-Duo Lars Kepler einfallsreich und erschreckend realistisch. Etliche Vorfälle ließen mich abrupt bremsen und ich musste die Seite ein weiteres Mal lesen, weil ich es kaum fassen konnte. 

Vom Gefühl her war der ganze Thriller wie ein umfassender Showdown angelegt. Von Kapitel zu Kapitel bleibt es spannend, die Situationen sind brenzlig, und man muss unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Die Handlung an sich ist nicht neu. Sie zählt zu meinen wenigen und winzig-kleinen Kritikpunkten. Den siebenten Teil einer Reihe überzeugend zu kreieren ist bestimmt eine Herausforderung. Mich hat der Hergang nicht ganz überzeugt, weil er an eine Seifenoper erinnert. Außerdem stört es mich, wenn die ermittelnden Beamten persönlich im jeweiligen Fall hängen - was bei dieser Reihe allerdings der Aufhänger ist. 

Dafür sind sämtliche Figuren - erscheinen sie auch nur am Rand - präzise ausgearbeitet. Alle Charaktere sind mit einer Geschichte, Ängsten und deutliche Wesenszüge versehen, was aus diesem Thriller ein schockierend-glaubwürdiges Gesamtwerk macht.  Zudem bin ich beeindruckt, dass das Autorenpaar kein Pardon kennt, und sie sogar lieb gewonnene Figuren durch die Hölle schicken.

Vom Ende bin ich beeindruckt. Mir hat es beim Showdown des Showdowns erneut die Schuhe ausgezogen, und ich war traurig, weil es nicht für alle gut ausgegangen ist.

In diesem Sinn kann ich „Lazarus“ an interessierte Leser uneingeschränkt weiterempfehlen. Egal, ob man die Reihe kennt, oder wie ich ein Späteinsteiger ist, wer Polizei-Thriller mit persönlicher Note und brutalen Morden mag, trifft damit eine exzellente Wahl.

 
 
Die Joona-Linna-Reihe:
1) Der Hypnotiseur
2) Paganinis Fluch
3) Flammenkinder
4) Der Sandmann
5) Ich jage dich
6) Hasenjagd
7) Lazarus
Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.com

Mischung aus Drama und Krimi

Die Kälte im Juli: Thriller - Joe R. Lansdale, Teja Schwaner

Richards Leben ändert sich mit einem Schlag. Vom normalen Familienvater wird er zum Mörder als er einen Einbrecher in seinem Haus stellt. Es ist klar, dass Richard in Notwehr gehandelt hat. Aber der Vater des ermordeten Einbrechers hat eine andere Meinung dazu ...

"Die Kälte im Juli" lässt sich schwer einem Genre zuordnen. Diese Mischung aus Drama, Krimi und derbem Humor, die sich allesamt unter der brennende Sonne von Texas treffen, wird unter anderem Southern Gothic genannt.

Sofort steigt man als Leser in die alles verändernde Nacht ein. Richard wacht mitten im Dunkeln auf. Er weiß seine Frau neben sich, sein Sohn schläft im Zimmer nebenan und ein Einbrecher rumpelt durch das Wohnzimmer. Gerade in Texas ist die Waffe rasch bei der Hand. Obwohl es Richard nicht darauf anlegt, bleibt ihm nichts anderes übrig als den Eindringling umzulegen. 

Damit ist das Spiel eröffnet, und ich hatte an eine typische Rache-Story gedacht. Wer Lansdale bereits kennt, ahnt bestimmt, dass er alles andere als typisch ist. Und so nimmt Richards Geschichte viele überraschende Wendungen.

Zuerst beginnt die Geschichte dunkel, düster und Richard ist von Schuldgefühlen geplagt. Niemand löscht gern Leben aus. Auch nicht dann, wenn es aus der Situation heraus gerechtfertigt ist. Brenzlig wird es, als der Vater des Ermordeten Rache an Richard und seiner Familie nehmen will. Und dann zeigt Lansdale dem Leser, dass er eben Lansdale ist, und geht die Handlung aus einer völlig anderen Richtung an.

Genau dieses Unberechenbare liebe ich an dem Autor. Gut, seinen derben Humor bete ich an, aber es ist der unvorhersehbare Handlungsverlauf, der aus seinen Werken außergewöhnliche Geschichten macht. 

Von der Handlung möchte ich nicht zu viel verraten. Es sei nur gesagt, dass Lansdales roher Humor in Kombination mit Sprach- und Kampfgewalt "Die Kälte im Juli" zu einem drückenden Lese-Erlebnis machen, das mich von Anfang bis Ende gefangen hat.

Kritikpunkte sind meiner Meinung nach unaufgelöste Handlungsstränge, und, dass es nicht ganz so atmosphärisch wie andere Bücher von ihm ist. Auch der Humor ist nur abschnittsweise vorhanden, meistens geht Lansdale die Themen im ernsten Ton an.

Fokus liegt meiner Einschätzung nach ganz auf Vater-und-Sohn-Beziehungen. Es geht darum, wie sehr die Entwicklung von Eltern beeinflusst wird, was gute Eltern auszeichnet, und wann es angebracht ist, für die Taten des eigenen Nachwuchses einzustehen. 

Zudem kommt eine dezente Portion Blutrünstigkeit dazu, die mit Polizeibürokratie garniert, und durch unnachahmliche Figuren als kriminalistisches Drama serviert wird. 

Alles in allem hat mir „Die Kälte im Juli“ gut gefallen. Ich habe Richard und seine Familie gern kennengelernt, ein ausgefallenes Abenteuer bestritten und bin auf ziemlich schräge Typen getroffen.

Für Freunde des ungewöhnlichen - wenn auch teilweise rustikalen - Romans, ist „Die Kälte im Juli“ bestimmt eine gute Wahl, die brutal, fesselnd und unkonventionell ist.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.com

Banale Story, platte Charaktere & atemberaubende Landschaften

Nächte, in denen Sturm aufzieht - Argon Verlag, Jojo Moyes, Luise Helm

Lizzie Cullen lebt mit ihrer Tochter an der Küste von Australien. Sie schlägt sich im ländlichen Silver Bay mit Bootsausflügen zu Walen und Delphinen durch. Die atemberaubende Landschaft, der dörfliche Zusammenhalt und das raue Meer sind ihre Gefilde. Aber der dunkle Schatten ihrer Vergangenheit in Kombination mit dem blendend gut aussehenden Mike Dormer bringen ihr beschauliches Leben in Gefahr.

"Nächte, in denen Sturm aufzieht" hat mich wegen des Schauplatzes Australien und natürlich aufgrund der Autorin Jojo Moyes gereizt. Jojo Moyes kann gute Geschichten erzählen, und bei ihr habe ich mich immer wohlgefühlt.

Leider ist die Handlung von diesem Roman extrem banal. Der schicke Londoner Mike Dormer reist für seine Firma nach Australien, weil er sich die Ortschaft Silver Bay genauer anschauen muss. Die Gegend kommt für ein geschäftliches Projekt in Frage, und seine Aufgabe ist es, Risiken und Chancen einzuschätzen.

Mike ist von seinem Job und den Erwartungen an sein Leben getrieben. In London verbringt er den ganzen Tag im Büro, schlägt sich mit seiner Verlobten - die in der gleichen Firma im Marketing ist - und der anstehenden Hochzeit herum. Er merkt gar nicht, dass in seinem Leben etwas fehlt. Richtig! Bis er auf Lizzie Cullen in Silver Bay trifft.

Lizzie Cullen hat sich an der Küste von Australien regelrecht verschanzt, weil sie eine schreckliche Vergangenheit quält. Gemeinsam mit Töchterchen Hannah wohnt sie im Hotel ihrer Tante - diese wird Haifisch-Lady genannt - wo sie Touristen per Boot zu Walen und Delphinen kutschiert.

Ich will jetzt nicht spoilern, aber ich denke, die Handlung liegt auf der Hand. Die Konflikte spielen auf persönlicher Ebene zwischen Mike und Lizzie und auf wirtschaftlicher Ebene zwischen Mikes Firma und der ländlichen Unberührtheit von Silver Bay. 

Grob gesagt, will ein Großkonzern die Gegend ordentlich aufpolieren, und die hiesige Bevölkerung spreizt sich mit Körper-Einsatz dagegen. Buhmann dahinter ist natürlich der blendend-schöne Mike, weil er seine Arbeit getan hat, und die Gegend für Investitionen frei gibt. 

Dazu kommen noch Lizzies tragisches Geheimnis, die Verstrickung, die sich aus Mikes Verlobung ergibt, eingehende Sinneswandel und inspirierende Landschaftsbeschreibungen - die jedenfalls wunderbar zu hören sind.

Ich möchte den Roman keinesfalls schlecht reden, weil es für zwischendurch wirklich eine nette Geschichte ist. Allerdings bin ich von Jojo Moyes andere Kaliber gewöhnt, und bin von diesem banalen Plott mit seinen platten Figuren schon enttäuscht.

Absolut begeistert bin ich von den Hintergrundinformationen zu Australien, Walen und Delphinen. Jojo Moyes baut Fakten und interessante Details gekonnt in die Handlung ein. Sie verleiht ihrer Story Mehrwert, und weiß, wie sie den Leser mit Beschreibungen der atemberaubenden Landschaft bei Laune halten kann.

Im Endeffekt ist „Nächte, in denen Sturm aufzieht“ eine nette Geschichte für zwischendurch, die zwar einfallslos aber dank des Schauplatzes Australiens inklusive Wale und Delphine annehmbar ist.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.com

Realistisch-schockierendes Endzeit-Szenario

Die Letzten: Zerfall - Oliver Pätzold

Eine Pandemie rottet die Menschheit so gut wie aus. Robert und seine Kinder Hanna und Alexander überleben. Sie wagen sich nach wochenlanger Zurückgezogenheit in die Welt hinaus. Was werden sie finden?

"Die Letzten. Zerfall" ist ein Endzeit-Thriller von Oliver Pätzold, der meiner Meinung nach durch eine gute Portion Realismus für Gänsehaut beim Leser sorgt. 

Robert und die Kinder verbarrikadieren sich in ihrer Wohnung. Sie wissen, dass etwas Furchtbares vor sich geht. Die Übertragungen im Fernsehen schockieren, die wenigen Telefongespräche verunsichern, und die Bilder in den sozialen Medien sind alarmierend. Mit einem Mal ist der Spuk vorbei, und sie wissen nicht, was draußen in der Welt noch übrig ist.

Ich habe mir dieses Buch zugelegt, weil ich von Viren, Epidemien und Pandemien fasziniert bin, so lange sie natürlich zwischen Buchseiten beziehungsweise am Reader bleiben. In diesem Szenario geht Autor Oliver Pätzold auf eine Vision ein, die selbst vor zivilisierten Gesellschaften nicht halt macht: Er merzt die Menschheit mit einen Virus aus. 

Den Zerfall der Welt erlebt man mit Robert und seinen Kindern - beide im Teenie-Alter - gemeinsam. Robert isoliert sich mit Alexander und Hanna in der Wohnung, sie verstecken sich vor der Außenwelt und meiden jeglichen Kontakt zu anderen. 

Auf diese Weise sind sie einige der letzten Überlebenden, vor denen sich eine neue, brutale Welt offenbart.

Zugegeben, ich hatte mir von der Geschichte her mehr Informationen über den Ausbruch der Krankheit gewünscht. Gern hätte ich erlebt, wie ein virales Rädchen das andere treibt, wie Behörden und Organisation reagieren, und wie langsam alles zusammenbricht. Diesen Teil spart Pätzold völlig aus, in dem er seine Figuren hinter der scheinbar sicheren Wohnungstür wähnt. 

Zentral ist hingegen die Entwicklung nach dem der Virus seinen Kreis gezogen hat. Hier setzt der Autor an, und er beweist, dass es nicht unbedingt Zombies braucht, um eine erschütternde Welt zu kreieren. 

Robert kämpft sich mit seinen Kindern durch. Sie suchen Nahrungsmittel, frisches Wasser und eine sichere Unterkunft, nach dem sie zum ersten Mal auf den gefährlichsten Feind gestoßen sind: Die Menschen selbst. 

Es herrscht Chaos, Anarchie und das Recht des Stärkeren. Jede Moral wurde mit den Toten der Pandemie zu Grabe getragen, und auch vor Robert macht der sittliche Verfall nicht halt.

Bei diesen Aspekten hat der Autor gnadenlos realistische Beschreibungen geliefert, bei denen ich mich oft angewidert abgewendet hat. Er arbeitet den gesellschaftlichen Zerfall nachvollziehbar heraus, und sorgt für absolute Unbehaglichkeit in brenzligen Situationen. Diese Realismus macht die Qualität dieses Thrillers aus, weil ich dem Autor auf’s Wort glaube, dass es so kommen kann.

Bei den Figuren hat es mir - meinem Geschmack nach - an Tiefe gefehlt. Man erfährt kaum etwas über ihr voriges Leben. Sie wirken blass, distanziert und austauschbar. Sogar die Protagonisten sind meinem Gefühl nach auf eine Statistenrolle reduziert, die ihnen jegliche Lebendigkeit raubt. 

Andrerseits kommt die Story für sich ohne prägnante Charaktere aus, und sie funktioniert, auch ohne schillernde Figuren im Vordergrund. 

Im Endeffekt bietet Oliver Pätzold ein schockierend-realistisches Endzeit-Szenario an, das einem aufgrund des realistischen gesellschaftlichen Zerfalls,  den Magen umdreht und zu denken gibt. 

 

Die Reihe:
1) Die Letzten. Zerfall
2) Die Letzten. Verlust

Skurriles Telefonat über die Liebe

Kaschmirgefühl - Bernhard Aichner

Gottlieb ruft bei einer Sex-Hotline an. Anstatt sich im heißen Stöhnen der Dame am anderen Ende der Leitung zu verlieren, redet er lieber mit Marie. Und ein amüsantes Gespräch entsteht. 

"Kaschmirgefühl. Ein kleiner Roman über die Liebe" wird mit dem Untertitel treffend beschrieben. Denn es ist mit den wenigen Seiten tatsächlich ein kleiner Roman, der aber aufgrund des erfrischenden Inhalts großes Amüsement beschert.

Ich war skeptisch und gleichzeitig neugierig. Bernhard Aichner steht für ungewöhnliche Thriller, einer eigenartigen Erzählstruktur und wird insgesamt zu den düsteren Genres gezählt. Mit "Kaschmirgefühl" hat er gezeigt, dass er äußerst vielseitig ist, und seinen gewohnten-ungewohnten Stil dennoch beibehält.

Gottlieb gibt ein eher tristes Erscheinungsbild ab. Seine Arbeit im Hospiz hat er an den Nagel gehängt, er wohnt daheim und nächtigt in seinem Jugendzimmer - obwohl seine Eltern längst gegangen sind. Außerdem stellt er sich täglich der Einsamkeit. Nun wagt er es, und ruft bei der großbrüstigen Blondine der Sex-Hotline an.

Marie - die weder großbrüstig noch blond ist - ist allerlei Kundschaften gewöhnt. Doch als Gottlieb mit seinem Redebedarf alles andere außer Sex zur Sprache bringt, legt sogar sie das Strickzeug weg, und lässt sich persönlich auf den Kundentermin ein.

Die gesamte Handlung wird anhand des Telefongesprächs erzählt. Daher gibt es keine Zwischentöne oder Schilderungen, sondern es kommen abwechselnd Gottlieb und Marie zu Wort. Einzig, Unterbrechungen werden durch die aktuelle Uhrzeit markiert, was der Kapiteleinteilung des Buchs entspricht.

Bernhard Aichner tischt dem Leser eine charmant-amüsante Geschichte auf. Gottlieb erzählt von einer Liebe, Geld und seinem Leben, während ihn Marie einzuschätzen versucht. Obwohl sie sich um professionelle Haltung bemüht, merkt sie schnell, dass Gottlieb andere Bedürfnisse hat.

"Unter dieser Nummer gibt es keine Wahrheit. Damit solltest du dich ganz schnell abfinden. Sonst wird das nichts mit uns beiden". (S. 52)

Thematisch entspricht die Erzählung dem typischen Liebesroman: Es geht um Hoffnung, um Einsamkeit und enttäuschte Beziehungen, die allesamt während des Telefonats interessante Züge zeigen.

Für zwischendurch fand ich dieses Buch witzig, erfrischend kurzweilig, und ich mag daran, dass es mal was anderes ist. Die Schilderung anhand des Telefonats gibt der Geschichte von Gottlieb und Marie eine besondere Note, auf die ich mich gern eingelassen habe. 

Einzig, es ist schon ein ziemlich kurzes Vergnügen, und die fehlenden Hintergrundinformationen hinterlassen einen schalen Nachgeschmack.

„Kaschmirgefühl“ sehe ich als skurriles Liebes-Experiment, das wahrscheinlich nicht jeden Leser abholen kann, auf jeden Fall aber kurzweilige Unterhaltung verspricht.

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Dunkle Perspektive und Spannung

Blind - Christiane Brand

Ein Schrei, und die Verbindung bricht ab! Nathaniel war soeben noch mit einer Frau verbunden, die ihm dabei half, ein Hemd auszusuchen. Nach dem verstörenden Schrei, meldet sie sich nicht mehr. Es muss etwas geschehen sein, doch die Polizei glaubt dem Blinden nicht.

"Blind" ist der Auftakt einer neuen Krimi-Reihe um die Journalistin Milla Nova. In diesem ersten Band, steht der blinde Mann Nathaniel im Zentrum, der sich, nach hilflosen Versuchen, bei Milla Unterstützung erhofft. 

Die Ausgangslage ist gekonnt gewählt. Ein blinder Mann will sich mittels der App "Be my eyes" helfen lassen. Durch die App werden Sehbehinderte mit Sehenden verbunden, die ihnen im Alltag behilflich sind. Doch gerade als die Unbekannte am anderen Ende der Leitung das richtige Hemd auswählt, ertönt ein Schrei und die Verbindung ist weg. Was ist passiert?

Die Situation ist kniffelig, weil ein Blinder nunmal keinen guten Augenzeugen abgibt. Nathaniel ist sich sicher, dass der Frau etwas geschehen ist. Nur will ihm niemand glauben, weil es gar so abstrus klingt.

Zu Beginn lernt man Nathaniel kennen. Der blinde Mann tastet sich durch die Welt, hat es aufgrund seiner körperlichen Einschränkung schwer, dennoch lässt er sich nicht von seinem eigenständigen Leben abhalten. Gleichzeitig offenbart sich langsam, dass Nathaniel im Kindesalter selbst Opfer eines Gewaltverbrechens war, woher auch seine Blindheit rührt.

Bei der Figur Nathaniel muss ich sachte Kritik üben. Für einen Mann, der auf die Vierzig zugeht, hat er meiner Meinung nach teilweise etwas unbeholfen reagiert. Von seinen Taten, Aktionen und Gedanken her, hätte ich ihn eher auf Mitte Zwanzig geschätzt. Allerdings ist allgemein bekannt, dass man nie wirklich erwachsen wird ... 

Milla ist Journalistin durch und durch. Sie will Nathaniel zur Seite stehen und beginnt mit ihm gemeinsam unterschiedlichen Möglichkeiten auf den Grund zu gehen. An und für sich glaubt sie nicht, dass wirklich ein Unglück hinter dem ominösen Schrei steckt. Doch etliche Ungereimtheiten bringen sie doch ins Grübeln.

An dieser Stelle weiß man als Leser nicht mehr, wo man steht. Es ist unklar, ob es überhaupt eine Gewalttat und ein Opfer gibt. Man zweifelt an Nathaniels Wahrnehmung und bewundert seine Hartnäckigkeit, was dem Krimi fesselnden Rätsel-Charakter verleiht.

Die Ereignisse werden aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Vordergründig begleitet man Nathaniel durch seinen Alltag und lernt auf diese Weise seine Sicht auf die Welt kennen. Es wird anschaulich geschildert, wie versiert sich ein blinder Mensch bewegt. Außerdem steht man Milla zur Seite, wie sie detektivisch an ihren Storys arbeitet, dramatische Geschichten aufdeckt, und sich mit der Polizei anlegt.

Einen sanft amourösen Zug erhält die Handlung durch Millas Beziehung zu einem leitenden Beamten der Polizei, die zudem für Reibungspunkte sorgt, weil sich journalistische Aktivitäten in Verbindung mit polizeilichen Ermittlungen nur schwer vertragen.

Ich habe diesen Krimi extrem gern gelesen. Die Handlung war von Anfang an spannend und faszinierend umgesetzt. Mittendrin wusste ich nicht mehr, wem ich was glauben kann, welche Hinweise tatsächlich den Schlüssel für die Handlung beinhalten, und ob Nathaniels Hartnäckigkeit nicht übertrieben ist. 

Der Showdown hat mich sogar wach gehalten, weil ich unbedingt wissen musste, wie es zu Ende geht. Es war spannend, beklemmend und insgesamt logisch - auch wenn es bei der Schlüssigkeit vielleicht ein paar Kleinigkeiten zu bemängeln gibt. 

Ich habe mich exzellent unterhalten gefühlt und mir hat dieser Krimi großartigen Lesespaß gebracht. Wer Krimis, eine dunkle Perspektive und Spannung mag, wird mit „Blind“ mehr als zufrieden sein. 

Horror der 1980er

Der Exorzismus der Gretchen Lang - Grady Hendrix

Ein LSD-Trip missglückt und Gretchen ist nicht mehr sie selbst. Aus ihrem freundlichen, liebenswerten Wesen ist ein sadistisch-brutales Biest geworden, das nicht von dieser Welt sein kann. Abby setzt alles daran, ihrer besten Freundin zu helfen. Sogar, wenn nur ein Exorzismus Hilfe verspricht.

Abby und Gretchen sind beste Freundinnen. Die Jugendlichen machen alles gemeinsam, sind sich gegenseitige Stütze, und suchen ihren Platz in der Welt. Experimentierfreudig wie sie sind, probieren sie eines Nachts LSD, was Gretchen gar nicht bekommt ... 

Im Mittelpunkt des Romans steht die Freundschaft von Abby und Gretchen. Obwohl es - zurecht - als Horrorthriller angelegt ist, erlebt der Leser diese wunderbare Freundschaft, wie sie nur allerbeste Freundinnen kennen.

Die Geschichte wird aus Abbys Perspektive erzählt, und beginnt, als sich die Mädchen im Kindesalter kennenlernen. Auf diese Weise erhält man ein Gefühl für die Freundschaft der beiden, und wächst mit ihnen in die Teenager-Jahre hinein.

Dann kommt die grauenhafte Nacht, in der die Mädchen LSD probieren. Bis auf einen kurzen Schock-Effekt bleibt die Stimmung noch kuschelig, denn das Grauen schleicht sich im Anschluss zwischen die Seiten rein.

Langsam wird aus der netten Gretchen ein boshaftes Gör, die gemeingefährlich ist. Abby schaut der Wandlung ihrer Freundin hilflos zu, und kriegt es dann selbst mit der Angst zutun …

Grady Hendrix' Horror-Roman um den Exorzismus der Gretchen Lang hat mir ganz großen Spaß gemacht. Oberflächlich betrachtet ist es ein exzellent gelungener Schocker mit gnadenlosen Schauermomenten. Besonders die Nacht als Gretchen LSD einwirft, hat mir ordentlich Gänsehaut gebracht. Außerdem zeigt sich Gretchens Besessenheit auf perfid-brutale Weise, bei der man manchmal schreien will. Gruselig, schaurig und absolut niederträchtig!

Dazu kommt die Freundschaft von Abby und Gretchen, die den gesamten Ablauf der Handlung prägt. Es war schön, die Mädels kennenzulernen, sie ein Stück auf ihren Weg zu begleiten und sich gemeinsam mit ihnen dem Feuer der Hölle entgegen zu stellen.

Eine weitere Besonderheit ist der zeitliche Rahmen. Abby und Gretchen haben ihre Jugend in den 1980er-Jahren verbracht, und Grady Hendrix lässt das Jahrzehnt des schlechten Geschmacks Revue passieren. Dieser Flashback war witzig zu lesen, und mir scheint, die 1980er-Jahre haben trotz dämonischer Besessenheit großen Spaß gemacht.

Alles in allem hat mir „Der Exorzismus der Gretchen Lang“ unheimlich gut gefallen.  Ich bin an den Seiten geklebt, die Stimmung war fesselnd und ich konnte kaum genug von Abby und Gretchen bekommen, weil es arg gruselig war.

Wer in Horror-Romanen das Exorzismus-Thema mag, dem kann ich eine Zeitreise in die 1980er-Jahre empfehlen, um den Exorzismus der Gretchen Lang mit eigenen Augen zu erleben.

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Fesselnder Thrill-Chat

The Message - Tibor Rode

Kathy erhält einen Kettenbrief via Mail, der eine Todesdrohungen enthält. Sie nimmt die Nachricht nicht ernst und teilt sie im Gruppen-Chat ihres Anthropologie-Seminars. Seither hat niemand etwas von Kathy gesehen, gelesen oder gehört. Und ihre Kommilitonen rätseln, was geschehen sein kann.

"The Message" ist ein ungewöhnlicher, dafür äußerst fesselnder Thriller, der im Stil eines Chats angelegt ist.

Ich habe dieses Buch durch die Rezension einer Lesefreundin entdeckt und aufgrund des sonderbaren Stils war sofort mein Interesse geweckt. Ein Thriller, der nur anhand von Chat-Nachrichten geschildert wird? Ich war skeptisch, ob das funktioniert.

Kathy postet in ihrer Anthropologie-Gruppe das Kettenmail und war nicht mehr gesehen. Ihre Kommilitonen werden unruhig. Sie fragen sich, was mit Kathy geschehen ist, interpretieren trotzdem nicht zu viel Bedeutung in ihre Abwesenheit. Doch dann wird Kathys Leiche ausgerechnet im Moor entdeckt!

Das Moor als Fundort lässt den anderen Studierenden die Haare zu Berge stehen. Einerseits beinhaltet die Kettennachricht Hinweise darauf, andererseits schnippseln sie aktuell im Seminar an einer tausende Jahre alten Moorleiche herum. Kann das ein Zufall sein?

Und so beginnt der Chat in dieser Gruppe fesselnd und interessant zu werden. Neben den Kommentaren und Erörterungen der Studierenden, ist der Lehrveranstaltungsleiter - also Professor - beim Chat dabei. Sie ziehen sich gegenseitig auf, gehen flapsig mit den Ereignissen um, dennoch merkt man, dass ihnen mulmig wird, und die Angst sie treibt. 

Obwohl ich anfangs skeptisch war, habe ich mich herrlich amüsiert. Vom Gefühl her nimmt man die Rolle eines Voyeurs oder Hackers ein, der sich zu diesem privaten Chatverlauf Zugang verschafft. Anfangs sind die Studierenden noch gut drauf. Doch je mehr sich die unheimlichen und bedrohlichen Ereignisse häufen, desto intensiver spürt man die Angst aus ihren Posts heraus.

Die Figuren bleiben im Großen und Ganzen relativ blass, was eben am Chat-Charakter liegt, und gerade deshalb recht authentisch und besonders spannend zu lesen ist.

Die Handlung selbst ist gut durchdacht, auch wenn mich die Hintergründe nicht überraschten. Hier hatte ich ziemlich früh eine Vermutung, die sich im Verlauf des Chats gefestigt und am Ende bestätigt hat. 

Bemerkenswert ist neben dem Thrill-Effekt der Gruselschauer, der sich aufgrund des Kettenbriefs und der Moorleiche aus dem Anthropologie-Seminar ergibt. Man kriegt es wirklich mit der Angst zutun, wenn man durch den Chat der Studenten fliegt. 

Aufgrund der Darstellung als Chat und der geringen Seitenzahl ist „The Message“ rasch gelesen, und kann daher als feines Grusel-Thriller-Häppchen betrachtet werden.

Unterm Strich hat Tibor Rode mit „The Message“ einen außergewöhnlichen und gruseligen Thriller geschrieben, der für zwischendurch absolut fesselnd zu lesen ist.

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Watson meets Sherlock

Sherlock Holmes: Eine Studie in Scharlachrot: Illustrierte Ausgabe -  Arthur Conan Doyle, Hannelore Eisenhofer-Halim

Dr. Watson kehrt aus den Kolonien nach London zurück. Er trifft unversehens durch einen alten Bekannten einen Sonderling: Sherlock Holmes. Ab sofort teilen sie sich eine Unterkunft und Dr. Watson wird durch seinen detektivischen Mitbewohner laufend auf's Neue verblüfft.

"Eine Studie in Scharlachrot" ist der Reihenauftakt um den berühmten Sherlock Holmes, und gleichzeitig Holmes und Watsons erster gemeinsamer Fall.

Bei Sherlock Holmes geht man mit bestimmten Erwartungen an die Story heran. Sein Bild ist durch Fernsehen und ähnlich anmutende Literatur geprägt. Daher war es interessant, endlich einmal das Original um die scharlachrote Studie zu lesen. Es ist ein Werk, das mich durchaus begeistert hat. 

Dr. Watson ist in London und benötigt eine Unterkunft. Er trifft einen alten Bekannten, der ihn an Sherlock Holmes vermittelt, mit dem er fortan leben, wohnen und ermitteln wird.

Das Zusammentreffen von Sherlock Holmes und Dr. Watson war charmant. Man merkt, dass die beiden Herren nicht von kleinauf als Team aufgetreten sind. Watson ist von seiner Zeit in den Kolonien stark angeschlagen, und lässt sich gern auf den verblüffenden Sonderling ein.

Sherlock Holmes beeindruckt mit seiner unnachahmlichen Kombinationsgabe. Während andere dabei sind, das Ergebnis zu begutachten, ist er schon längst hundert Schritte weiter, und versucht seine Theorie zur Ursache zu beweisen.

"Sie haben die Ermittlung so nahe an eine exakte Wissenschaft herangeführt, dass sie kaum noch in dieser Welt zu übertreffen ist". (S. 59)

Damit wird Sherlock Holmes als Urmodell des modernen CSI geoutet, der den Hergang anhand diverser Spuren zur Ursache rückverfolgt. 

In diesem ersten Fall - den Holmes selbst als ‚Eine Studie in Scharlachrot‘ bezeichnet - wird ein Mann vergiftet aufgefunden, und über der Leiche prangt das Wort 'Rache' mit Blut geschrieben. 

Während sich Scotland Yard abmüht, den Tathergang zu rekonstruieren, hat Holmes den Mörder schon längst im Visier. 

Der Roman, der Krimi, wird von Dr. Watson erzählt. Dazu dienen ihm Tagebuchaufzeichnungen, Briefe, Zeitungsausschnitte und Berichte, die im Endeffekt das Gesamtbild um den Fall ergeben. 

Der Fall selbst ist interessant, wenn er auch meinem Empfinden nach viel zu schnell aufgelöst wird. Sherlock Holmes benötigt keine großartigen Hilfestellungen, um Motiven auf die Schliche zukommen. Er denkt kurz darüber nach, und lässt den Mörder in seinem Wohnzimmer erscheinen. 

Arthur Conan Doyle begnügt sich zum Glück nicht damit, sondern nimmt den Leser auf eine Reise ins entfernte Utah in die USA mit. Erst dadurch versteht man, wie es dazu kommen konnte, dass eine vergiftete Leiche unter blutgeschmierten Lettern in London liegt. 

Insgesamt hat mir der erste Fall um Sherlock Holmes und Dr. Watson großen Spaß gemacht. Ich mag den einzigartigen Sonderling Holmes, der schneller denkt als Strom fließen kann, den loyalen Watson, der sich von Holmes Intellekt gefordert fühlt, und den Blick auf das damalige London - das auf mich greifbar wirkt.

Meiner Meinung nach ist „Eine Studie in Scharlachrot“ zurecht ein Krimiklassiker, der hoffentlich noch viele weitere Leser den Auftakt der Krimi-Reihe um Sherlock Holmes miterleben lassen wird. Klassiker-Empfehlung!

 
 

Chronologische Reihenfolge der Romane und Erzählungen um Sherlock Holmes:

1887 Eine Studie in Scharlachrot
1890 Das Zeichen der Vier
1892 Die Abenteuer des Sherlock Holmes (Erzählungen)
1893 Die Memoiren des Sherlock Holmes (Erzählungen)
1902 Der Hund der Baskervilles [Rezension lesen]
1904 Die Rückkehr des Sherlock Holmes (Erzählungen)
1915 Das Tal der Angst
1917 Seine Abschiedsvorstellung
1927 Sherlock Holmes’ Buch der Fälle
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Ausgeprägte Sexszenen & minimalistische Handlung

Try - versuch es (Temptation) - Ella Frank, externbrink translations

Logan ist gewöhnt, zu bekommen, was er will. Nun hat er es auf Tate abgesehen, der allerdings gar nicht auf Männer steht ...

Ich habe mir etwas Abwechslung im Lesealltag gewünscht. Daher dachte mir, zwischen all den Thrillern und schaurigen Storys, die ich normalerweise lese, ist es mal wieder Zeit für einen etwas anderen Liebesroman. 

Bei "Try. Versuch es" habe ich leider daneben gegriffen, weil es gar kein Liebesroman ist, sondern eher in die Porno-Ecke gehört. 

Logan ist Anwalt. Er ist selbstbewusst, direkt und nimmt sich in der Regel, was er möchte. Gerade bei seinen sexuellen Bedürfnissen versteckt er sich nicht hinter falscher Scham. Egal, ob es Frauen oder Männer sind, er ist allem gegenüber aufgeschlossen. Es sei denn, dass sein Gegenüber eine Beziehung will.

Tate hat eine unglückliche Ehe hinter sich gebracht, und ist im Moment dabei, sein Leben in Ordnung zu bringen. Dazu gehört der neue Job als Barkeeper, wo es der sexy Anwalt Logan Mitchell auf ihn abgesehen hat. Nur blöd, dass Tate keine Männer mag.

Die Handlung ist schnell erzählt, weil es davon nicht viel gibt. Logan steht auf Tate, Tate ziert sich, weil Männer eben nicht seiner sexuellen Gewohnheit entsprechen, und dann geht auch schon die Post ab, während ich mit offenem Mund auf die Seiten sah.

Erotische Passagen, Gay Romance und ausgeprägte Sexszenen gehören für mich hier definitiv dazu. Allerdings hätte ich nicht gedacht, dass es beinah ausschließlich pornografisch anmutende Beschreibungen sind, und ich die Handlung dazwischen suchen muss. 

Dabei sind die vorhandenen Ansätze gut, und die Lust, mehr über die Umstände außerhalb der bezeichnenden Erotik zu erfahren, ist jedenfalls da. Doch die Autorin lässt sich seiten- und kapitelweise lediglich über sexuelle Praktiken aus, was mir zu viel geworden ist. 

Gefallen haben mir außerdem die authentisch wirkenden Dialoge - sofern überhaupt mal gesprochen wurde - und wie die emotionale Ebene verarbeitet wird. Zumindest hier hat die Autorin geschickt manche Hintergründe und Motive beleuchtet, die mich doch bei der Stange gehalten haben. 

Ella Franks Schreib- und Erzählstil sind exzellent. Flüssig, stimmig und fesselnd treibt sie die minimalistische Handlung voran. Deshalb kann ich mir trotz meiner Kritik sehr gut vorstellen, zu anderen Büchern der Autorin zu greifen.

Unterm Strich bin ich aber enttäuscht worden, weil ich mir eine Liebesgeschichte mit pikanten Details erwartet hatte, und eher einen Guide für homosexuelle Praktiken bekam. 

Jedenfalls bin ich mir sicher, wenn man als Leser mit den richtigen Erwartungen an diese Story geht, wird man voll auf seine Kosten kommen, und das Zusammentreffen von Logan und Tate genießen können.

 
 
Die Temptation-Reihe:
1) Try. Versuch es
2) Take. Ergreif es
3) Trust. Vertraue
4) Tease. Verlockung
Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.com