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Besonders wissenschaftliche Science Fiction

Das Erbe der Sterne: Roman - Meisterwerke der Science-Fiction (Riesen-Trilogie 1) - James P. Hogan, Andreas Brandhorst

Am Mond wird in einer Höhle die Leiche eines Raumfahrers entdeckt. Auf der Erde weiß niemand, wer dieser Mann ist und wie er dahin gekommen ist. Noch rätselhafter als sein Ursprung ist aber das Alter der sterblichen Überreste - denn es stellt sich heraus, dass die Leiche 50 000 Jahre alt ist. Damit steht die Menschheit vor einem Mysterium.

Dieser Science Fiction Roman ist ursprünglich in den 1970er-Jahren erschienen und hebt sich durch seinen hohen Wissenschaftsanteil von anderen Vertretern des Genres ab. 

Das Mysterium um diesen Mann im Mond stellt die Wissenschafter der Erde vor ein Rätsel, das es zu entschlüsseln gilt. In Laboren arbeitet man auf Hochtouren, Experimente werden durchgeführt und Ergebnisse werden zur Diskussion gestellt. Aber so recht kann sich niemand erklären, warum die menschlichen Überreste vom Mond so alt sein können. Denn vor 50 000 Jahren hat es noch gar keine Menschen gegeben. Wie kommt es dann, dass ein Vertreter der menschlichen Spezies im Raumanzug am Mond spaziert?

Man kann sich vorstellen, dass ein solcher Fund das gesamte bisher angehäufte Wissen in Frage stellt. Wahrheiten werden gebogen, mit Paradigmen wird gebrochen und die Geschichte der Menschheit wird neu erfunden.

So spannend diese Geschichte und die Handlung an sich ist, so nüchtern wird sie von Autor James P. Hogan beschrieben. Der Roman gleicht eher einem Forschungs- oder Tatsachenbericht, der vom Protagonisten und Leiter für Theoretische Studien Dr. Victor Hunt verfasst worden ist. Es werden lediglich Fakten abgehandelt und tiefe Emotionen oder dichte Figuren in den Hintergrund gepackt. Alles was zählt sind die Fakten, die präsentiert werden, die Wissenschafter, die zusammen arbeiten und die Erkenntnisse, die davon abgeleitet werden.

Das ist auch mein größter Kritikpunkt, weil es dadurch manchmal ganz schön zäh zu lesen ist. Obwohl ich wissenschaftlichen Auseinandersetzungen nicht abgeneigt bin, hat es von mir oft ein hohes Maß an Konzentration gefordert, damit ich den präsentierten Fakten folgen kann. Sämtliche Figuren sind Namen auf Papier geblieben und nicht einem wurde Leben eingehaucht, was ich in Anbetracht der spannenden Thematik sehr schade finde.

Spannend ist dafür das Umfeld, das sich der Autor ausgedacht hat, weil es wunderbar die 70er-Jahre spiegelt. Wissenschaft und Forschung sind vom Kalten Krieg geprägt, Wettkampfsituationen zwischen zwei Supermächten stehen im Vordergrund, jeder will schneller und besser als der andere sein, und man hat Angst, dem Feind zu unterliegen.

Gleichzeitig ist die wissenschaftliche Landschaft und Führungselite ausschließlich vom männlichen Geschlecht geprägt. Nur eine einzige Frau kommt in der gesamten Handlung vor, und hier auch nur, um ein bisschen - wirklich nur ganz, ganz wenig - Sex-Appeal in den Roman zu bringen. Man fühlt durch den Roman heraus die Epoche, in dem er entstanden ist, und schon allein deshalb hat es mir dann doch Spaß gemacht, dem Geheimnis hinter dem Mann am Mond auf den Grund zu gehen.

Aus heutiger Sicht ist „Das Erbe der Sterne“ sicherlich kein Pageturner, wartet dafür aber mit einer interessanten Handlung auf und lässt einen Blick auf seine Entstehungszeit zu, was ihn auf seine Art sehr lesenswert macht. 

Alles in allem kann ich diesen Science-Fiction-Roman Lesern empfehlen, die vom Genre ohnehin begeistert sind oder eine besondere wissenschaftliche Note mögen, die hier an vorderster Stelle steht.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Willkommen im Murder Park, treten Sie ein!

Murder Park: Thriller - Jonas Winner

Zodiac Island war einst ein fröhlicher Freizeitpark bis der Tod dort eingezogen ist. Ein Serienmörder hat vor 20 Jahren dem lebendigen Treiben ein Ende bereitet. Dieses Vergnügen wird der neue Murder Park auferstehen lassen. Dem alten Park soll in neues Leben eingehaucht werden, indem er zum Themenpark der Serienmörder wird.

Paul Greenblatt wird mit elf weiteren Personen in den neuen Murder Park eingeladen. Als Medienvertreter sollen sie dem Themenpark zu einem mörderischen Start verhelfen. Und auf einmal fängt das Morden an. Aus dem Vergnügen wird blutiger Ernst … 

Es handelt sich um einen interessanten Psychothriller, der mit dem Mythos der Serienmörder spielt und sogar den Opfern Beachtung schenkt. 

Bei diesem Buch haben es mir von Vornherein die Grundidee und das Setting angetan. Themenparks sind Nervenkitzel für Jung und Alt. Es ist meiner Meinung nach gar nicht abwegig, dass sich ein gewitzter Unternehmer für die Eröffnung eines Murder Parks entschließt. Der Mythos Serienkiller hat zwar seinen Zenit überschritten, doch mit diesem Thema lockt man bestimmt viele morbid Neugierige an.

„ … ein Park von Mördern, ein Murder Park? Das sollten wir nicht tun!“ (S. 328)

Dieser Punkt, der mich so sehr gereizt hat, wurde meiner Meinung nach arg vernachlässigt. Ein Murder Park hätte so viel bieten können, doch im Buch wird er nur ansatzweise geschildert. In seiner Beschreibung ist er auf ein Museum, eine Geisterbahn und eine Wohn- bzw. Hotelanlage beschränkt. Auch bei den Attraktionen hat der Autor an Fantasie gespart. Dabei denke ich, dass der Park ganz viel hergegeben und er sich eine anschauliche - mit vielen Serienmördern geschmückte - Beschreibung verdient hätte. Denn anstatt die Namen des Bösen vollends auszuschlachten, bleiben die wahren ‚Stars‘ wie Ted Bundy, der Zodiac Killer oder Fritz Haarmann, schon fast Randnotizen, während ein fiktiver Name die gesamte Handlung an sich reisst.

Die Handlung passt sich dem Setting an. Der Murder Park liegt auf einer Insel, von der es ohne fremde Hilfe kein Entkommen gibt. Daher sind Protagonist Paul Greenblatt und seine elf Kumpane dem mörderischen Vergnügen des Murder Parks ausgeliefert.

Protagonist Paul Greenblatt hat sich meinen Geschmack nach zu sehr im Kreis bewegt. Bei ihm verschwimmen Erinnerungen mit der Gegenwart und das führt zum typischen Psychothriller-Effekt, der auf Verwirrung des Protagonisten und des Lesers baut.

Die Erzählweise ist ausgezeichnet gewählt. Jonas Winner hat sich für einen sehr guten Kniff entschieden, um seinen insgesamt zwölf Figuren ein Gesicht zu verleihen. Es sind immer wieder Kapitel mit Einzelinterviews eingestreut. Diese Interviews fachen nicht nur die Neugier an, sondern helfen auch, die Übersicht zu behalten und die Ereignisse aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Das Ende hat mir weniger gefallen. Erstens, ich finde die Auflösung viel zu unrealistisch, und zweitens, ist mir die Motivation ein Rätsel. Außerdem wurde hier ganz schön dick aufgetragen, es hätte ruhig weniger sein dürfen.

Im Endeffekt fällt es mir schwer, hier zu einer Bewertung zu kommen. Geniale Ansätze vermischen sich mit dem Typischen, großartige Ideen bleiben im Lauf der Erzählung auf der Strecke und am Ende wird mir persönlich zu sehr übertrieben.

Meiner Meinung nach ist es ein Psychothriller, der aufgrund der Serienmörder-Thematik allein schon recht lesenswert ist, mir allerdings etwas zu verdreht ist und daher nicht völlig überzeugen kann. Wer sich traut, sollte sich jedoch unbedingt selbst ein Bild machen und gemeinsam mit Paul dem Murder Park einen Besuch abstatten.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Literarischer Endzeit-Roman

Vom Ende an - Megan Hunter, Karen Nölle

Eine Frau bekommt ein Kind während eine unvorstellbare Naturkatastrophe Großbritannien heimsucht. Das Land steht unter Wasser, Feuer brechen aus und Unruhe herrscht. Die Frau und ihr Mann müssen flüchten, um ihren Sohn eine Zukunft zu ermöglichen.

Bei diesem Werk handelt es sich nicht um ein übliches Weltuntergangs-Szenario, sondern es hebt sich in Stil, Sprache und Themen erheblich von anderen Büchern ab. Literarisch steckt einiges mehr darin, als eine Welle, die London überschwemmt. 

Es geht um das Ende des Lebens, wie man es kennt, aber auch um den Anfang, wie neues Leben entsteht. Die Autorin beschreibt den Prozess, wie aus einem Paar eine Familie wird. Zumindest habe ich das jetzt so wahrgenommen.

Am Anfang des Buchs bin ich richtig erschrocken, weil es insgesamt sehr gewöhnungsbedürftig ist. Der fraqmentartige Erzählstil fällt zuerst auf. Die Handlung wird nicht wie gewohnt in romanhaften Zügen beschrieben, sondern in wenigen Sätzen skizziert. Zeile für Zeile, Absatz für Absatz wird man mit den Gefühlen und Erlebnissen der Protagonistin konfrontiert. Ein bisschen hat es mich an kurze Tagebucheinträge erinnert, weil aus ihrer Sicht erzählt wird.

Die Autorin deutet vieles nur an und legt sich selten auf konkrete Ereignisse fest. Daher bleibt viel Raum für eigene Spekulationen. Außerdem wird die Handlung sprunghaft erzählt, was dem Eindruck von knappen Tagebucheinträgen unterstreicht.

Zudem wird man als Leser auf Abstand gehalten. Sämtliche Figuren bleiben gesichtslos und keiner einzigen war die Autorin einen Namen vergönnt. Man lernt sie als R, Z oder O kennen und weiß dennoch rasch, wie sie sich ins Gesamtgeschehen einfügen.

Etwas detaillierter war sie allerdings bei körperlichen Befindlichkeiten der Protagonistin. Auf wenigen Zeilen werden physische Vorgänge - zum Beispiel während der Geburt - beschrieben, die ich nicht so genau wissen muss.

In der Handlung selbst steht die Entwicklung des Kindes im Vordergrund. Die Ereignisse, die die Welt aus den Angeln heben, sind eher ein Hintergrundgeräusch, das man ebenfalls nur in groben Zügen kennenlernt. 

Für mich war es ein faszinierendes Leseerlebnis. Das Buch hat mich nach den ersten - irritierenden Seiten - sofort in seinen Bann gezogen. Es ist sehr ruhig, es bleiben viele Fragen unbeantwortet, und trotzdem konnte ich es kaum aus der Hand legen, weil mich die nüchterne Perspektive nicht losgelassen hat.

Zu guter Letzt habe ich es als Geschichte der Hoffnung, der Liebe und des Lebens empfunden:

„Wir haben diese Berührung, unsere Finger in dem verwüsteten Zimmer.“ (S. 156)

„Vom Ende an“ ist ein packendes Stück Literatur, das trotz des verstörenden Stils faszinierend zu lesen ist. Ich denke, dass man sich trauen soll, wenn man Lust hat, einmal etwas Anderes auszuprobieren und sich auf das Leben nach dem Ende einlassen kann.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Das Drama am Mount Everest

In eisige Höhen: Das Drama am Mount Everest - Jon Krakauer, Christian Brückner

1996 hat sich am Mount Everest eine Tragödie ereignet, die mehrere Todesopfer gefordert hat. Journalist und Bergsteiger Jon Krakauer war live dabei und verarbeitet in diesem Buch  seine traumatische Erfahrung. Er zeigt, dass nicht der Mount Everest von Bergsteigern sondern die Höhenbegeisterten nach wie vor vom Berg bezwungen werden.

Es handelt sich hierbei um ein Sachbuch mit subjektiven Tönen, weil Autor und Journalist Jon Krakauer die Ereignisse aus erster Hand schildert. Er beschreibt seine Erlebnisse, seine Sicht der Begebenheiten und geht auch darauf ein, dass es aufgrund des Sauerstoffmangels zu unterschiedlichen Wahrnehmungen der Ereignisse kommen kann. Daher ist es schwierig in diesem Zusammenhang von der einen absoluten Wahrheit zu sprechen.

Die Wahrheit ist, dass der Mount Everest als höchster Berg der Welt nicht nur die größte Herausforderung für geübte Bergsteiger ist, sondern bereits jahrzehntelang als kommerzielles Ziel für wohlhabende Touristen herhalten muss. Dieser Entwicklung und ihren Folgen gibt der Autor genauso viel Raum, wie den Ereignissen von 1996. Dabei geht er auf die Problematik ein, dass sich Expeditionsführer in einer Zwickmühle befinden. Einerseits kann es keine Garantie für die Eroberung des Gipfels geben, andrerseits möchten sie natürlich zufriedene Kunden haben, weil ihr wirtschaftliches Überleben davon abhängig ist. So wird manches Risiko vielleicht schneller eingegangen, als es vernünftig ist. Dabei darf man nicht vergessen, dass viele dieser Everest-Touristen keine versierten Bergsteiger sind.

Jon Krakauer hingegen sind Berge nicht fremd. Zwar hätte er nicht gedacht, dass er eines Tages am Everest stehen wird, dennoch bringt er Gipfelerfahrung mit. Dadurch hat er einen sachverständigen Blick auf den Ablauf und das Drama von 1996. Gleichzeitig geht er auf die Geschichte des Everest, große Namen und die Gier nach dem Gipfel ein, die kaum jemanden kurz vorm Ziel zur Umkehr bewegt.

Der Mount Everest ist eine Herausforderung, der man sich bestimmt nicht oft im Leben stellt. Den Gipfel der Welt zu erklimmen, ist für viele Bergsteiger ein Traum, den es sich hart zu erkämpfen gilt. Krakauer schildert minutiös welchen Strapazen der menschliche Körper ausgesetzt ist. Es ist nicht nur Muskelarbeit, die hier gefordert wird, sondern man muss sich als Ganzes auf die Höhenluft einstellen. Übelkeit, Erbrechen, Durchfallerkrankungen, schneidende Kälte, brütende Hitze, Schlaflosigkeit und permanenter Sauerstoffmangel sind nur einige Widrigkeiten, die es auf dem Weg zum Gipfel zu überwinden gilt. All dies beschreibt Jon Krakauer und geht anschließend auf die unglücklichen Umstände ein, die 1996 etliche Todesopfer am Mount Everest gefordert haben.

Einziger Kritikpunkt ist, dass Krakauer über Bergsteiger und -führer namentlich richtig herzieht. Er beschreibt sexuelle Eskapaden oder unnötige Luxusgüter, die von Sherpas mitgeschleppt werden müssen und geht auf - seiner Meinung nach - mangelnde Vorbereitung mancher Bergführer ein. Es ist vollkommen in Ordnung, Schuldzuweisungen und Mutmaßungen auszusprechen, allerdings hätte er etwas subtiler vorgehen können.

Sprecher Christian Brückner leiht auch Robert De Niro seine deutsche Stimme und so hatte ich das Bild dieses berühmten Schauspielers vor Augen, was doch recht passend ist. Die Tonqualität ist etwas merkwürdig, weil es klingt, als ob Jon Krakauer bei sich im Wohnzimmer sitzt und seine Erfahrungen auf Tonband spricht. Es hört sich wie eine alte Aufnahme auf Kassette an, was der Erzählung meiner Meinung nach hohe Authentizität verleiht.

Für mich ist „In eisige Höhen“ ein authentischer Blick auf den Mount Everest. Ich habe mit hohem Interesse und großer Faszination den Begebenheiten rund um Gipfelstürmern, dem Berg und letztendlich dem Drama von 1996 gelauscht, mir dabei die Sonne ins Gesicht scheinen lassen, die Scherpas bewundert und den Kopf über manch risikofreudigen Expeditionstrupp geschüttelt. 

Meiner Meinung nach ist es ein absolutes Must-Read-Buch für jeden, der sich für den Gipfel der Welt interessiert und aus erster Hand erfahren will, wie sich dieses Drama ereignet hat.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Süße Liebesgeschichte

Promises - Nur mit dir  - Marie Sexton, Michaela Link

Jared lebt in der typisch amerikanischen Kleinstadt am Hintern der Welt. Es ist der Klassiker von Stadt, der als Durchfahrtsroute dient, wo sich selten ein neues Gesicht hin verirrt und Moralvorstellungen so festgefahren sind, dass er es als Homosexueller selbst heutzutage nicht leicht hat.

Die Autorin behandelt vorrangig das Thema Homosexualität und das typische Kleinstadtphänomen. Gleichzeitig packt sie dieses ernste Themen in einen niedlichen Liebesroman und heizt ganz schön die Spannung an. 

Protagonist Jared ist homosexuell und lebt in dieser Kleinstadt-Tristesse. Sein Leben dort führt er eigentlich gern, auch wenn er in der kleinen Gemeinde nur niedrige Chancen auf eine Partnerschaft hat. Denn außer ihm gibt es nur einen alten Lehrer, der sich zur Homosexualität bekennt, was verständlicherweise keine Alternative ist. Doch dann erscheint Polizist Matt auf der Bildfläche, der neuen Flair ins dörfliche Leben bringt.

Meiner Meinung nach handelt es sich um eine Liebesgeschichte, wie man sie auch von heterosexuellen Paaren kennt. Der erste Kontakt, leise Annäherungsversuche und der Hauch einer Ahnung, dass vielleicht doch nichts daraus wird, fördern die Spannung, wobei das Ende von Vornherein offensichtlich ist.

Ich greife gern einmal zu anderen Büchern, die nicht dem gängigen Klischee entsprechen, und genau deshalb fand ich dieses Genre mal interessant. Obwohl ich jetzt nicht behaupten kann, dass sich der Roman ungewöhnlich entwickelt, hat er durch den homosexuellen Protagonisten doch einen gewissen Mehrwert, weil es da einiges zu beachten gibt. 

Es ist schon schwierig genug, sich kennenzulernen, wenn die sexuelle Orientierung den üblichen Vorstellungen entspricht. Aber worauf ein homosexueller Mensch noch so aufpassen muss, öffnet die Augen und gibt dieser Love Story einen weiteren Reiz.

Ich weiß nicht, ob ich es extra erwähnen muss, aber es gibt erotische Szenen, die mich doch ein bisschen überrascht haben. Sie sind weder vulgär noch irgendwie dramatisch beschrieben, allerdings will ich darauf hinweisen, damit sich andere Leser nicht überrumpelt fühlen.

Die Liebesgeschichte hat mir sehr gut gefallen. Ich konnte mitfiebern, die latente Spannung war greifbar und hat sich über alle Seiten gezogen. Es war bezaubernd, ein bisschen ungewöhnlich und trotzdem ganz normal.

Der Schreibstil der Autorin ist einfach und ruhig gehalten, sodass ich ich die Geschichte binnen weniger Stunden gelesen habe. Es hat mir gefallen, in den Weiten der USA in Frühlingsgefühle abzutauchen und ich bin mir sicher, dass sich ab sofort manchmal die eine oder andere Liebesgeschichte für Zwischendurch bei mir einschleichen wird. 

Wer also mit Jared dem beengten dörflichen Leben trotzen will und eine süße Geschichte für Zwischendurch sucht, wird in „Promises. Nur mit dir“ genau den richtigen Lesestoff finden.

Ein Must-Read unter den Klassikern

Herr der Fliegen - William Golding

Eine Gruppe Schuljungen kommt infolge eines Flugzeugunglücks allein auf einer Insel an. Mitten im Ozean sind die Kinder auf sich allein gestellt. Es gibt keine Erwachsenen die zur Ordnung rufen und während sie sich anfangs noch an die Regeln der Zivilisation erinnern, schreitet rasch der Zerfall voran.

Die Kinder - allesamt Jungen aus England - sind allein auf der Insel gestrandet. Weit und breit ist kein Erwachsener, der die Zügel lenkt, und so wird schnell ein Anführer gewählt, der das Sagen hat. Doch je länger die Kinder sich selbst überlassen sind, umso schneller vergessen sie, was sie eigentlich auf der Insel hält.

„Herr der Fliegen“ ist ein Klassiker, den wohl jeder gelesen habe sollte. William Golding prangt den Verfall der Gesellschaft an. Er zeigt, wie zerbrechlich unser zivilisierter Umgang miteinander ist, und wie rasant die Degeneration des Menschlichen im Menschen folgt, wenn der Rahmen nicht mehr stimmt.

Die Handlung an sich mochte ich sehr gern. Es war spannend zu lesen, wie sich die Kinder verhalten, wie sie sich in Gruppen aufspalten und gegen ihre Ängste angehen. Dabei ist es interessant zu beobachten, wie leicht sie von ihren eigentlichen Zielen abzubringen sind. Obwohl sich die Jungen bemühen, mittels Signalfeuer auf sich aufmerksam zu machen, Regeln zur Hygiene aufstellen und versuchen durch die Schweinejagd an Fleisch zu kommen, hält dieser gute Wille nicht lange an und ein teuflisches Spiel beginnt.

Die Beobachtung wird bei „Herr der Fliegen“ ganz groß geschrieben, denn als Leser nimmt man eine sehr objektive Perspektive ein. Golding lässt einen nicht besonders nah an die Figuren ran, sondern man muss sich mit vagen Vermutungen begnügen. Während der Autor die Insel in schillernden Farben schildert, werden die Charaktere lediglich skizziert, was mir nicht gefallen hat.

Die Protagonisten Ralph, Jack und Piggy sind meiner Meinung nach austauschbar, weil man sie rein von ihren Gedanken und Handlungen auf der Insel her kennt. Ralph ist der Anführertyp, der nach bestem Wissen im Sinne aller handelt. Jack wird der schwarze Peter zugeschoben, indem er als Widersacher mit diabolischen Zügen auftritt. Hingegen ist Piggy der Denker mit der Brille auf der Nase, der nicht ganz ernst genommen wird.

Die anderen Jungs verlieren sich wie Schatten im Hintergrund. Namentlich werden zwar noch Simon und ein Zwillingspaar genannt, aber auch diese Charaktere erfüllen ausschließlich ihren Zweck, ohne weitere Erklärungen zu liefern.

Diese schemenhafte Darstellung hat mich besonders gestört, weil ich gern eine Verbindung mit den Figuren eingehe. Ich will sie kennenlernen, dabei von ihrer Vergangenheit, ihren Hoffnungen und Beweggründen erfahren, und nicht mit Austauschbarkeit abgespeist werden.

Allerdings funktioniert die Geschichte auch ohne tiefe Protagonisten gut, weil sie im psychologischen und soziologischen Sinn schockierenden Einblick ins menschliche Zusammenleben gibt, der dieses Buch eben zu diesem lesenswerten Klassiker macht.

Gleichzeitig konnte ich mich mit Goldings Erzählstil nicht anfreunden, die aufgrund der skizzierten Figuren zu einem wirren Aufbau führt. Einmal zoomt man nah, klar und deutlich an das Geschehen ran, dann wird mit hochgestochenen Parabeln gearbeitet, was ich nicht immer als gelungen empfand.

Alles in allem ist „Herr der Fliegen“ trotz meiner Kritikpunkte ein Must-Read unter den Klassikern. Die schockierenden Elemente, die Wahrheit hinter den Ereignissen und manch bestürzende Szenen geben den Blick auf das menschliche Wesen frei und regen enorm zum Nachdenken an.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Gänsehaut trotz zäher Stellen

Die Drei - Sarah Lotz

Der Tag, an dem vier Flugzeuge abstürzen und drei Kinder überleben geht als „Schwarzer Donnerstag“ in die Geschichte ein. Eigentlich waren es vier Überlebende, doch Pamela May Donald lebt nur gerade so lange, dass sie eine Nachricht hinterlassen kann, die die Welt aus den Angeln hebt.

Dieses Buch ist ein Mystery-Thriller mit Schauer-Horror-Faktor, der nicht unbedingt leicht zu lesen ist. Es geht um mysteriöse Flugzeugabstürze, geheimnisvolle Überlebende und einen Hauch aus einer anderen Welt, der für permanente Gänsehaut sorgt.

Vier Flugzeuge sind gleichzeitig abgestürzt und drei Kinder haben überlebt. Diese Kinder sind offensichtlich gut aus der Situation herausgekommen, passen sich den neuen Lebensumständen an und sind absolut unauffällig - außer, dass sie sich irgendwie verändert haben.

Es ist kein typischer Roman, sondern wie ein Sachbuch aufgemacht. Transkripte, Interviews, Chats und Website-Einträge werden zu einem großen Ganzen vereint, was Licht auf die Ereignisse werfen soll. 

Allerdings habe ich es als sehr schwierig empfunden in die Story reinzukommen. Da es als Sachbuch getarnt ist, setzt die Geschichte Vorwissen voraus, was man natürlich nicht hat, weil diese Flugzeugabstürze und die begleitenden Ereignisse nie geschehen sind. Also musste ich mich erst einmal durch etliche Seiten wühlen, bis ich erfasst hatte, was geschehen war und warum die (fiktive) Autorin ein Buch darüber schreibt.

Dieser Umstand hat der Geschichte meiner Meinung nach den Thrill genommen. Hätte man schon von Anfang an von Gerüchten, seltsamen Vorkommnissen und Begebenheiten gewusst, hätte mir das Lesen weitaus größeren Spaß gemacht. Ich habe es streckenweise als mühsam empfunden, mir die Zusammenhänge zu erarbeiten, dabei hat die Geschichte an sich sehr großes Potential.

Es wird lange Zeit nur angedeutet, was im Argen liegen könnte. Genauso lange bleibt unklar, wie die interviewten und geschilderten Personen zusammenhängen und warum sie einen Platz in diesem Buch gefunden haben.

Trotzdem wird ständig eine unterschwellige Faszination gehalten, die einen trotz der zähen Stellen oft Gänsehaut über den Rücken jagt. Sarah Lotz spielt mit sehr vielen Mystery-Elementen, die sie schon fast auf geniale Weise zu einem Gesamtbild zusammenfügt - wäre nicht durch meine Unwissenheit und manch überflüssiger Kapitel die Spannung auf der Strecke geblieben. Denn die Autorin schlägt manchmal Wege ein, die nirgends hinführen oder deren Ziel ich nicht erkennen konnte.

Meiner Meinung hat Sarah Lotz einen großartigen Roman geschrieben, den ich aber leider nur bedingt weiterempfehlen kann. Ich denke, wer sich an einen ungewöhnlichen Mystery-Thriller als Sachbuch verpackt versuchen will, sollte sich unbedingt darauf einlassen, weil es trotz der genannten Kritikpunkte auf jeden Fall ein besonderes Buch ist, das eine Chance verdient hat.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Eine infernalische Dystopie, die zum Liebesroman wird

Infernale - Rhapsodie in Schwarz - Ulrike Brauns, Sophie Jordan

Davy trägt das Mördergen HTS in sich. Seitdem das Testergebnis offiziell vorliegt, hat sich alles geändert. Sie hat ihre Familie, ihre Freunde und damit ihr ganzes bisheriges Leben verloren. Aber was, wenn der Test gar kein Vorurteil ist, sondern tatsächlich richtig liegt?

In diesem zweiten Teil schließt sich Davy einer Widerstandsgruppe an, denn sie kann nicht akzeptieren, dass eine ganze Menschengruppe als zukünftige Mörder abgestempelt wird.

Der erste Teil der Infernale-Dilogie hat mir unheimlich gut gefallen. In der Infernale-Dilogie werden Gentests, das menschliche Schicksal in den Fängen der Veranlagung, Vorurteile und das menschliche Streben nach Perfektion thematisiert. In Davys Welt werden Menschen auf HTS getestet, um zu erfahren, ob sie das Potential zum Mörder haben. Fällt der Test positiv aus, werden die Betroffenen an den Rand der Gesellschaft gedrängt.

Mit dieser Thematik trifft Sophie Jordan einen Nerv, der in unserer Gesellschaft bereits jahrzehntelang offen liegt. Gentests sind bei Ungeboren an der Tagesordnung. Heute wird auf Erbkrankheiten getestet, in naher Zeit vielleicht schon auf die Anlagen zur Fettleibigkeit, Suchtverhalten oder gar die Intelligenz. Wer darf entscheiden, ob ein solches Leben gelebt werden soll? Die Eltern, der Arzt oder die Gesellschaft?

Davys Welt ist zwar noch nicht ganz so weit, um das Mördergen beim Fötus festzustellen, dennoch werden Menschen nach und nach aus der Gesellschaft selektiert, weil sie angeblich eine Gefahr darstellen.

Die Grundgedanken der Autorin sind genial und haben mich sofort überzeugt. Daher habe ich mich sehr auf diesen zweiten Teil gefreut und musste enttäuscht festzustellen, dass alle Qualitäten des Vorgängers ausgeschieden sind.

Denn die gesellschaftlichen Tendenzen, die Gentests oder das Leben der Personen mit dem Mördergen, werden im Grunde gar nicht mehr thematisiert. Es geht um Davy, wie sie sich selbst sieht und die Liebe, was aus einer infernalischen Dystopie einen Liebesroman für Teenager werden lässt.

Mehr als die Hälfte des Buches dreht sich um die Fragen, liebt er mich, liebt er mich nicht? Liebe ich ihn, liebe ich ihn nicht? Damit ist schon fast die ganze Handlung erzählt und ich entschuldige mich an dieser Stelle, dass ich gespoilert habe.

Eingangs wird man mit interessanten Gedanken und Spannung verwöhnt, doch genauso rasant wie der Beginn, ist das Abdriften auf die emotionale Ebene. Meiner Meinung nach ist eine Romanze nie fehl am Platz, dennoch sollte es bei einer Dystopie bleiben, wenn es als solche begonnen hat, und nicht in eine Love Story abrutschen. Sämtliche interessanten Gedankengänge, die im ersten Band ihren Anfang hatten, wurden nonchalant übergangen, um Davys Gefühlswelt Platz zu machen.

Ich bin sehr traurig, dass ich das Buch nicht besser bewerten kann. Für eine Liebesgeschichte war es nicht schlecht. Es gab emotionale Spannungen, Fragen sowie Geheimnisse standen im Raum und die Charaktere haben überzeugend gewirkt. Nichtsdestotrotz habe ich mich auf die Fortsetzung eines wahren dystopischen Lesehighlights eingestellt und wurde mit einer Dreiecksgeschichte auf Teenie-Niveau abgespeist.

Meine Leseempfehlung geht an alle, denen dieser Band vor Neugier unter den Nägeln brennt, und an Leser, die Liebesgeschichten besonders gern mögen. Wer sich ein ebenso geniales Setting wie im ersten Band erwartet, wird meiner Vermutung nach enttäuscht werden.

 

Die Infernale-Dilogie:
1) Infernale 
2) Infernale 2. Rhapsodie in Schwarz

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Elektrisierender Krieg

Die letzten Tage der Nacht - STIL GbR Simon Bertling, Graham Moore, David Nathan

Der Kampf gegen die Dunkelheit ist gewonnen seit die Glühbirne erfunden ist. Doch damit bricht in den USA ein elektrisierender Krieg zwischen George Westinghouse und Thomas Alva Edison aus, der sich um die Frage dreht, wer der wahre Erfinder der Glühbirne ist.

Erfindungen verändern die Gesellschaft. Während sie manchmal nur träge ihren Platz im Alltag einnehmen, bringen andre von einem Moment auf den anderen Licht in die Dunkelheit. Zwar kann man sich vorstellen, dass ein Erfinder seine Wunder vollbringt, allerdings kaum, welcher Wirbel damit - zumindest bei der Glühbirne - einhergegangen ist. 

Graham Moore verpackt in diesem historischen Roman die Stromgiganten des 19. Jahrhunderts, denen wir nach wie vor verdanken, dass uns in den Abendstunden ein Licht aufgeht.

Die Geschichte wird aus der Perspektive von Paul Cravath erzählt. Er ist ein junger Anwalt, der von George Westinghouse angeheuert wird. Von seinem Können überzeugt, widmet er sich hingebungsvoll der neuen Aufgabe, die ihn mitten ins elektrisierende Geschehen um Edison, Westinghouse und sogar Nikola Tesla wirft.

Der Autor hat mit der Figur Cravath eine gute Perspektive gewählt, um Licht auf die beteiligten Personen zu werfen. Durch den Einsatz des Anwalts und der Ich-Perspektive schafft es Moore, ihn als Drehscheibe der Ereignisse zu verwenden, indem er in ins Zentrum der Erzählung rückt. Dabei hat es mir seine persönliche Entwicklung weniger angetan. Man merkt ihm an, dass er eben seine Rolle im Gesamtbild zu erfüllen hat und nur darin seine Existenzberechtigung als Figur liegt. 

Besonders gut hat mir hingegen die Darstellung von Nikola Tesla gefallen. Er wird als wirrer, genialer Geist geschildert, dem man trotz seiner chaotischen Art einfach ins Herz schließen muss.

Die Erzählung umfasst mehrere Jahre und ist schon fast im epischen Stil angelegt. Manchmal wurden mir zu lange Zeitspannen übersprungen, worunter die Spannung und vor allem die Atmosphäre gelitten hat. Denn so ganz konnte ich den Erfindergeist, die Begeisterung und die feindliche Gesinnung nicht spüren, obwohl sie im Roman selbst immer wieder zur Sprache kommen. 

Ich fand es allerdings sehr spannend von den Hintergründen des Stromdebakels zu erfahren. Westinghouse und Edison haben sich eine ordentliche Schlacht geliefert und dabei sogar unfaire Mittelchen eingesetzt. Außerdem wird beleuchtet, welche weiteren technischen Errungenschaften auf diese beiden Herren zurückzuführen sind und wie damals Ideen-Fabriken aus der Taufe gehoben wurden. 

Sprecher David Nathan leiht der Hörbuchversion seine Stimme, die in gewohnter Qualität fesselnd und angenehm zu hören ist. 

Graham Moore hat mit „Die letzten Tage der Nacht“ einen historischen Blick auf die Vergangenheit geworfen, die nach wie vor den Alltag unserer Gegenwart prägt. Meiner Meinung nach handelt es sich trotz der genannten Abstriche um ein bemerkenswertes (Hör-) Buch, das bei Interesse unbedingt gelesen werden muss.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Wer ist der dritte Mann?

Der dritte Mann: Roman - Graham Greene, Hanns Zischler, Nikolaus Stingl

Nachkriegszeit in Wien. Die Stadt ist in vier Besatzungszonen eingeteilt, notwendigste Güter sind rar und es ist genau die richtige Zeit, um sich am Schwarzmarkt eine goldene Nase zu verdienen. Rollo Martins wird von seinem Freund Harry Lime in dieses Wien eingeladen, allerdings kommt er nur mehr zu dessen Begräbnis zurecht.

„Der dritte Mann“ ist ein Filmklassiker, den viele allein aufgrund der berühmt-berüchtigten Filmmusik - der Zither-Melodie - kennen. Deshalb hat es mich gejuckt, zur Buchvorlage zu greifen und dem Tod von Harry Lime auf den Grund zu gehen.

Tragende Themen sind natürlich die Nachkriegszeit, der Schwarzmarkt, die Besatzer und welche Konsequenten diese Konstellation für die Menschen bedeuten. Denn für Gauner und Ganoven sind Zeiten des Mangels die Gelegenheit, um als Schieber am eigenen Vermögen zu arbeiten. Gepaart mit einem Hauch Agenten-Charme und einer Prise Emotion ergibt sich daraus ein interessanter Krimi, der sich nicht nur sehen sondern auch lesen lässt.

Rollo Martin kommt also nach Wien, um seinen Freund Harry Lime aufzusuchen. Allerdings ist Harry Lime zu diesem Zeitpunkt schon tot und wird am Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. Der schockierte Rollo Martin kann den Unfalltod seines besten Freundes nicht einfach so hinnehmen und geht eine eigene Untersuchung an. Schnell stellt sich heraus, dass ein mysteriöser dritter Mann beteiligt war, den Rollo unbedingt finden will.

Besonders gut gefällt mir, wie Graham Greene das komplizierte Wesen dieser Zeit einfängt. Wien ist von Amerikanern, Briten, Franzosen und Russen besetzt, und allein die Verständigung der Alliierten untereinander ist eine wahre Herausforderung. Ermittlungstätigkeiten sind meist nur in der eigenen Zone möglich, Kooperationen werden rigoros abgelehnt, es wird der eigene Wille durchgesetzt und wenn es hart auf hart kommt, wird lapidar die Sprachbarriere mit einem Schulterzucken als Ursache vorgeschoben. 

In diesem Wien versucht Rollo Martin den Tod seines Freundes aufzuklären, weil er nicht fassen kann, dass dieser nicht mehr am Leben ist. Dabei kommt er Schmugglern auf die Spur und landet kurzerhand selbst in der Gefahrenzone.

Außerdem nimmt die Handlung sehr charmante Züge an, weil Rollo Martin in interessante Situationen schlittert, die er für sich nutzen kann.

Leider merkt man diesem Buch an, dass es von Vornherein als Filmvorlage geschrieben wurde. Es ist zwar nicht unbedingt als Drehbuch verfasst, trotzdem sind mir viele Passagen zu skizzenhaft. Graham Greene geht nur auf Schlüsselszenen besonders ein, die Umgebung wird großteils vernachlässigt und die Tiefe der Figuren ist teilweise mangelhaft. Meist habe ich es als Aneinanderreihung von Filmszenen empfunden, obwohl die Geschichte an sich großartig ist. Greene geht schon im Vorwort auf diesen Umstand ein, sodass der Erzählstil eigentlich keine Überraschung ist:

„Der dritte Mann wurde nicht geschrieben, um gelesen, sondern nur, um gesehen zu werden.“ (S. 9)

Ich finde es sehr schade, dass „Der dritte Mann“ dadurch an Atmosphäre und Tiefe verliert, weil es eine wahnsinnig gute, spannende Geschichte ist. Sie lebt von der Nachkriegszeit, dem Agenten-Charme und von der Wiener Szenerie, wobei die Stadt an sich nicht unbedingt gut wegkommt:

„Ich habe Wien zwischen den Kriegen nicht gekannt, und ich bin zu jung, um mich an das alte Wien mit seiner Strauß-Musik und seinem verlogenen oberflächlichen Charme zu erinnern; für mich ist es einfach eine Stadt aus würdelosen Ruinen …" (S. 16)

Nichtsdestotrotz kann ich diese Buchvorlage zu „Der dritte Mann“ jedem ans Herz legen, der diesen Filmklassiker im ganz persönlichen Kopfkino erleben will, weil sie trotz mancher Abstriche durch und durch lesenswert ist. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Eine (fast) perfekte Dystopie

Flawed - Wie perfekt willst du sein? - Cecelia Ahern

Celestine lebt in einer perfekten Welt. Auch sie selbst ist gutaussehend, beliebt und schaut freudig einer großartigen Zukunft entgegen. Bis sie sich in einem unbedachten Augenblick gegen das perfekte System stellt und ab sofort moralisch als fehlerhaft gilt. Denn Fehler sind in ihrer Welt nicht erlaubt und wer sie begeht, hat seine Zukunft verspielt.

Obwohl Cecelia Ahern für ein ganz anderes Genre steht, hat sie mit „Flawed. Wie perfekt willst du sein?“ eine beeindruckende Dystopie geschrieben. Im Gewand des All-Age-Romans geht die Autorin dem Perfektionswahn unserer Gesellschaft auf den Grund, warnt vor einer oberflächlichen Gleichschaltung und zeigt, dass wir Menschen nicht ohne Makel sind und genau deshalb aus unseren Fehlern lernen können.

Celestine lebt in einem befremdlichen System, das unseren gar nicht so unähnlich ist. Menschen haben perfekt zu sein, sie dürfen sich keine Fehler erlauben und beobachten sich gegenseitig mit Argusaugen, damit es auch so bleibt.

Manche Elemente dieses Systems erinnern mich an den Nationalsozialismus. Dabei finde ich es gut, wie Cecelia Ahern darauf eingeht, wie rasch ganze Personengruppen stigmatisiert und aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden, weil man sich wie ein blökendes Schaf an die Herde hält, anstatt selbst zu urteilen.

Allerdings bin ich mit der Umsetzung dieser perfekten Regeln in einem makellosen System nicht vollständig zufrieden. Mir hat sich nicht ganz erschlossen, was diese Regeln beinhalten, wie weit sie gehen und wie man danach zu handeln hat. Beispielsweise geht es manchmal um das äußere Erscheinungsbild, das den Menschen Perfektion abverlangt, gleichzeitig spielt es bei manchen Personen aber nur eine untergeordnete Rolle. Dann ist es nicht erlaubt, einer fehlerhaften Person zu helfen, dennoch wird diese Regel öfter überschritten, was mir in Anbetracht der möglichen Folgen als eher unwahrscheinlich erscheint. Ich hatte den Eindruck, dass dieses Regelwerk nicht konsequent umgesetzt wird, sondern eben dann zum Einsatz kommt, wenn es der Handlung zugänglich ist.

Celestine ist eine gut ausgearbeitete Figur, die aufgrund eines unbedachten Moments ihr Leben auf’s Spiel setzt. Als Verfechterin der gesellschaftlichen Perfektion aufgewachsen, hätte sie sich niemals träumen lassen, dass sich dieses System einmal gegen sie wenden kann. Dadurch lernt sie aber, sich selbst Gedanken darüber zu machen. Sie merkt, dass man nicht nur in Schwarz und Weiß denken kann, sondern es zahlreiche Grauschattierungen gibt.

Die Handlung und Erzählweise haben mich von der ersten Seite in Celestines Welt gezogen. Zuerst erhält man einen kurzen Einblick in die Konstellation der Figuren und wird plötzlich aus einer gemütlichen Atmosphäre, hinein in das knallharte System der Perfektion katapultiert. Anderen Dystopien sehr ähnlich, erkennt man gemeinsam mit Celestine was im Argen liegt und greift infolge die politische Führerschaft an, was spannend, interessant und sehr gut zu lesen ist.

Wer gerne zu Dystopien greift, wird an „Flawed. Wie perfekt willst du sein?“ nicht herumkommen. Man sollte jedoch bedenken, dass die Autorin das Genre nicht neu erfunden hat, sondern ihrer Interpretation einfach eigene Ansätze zugrunde legt.

Meiner Meinung nach handelt es sich bei diesem Dilogie-Auftakt um eine gute Dystopie, die unserer Gesellschaft einen Spiegel vor Augen hält, dem Leser mit einem perfekten Lächeln entgegenblickt und dabei gelbe Zähne aufblitzen lässt.

 
 
Die Dilogie:
1) Flawed. Wie perfekt willst du sein?
2) Perfect. Willst du die perfekte Welt?
Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Oberinspektor Staves 3. Fall

Der Fälscher - Cay Rademacher

Hamburg 1948. Die Nachkriegswehen erstrecken sich weiterhin über das Land. Die Menschen sind ausgezehrt, die braunen Flecken machen zu schaffen und der Schwarzmarkt ist oft die einzige Möglichkeit, um einigermaßen durch’s Leben zu kommen. Inmitten dieser Tristesse lässt sich Oberinspektor Stave von der Mordkommission ins Chefamt S versetzen, wo er ab sofort Schmuggelware im Visier hat. Allerdings haben Trümmerfrauen in einer Ruine nicht nur herrenlose Kunstwerke sondern auch eine Leiche entdeckt …

Es handelt sich hierbei um den dritten Fall von Oberinspektor Frank Stave, der im gebeutelten Nachkriegsdeutschland seine Ermittlungen in Hamburg angeht. Weniger die kriminalistischen Züge sondern eher die eindrucksvolle Kulisse von Hamburg nach dem 2. Weltkrieg zeichnet nicht nur diesen Band, sondern die gesamte Reihe aus.

Bei Staves 3. Fall geht es um Kunstwerke und eine Leiche, die in den Trümmern einer Brandruine gefunden werden. Gewissenhaft geht der erprobte Inspektor die Ermittlungen an, kümmert sich um kleinste Hinweise und Widersprüche, und trotzt manch rauem Wind, der ihm in den eigenen Reihen entgegen schlägt.

Der Fall an sich ist sehr bescheiden angelegt und die Ermittlungen empfand ich als eingestreut, damit doch noch von einem Krimi die Rede sein kann.

Eindrucksvoll erlebt man mit Frank Stave wie sich Deutschland langsam aus den Trümmern hebt. Bald soll neues Geld eingeführt werden, wodurch sich Hoffnung und Angst gleichermaßen ausbreiten. Die Menschen sind an Entbehrungen gewöhnt, wissen sich im Alltag dennoch zu helfen und holen trotzdem noch immer das Beste aus ihren Möglichkeiten, weil es irgendwie weitergehen muss.

Ich mag den Blick, den Cay Rademacher dem Leser auf diese Zeit schenkt. Bei allen Teilen der Reihe hatte ich das Gefühl, aus erster Hand von diesen entbehrungsreichen Zeiten erzählt zu bekommen, von Zeitzeugen zu erfahren, wie sie sich aus den Trümmern ihrer Stadt, des Krieges und einer Gesellschaft erheben, dabei ängstlich und hoffnungsvoll zugleich einer ungewissen Zukunft entgegen blicken. 

Frank Stave ist ein außerordentlich sympathischer Charakter. Er ist ein ruhiger Mann, der sich auf seinen Beruf versteht, gleichzeitig mit seiner eigenen Rolle im Dritten Reich zu kämpfen hat und sich gerade deshalb hartnäckig an seine Ermittlungstätigkeit hält. 

Durch ihn erlebt man die Sorgen und Nöte dieser Zeit, hat den Geschmack von Ersatzkaffee im Mund, fragt sich, wie man an neue Schuhe kommen soll, oder spaziert quer durch die Stadt, weil es kein anderes Beförderungsmittel gibt.

Gleichzeitig sind bei „Der Fälscher“ der Abschied vom Grauen und der Anfang einer neuen Ära absehbar. Man merkt, dass die Stadt langsam auf die Beine kommt und sich die Alliierten zurückziehen. Dabei wird auf gesellschaftliche Veränderungen und neue Sichtweisen eingegangen. Es zeigt, wie sich die Menschen letztendlich von Deutschland wie es war verabschieden und die Verbrechen verarbeiten, die sie begangen haben.

Obwohl die ersten beiden Teile unabhängig voneinander gelesen werden können, sollte man bei diesem Band doch die Vorgänger kennen, weil man ansonsten die Entwicklungen zwischen den Figuren nicht ganz versteht.

Ich habe „Der Fälscher“ als schwächsten Teil der Reihe empfunden, weil der Fall an sich eher beiläufig abgehandelt wird. Meiner Meinung nach handelt es sich dennoch um einen guten historischen Roman, der authentisch wirkt und lesenswert ist. 

 
 
Bisher erschienen:
1) Der Trümmermörder
2) Der Schieber 
3) Der Fälscher
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Science-Fiction-Klassiker für Genrefreunde

Die Zeitmaschine: Eine Erfindung. Roman. Vollständig. Neu übersetzt von Hans-Ulrich Möhring. Mit einem Nachwort zu Leben, Werk und Wirkung von Elmar Schenkel (Fischer Klassik) - Elmar Schenkel, Hans-Ulrich Möhring, H.G. Wells

Ende des 19. Jahrhunderts. Bei einer abendlichen Gesellschaft erzählt ein Erfinder, wie es ihm bei einer Zeitreise in die Zukunft ergangen ist und stößt damit auf Unglauben, weil es doch zu fantastisch klingt.
„Die Zeitmaschine“ ist die Science-Fiction-Geschichte schlechthin. H.G. Wells lässt seinen Zeitreisenden aus erster Hand berichten, wie er in der Zukunft auf seltsam entwickelte Menschenrassen trifft, sich das Universum und die Welt verändern, und warum er meint, sich noch einmal in die gewisse Zukunft begeben zu müssen.

H.G. Wells geht in seiner Geschichte auf die Möglichkeiten und den Erfindungsgeist der Menschheit ein und fragt, wie sich der beschleunigende Fortschritt auf zukünftige Gesellschaften auswirken wird.

Die Erzählung an sich ist schaurig und mysteriös. Der Zeitreisende speist mit anderen angesehenen Herren zu Abend und erzählt, was sich auf seiner Reise durch die Zeit ereignet hat. Dabei berichtet er von den Elois und den Morlocks, die eigentlich gar keine Menschen mehr sind, wie er um sein Leben bangt, und welche Theorien er den künftigen Entwicklungen zugrunde legt.

Man merkt, H.G. Wells geht es von mehreren Seiten an. Er lässt den Leser an einer abenteuerlichen Geschichte teilhaben, die manches Mal sogar Horror-Elemente aufblitzen lässt. Es stellt sich Gänsehaut auf, man spürt die Bedrängnis, in der sich der Zeitreisende befindet und hofft, dass er der schaurigen Situation noch entkommen kann. Dabei streut er furchterregende Vorstellungen ein, die selbst den Zeitreisenden aus den Schuhen heben.

Gleichzeitig legt der Autor eine theoretische Betrachtung zugrunde, die den Zeitreisenden in die Zukunft begleitet. Er beschäftigt sich mit Theorien, welche die Zeit als 4. Dimension ansehen, die dem Menschen bisher nur verborgen ist, spekuliert, wie sich die Gesellschaft verändern wird und welche Zusammenhänge dahinter sind.

Die Erzählweise hat viel von einem Abenteuerroman, der durch die Überlegungen des Zeitreisenden etliche wissenschaftliche Ansätze enthält, sich aber spannend und flüssig lesen lässt. Dabei ist das Weltbild der Entstehungszeit deutlich erkennbar, weil der Zeitreisende doch sehr in Klassen denkt. 

In dieser Ausgabe befinden sich im Anhang noch weitere Einblicke in H.G. Wells Welt, die teilweise interessant zu lesen, wenn auch für mich nicht unbedingt nötig sind.

Meiner Meinung nach ist „Die Zeitmaschine“ ein Science-Fiction-Klassiker, den jeder Genrefreund unbedingt einmal lesen sollte, um gemeinsam mit dem Zeitreisenden der Zukunft und dem Ende der Welt gespannt entgegenzutreten. 

 

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Anhaltende Gruselstimmung

SCAR: Roman - Lucky McKee, Jack Ketchum, Kristof Kurz

Delia Cross ist gerade mal 11 Jahre und auf dem Weg zum gefeierten Fernsehstar. Unglücklich, vom alles verzehrenden Ehrgeiz der Mutter getrieben, hält sie sich an ihrer Hündin Caity fest, in der sie mehr als den Familienhund sieht. Doch dann zerstört ein furchtbarer Unfall ihr Gesicht und selbst jetzt lassen ihr die mütterlichen Ambitionen keine Ruhe und sie steht erst recht wieder im Rampenlicht.

Obwohl dieser Roman im Heyne-Hardcore-Label erschienen ist, handelt es sich keineswegs um einen brutalen Horrorroman sondern um ein vielschichtiges Werk mit leisen Tönen, Mysteryelementen und einer Familiengeschichte. 

Im Vordergrund der Handlung steht zuerst die Freundschaft von Delia und ihrem Hund Caity. Obwohl Caity eigentlich der Familienhund sein sollte, hat sie an Delia einen Narren gefressen und diese Begeisterung beruht auf Gegenseitigkeit. Sie sind beste Freunde und für Delia ist Caity ihr Lebensinhalt.

Genauso wird der Alltag eines Kinderstars thematisiert. Delia wird vom furchteinflößenden Ehrgeiz ihrer Mutter getrieben. Tanz- und Musikstunden, hier ein Vorsprechen, da ein Drehtermin - im Showbusiness hat man es nicht leicht, schon gar nicht, wenn man ein kleines Mädchen ist. 

Der Horror steckt nicht im Roman, sondern in der Realität. Es ist furchtbar, wie Delia von ihrer Familie - in erster Linie von ihrer Mum - angetrieben wird. Sie nimmt ihr jeden Funken Normalität, geht bis zum Äußersten und lässt sich dabei die Sonne auf den Bauch scheinen, ohne das Mädchen nur einmal zu fragen, was sie überhaupt will. 

Etwas im Hintergrund, aber ebenso wichtig, ist das Familienleben der Cross’. Der Vater und der Bruder nehmen eher Nebenrollen ein, die aber das Gesamtbild von Delias Umfeld wunderbar abrunden und der Handlung eine tiefere Note geben.

Die Handlung ist großartig und nicht einfach zu durchschauen. Mehrere Male wurde ich an der Nase herumgeführt und stellte überrascht fest, dass ein unerwarteter Weg eingeschlagen wird. Gleichzeitig hat mich die dichte Atmosphäre überzeugt. Es ist großartig, mit Delia in ihrer Welt zu versinken, ihrer Hündin Caity durch’s Fell zu kraulen, gemeinsam mit ihr nach Sternschnuppen zu schauen oder den Erwachsenen rundherum auf subtile Art einen Spiegel vorzuhalten.

Hier darf man allerdings keine Schwarzweißmalerei erwarten, sondern das Autorenduo hat auf grandiose Weise mit den Grauschattierungen der Realität gespielt. Sie zeigen, wie aus guten Vorsätzen oder der Not heraus ganz langsam eine furchtbare Situation entsteht, die als solche gar nicht gleich zu erkennen ist.

Die Tiefe der Figuren, die Dichte der Erzählung und die andauernde Spannung haben diesen Roman zu einem richtigen Highlight gemacht. Obwohl der Horror nicht in genreüblichen Elementen liegt, bauen die Autoren eine anhaltende Gruselstimmung auf, aus der es kein Entrinnen gibt. Es war mir eine Freude, Delia Cross und ihre Hündin Caity kennenzulernen, und ich kann dieses Werk mit Begeisterung weiterempfehlen.

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Eine Galaxie, neun herrschende Planeten & eine sehr bescheidene Umsetzung

Rat der Neun - Gezeichnet - Veronica Roth, Petra Koob-Pawis, Michaela Link

Nicht nur die Welt, sondern eine ganze Galaxie wird von Gewalt und Rache beherrscht. In diesem Universum hat jeder Mensch eine besondere Gabe und manche haben ein Schicksal, dem sie sich fügen müssen. Außerdem gibt es Orakel, die die Zukunft gestalten, der man kaum entkommen kann.

Bei „Rat der Neun. Gezeichnet“ handelt es sich um einen Reihenauftakt, der die Unterdrückung von Völkern, große Politik, den Herausforderungen der Diplomatie gepaart mit Science-Fiction-Elementen behandelt.

Unvorbereitet findet man sich in dieser Galaxie, die mit ihrer komplexen Geschichte, ihren schwer zu durchschaubaren Regeln und fremden Riten schwierig zu fassen ist. Ich wusste von Vornherein, dass man der Handlung und der Geschichte Zeit geben muss und so habe ich mich gerne darauf eingelassen.

Allen voran stehen die Figuren Akos und Cyra, deren Völker verfeindet sind. Akos landet bei Cyras Volk in Gefangenschaft und so erfährt der Leser aus beiden Perspektiven, wie die Geschichte weitergeht.

Akos ist ein überlegter, optimistischer und sehr beharrlicher Typ. Er gibt nicht auf, macht, was zu machen ist, und sieht in allem das Gute, anstatt sich mit dem Schlechten auseinanderzusetzen.

Cyra ist fast das Gegenteil, auch wenn es nur äußerlich so scheint. Denn sie kann genauso beharrlich sein, setzt aber auf eine aggressivere Art ihren Willen durch.

Es werden abwechselnd die Perspektiven der beiden Protagonisten eingenommen.Schon allein der Erzählstil ist manches Mal eine Herausforderung. Während Cyra in der Ich-Perspektive zu Wort kommt, werden Akos’ Passagen in der dritten Person erzählt. 

Ich wusste beim Lesen, dass die Figuren Tiefe und Charakter haben, jedoch hatte ich das Gefühl, als ob mich die Autorin bewusst auf Abstand hält. Es fiel mir schwer, Akos und Cyra kennenzulernen, mich auf sie einzulassen und mit ihnen mitzufiebern. Ich habe ihre gemeinsame Geschichte seitenweise als sehr zäh empfunden und es kam mir oft wie die chronologische Abhandlung unbedeutender Ereignisse vor, bis mal so nebenbei eine Schlüsselszene Erwähnung fand.

So kommt es, dass ich mich nach einem fulminanten Einstieg über hunderte Seiten hinweg gequält habe, weil ich doch hoffte, dass es besser wird. Besser wurde es auf jeden Fall, denn das letzte Viertel hatte es in sich, war richtig gut und endlich ist auch das Kopfkino gelaufen, was trotzdem das Mühsal mit den vorherigen Passagen nicht vergessen gelassen hat.

Es ist schwierig in Worte zu fassen, was hier genau nicht funktioniert hat. Für mich hat es sich angefühlt, als ob die Autorin auf Zwischentöne verzichtet hat, den Leser mit den Fakten ihrer Geschichte erschlägt, sich auf Ursache-Wirkung beschränkt und ihn einfach nicht an der wahren Komplexität ihrer Handlung teilhaben lassen kann. 

Extrem gut hat mir dafür die Welt gefallen, in die mich die Autorin verfrachtet hat. Eine Galaxie, neun herrschende Planeten, Lebensgaben und Schicksale - faszinierender könnte es nicht sein. Doch leider gerät dieser außergewöhnliche Rahmen zum nebulösen Hintergrund, den man sich anfangs hart erarbeiten muss und zum Ende hin eigentlich vergessen kann, weil er gar nicht so wichtig ist.

Es fällt mir sehr schwer, dieses Buch so bescheiden zu bewerten, weil ich Veronica Roth als Autorin schätze und ich das Szenario der Rat-der-Neun-Reihe großartig finde. Trotzdem ändert es nichts daran, dass ich mich durch gut drei Viertel dieses Buchs gequält habe und zum Schluss nur noch mit einem passablen Ende und etlichen offenen Fragen bei der Stange gehalten wurde.

Veronica Roth hat mit ihrem Reihenauftakt „Rat der Neun. Gezeichnet“ einen großartigen Rahmen geschaffen. Sie vereint Science-Fiction-Elemente im düsteren dystopischen Gewand mit übernatürlichen Fähigkeiten und dem Kampf zwischen Völkern, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich doch so ähnlich sind. Allerdings hat mich die Autorin einfach nicht packen, mich nicht für sich gewinnen und leider auch nicht an ihre Figuren fesseln können, was mich noch immer sehr traurig macht.

Meine Empfehlung in diesem Fall ist, sich selbst ein Bild - eventuell anhand der Leseprobe - vom „Rat der Neun“ zu machen, denn ich bin mir sicher, dass es vielen anderen besser gefällt.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Theatralisches Experiment

Hexensaat: Roman (German Edition) - Margaret Atwood, Brigitte Heinrich

Theaterregisseur Felix ist ein Star der Szene und für seine Avantgarde-Haltung bekannt. Doch bevor er seinen beruflichen Höhepunkt erreicht, wird er von seinen engsten Mitarbeitern hintergegangen. Er zieht sich - gedemütigt - aus dem Showbusiness zurück. Jahre später geht er wieder die Inszenierung von Theaterstücken - in einem Gefängnis - an und ahnt nicht, dass dies die Gelegenheit für seine Rache werden wird.

In „Hexensaat“ verneigt sie sich die Autorin vor einem ganz Großen ihrer Zunft. Sie adaptiert William Shakespeares „Der Sturm“ und geht dabei ihren ganz eigenen Weg dieser schillernden Geschichte an. Tragende Thematik ist die Rache in all ihren Facetten. Rache, wie sie unterschwellig lodert, zum Durchhalten anregt, Pläne schmieden und Unvorstellbares zuwege bringen lässt. 

Gleichzeitig behandelt sie Inszenierung und Illusion. Es geht um Geschichten, die bewegen, und die Künstler, die sie in Bewegung bringen. Sie beschreibt Gefängnisse, aus denen es scheinbar keinen Ausweg gibt, die man aber durch die Kraft von Kunst überwindet, weil uns diese nichts und niemand nehmen kann.

Ich bin mir sicher, dass dieses Werk von Margaret Atwood weitaus hingebungsvoller, literarisch vielschichtiger interpretiert werden kann, und beschränke mich nun auf meinen laienhaften Leseeindruck, der zwar nicht dem Werk aber hoffentlich dem Roman gerecht werden kann.

Wer Margaret Atwood kennt, weiß, dass man sich gemeinsam mit der großen kanadischen Erzählerin weitab vom üblichen Schema bewegt. Diesmal hat sie mir eine verrückte Geschichte von einem rachsüchtigem Theaterregisseur erzählt.

Felix ist ein schräger Kauz. Er ist ein Künstler par excellence. Zurückhaltend, aufbrausend, bedacht und zugleich absolut durchgeknallt. Die Intrige seiner Mitarbeiter macht ihm schwer zu schaffen. Außerdem knabbert er an einer privaten Tragödie und sehnt sich nur mehr danach, Shakespeares „Der Sturm“ im Theater in Szene zu setzen. Trotzdem zieht er sich erstmal aus dem öffentlichen Leben zurück, weil er weiß, dass in der Ruhe die Kraft für seine Inszenierung und Rache liegt.

All das führt ihn zu einem theatralischen Experiment, das er mit Gefängnisinsassen vollbringt. Und dieses Experiment gehen Felix und Margaret Atwood gleich auf mehreren Ebenen an.

Margaret Atwood hat Shakespeares „Der Sturm“ auf unterschiedlichen Wegen auf ihr Werk übertragen. Zuerst ist die Handlung selbst an dieses Werk angelehnt, dann spielt es als Theaterstück an sich eine Rolle darin und außerdem hat sie die wichtigsten Themen von Shakespeares Leben selbst übernommen, womit sie sich vor dem wohl größten Theatermacher verneigt und ihm ihren Respekt entgegenbringt.

Der Schreibstil ist einfach und trotzdem facettenreich. Man kann es einfach runterlesen oder dabei innehalten. Man kann sich Atwoods Roman erzählen lassen oder die literarischen Hintergründe erforschen. Oder man kann es einfach genießen, mal eine völlig andere Geschichte in den Händen zu halten.

Mir hat Atwoods Interpretation und Übertragung Shakespeares in unsere moderne Zeit sehr gut gefallen. Zeitweise war es mir etwas zu abgedreht, was wahrscheinlich an der Originalvorlage liegt. Den modernen Schliff bekommt „Der Sturm“ durch den Schauplatz unserer Gegenwart, der sogar Lyrik in Rap umschlagen lässt. Ich mag daran, dass es - obwohl es auf einer alten Geschichte basiert - etwas völlig anderes ist und Margaret Atwood erneut beweist, dass sie zu den ganz Großen zählt.

Man muss sich nicht unbedingt für Shakespeare interessieren um dieses Werk zu mögen, jedoch sollte man für Literatur und Neues offen sein, damit man diesen Roman richtig genießen kann.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at