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NiWa

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Aquila
Jochen Scheffter, Tom Appl, Ursula Poznanski, Laura Maire
Rote Kirschen, schwarze Kirschen
Sophie Duffy, Angelika Naujokat
Robinson Crusoe
Daniel Defoe
Bereits gelesen: 38/463 pages

Besuch aus dem All

Guides - Die erste Stunde - Robison Wells

Ein gigantisches UFO ist in den USA gestrandet. Seither hält die Welt den Atem an. Wer oder was befindet sich in dem zigarrenförmigen Riesenteil? Und muss sich die Menschheit vor dem Besuch fürchten?

Robison Wells greift die Grundidee der außerirdischen Besucher auf. Meiner Meinung nach kann man dieses Thema in so vielseitigen Varianten schildern, dass es an und für sich niemals langweilig wird. Und der Autor hat es meiner Ansicht nach geschafft, der Alien-Landung weitere Aspekte und eine gelungene Perspektive zu verleihen.

Alices Vater arbeitet bei der NASA und geht dem Geheimnis auf den Grund. Daher siedelt er nach Minnesota - in Ufonähe um -  und nimmt seine Tochter in ein hiesiges Internat mit, wo sie erste Reihe fußfrei vor den Ereignissen sitzt.

Zuerst handelt es sich um ein Jugendbuch, dass mit Alice - dem charmant-dreisten Teenie-Girl - eine sehr toughe Protagonistin hat. Allerdings ist sie nicht die typische Heldin, die sich in perfekter Manier gegen die Welt stellt, sondern ein relativ normales Mädchen, dass reale Zweifel, Ängste und Sorgen hat. Ich mochte besonders den sarkastischen Ton und die Selbstironie mit der Alice sich und die Welt betrachtet. Dabei hat der Autor diese Wesenszüge so eingesetzt, dass sie weder überstrapaziert noch unglaubwürdig wirken, sondern richtig sympathisch rüberkommen.

Zum Jugendbuchstil gehört auch die Unterbringung im Internat, die weitere jugendliche Charaktere in die Geschichte holt. Die Nebenfiguren sind ebenso authentisch beschrieben und fügen sich gelungen ins Gesamtbild ein. 

Die Aliens selbst haben mich sehr überrascht, weil es zu Entwicklungen kommt, die doch nicht zum gängigen Klischee passen. Hier hat Robison Wells exzellente Ideen gesponnen und zu höchst interessanten Wendungen in der Geschichte vereint.

Gleichzeitig geht er noch auf Hintergründe zu den Ureinwohner Nordamerikas ein, wodurch neben der packenden Handlung sogar noch kultureller Mehrwert in der Geschichte steckt. Denn Alice stammt mütterlicherseits von den Navajo-Indianern ab und auf diese Weise kommt ihrer Kultur erheblicher Raum zuteil.

Erzählweise und Handlungsaufbau lassen im Grunde keine Wünsche offen. Es gibt ruhige Abschnitte, die Licht auf die Ausgangslage werfen und dabei den Leser in der Geschichte und Alice im Internat ankommen lassen. In leicht gruselig-faszinierenden Passagen kommt man dann langsam einem Geheimnis auf die Spur, während der Showdown zum Ende hin mit Spannungen und Überraschungen punkten kann und man so dieses Büchlein relativ rasch durchgelesen hat. 

Hier bin ich auch bei meinem einzigen Kritikpunkt angekommen, der in der Kürze dieser Alien-Story liegt. Es werden sehr viele Themen bearbeitet und es passiert richtig, richtig viel, sodass man sich fragt, wie das auf den paar Seiten überhaupt Platz gefunden hat. Manches ging dann doch Schlag auf Schlag und ich hätte mir eine Spur mehr Spielraum für die Entwicklungen gewünscht.

Trotzdem ist es eine großartige Story, die die Aliens auf die Erde holt, und deren Geheimnis man als Leser gemeinsam mit Alice unbedingt selbst entdecken muss.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Unheimliche Geschichten

Northern Gothic: Unheimliche Geschichten - Andreas Gruber

Perverse Altenpfleger, in den Wahnsinn treibende Puzzles, verstörende Hinterwäldler und fremde Dimensionen - Gruber zeigt, was das Repertoire des Horrors alles zu bieten hat.

Insgesamt sind 13 Geschichten in diesem Band vereint, wobei schon allein der Prolog mit dem Schaurigen punkten kann.

In diesen Kurzgeschichten geht Gruber mehrere Themen an. Eingangs beschreibt er immer, aus welcher Schaffenszeit die Geschichte stammt, wie er auf die Idee gekommen ist und wann und wo sie erstveröffentlicht wurde. So erfährt man gleichzeitig auch Hintergründe zu seinem Autorenleben.

Meine Lieblingsgeschichte dieser Sammlung ist "Glauben Sie mir, mein Name ist Dr. Watson!“, weil Gruber hier mit den verschiedensten literarischen Figuren spielt und sie äußerst geschickt in einer Gänsehaut-Geschichte vereint. 

Absoluten Gruselfaktor hat meiner Meinung nach "Das Bahnwärterhaus" - eine Geschichte, die mich richtig gefangen genommen hat. Denn hier wird das ländliche Leben in Österreich thematisiert, wie ich es selbst kenne, und ich kann nur bestätigen, dass die Umstände dieser Story durchaus glaubhaft sind.

Laut Gruber hat er sich die beste Geschichte für den Abschluss des Bandes aufgehoben und es stimmt schon, dass einem „Northern Gothic" - mit dem Motiv der furchterregenden Hinterwäldler - wahrlich Angst einjagen kann.

Geografisch betrachtet bleibt Gruber meist daheim. Viele Geschichten sind in Österreich angesiedelt, wobei er manchmal in andere europäische Gefilde wechselt oder den Leser in die USA entführt.

Alles in allem haben mir alle Geschichten gefallen. Ein oder zwei davon gehen mir zu sehr in den Fantasybereich, den ich persönlich weniger mag, und bei einer davon bin ich nach wie vor am Überlegen, ob ich sie überhaupt verstanden habe.

Bei fast allen Geschichten spielt Andreas Gruber mit einer abrupten Wendung und geht auch schon zu Beginn auf diesen literarischen Kniff -  der in der Filmbranche ‚Twist‘ genannt wird - ein. Daher wird man vom ihm lange Zeit auf’s Glatteis geführt bis sich eine ungeahnte Perspektive eröffnet.

Mir hat dieser Erzählstil sehr gut gefallen, nur kam mir der ‚Twist‘ an sich meist zu früh und zu brutal ins Spiel. Ich bin eine Leserin, die sich von Schriftstellern gerne über längere Zeit einlullen lässt, bis der Horror vor mir steht und mir ins Gesicht grinst. Ich denke aber, dass diese kleine Kritik meinerseits eben dem Charakter von Kurzgeschichten geschuldet ist.

Meiner Ansicht nach sind diese unheimlichen Geschichten aus Andreas Grubers Feder allesamt lesenswert. Thematisch grundverschieden, vom Ablauf her ähnlich aufgebaut, dennoch immer mit überraschenden Wendungen, lässt es sich gut gruseln und ich freue mich, dass Österreich wahre Horror- und Thriller-Talente zu bieten hat.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Sicherheitszone

Liberty 9 - Sicherheitszone - Rainer M. Schröder

In der Sicherheitszone von Liberty 9 werden 200 Auserwählte tagtäglich getrimmt. Ein fest vorgegebener Tagesplan soll sie auf ihre hohe Bestimmung vorbereiten, die sie in den Dienst der Gesellschaft stellt. Kendira geht mit Begeisterung die täglichen Aufgaben an, auch wenn sie weiß, dass nicht alle Menschen das Privileg der Auserwählten haben. Doch dann werden Zweifel gesät und sie merkt, dass ihre Vorstellung von Liberty 9 nicht der Realität entsprechen kann.

„Liberty 9. Sicherheitszone“ ist der Auftakt einer Dystopie, die in der Zukunft spielt und sich mit Unterdrückung, Täuschung und einem grauenhaften Regime auseinandersetzt.

Das Leben in Liberty 9 ist sehr mysteriös, weil man es nur schwer einordnen kann. Der Tagesablauf läuft wie in einem strengen Internat, weil es sich bei den Auserwählten um Jugendliche handelt, die sich im Unterricht auf ihre zukünftige Aufgabe vorbereiten.

Genau diese Aufgabe ist für mich die treibende Kraft in der Geschichte, weil Rainer M. Schröder ein großes Rätsel daraus macht. Alles ist sehr nebulös gehalten und ich ahnte nicht einmal, wie Kendiras Zukunft wohl aussehen kann.

Liberty 9 ist eindeutig in unserer Welt anberaumt, die durch irgendetwas zerstört worden ist. Ich finde es immer sehr spannend solche Szenarien zu lesen und hoffe sehr in der Fortsetzung mehr über die Hintergründe zu erfahren.

Protagonistin Kendira ist ihrem Alter entsprechend leichtgläubig und lammfromm. Sie kommt nicht auf die Idee das System zu hinterfragen, was wohl auch daran liegt, dass es drakonische Strafen gibt. Doch als sie Dante - einen Art Diener - näher kennenlernt kommen Zweifel auf, die sie nicht mehr zur Ruhe kommen lassen.

Sämtliche anderen Figuren warten kaum mit Besonderheiten auf, sondern dienen wohl einzig und allein dem Zweck, dass Kendira einen Freundeskreis braucht. Sie sind insgesamt sehr blass geraten und weisen keine nennenswerten Eigenschaften auf.

Leider wird die Geschichte von Liberty 9 zu lahm erzählt. Es kommt keine Spannung auf, sondern die Tage plätschern sacht und leise vor sich hin. Ich habe mich doch etwas gelangweilt und hätte mir etwas mehr Pep in der Erzählung gewünscht. Genauso wurden Emotionen für mich kaum transportiert, sondern die Figuren haben einfach nur auf Ereignisse reagiert. Ich konnte weder Angst, Unbehagen noch Freude spüren. 

Interessant finde ich allerdings, dass sich der Autor am Christentum bedient und diverse Rituale in seiner Dystopie verwendet. Obwohl kein Mensch weiß, wer Jesus Christus ist, wird bei einem Ritual eine Art Hostie verteilt und es wird die Lichtmesse gefeiert. 

Wenngleich mich dieses Buch nicht begeistern kann, bin ich doch etwas neugierig auf die Fortsetzung geworden. Es wirft so viele Fragen auf, die nach einer Antwort verlangen und ich weiß noch nicht so recht, ob ich dem 2. Band eine Chance geben werde.

 

Die Reihe:
1) Liberty 9. Sicherheitszone
2) Liberty 9. Todeszone

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Zu wenig & zu viel

Blutpsalm: Liebeskrimi - Meredith Winter

Das typische kleine Dorf Sommerburg wird von grauenhaften Morden heimgesucht. Ansonsten akkurat und ohne Tadel, wird das alltägliche Leben erschüttert, was den jungen Pastor Jonathan zu denken gibt. Allerdings hat er nicht allzu lange Zeit, sich damit zu beschäftigen, weil er sich in eine Prostituierte verliebt. 

„Blutpsalm“ ist ein sogenannter Ladykrimi oder Liebesthriller -  der Liebesroman und Krimi in einem Buch vereint. Zudem kommen leicht erotische Aspekte, die neben dem blutigen Hauptthema in die Handlung einfließen.

Jonathan ist ein junger Pastor, der in der 800 Seelengemeinde mit Leidenschaft seiner Berufung nachgeht. Er liebt seine Schäfchen, nur mit der richtigen Frau hat er es noch nicht geschafft. Daher preisen ihm die Mütter des Orts gern ihre Töchter an. Doch Jonathan hat sich fest vorgenommen, dass er bis zu seiner Heirat keine Liebkosungen austauscht, was ihm bei den Frauen einen schweren Stand einbringt. Jedoch nur bis zu dem Tag, an dem er die Prostituierte Marlene kennenlernt. 

Meiner Meinung nach ist Jonathan exzellent beschrieben und ich habe ihn sofort sympathisch gefunden. Mit ihm lernt man Marlene kennen, steht den Hinterbliebenen der Mordopfer bei und kümmert sich noch um sein eigenes Seelenheil. Im ersten Moment war für mich verwirrend, dass ein Pastor (Pfarrer) heiraten darf. Bis dann der Aha-Effekt kam und mir klar wurde, dass Jonathan ein evangelischer Glaubensträger ist.

Meredith Winter schafft es, das dörfliche Leben plastisch darzustellen. Sie versucht dem Leser ein Gefühl für die komplexen Beziehungen zu vermitteln, den gewohnten Gang darzustellen und einem die Do’s und Don’ts vor Augen zu führen.

Die Handlung hat mir sehr gut gefallen, doch wurde von allem viel zu viel hineingepackt. Die Geschichte wird auf 200 Seiten erzählt und darin kommen unter anderem folgende Themen vor: die Prostituierte und der Glaubensmann, wohin eine posttraumatische Belastungsstörung führen kann, wie es zu unerwünschten Kindern kommt, warum man Jungfrau bleiben will, wozu ein psychopathisches Wesen fähig ist, Erpressung, Mord, wahre Ekelfaktoren, Hippie-Kommunen  und ihr Gegenteil - um nur einige zu nennen. Das hat insgesamt den Beigeschmack von Aneinanderreihung und Oberflächlichkeit, die nur an der Motivation der Personen kratzt anstatt dafür ein richtiges Gefühl zu vermitteln.

Jedenfalls war mir das persönlich zu viel, weil es meiner Ansicht nach zu wenig Raum für erzählerische Dichte gibt. Ich denke, wäre der Krimi auf 600 Seiten erzählt, dann hätte er von der Handlung her 5-Sterne-Potential. 

Denn die Handlung ist einwandfrei und die Autorin bemüht sich sichtlich, gute Spannung aufzubauen. Allerdings ist sie mir zu wenig in die Tiefe gegangen, was ja bestimmt in weiteren Werken anders sein kann.

Alles in allem wurde ich von diesem Ladykrimi oder Ladythriller nicht vollständig überzeugt, obwohl ich das Buch gerne gelesen habe. Es gibt exzellente Ansätze, manches ist blutrünstig erzählt, geht mir persönlich aber zu wenig ins Detail, und die Geschichte an sich hätte mich schon richtig fesseln können. Gefehlt hat es mir an erzählerischer Dichte, die bei 200 Seiten wohl eher schwierig ist. Ich denke, dass dieser Krimi schön für zwischendurch zu lesen ist und für Genre-Liebhaber durchaus empfehlenswert sein kann.

 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Spannung, Verwirrung & ein Hauch von Mystery

Das Porzellanmädchen: Psychothriller - Max Bentow

Luna Moor ist ein Star am Thrillerhimmel. Die gefeierte Autorin lebt zurückgezogen und legt einen Bestseller nach dem anderen hin. Für ihr neuestes Buch zieht sie sich in ein entlegenes Haus im Wald zurück, wo sie an ihrem bisher schockierendsten Werk feilt. Eines wissen ihre Leser nicht. Ihre Bücher sind nahe an der Realität orientiert und sie entführt sie damit in ihre eigene Vergangenheit.

Max Bentow hat mit „Das Porzellanmädchen“ einen spannenden Thriller geschaffen. Dazu zieht er viele Elemente heran, die leichtes Gruseln versprechen und sein Buch zum Pageturner machen.

Protagonistin Luna Moor ist Autorin, die mit ihren Thrillern eine Schar an Fans bedient. Ungefähr einmal pro Jahr veröffentlicht sie ein neues Meisterwerk, das ihr mit Begeisterung aus den Fingern gerissen wird. Ansonsten lebt sie abseits des Trubels, mag die Ruhe, geht Menschen aus dem Weg und arbeitet fast rund um die Uhr an ihrem nächsten Werk. Dazu zieht sie sich in ein leerstehendes Haus im Wald zurück. Niemand ahnt, dass es einst ihr Gefängnis war, und, dass sie Rache nehmen will. 

Die Handlung ist sehr spannend aufgebaut, obwohl sie sich an und für sich kaum vom typischen Gang des Genres abhebt. Dennoch schaffte es Bentow, mich bis zum Ende zu verwirren, mir das Gefühl für Fiktion und Wahrheit zu nehmen und verursachte sogar leichte Gänsehaut. 

Der Schreibstil ist fesselnd und geht das Geschehen von mehreren Perspektiven an. Einerseits begleitet man Luna, die sich auf ihr aktuelles Buch konzentriert. Dadurch lernt man die Protagonistin kennen, erfährt dennoch nicht zu viel, sodass es weiterhin spannend bleibt. Andrerseits streut Bentow Abschnitte aus Lunas derzeitigem Werk ein. Dadurch entsteht ein sanftes Verwirrspiel, weil man nicht weiß, was sie sich ausgedacht hat und was der Realität entspricht.

Außerdem baut der Autor interessante Mystery-Elemente ein, die geschickt gewählt sind, dass es trotzdem noch beim regulären Thriller-Genre bleibt. Diesen Part mochte ich besonders gern, weil mich Spielereien mit dem Übernatürlichem meistens faszinieren.

Bemerkenswert ist außerdem, dass mich der Autor lange Zeit an der Nase herumgeführt hat. Es gibt kaum Hinweise auf die Urheberschaft der beängstigenden Ereignisse in Lunas Leben, wodurch die Handlung durch einen Überraschungseffekt punkten kann.

Trotz der Spannung und der wirklich guten Story hat es mir etwas an Dichte in der Atmosphäre gefehlt. Hier jammere ich aber auf hohem Niveau, weil es nichtsdestotrotz ein Pageturner ist.

Insgesamt setzt Max Bentow mit „Das Porzellanmädchen“ auf Spannung, Verwirrung und einen Hauch Mystery, wodurch man als Leser einen fesselnden Thriller in den Händen hält. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Für immer?

Us - Du und ich für immer (HIM-Reihe, Band 2) - Elle Kennedy, Sarina Bowen

Homosexualität ist oft schwierig, homosexuelle Profisportler sind meistens ein Tabu-Thema. Daher wundert es nicht, dass sich Jamie und Wes als Wohnungsgenossen tarnen, wobei die beiden eigentlich ein Pärchen sind. Alles geht gut, bis Wes’ Teamkollege ausgerechnet ins selbe Wohnhaus zieht. Nun bewegt sich der aufstrebende Star der National Hockey League eindeutig auf Eis, auf sehr dünnem Eis.

Es handelt sich hierbei um die Fortsetzung von „Him. Mit ihm allein“. Während sich der erste Teil mit Irrungen und Verwirrungen einer zarten Liebe beschäftigt, und für mich eher in die Kategorie ‚sehr, sehr nett und für zwischendurch‘ passt, haben die Autorinnen mit diesem Buch schon ein anderes Kaliber - mit ernsten Tönen - geschaffen, das mich nicht so schnell losgelassen hat.

Es geht um Liebe, um Homosexualität, um Profisport und Ausgrenzung. Außerdem handelt diese Geschichte von einem Paar, das nicht so recht weiß, ob und wie es in die Gesellschaft passt.

Wes und Jamie sind glücklich, dass sie zueinander gefunden haben. Sie können nicht die Finger voneinander lassen, genießen die wenigen Stunden Zweisamkeit und blenden einfach aus, dass ihre Geschichte vielleicht gar keine Hoffnung hat.

Denn plötzlich zieht nicht nur Wes’ Teamkollege über ihnen ein, sondern auch die Beziehung wird von dunklen Wolken überschattet. In dieser Fortsetzung geht es nicht nur darum, schwul zu sein und Eishockey zu spielen, sondern auch darum, ob und wie man zu dem Menschen steht, den man sich ausgesucht hat.

Die Handlung an sich schlägt daher ernstere Töne an und hat nur mehr wenig von bunten Schmetterlingen im Bauch und Herzen in der Luft. Es wird schwierig, wie es eben im echten Leben ist und zeigt, dass sich manches Mal sogar Romanfiguren der Realität stellen müssen.

Dabei haben die Autorinnen eine exzellente Mischung aus romantisch-sexy Szenen und der harten Alltagsrealität geschaffen. Sie gehen auf Hoffnungen, Wünsche, Zweifel und Ängste genauso ein, wie sie die unterschiedliche Sicht ihrer Protagonisten behandeln, was der ganzen Geschichte Authentizität und Dichte verleiht.

Wie auch im ersten Band wird abwechselnd aus Wes’ und Jamies Perspektive erzählt und man merkt erneut, wie unterschiedlich eine Situation von zwei Personen bewertet wird. Auf die Kommunikation in einer Beziehung kommt es wohl immer an - egal, welchem Geschlecht der Partner angehört.

Außerdem kommen weitere Charaktere dazu, die mit taktlosem Charme sowie furchteinflössendem Esprit humorvolle Szenen in der Geschichte bedienen, wodurch die Stimmung immer wieder aufgelockert wird. 

Meiner Meinung nach ist „Us. Du und ich für immer“ eine beachtliche Fortsetzung, die den Leser auf eine Berg- und Talfahrt der Gefühle schickt. Dank des bemerkenswerten Schreibstils der Autorinnen bleibt einem kaum eine Emotion erspart und man fühlt sich in jede Situation mit den Protagonisten ein.

Wer sich ans Gay-Romance-Genre wagen will, und sich davon mehr als nur ein bisschen homosexuelle Romantik erhofft, dem kann ich diese Dilogie - insbesondere diesen zweiten Teil -  ans Herz legen, weil die Geschichte von Jamie und Wes sehr schön zu lesen ist und nachdenklich stimmt.

 

Die Reihe:
1) Him. Mit ihm allein [Rezension lesen]
2) Us. Du und ich für immer

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Vom Essen, Beten und der Liebe

Eat, Pray, Love - Elizabeth Gilbert

Elizabeth hat gerademal die 30 überschritten und befindet sich mitten in einer Lebenskrise. Ihre Ehe wird geschieden, die Trennung verläuft alles andere als schön, dabei geht es ihr miserabel und es wird Zeit für sie, zu sich selbst zu finden. Und das macht man am besten, wenn man die Welt bereist.

In diesem Buch geht es um Selbstfindung, die innere Balance und wie man es schaffen kann, mit sich und dem Leben im Reinen zu sein. 

Elizabeth Gilbert erzählt aus erster Hand, weil sie nicht nur die Autorin sondern auch die Protagonistin ist.

Gleich zu Beginn klärt die Autorin über den Ablauf der Handlung auf. Ihre Reise zu sich selbst führt sie in die Welt - zu den drei I sozusagen. Denn es stehen Italien, Indien und Indonesien auf ihrem Plan, wo sie jeweils in 36 Episoden aus ihrem Leben erzählt.

Italien ist das Land des Genusses. Hier versucht Elizabeth Italienisch zu lernen, sich durch sämtliche italienische Spezialitäten zu kosten und nebenher noch die Kunst der Meditation zu üben, weil sie damit zu innerem Gleichgewicht finden will.

Indien ist der Ort der Ruhe, wo sie sich noch weiter auf den Weg zu sich selbst begibt. In einer Art klösterlichen Tempelanlage - einem indischem Ashram - meditiert sie mit Gleichgesinnten vor sich hin, die versuchen, dem Leben wieder Sinn zu verleihen.

Indonesien steht für den Aufbruch. In diesem Land lernt sie erneut das Leben und die Liebe kennen, und natürlich die Indonesier, die zwar etwas eigen, dafür sehr liebenswert sind.

Den Einstieg in Elizabeth Gilberts Lebensreise fand ich sehr charmant und interessant. Sie steht vor den Scherben ihrer Ehe und Existenz und muss einen Weg finden, wie sie nun weitermachen will. Dabei spart sie weder mit Ironie noch mit Sarkasmus und hat sich mit einem schelmischen Augenzwinkern selbst auf der Schaufel.

Auch in Italien mochte ich sie noch sehr gern, denn hier habe ich mit ihr Pizza geschlemmt, tonnenweise Nudeln verdrückt und dem Dolce Vita gefrönt. Außerdem hat Elizabeth den Anfangsstadien ihres Italienisch einige amüsante Anekdoten zu verdanken, denen ich gern und mit einem Schmunzeln gelauscht habe.

Doch je näher Elizabeth ihrer Erleuchtung kam, umso unsympathischer wurde sie mir. Fuß auf Fuß folgten hochtrabende Plattitüden, wie sehr sie nun auf das Universum, Gott oder wem auch sonst vertraut, wie sie durch Meditation ihre innere Balance findet, und dass es gar keine Probleme geben kann, weil das Universum ohnehin für eine weltumspannende Ordnung sorgt. Das war mir doch etwas zu naseweis, weil man das mal den Kindern und Erwachsenen im Elend dieser Erde erzählen sollte - die würden wohl mit dem Stinkefinger antworten.

Diese Einstellung war mir zu amerikanisch angehaucht. Ich verstehe schon, dass man auf sich selbst vertrauen und zu sich selbst stehen soll, aber dass das Leben meistens nicht so einfach ist, sollte man auch nach mehreren Monaten im indischen Ashram noch begreifen können.

Außerdem ist Elizabeth meiner Meinung nach ein Jammerlappen. Ja, ihre Ehe ist gescheitert. Ja, sie hat an einer sinnlosen Beziehungen festgehalten. Und nein, die meisten Menschen, die ähnliches durchmachen, können sich dann nicht einfach auf Weltreise verziehen. 

Daher trieft das Buch vor Selbstmitleid und künstlicher Erleuchtung, beides Elemente, die mir nicht gefallen haben. 

Dafür mochte ich es sehr, wie die Autorin die unterschiedlichen Kulturen beschrieben hat. Detailliert geht sie auf die Besonderheiten von Rom, Indien und vor allem Indonesien ein, wodurch man einen ausgezeichneten Einblick in die unterschiedlichen Temperamente und Perspektiven erhält.

Ich glaube, dass „Eat Pray Love“ trotz meiner Kritikpunkte einem breiten Publikum gefällt, weil es allein durch seine Perspektive der gescheiterten Frau und dem Weg zum eigenen Selbst eine andere Art von Leseerfahrung ist.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Radikal böser Dracula-Roman

SHIFTERS - Radikal böse - John Pelan, Edward Lee

Bestialische Morde geschehen in San Francisco. Bisswunden deuten auf Kannibalismus hin. Doch Captain Jack Cordesman ist dank einiger roter Haare am Tatort der blutigen Wahrheit auf der Spur.

Bei „Shifters. Radikal böse“ handelt es sich um eine großartige, moderne Dracula-Adaption. Meiner Meinung nach liegt das Hauptthema eindeutig beim Vampirismus, wobei die zugehörigen Elemente wie unerklärliche Wollust sowie Begierde, die Faszination der Dunkelheit und die makellose Schönheit des unstillbaren Blutdursts etwas extremer vertreten sind.

Zu Beginn werden etliche Figuren eingeführt, was mir zuerst die Orientierung in der Geschichte erschwert hat. Grob gesehen sind wohl diese Charaktere am wichtigsten:

Es gibt die rothaarige Frau von vollkommener Schönheit, die episodenhaft von ihrer Existenz berichtet. Dabei geht sie auf ihre Vergangenheit genauso wie auf ihre Gegenwart ein und gerade zu Beginn fiel es schwer, sie einzuordnen.

Locke ist ein distanzierten Dichter, der sein Herz an eine Frau verloren hat und nun mit seinem Liebeskummer kämpft. 

Und natürlich gibt es Captain Jack Cordesman, den Ermittler, der meinem Gefühl nach nur eine Nebenfigur ist. Er beschäftigt sich mit den großen Philosophen und ist ein gestandener Cop.

Daneben werden zahlreiche Randfiguren eingeführt, die relativ rasch wieder verschwinden. Trotzdem haben allesamt Tiefe bekommen und jede einzelne davon hat auf mich glaubwürdig gewirkt.

Die vielen Perspektivenwechsel lassen den Leser im Dunkeln tappen, allerdings bringen sie eine faszinierende Dynamik und Anspannung in die Handlung rein, wodurch ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte. 

Wermutstropfen sind für mich die poetischen Abschnitte, die bei Locke immer wieder in den Vordergrund rücken. Seinen Gedichten wird viel Raum gegeben und ich bin ein Mensch, der mit Poesie nicht viel anfangen kann.

Der mystische Rahmen um den Vampirismus wird in all seinen Facetten beschrieben. Hier sind etliche Hardcore-Szenen dabei, die sich zarte Gemüter nicht antun dürfen. Oft ist es sexy, gespenstisch und so richtig ekelhaft. 

„Sie erschufen Dinge, die uns bis hinab in unsere primitivsten Gene Angst machten.“ (S. 338 - 339)

Cordesmans Ermittlungen holen einen immer wieder in die Realität zurück, während man bei den anderen Abschnitten in eine dunkle, blutige Welt abdriftet. Das finde ich sehr gelungen beschrieben, weil ich es gern mag, wenn die Realität auf das Außergewöhnliche trifft.

Einige Entwicklungen waren mir zu philosophisch angehaucht oder sind mir zu schnell aus der Handlung entschwunden. Trotzdem es ist ein Vampir-Roman mit Hand und Fuß, der mich mit seiner radikal bösen Stimmung von Anfang an gefangen hat.

Alles in allem lässt sich „Shifters. Radikal böse“ extrem gut lesen und hat einen Horror-Splatter-Schliff vom Feinsten. Demzufolge kann ich es an Horror- , Splatter- und Vampir-Freunde absolut weiterempfehlen.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Trotz einiger Abstriche eine bezaubernde Geschichte

Die Reise der Amy Snow: Roman - Tracy Rees, Elfriede Peschel

Amy Snow wurde einst als Baby im Schnee gefunden und Aurelia Vennaway hat ihr im Herrenhaus Hatville ein Zuhause gegeben. Es ist aber ein Zuhause, in dem sie nicht willkommen ist und nur Aurelia als Freundin hat. Als Aurelia in jungen Jahren stirbt, lässt sie ihre beste Freundin Amy Snow nicht in Stich. Denn sie schickt sie mittels Briefen auf Schatzsuche, um ihr ihr letztes Geheimnis zu offenbaren.

Meiner Meinung nach geht es in „Die Reise der Amy Snow“ vordergründig um Freundschaft und Familie. Indem die kleine Amy als Waisenkind zu den Vennaways kommt, hat sie nie die Freundlichkeit und Liebe einer Familie erfahren. Erst auf ihrer Reise merkt sie, wie schön das sein kann.

Hintergründig behandelt dieses Buch noch tiefgreifendere Themen. Tracy Rees erzählt durch Amy Snow, wie es war, eine Frau im viktorianischen Zeitalter zu sein. Sie zeigt die Möglichkeiten und Wege auf, die einem jungen Mädchen zur Verfügung standen, wo die Grenzen lagen und was geschah, wenn sie übertreten wurden. 

Die Ausgangslage dieses Romans ist märchenhaft. Amy Snow wird als Baby von Aurelia Vennaway im Schnee gefunden und sofort adoptiert. Aurelia - starrsinnig, geliebt und wunderschön - schafft es, sich dem Willen ihrer Eltern zu widersetzen, und so wächst Amy Snow bei den Dienstboten im Hause Hatville auf. 

Mit den Jahren werden die jungen Frauen zu Vertrauten und besten Freundinnen bis Aurelia schwer erkrankt. Vor ihrem verfrühten Tod fädelt sie noch eine geheimnisvolle Schatzsuche ein, die ihre Amy quer durch England schicken wird.

Amy ist eher zurückhaltend, weil sie niemals Geborgenheit erfahren hat. Sie ist sich bewusst, dass sie keine Lady ist, auch wenn ihr Aurelia zu ihren Lebzeiten das Gegenteil erklärt. Gleichzeitig hat sie nie über Hatville hinausgeblickt und merkt erst nach Aurelias Tod, was es dahinter alles zu entdecken gibt.

Besonders diesen Pioniercharakter hat die Autorin wundervoll beschrieben. Amy Snow geht mit ihrer naiven Art die Eroberung ihres neuen Lebens an. Hier konnte ich mich sehr gut in die Protagonistin einfühlen und ich habe mich für sie gefreut, als sie mutig der Welt entgegentrat.

Die Handlung hat mir in ihren groben Zügen sehr gut gefallen. Sämtliche Entwicklungen und Stationen sind gut eingefädelt und hervorragend ausgearbeitet, sodass ich anfangs sofort in dem Roman versunken bin.

Leider wurde die Geschichte von der eigenen Zeit eingeholt. Der Roman spielt im viktorianischen Zeitalter. Das ist die Zeit, in der man sofort an Jane Austen und Charles Dickens denkt. Gerade die letzten Abschnitte haben mich stark an die beiden Autoren erinnert - denn auch wenn ich großen Respekt vor ihnen haben, fange ich persönlich mit ihrem Stil gar nichts an.

Ich mag das Geplänkel einfach nicht. Teegesellschaften, Bälle und Etikette bringen mich zum Gähnen, und wenn es nur mehr darum geht, was sich geziemt und wie es sich gehört, fallen mir die Augen zu. Diese Erzählweise hat nach gut der Hälfte überhand genommen und ist der Grund, warum ich es nicht besser bewerten kann. Zwar hat mir die Geschichte gefallen, doch diese Art der Umsetzung finde ich einfach langweilig. Außerdem kam dann noch so manches taubenhafte Geturtel und eine Dreiecksgeschichte dazu, was mir etwas zu viel des Guten war.

Insgesamt ist „Die Reise der Amy Snow“ eine bezaubernde Geschichte über Kinder, Frauen und Familien und darüber, welche Wahl man als Frau überhaupt hat. Trotz meiner Abstriche denke ich, dass ich es Interessierten auf jeden Fall empfehlen kann.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Ein realistischer Endzeit-Roman

Die Welt, wie wir sie kannten - Susan Beth Pfeffer

Das astronomische Highlight des Jahres wird gespannt von der ganzen Welt verfolgt. Ein Asteroid wird den Mond treffen - es soll sogar mit bloßem Auge zu sehen sein. Dann ist es so weit. Der Mond wird aber nicht nur leicht angestupst, sondern gleich aus seiner Umlaufbahn katapultiert. Damit fängt das Ende an. Das Ende der Welt, wie wir sie kannten.

Endzeitromane gibt es en masse und viele davon sind richtig gut. Egal ob sie mit Kriegen, Technologien oder Kriegen beginnen, es ist immer wieder schaurig-faszinierend, wenn man in der Fantasie das Ende durchspielt. Susan Beth Pfeffer hat mit ihrem Endzeitroman jedoch ein ganz eigenes Level der Apokalypse erreicht, weil sie in ihren Schilderungen am Boden geblieben ist.

Das Ende wird durch den Asteroideneinschlag am Mond eingeleitet. Wissenschafter hatten sich verrechnet und der harmlose Schubser ist in Wirklichkeit eine lebensbedrohliche Katastrophe geworden.

Als Leser erlebt man diese Endzeitversion aus Mirandas Blickwinkel. Sie ist ein Teenager, der mit ihrer Mutter und ihren zwei Brüdern mitten in der Apokalypse ausharrt, und diese traumatische Erfahrung in einem Tagebuch festhält.

So ist die ganze Geschichte als Mirandas Tagebuch erzählt, was mich von Anfang an in seinen Bann gezogen hat. Zuerst berichtet sie noch unbeschwert von ihrem Leben und dem astronomischen Ereignis, doch nach und nach ziehen sich Zweifel, Gefahren und verstörende Erlebnisse durch sämtliche Einträge. Wie in der Realität, sind sie ganz unterschiedlich erzählt. Manchmal berichtet Miranda ganz ausführlich von ihrem Tag, dann hat sie nur für wenige Zeilen Zeit. Manchmal vergehen Tage, bis man wieder etwas von ihr erfährt, dann schreibt sie wieder mehrmals täglich ins Tagebuch rein.

Dabei geht Miranda auf alle Umstände ihres Lebens ein. Sie erzählt, wie sie sich fühlt, was sie sich wünscht und welche Ängste sie bewegen. Sie berichtet, was um sie herum geschieht und wie ihre Familie und Freunde reagieren. Und natürlich lässt sie die Katastrophe an sich nicht aus und schreibt nieder, welche Entwicklungen gefürchtet und erwartet werden.

Dabei spielen banalste Alltagshandlungen eine große Rolle, denn wer weiß schon, wann es das nächste Mal Strom geben wird? Wie schwierig Wäsche per Hand zu waschen ist? Und wie sie den Winter ohne Heizmaterial überstehen sollen?

Außerdem ist die Katastrophe an sich meiner Meinung nach sehr realistisch konstruiert. Einerseits geht es Schlag auf Schlag, weil der Mond plötzlich so nah an der Erde ist, andrerseits ziehen manche Veränderungen nur sehr langsam ein, und sind zu Beginn nicht mehr als eine Unannehmlichkeit. 

Mir haben die Handlung, der Erzählstil und die Entwicklung der Ereignisse sehr gut gefallen. Susan Beth Pfeffer führt dem Leser vor Augen, wie ein Rad das nächste treibt, wie unsere Gesellschaft funktioniert und wie wichtig bestimmte Dinge in unserem Alltag sind. Dieser realistische Zugang zum Weltuntergangs-Thema hat mich absolut begeistert. Andere Romane setzen häufig auf actionreiche Spannung, bei Susan Beth Pfeffer wird man hingegen mit der brutalen Realität konfrontiert.

Wer sich gern vom Ende der Welt erzählen lässt und eine gute Portion Realismus aushält, sollte daher unbedingt Miranda kennenlernen und mit ihr die Apokalypse erleben.

 

 

Die letzten Überlebenden:
1) Die Welt, wie wir sie kannten
2) Die Verlorenen von New York
3) Das Leben, das uns bleibt

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Teuflisch spannender Vatikanthriller

Apocalypsis I: MP3-CD - Mario Giordano

„Der Vatikan existiert nicht mehr“ - von dieser Zukunftsvision wird der Vatikanjournalist Peter Adam gequält. Der deutsche Papst tritt überraschend von seinem Amt zurück und der Journalist soll von vorderster Front davon berichten. Doch die Hintergründe zu dem Rücktritt sind mysteriös und Peter Adam steckt richtig tief in der Geschichte drin - obwohl er sich das alles nicht erklären kann.

Giordianos Vatikan-Thriller lebt von den bekannten Elementen, die der sagenumwobenden römisch-katholischen Kirche ihren Reiz geben: uralte Geheimnisse, sektenartige Kirchenableger, mysteriöse Symbole und finstere Mächte, die die Fäden im Hintergrund ziehen.

Diesen Thriller zeichnet das hohe Tempo und die Umsetzung des Themas aus. Das Hörbuch ist in unzählige Episoden gesplittert, wobei jede in einem Cliffhanger zum Ende kommt. Dieses rasante Voranpreschen verlangt dem Hörer oder Leser einiges ab, weil es jedes Mal zu unerwarteten Wendungen kommt. Vom Stil her hat es mich stark an die Fernsehserie „24“ erinnert, was aber doch recht unterhaltsam war.

Peter Adam ist ein Held wie er im Buche steht. Ein Mann, der alles kann, und damit wirklich hart an der Schmerzgrenze schrammt. Er ist selbstlos, springt nachts mit dem Fallschirm ab, nimmt als ehemaliger Kampfschwimmer jeder Meeresströmung ihre Furcht und zeigt auch im Nahkampf seinen Mut.

Die Handlung hat mich zu Beginn sehr, sehr stark an Dan Brown erinnert. Hier habe ich mich schon gefragt, ob Mario Giordiano einfach nur abgeschrieben und aus Browns Wissenschafter einen Journalisten gemacht hat. Nach einiger Zeit nimmt sie allerdings einen etwas anderen Verlauf, was mich dann doch getröstet hat.

Das Hörbuch ist extrem unterhaltsam, obwohl es gleichzeitig ins Absurde abdriftet. Manche Ereignisse sind unlogisch, die dramatische Erzählweise lädt zum Grinsen ein und etliche Wendungen waren meiner Ansicht nach einfach zu viel. Trotzdem hat es die meiste Zeit über großen Spaß gemacht. Ich denke, man darf es einfach nicht zu ernst nehmen und muss sich darauf einlassen, wenn man in die spannungsgeladenen Geheimnisse des Vatikans abtauchen will.

Außerdem ist das Hörbuch wahnsinnig gut umgesetzt. Hier darf man nicht meckern, weil es weder an der Qualität des Sprechers, der musikalischen Untermalung oder an Hintergrundgeräuschen spart. Manchmal musste ich das Hörbuch abschalten, weil ich dachte, dass jemand anderes außer mir in der Wohnung sei!

Meiner Meinung nach zeichnet sich das Hörbuch durch die rasante Taktung, die hochqualitative Umsetzung und dem Unterhaltungsfaktor aus. Wer sich allerdings einen ‚seriösen‘ Thriller zum Thema Kirche und Vatikan erwartet, muss mit abstrusen Wendungen rechnen und sollte davor am besten die Augen oder Ohren verschließen.

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Die Geschichte einer Mörderin

Das Seelenhaus: Roman - Hannah Kent

Island, 1828. Die verschlossene Magd Agnes wird zum Tode verurteilt, weil sie zwei Männer ermordet hat. Sie wird bis auf einem Hof untergebracht, wo sie auf ihre Hinrichtung wartet und ihre Geschichte erzählt.

Bei diesem historischen Roman handelt es sich um ein Stück Geschichte. Denn Agnes Magnúsdóttir hat tatsächlich gelebt und war der letzte Mensch, der auf Island hingerichtet wurde. Die Autorin Hannah Kent geht mit diesem Roman der Geschichte der berüchtigten Doppelmörderin auf den Grund.

Allerdings darf man sich genauso wenig einen spannungsgeladenen Krimi wie müden Historienschinken erwarten. Es ist ein gut recherchierter historischer Roman, der aus einer angeblich bestialischen Mörderin einen Menschen macht.

Agnes Magnúsdóttir hat zwei Männer ermordet und - angeblich um die Morde zu vertuschen - das Haus niedergebrannt. Diese Tat kannte kein Pardon und daher blüht ihr die Todesstrafe.   Da Island zu dieser Zeit nicht über geeignete Gefängnisse verfügt, wird die berüchtigte Möderin kurzerhand auf dem Hof eines Beamten untergebracht, deren Bewohner natürlich nicht begeistert davon sind. Wer will schon eine Mörderin bei sich einquartieren?

Pfarrer Thorvardur Jónsson wird der Mörderin als geistiger Beistand zur Seite gestellt und soll ihr den Teufel aus dem Leib predigen. Doch davon hält der junge Geistliche nicht viel und hört sich lieber Agnes’ Geschichte an.

Als Leser erfährt man die Ereignisse aus mehreren Perspektiven. An erster Stelle steht Agnes selbst, die sich nicht nur dem Pfarrer anvertraut, sondern gleichzeitig in Erinnerungen schwelgt. Man erfährt, wie sie in diese missliche Lage kam, wie ihr Leben als vernachlässigtes Kind und Magd verlief, und warum sie zu guter Letzt getötet hat.

Die Familie des Beamten spielt eine ebenso wichtige Rolle. Durch sie erfährt man, welche Gerüchte über die berüchtigte Mörderin kursieren, wie erschreckend es ist, gar keiner furchterregenden Hexe sondern nur einer normalen Frau gegenüberzustehen, und wie traurig es ist, dass niemand Agnes fragt, warum sie die Männer getötet hat. 

Dabei zeichnet die Autorin ein plastisches Bild von Island dieser Zeit. Häuser und Höfe sind feuchte Behausungen aus Torf, die Menschen leben eingezwängt in diesen Lehmhütten und sind von harter Arbeit getrieben, weil der nächste Winter bald kommen wird.

Es ist nicht nur die Geschichte einer Mörderin, die wahrscheinlich eine Verzweiflungstat begangen hat, sondern lässt den Leser auf das vergangene Island blicken. Dabei war es ein faszinierender Rückblick und gleichzeitig ein interessanter Kulturschock für mich, weil sich Island doch etwas anders als ‚mein‘ Teil von Europa entwickelt hat. 

Zum Beispiel konnte um 1830 fast jeder Isländer lesen, weil es von der Kirche gefordert wurde, die Sitten waren hart, die Arbeit noch härter, und das Auskommen in diesem feucht-kaltem Part der Welt auch für die besser Gestellten eine körperliche Herausforderung.

Die authentische Erzählung der Autorin beruht auf viel Archivmaterial, das sie für ihren Roman verarbeitet hat. Zwar betont Hannah Kent, dass sie sich bei Details großteils auf ihre Fantasie verlassen hat, dennoch fließen unzählige Dokumente ein, die der Autorin als Grundlage dienen.

Der Schreibstil ist eher ruhig und die Erzählweise kommt ohne Dramatik aus. Am Beginn wird man mit der Ankunft der Mörderin konfrontiert und erfährt erst nach und nach, was geschehen ist. Dadurch wird ein gutes Quantum Spannung erzeugt, was einem das Buch kaum aus der Hand legen lässt. Zum Ende hin wird es einen Hauch emotionaler, was in Anbetracht der Umstände verständlich ist.

Ich habe dieses Buch sehr gern gelesen, weil ich mich für Island interessiere und mich die Geschichte von Agnes sehr berührt hat. Es war eine schwierige Zeit, als jede Untat einfach nur eine Sünde war, ohne hinter die Motivation dafür zu blicken. „Das Seelenhaus“ ist meiner Meinung nach für Island-Freunde und historisch Interessierte ein absolutes Lesemuss!

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Ein großartiger Roman

Die Wälder Am Fluß - Joe R. Lansdale

Texas, 1930er-Jahre. Es ist die Zeit der großen Dürre und der Depression. Außerdem ist es die Zeit als der elfjährige Harry und seine kleine Schwester Tom die Leiche einer schwarzen Frau am Fluss finden. Damit öffnet sich für den Jungen die Welt der Erwachsenen, die aus drückenden Sommern, düsterem Aberglauben und gewaltvollem Rassismus besteht.

Joe R. Lansdale präsentiert mit diesem Buch eine gelungene Mischung aus Coming of Age, Krimi, Thriller und zeitgenössischem Roman, die den Leser ins Texas heißer Sommernächte, gewalttätiger Übergriffe und umgreifenden Rassismus entführt.

Harry ist gerademal 11 Jahre alt als er gemeinsam mit seiner Schwester Tom die Leiche einer Schwarzen am Sabine River findet. Die Frau ist furchtbar zugerichtet und trotzdem scheint Mord ausgeschlossen zu sein, weil es eben eine Schwarze ist.

Harry und Tom erlebt man im Huckleberry-Finn-Stil, der den Leser mitten im Herzen und in der Seele trifft. Der junge Harry ist ein vernunftbegabter Bursche, der viele Regeln der Erwachsenen nicht begreift. Er wird stutzig, weil nicht alle Menschen gleich behandelt werden, schämt sich fremd, als der Ku-Klux-Klan vor der Tür seiner Familie steht und glaubt insgeheim, dass ein mysteriöser Ziegenmann im Wald sein Unwesen treibt.

Ich hatte mich auf die Minute in Harry, seine Schwester - eigentlich die ganze Familie - verliebt. Anhand dieser Familie erfährt man, wie schwer das Leben während der Dürre und Depression in den USA gewesen ist. Dabei haben sie in Texas noch richtig Glück gehabt. Die Böden sind fruchtbar geblieben und daher hat es die Texaner nicht ganz so schlimm - im Vergleich zu andern Staaten - erwischt. Trotzdem wird in Harrys Familie emsig gearbeitet, damit man einigermaßen über die Runden kommt. Sein Vater hat auf der Farm zutun, führt einen Friseurladen und geht sogar der Tätigkeit als Constable nach - wodurch er mit der Aufklärung des „Mordes“ beschäftigt ist.

Trotz des einfachen Lebens, der harten Arbeit und dem rauen Umgangston, spürt man auf jeder Seite, wie liebevoll diese Familie ist. Man fühlt, wie sie zu ihren Prinzipien stehen und wie wichtig sie sich gegenseitig sind.

Außerdem bekommt man ein gutes Bild von der Gemeinschaft, die sich in dem kleinen texanischen Dorf gebildet hat, und dem Leben, das damals alltäglich war. Gemeinsam mit Harry schaut man im Friseurladen vorbei, geht die alte, farbige Maggie auf einen Schwatz besuchen oder versucht den Wasserschlangen im Fluss zu entgehen, weil die nämlich giftig sind.

Neben dem greifbaren Flair kommt der Mord zu tragen, der dem ganzen Buch ordentlich Spannung verleiht. Es gibt etliche Szenen, in denen ich mit Harry gebangt habe, mir das Adrenalin durch die Blutbahn schoss oder ich mich gemeinsam mit ihm ins Gebüsch im Wald gedrückt habe. 

Joe R. Lansdale hat keinen Roman geschrieben sondern er hat eine Geschichte erzählt. Von Anfang bis Ende hat er mich gefangen genommen, durch die dichte Atmosphäre der 30er-Jahre geführt und mich die bedrohliche Stimmung von Rassismus fühlen lassen.

Meiner Meinung nach handelt es sich bei „Die Wälder am Fluss“ um einen großartigen Roman, den ich absolut weiterempfehlen kann. 

 

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Rache und Rosenblüte

Rache und Rosenblüte - Renee Ahdieh, Martina M. Oepping

Jeden Sonnenaufgang sollst du mit einem Leben zahlen. Widersetzt du dich, wird es tausendfach genommen.

Es handelt sich um den zweiten Band von Renée Ahdiehs Märchen aus tausendundeiner Nacht: fliegende Teppiche, arabische Nächte, heißer Wüstensand und eine leidenschaftliche Liebe, die von einem schrecklichen Fluch heimgesucht wird. 

Shahrzard und Chalid haben sich gefunden, nur um wieder voneinander getrennt zu werden. Während sich Kalif Chalid in seiner Stadt Chorasan nur widerstrebend seinem Schicksal fügt, entschwindet Sharzhard in die Wüste, um den Fluch zu brechen und damit nicht nur ihre Liebe sondern das Leben ihres Volks zu retten.

Ich mag die Märchen aus 1001 Nacht sehr gern. Schon als Kind waren sie meine liebsten Erzählungen und noch heute steht ein schöner Schmuckband von damals in meinem Bücherregal. Daher habe ich mich gefreut, als Renée Ahdieh mit dem 1. Band „Zorn und Morgenröte“ Sherezade auferstehen und sie als Shahrzad in ihrer Dilogie Geschichten erzählen lässt.

In dieser Fortsetzung kommt Shahrzad allerdings nicht mehr als Geschichtenerzählerin zu Wort, sondern es geht um das Schicksal von Chorasan, den Kalifen und der Liebe zu seiner Königin. Shahrzad und Chalid sehen sich unbändigen Mächten gegenüber, haben es mit Intrigen und atemberaubender Magie zutun, die den Leser in ein abenteuerliches Märchen versetzt.

Die Handlung wird in erster Linie gemeinsam mit Shahrzad erlebt. Sie verlässt Chorasan um ihre Familie zu retten und einen Ausweg aus der Misere zu finden. Dabei entführt sie den Leser in die magische arabische Wüstenwelt, die mich von Beginn an verzaubert hat.

Dem jungen Kalif Chalid machen seine Jugend und die Verantwortung als Herrscher schwer zu schaffen. Noch dazu kommt, dass er von einem dunklen Fluch heimgesucht wird. Obwohl der Herrscher von Chorasan als schreckliches Monster gilt, weiß er sein feuriges Temperament zu zügeln und man merkt, in seiner Ruhe liegt die größte Gefahr.

Beide Protagonisten mag ich sehr gern, weil sie für mich mit ihrem schillernden Temperament, das Wesen dieser Märchen spiegeln. Sie strahlen vor Lebendigkeit wie die Morgensonne, sind fein wie der Wüstensand, und störrisch, wie Kamele, wenn sie nicht ihren Willen kriegen. 

Außerdem liebe ich diese arabisch angehauchte Sprache, die trotz gnadenloser Schärfe immer blumig und schön zu lesen ist:

„Erst bist du die eine, dann eine andere. Und jetzt tut mir der Nacken weh, weil er sich so schnell wenden muss.“(S. 382)

Die Handlung wurde meiner Meinung nach einen Hauch zu überkonstruiert. Ich hatte den Eindruck, dass sie der Autorin nicht ganz so flüssig von der Hand gegangen ist und sie sich manchmal schwer getan hat, die Kurve zu kriegen. Ansonsten entspricht sie dem üblichen Märchenaufbau, genau, wie ich es mir erhofft hatte. Es gibt einige unvorhersehbare Wendungen, große Schlachten, geheime Zusammenkünfte und allem liegt ein orientalischer Zauber inne, den ich sehr genossen habe. 

Renée Ahdieh erschafft die Märchen aus 1001 Nacht neu. Mit ihrer Protagonistin Shahrzad haucht sie ihnen neues Leben ein, verbläst sanft den Wüstensand, klopft den fliegenden Teppich aus und lässt den Leser in die arabische Nacht entschwinden.

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Dämonen der Vergangenheit

Der Fährmann - Bernhard Kleinschmidt, Christopher Golden, John Howe

Wenn sich alte Mythen aus der Vergessenheit erheben, die Grenzen zwischen Hier und Dort verschwimmen und sich jemand wagemutig gegen den Tod stellt, ist es an der Zeit, den Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit aufzunehmen.

David und Janine finden nach einem Schicksalsschlag langsam wieder zueinander. Während sie   sich ganz behutsam einandern nähern, greift ein dunkler Schatten nach ihnen, dem es zu Entrinnen gilt.

Es handelt sich um einen Horrorroman, der mit den besten Elementen des Genres spielt. Emotionale Dichte, verstörende Momente und religiöse Mythen vereinen sich zu einem ausgezeichneten Gänsehaut-Roman.

Gleich zu Beginn wird man mit einer mystischen Traumwelt konfrontiert. Es dauert, bis man sie einordnen kann, dennoch gibt sie der Geschichte ihre Richtung und sorgt von Anfang an für die richtige Grundstimmung.

David und Janine stehen im Vordergrund, wobei ich den Lehrer David als Protagonisten bezeichnen würde. Durch Janine wird er ins Zentrum einer unheimlichen Bedrohung gezogen, die sich langsam zu manifestieren beginnt. David ist Lehrer und hat in letzter Zeit seltsame Erscheinungen, die er sich nicht erklären kann. Sie machen ihm Angst, trotzdem versucht er sie abzuschütteln.

Diese Erzählweise hat mich an alte Horrorfilme aus den 1970ern erinnert. Ich mag es, wenn man zuerst einmal mit der Normalität der Figuren vertraut gemacht wird und dazwischen immer das Unheimliche aufblitzt. Meist wird aus Davids Perspektive von seinem Alltag erzählt und nach und nach kommt es zu verstörenden Zwischenfällen, die er sich nicht erklären kann.

Janine steht im Mittelpunkt und hat schwer mit ihrer Vergangenheit zutun. Gescheiterte Beziehungen und ein einschneidender Schicksalsschlag haben ihr Leben dramatisch verdreht. Nun versucht sie wieder auf die Füße zu kommen und ist froh, dass sie einen Freund wie David hat.

Außerdem wird der Hardcore-Exorzismus-Religion ebenfalls Raum gegeben und genau damit hat man mich an der Angel. Ich finde es einfach total spannend, wie aus römisch-katholischer Perspektive damit umgegangen wird. Denn hier ist schon die Realität ein Horrorroman, die vom Autor geschickt eingewoben wird. Christopher Golden beschränkt sich aber nicht nur darauf, sondern geht gleichzeitig alte Mythen und Legenden an.

Weniger gefallen haben mir einige Beziehungskisten, die mir einfach zu viel geworden sind. Zum Ende hin musste es zwar sein, weil es ansonsten nicht rund gewesen wäre, trotzdem hätten ein paar Schreckmomente mehr und etwas weniger Pärchen-Gehabe dem Roman insgesamt gut getan.

Normalerweise gehe ich nicht auf die Aufmachung von Büchern ein. Doch „Der Fährmann“ ist eine Zierde, was nicht unerwähnt bleiben darf. Der hochqualitative Einband wird von schwarzen Seitenrändern geziert und man merkt bei der ersten Berührung, wie viel Liebe in alle Details geflossen ist.

Klassischer Horror spiegelt sich durchgehend in allen Szenen wieder. Bedrückende, vom Bösen triefende, Momente wechseln sich mit heiteren Stunden ab, über die eine fühlbare Bedrohung schwebt. Obwohl es stellenweise sehr ruhig zu lesen ist, spürt man, dass sich im Hintergrund wahrhaft Bedrohliches zusammenbraut und man eine wahre Horror-Story in den Händen hält.

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Distanzierter Thriller

The Couple Next Door: Thriller. - Sonic Boom Studios Fach / Khromov GbR Alex Khromov, Shari Lapena, Friederike Kempter

Marco und Anne wollen einfach ein ruhiges Dinner bei den Nachbarn verbringen. Die Nachbarin verlangt aber, dass sie ihr Baby daheim lassen und die frischgebackenen Eltern zögern kaum. Immerhin kann man das Babyphon mitnehmen und im halbstündigen Takt nach den Nachwuchs sehen. Doch dann ist die Wiege leer …

Allein die Ausgangslage hat mich sofort fasziniert. Es ist wahrscheinlich der Albtraum aller Eltern, dass auf einmal das Kind weg ist. Natürlich macht man sich Vorwürfe, weil man das Kleine allein gelassen hat, wobei es wahrscheinlich sonst genauso hätte passieren können.

Es folgt ein kniffeliger Thriller, der den Leser immer wieder mit neuen Enthüllungen konfrontiert. Mit der Zeit hat man jede Figur unter Verdacht und es ist spannend, die Hintergründe zur Tat zu verfolgen. Wurde das Kind entführt oder gar ermordet? Haben die Eltern vielleicht ein Motiv oder wurde es von einem Fremden genommen?

Diese Fragen stellt man sich gemeinsam mit der Polizei, wobei man als Leser den Vorteil hat, die Geschehnisse aus den Perspektiven der Eltern zu verfolgen. Die Sichtweisen von Anne und Marco wechseln sich ab und so bekommt man einen Einblick, was wirklich geschehen sein könnte. Jede der Figuren hat eine dunkle Seite, der man nach und nach auf die Schliche kommt.

Außerdem wird ein Ermittler der Polizei als weitere Perspektive ins Spiel gebracht. Diese Passagen habe ich besonders gern gehört, weil ich hier meine Gedanken und Mutmaßungen zu den Eltern und Geschehnissen ordnen konnte. Zusätzlich hat der Ermittler noch ein paar interessante Geschichten aus der Vergangenheit aufgedeckt.

Der Thriller lebt allein von den Figuren und dieser Punkt hat mich gestört. Die Autorin spart an Ausschmückungen sowie Atmosphäre und setzt allein auf die Beziehungsebene der Charaktere. Gleichzeitig hält sie sich mit Emotionen stark zurück und es werden tatsächlich nur aktuelle und vergangene Ereignisse abgehandelt, um die Verbindung der Figuren untereinander zu beleuchten. Dieser nüchterne Stil konnte mich nicht ganz packen. Es war zwar interessant zu hören, dennoch ist die Spannung mit der Zeit abgeflaut, obwohl ich gar keinen konkreten Verdacht im Hinterkopf hatte.

Die Handlung ist okay, nachvollziehbar und für dieses Genre leider typisch - sehr überkonstruiert. Von allen Ecken und Enden werden Motive ins Spiel gebracht, die halt überzufällig ihren Weg in die Geschichte gefunden haben. Daher empfinde ich „The Couple Next Door“ als gutes Buch, das man zwischendurch hören oder lesen kann, und das meiner Meinung nach einem passablen Durchschnitt entspricht.

„The Couple Next Door“ ist ein Thriller, der mit den Geheimnissen seiner Figuren spielt, und durch genreübliche Wendungen besticht. Latent spannend, jedoch sehr distanziert, lädt Shari Lapena den Leser in den Albtraum aller Eltern ein.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at