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Moderner Horror-Roman

Die letzten Tage des Jack Sparks: Horror-Thriller - Jason Arnopp

Gibt es das Übernatürliche? Nein? Jack Sparks ist ebenfalls dieser Meinung. Bis er sich auf seinen letzten Horror-Trip begibt. 

"Die letzten Tage des Jack Sparks" ist Jason Arnopps Debüt, und ein zeitgemäßer Horror-Roman, der die Moderne mit althergebrachten Facetten des Genres vereint.

Prinzipiell geht es darum, dass Jack Sparks nicht an Geister glaubt. Er lehnt grundsätzlich alles ab, was ans Übernatürliche denken lässt. Egal, ob es Geistererscheinungen, Rituale oder Religionen sind - laut ihm gibt es das alles nicht. Er widmet sein nächstes Buch diesem Thema, weil er zeigen will, wie leichtgläubig Menschen sind.

Nun macht er sich als Journalist und Autor auf die Reise, um dem Übersinnlichen zu begegnen beziehungsweise, um es zu widerlegen. Denn Jack Sparks weiß genau, dass es sich nur um Täuschungen handelt.

Der Titel allein verrät schon, wie diese Reise enden wird. Daher überrascht es kaum, dass Jack Sparks Bruder Alistair diese letzten Tage in diesem Werk zusammenfasst. Dabei verwendet er Jacks Rohfassung, die Schilderung der Ereignisse, bedient sich an Mails, Transkripten und diversen Nachrichten von Jacks Online-Präsenz.

Jack Sparks ist ein arroganter, unsympathischer Typ im Höhenrausch. Seine bisherigen Werke waren allesamt erfolgreich, er sonnt sich im Ruhm und genießt seine Fan-Scharen. Mit seinem oberflächlichem, schroffe Gehabe weiß er nur zugut, dass er Grenzen übertritt. Es kümmert ihn einfach nicht.

Jack macht sich nun an die Arbeit und zur Recherche auf. Sein erster Halt führt ihn nach Italien, wo er einem Exorzismus beiwohnen darf. Es haut alle Anwesenden aus den Socken als der bekannte Journalist einen Lachanfall während des Rituals kriegt - und damit den Exorzismus kippt. Gleich im Anschluss taucht ein mysteriöses Video auf YouTube! auf. Und langsam kriegt es sogar Jack mit ein klein wenig Angst zutun …

„Die letzten Tage des Jack Sparks“ beginnt sehr mysteriös. Schon zu Beginn weiß man, dass Jack gestorben ist. Sein Bruder Alistair bemüht sich, die Ereignisse in diesem Werk zusammenzufassen. Diese Tatsache allein beschwört beim Lesen ein Gefühl von Anspannung und  Neugierde herauf. Außerdem ist es fesselnd, das Geschehen aus erster Hand zu erfahren.

Denn durch Jacks Rohfassung wohnt man der Handlung mit einem Live-Charakter bei. Für mich ähnelt es einem geschriebenen Stil des „Blair Witch Projects“, weil es sich echt und wahr anfühlt. 

Die Handlung selbst ist schon sehr durchtrieben und genial konstruiert. Man fiebert mit Jack, lässt sich von ihm verwirren, runzelt die Stirn, wenn man Alistairs Anmerkungen liest, und fühlt eine Bedrohung, die über die Seiten fließt. 

Bemerkenswert sind all die Elemente und Facetten, die Arnopp gekonnt einbringt. Einerseits sind da all diese bekannten Aspekte, die man aus Horror-Klassikern kennt: Der Exorzismus, die Kirche, die Dämonen, Wahnvorstellungen, Blut und Angst. Andererseits hat er digitale Kommunikationsmedien und den aktuellen Zeitgeist eingebaut, die diesem Horror-Roman einen höchst modernen Anstrich verleihen.

Während des Lesens habe ich mich oft gefragt, was Jack passiert und wie man das Ende erfahren wird, weil er es selbst - aus bekannten Grund - nicht erzählen kann. Mit diesem Schluss hat Jason Arnopp einen Meisterstreich hingelegt, mich verblüfft und dem klassischen Horror alle Ehre gemacht!

Meiner Meinung nach hat Jason Arnopp mit „Die letzten Tage des Jack Sparks“ einen modernen, fesselnden und lesenswerten Horror-Roman hingelegt. Ich hoffe sehr, dass es der erste von vielen ist! 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.com

Derber Lesespaß

Das Dickicht: Roman - Joe R. Lansdale, Hannes Riffel

Im Osten von Texas zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Jacks Schwester wird von Banditen entführt und der junge Bursche nimmt die Verfolgung auf. Er ist nicht allein, denn ein Zwerg, der Sohn eines Sklaven, eine Dame aus dem horizontalen Gewerbe, und ein Eber stehen ihm bei, als es ab in das Dickicht geht.

"Das Dickicht" ist in gefährlicher Ort und ein genialer Roman, welcher der Feder des großartigen Joe R. Lansdales entsprungen ist. Es ist schwierig dieses Buch in ein Genre einzuordnen, denn es ist eine humorvolle Mischung aus Abenteuergeschichte und Drama mit Krimianteil. Allgemein wird Lansdales Stil Southern Gothic genannt. 

Nun endlich zur Handlung, die rasch erklärt ist. Jacks Eltern sterben an den Windpocken. Daher werden Jack und seine Schwester vom Großvater zu einer Tante gebracht. Bei der Tante kommen sie allerdings nicht an, weil unterwegs Furchtbares geschieht - unter anderem wird Jacks Schwester von Banditen entführt. Natürlich will er sie unbedingt zurück und nimmt die Verfolgung auf.

Diese Verfolgungsjagd ist der Hauptbestandteil des Romans. Sie geht einen irren Weg, bei dem man beim Lesen nur den Kopf vor Lachen schütteln kann. Jack ist nämlich nicht allein. Er findet Gefährten, die ihm zur Seite stehen, auch wenn sie eher gewöhnungsbedürftig sind. 

"Sonst fragt sich noch wer, was ein Nigger, ein Liliputaner, ein Junge, eine Hure und ein hässlicher Keiler hier draußen verloren haben." (S. 131)

Jack blickt nach Jahren auf dieses Abenteuer seiner Jugend in der Ich-Perspektive zurück. Dementsprechend kindlich-naiv und deutlich grün hinter den Ohren, trifft er auf die Menschen, die ihm - nach langem Hin- und Her inklusive Bestechung! - zur Seite stehen.

Shorty ist ein Zwerg, feiner ausgedrückt auch Liliputaner genannt. Meiner Meinung nach ist er der stärkste Charakter dieser Truppe, der zwischendurch zu philosophischen Betrachtungen neigt.

Eustace, Sohn eines Sklaven und seiner Ansicht nach ein Cousin von Jack, geht schon mal mit dem Kopf durch die Wand, wenn er Alkohol erwischt.

Jimmie Sue ist die Dame in der Runde. Aufgegabelt im und gerettet aus dem Freudenhaus, macht sie sich mit diesem ungewöhnlichen Trupp zur Suche nach Jacks Schwester auf. 

Keiler, im wahrsten Sinne des Wortes eine Sau, ergänzt mit seinem charmanten Wesen und tierischem Charakter die Runde. Er ist mit grunzender Begeisterung bei Auseinandersetzungen dabei.

So etwas habe ich noch nicht gelesen! Ein Zwerg, ein Schwarzer, ein Junge, eine Prostituierte und ein Eber gehen auf Ganovenjagd! Allein schon diese Idee lässt mich vor Lansdale den Hut ziehen. Besonders interessant ist, dass der Autor Figuren aus gesellschaftlichen Randpositionen nimmt, und sie zu den Helden seines Romans macht. Dabei lässt er keine Grauschattierungen aus, und weist daraufhin, dass gute und böse Menschen manchmal nicht viel voneinander trennt - es kommt immer auf die Bedingungen an.

Die Handlung lebt von ihren Charakteren, den amüsant-derben Dialogen, und dieser unbeschreiblichen Atmosphäre, die Lansdale so eigen ist. Seine Figuren atmen, die Umgebung ist real, und am Abend tut einem der Hintern weh, weil man zu lange im Sattel gesessen ist.

Obwohl es nach einer witzigen Geschichte klingt, hat sie dramatische Züge, die erschütternd zu lesen sind. Gleichzeitig treibt einen Lansdale vor Lachen die Tränen in die Augen, trotzdem das Geschehen tragisch ist!

Lansdales roher Sprachgebrauch ist bestimmt nicht für jeden geeignet. Er schreibt derb, teilweise obszön und nimmt kein Blatt vor den Mund. Wer das nicht verträgt, sollte es bleiben lassen. Für andere ist dadurch Lesespaß garantiert!

Meiner Meinung nach ist dieses Buch ein weiteres Meisterwerk des großartigen Joe R. Lansdales. Western-Stil, bärbeißiges Gebaren und gesellschaftskritische Töne im historischem Rahmen werden zu einem wilden Abenteuer, das einen - trotz tragisch-brutaler Handlung -  mit einem Grinsen im Gesicht durch das Dickicht von Texas pirschen lässt.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.com

Die Hexe und der Gerichtsdiener

Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal - Band 1: historischer Thriller - Nicole Lischewski, Robert R. McCammon

Amerika, 1699. Im relativ neugegründeten Städtchen Fount Royal treibt eine Tragödie die nächste an. Die Bewohner sind überzeugt, dass Rachel Howarth die Verantwortung dafür trägt, weil sie eine Hexe ist. Und nun wird ihr der Prozess gemacht.

"Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal Band I" ist der Auftakt einer historischen Reihe um den jungen Gerichtsdiener Matthew Corbett. Sie besticht mit historischem Setting, Gruselstimmung und fesselndem Geschehen.

Richter Isaac Woodward und sein Gerichtsdiener Matthew Corbett werden nach Fount Royal gerufen. Es gilt, über Hexe Rachel Howarth ein Urteil zu fällen. Sie scheint am Niedergang des Städtchens die Schuld zu tragen. Die Bewohner sind überzeugt, dass die junge Witwe eine Hexe und schuldig ist. 

Beim Lesen steigt man in die Anreise von Richter Woodward und Matthew Corbett ein. Sie sind in Richtung Fount Royal unterwegs und haben einen strapaziösen Weg hinter sich. Dabei ahnen sie nicht, wie beschwerlich die nächste Etappe ihrer Reise werden wird.

Gerade kommt man mit den beiden in einem abscheulichem Gasthaus an, schon fühlt man sich der Gefahr ausgesetzt. Die Bedrohung legt sich als beißender Rauch über die Seiten, und das Abenteuer fängt an.

Protagonist Matthew Corbett ist ein neugieriger, talentierter junger Mann, der geflissentlich seiner Tätigkeit nachgeht. Einst war er im Waisenhaus, wo er bereits durch seine Wissensgier aufgefallen ist. Jetzt steht er dem Rätsel von Fount Royal gegenüber. Obwohl Rachel Howarth als eindeutig schuldig betrachtet wird, erfasst er nicht die Logik dahinter, und stellt seine eigenen Überlegungen an. 

Richter Isaac Woodward stelle ich mir als netten, älteren Herren vor, der zwar mit seinem Alter und dem vergangenen Lebensweg hadert, dabei aber Weisheit und Gerechtigkeit verinnerlicht hat. Allerdings knickt er schon einmal ein, wenn die Umstände zu drückend sind.

Die Figuren haben mir sehr gut gefallen. Die Hauptcharaktere gehen in die Tiefe, haben Ecken, Kanten und zahlreiche Facetten, denen man sich kaum entziehen kann. Ich fand es spannend, ihre Reaktionen auf Ereignisse und Handlungen zu verfolgen, was aufgrund der vielschichtigen Darstellung allein schon fesselnd ist.

Sogar die Nebenfiguren sind präzise ausgearbeitet. Man fühlt durch die Erzählung hindurch, dass sie alle selbst eine Geschichte in sich tragen, die sie an diesen Punkt brachte.

Die Handlung ist komplex, wäre aber ohne die düster-ambitionierte Tiefe rasch erzählt. Meiner Meinung nach ist es die dichte Atmosphäre und die Liebe zum Detail, die diesen Reihenauftakt ausmachen.

Allerdings habe ich etwas gebraucht, bis ich in der Geschichte angekommen bin. Obwohl Robert McCammon umwerfend erzählt, dauerte es, bis ich mich auf den historischen Rahmen einlassen konnte. 

Trotzdem ist diese Epoche bemerkenswert umgesetzt. Romane, die im 17. oder 18. Jahrhundert angesiedelt sind, lese ich normalerweise nicht gern. Mir fehlt der Bezug zu dieser Zeit und die historischen Umstände haben nur in den seltensten Fällen meine Neugier geweckt. Anfangs habe ich beim Abenteuer von Matthew Corbett und Isaac Woodward ähnlich empfunden, wurde aber rasch eines Besseren belehrt. 

Denn Autor Robert McCammon hat das historische Setting informativ und mitreißend angelegt. Er arbeitet das Leben von Waisenkindern genauso wie die Umstände von Rechtssprechung, die Hexenprozesse und den Alltag sowie die Herkunft der damaligen 'Amerikaner' ein, wodurch sich ein packender Blick in diese Zeitspanne ergibt.

Die letzte Seite tut weh, weil die Geschichte mit einem harten Schnitt aufhört, und erst im zweiten Band zu einem Ende finden wird.  Der erste Originalband wurde im Deutschen auf zwei Bände aufgeteilt, was zu dem abrupten Schluss des ersten Bandes führt.

Daher kann man mir glauben, dass ich den zweiten Teil kaum erwarten kann: Ich will unbedingt wissen, ob Rachel Howarth wirklich eine Hexe ist.

Alles in allem ist dieser erste Band um Matthew Corbett mitreißend, fesselnd und informativ zugleich, schafft für genügend Spannungsmomente Raum und nimmt den Leser auf eine Reise zur Hexe von Fount Royal im Jahr 1699 mit. Empfehlung! 

 
Die Reihe:
1) Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal Band I
2) Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal Band II
3) Matthew Corbett und die Königin der Verdammten Band I
4) Matthew Corbett und die Königin der Verdammten Band II
5) Matthew Corbett und die Jagd nach Mister Slaughter
Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.com

Bella Italia im Zweiten Weltkrieg

Unter blutrotem Himmel - Mark T. Sullivan, Amazon Web Services, Frank Arnold

Der Jugendliche Pino Lella hält sich aus dem politischem Geschehen heraus. Eigentlich interessiert er sich nur in erster Linie für Mädchen, gefolgt von Musik und gutes Essen darf auch immer sein. Doch als die Bomben zum ersten Mal auf Mailand fallen, wird aus dem Jungen ein Mann, der Verantwortung tragen will.

"Unter blutrotem Himmel" ist eine Mischung aus Realität und Fiktion, die Pino Lellas Jugendjahre inmitten des Krieges in das Zentrum stellt.

Ich habe mich für dieses Hörbuch entschieden, weil mich der Schauplatz Italien während des Zweiten Weltkriegs interessiert hat. Zwar habe ich schon viele Bücher über und zum Kriegsgeschehen gelesen, die Rolle von Italien bisher nur am Rande gestreift. 

Außerdem handelt es sich angeblich um eine wahre Geschichte. Die Erzählung basiert auf Pino Lella, der tatsächlich lebte und im kriegsgebeutelten Italien seine Jugendjahre verbringt.

Dementsprechend lernt man zu Beginn den lebenshungrigen und liebestollen jungen Mann kennen, der Pino Lella vor besagter Bombennacht ist. Ihm schwirren ausschließlich Mädchen im Kopf herum, er sehnt sich nach Liebe und körperlicher Zuwendung, und versucht ziemlich keck, die eine oder andere Dame für sich einzunehmen. Man merkt schnell, dass er sich wieder für das Kriegsgeschehen noch für den Nationalsozialismus interessiert, und allein mit seinen Flausen tagein, tagaus agiert.

Eines Nachts wird Mailand von Bombenangriffen heimgesucht. Zum ersten Mal steht Pino Lella der Brutalität und Realität des Zweiten Weltkriegs gegenüber. Infolge dieser Erkenntnis schließt er sich einer Bewegung an. Er führt Juden und andere Flüchtlinge über die Alpen in die Schweiz, womit für ihn ein großes Abenteuer beginnt und er zum stillen italienischen Helden wird.

Pino Lella hat unglaublich viel erlebt. Es geht nicht nicht nur um die Alpenroute, die er mit zig Flüchtlingen passiert, sondern auch um Spionage und die ganz große Liebe, die ihn durch diese düsteren Jahre führt. 

Meines Erachtens hat Pino Lella ein aufregendes Leben verbracht. Allein die Beschreibungen, wie er mit einer Handvoll Menschen über die Alpen zieht, wie er sich in Hoffnung auf Besserung in Gefahr begibt, und welche Gräueltaten er mitansehen muss, haben mich mehr als einmal schlucken lassen. Pino Lella war ein äußerst mutiger junger Mann, der sich nicht mit Gegebenheiten abgefunden sondern gehandelt hat. 

Daher bin ich sehr froh, dass Mark Sullivan seine Geschichte erzählt, und ich empfinde sie als absolute Bereicherung.

Allerdings kommen mir Zweifel, ob sich alles auf diese Weise zugetragen hat. Pino Lella begegnet unzähligen Nazigrößen und Angehörige der obersten italienischen Liga. Kann das alles ein Zufall sein?

Teilweise hat mich Sullivans Erzählstil gestört. Er schreibt absolut perfekt, setzt gekonnt dichte Passagen durchmischt von Zeitraffern ein, und schafft es, die Erzählung mit Höhepunkten zu versehen. Allerdings war es mir manchmal zu geradlinig, zu schnörkellos - ja - zu glatt geschrieben. Ich hatte tatsächlich das Gefühl, als ob der Autor frisch vom Schreibseminar weg diese Geschichte zu Papier gebracht hat. Dabei habe ich seine Stimme, seine Persönlichkeit, vermisst. Es ist mir zu makellos erschienen. 

Diese Kritik liegt wahrscheinlich am Grundcharakter der Geschichte, weil sie eben nicht frei erfunden, sondern auf Gesprächen mit Pino Lella beruht. Ich denke, dass der Autor daher seine Persönlichkeit, seine Note, zurückgehalten hat.

Pino Lellas Leben hat mich berührt, mir Angst und gleichzeitig Mut gemacht. Ich ziehe den Hut vor jenen Menschen, die handeln anstatt zuzusehen, wenn anderen Unrecht widerfährt. In diesem Sinn spreche ich eine Lese- bzw. Hörempfehlung aus, und hoffe, dass Pino Lellas Geschichte vielen zu Ohr kommen wird. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.com

Aufwühlende Spannungs-Spirale

Das Schweigemädchen: Thriller - Elisabeth Norebäck, Daniela Stilzebach

Es war nur ein Augenblick der Unaufmerksamkeit als Stellas kleine Tochter während eines Urlaubs am Strand verschwand. Die Verzweiflung von damals hat sich zwanzig Jahre später gelegt. Stella hat sich mittlerweile ein gutes Leben aufgebaut. Sie hat eine Familie, arbeitet als Psychotherapeutin und fühlt sich in ihrem Umfeld wohl. Bis sie eines Tages ihrer Tochter gegenübersitzt. Oder irrt sie sich?

Dieser schwedische Psychothriller hatte es mir vom Klappentext her sofort angetan. Zudem haben Titel und Aufmachung einen fesselnden Spannungsroman versprochen, den ich mir nicht entgehen lassen wollte.

Stella ist Ende Dreißig und hat das Trauma um das Verschwinden ihrer Tochter einigermaßen überwunden. Sicherlich, es gibt Momente, in denen sie die Trauer packt. Dennoch hält sie sich an ihren interessanten Job als Psychotherapeutin, wo sie anderen Menschen aus Krisen hilft. Ihr charmanter Mann und ihr heranwachsender Sohn Milo stabilisieren Stellas Lebensglück. Sie ist erfolgreich, zufrieden und ausgeglichen.

Eines Tages holt sie in ihrer Ordination die Vergangenheit ein. Die neue Patientin Isabelle scheint die erwachsene Version ihrer verschwundenen Tochter Alice zu sein. Oder bildet sich Stella alles ein?

Der Roman wird aus drei Perspektiven erzählt, wobei die Blickwinkel von Stella und Isabelle wesentlich sind. 

Gemeinsam mit Stella zieht es einen den Boden unter den Füßen weg, als sie Isabelle erblickt. Nach und nach taucht man in Stellas aktuelles Leben ein, und erinnert sich schmerzlich an das Verschwinden von Alice in der Vergangenheit. 

Isabelle lernt man mitten in ihrem Studentenleben kennen. Sie ist eher introvertiert, obwohl sie versucht, Freundschaften zu schließen und sozial zu sein. Ihr Vater ist kürzlich verstorben und damit wurde ihr ein Geheimnis offenbart, das sie zu einer Psychotherapeutin - Stella - treibt.

Kerstin ist die dritte zentrale Figur im Bunde. Sie ist Isabelles Mutter und durchlebt aktuell eine drückende Situation. Der Tod des Ehemanns beutelt sie, der Umzug der Tochter nach Stockholm gibt ihr zu knabbern, und als Glucke fällt es ihr besonders schwer, sich von ihrem Kind zu trennen.

Maßgeblich an diesem Thriller ist der Wahnsinn, der um sich greift:

Stella kennt sich mit Nervenleiden aus. Das ist nicht nur beruflicher Natur. Nach dem Verschwinden ihrer Tochter Alice ist sie richtig durchgedreht und will bis heute nicht begreifen, dass ihr Mädchen im Meer umgekommen ist.

Isabelle glaubt von sich selbst, nicht normal zu sein. Isoliert wie sie aufgewachsen ist, hat sie es im Umgang mit anderen nicht leicht, und befürchtet, von ihnen als abnormal erkannt zu werden. Sie wünscht sich ein normales Studentenleben mit Freundinnen, einem festen Freund, guten Noten und einer Portion Spaß. Hier steht ihr das Elend ihrer Mutter im Weg, weil sie das schlechte Gewissen plagt.

Kerstins Instabilität zeigt sich in Überforderung. Sie schafft es nicht, sich um alltägliche Erledigungen zu kümmern. Kleinigkeiten strapazieren sie, und sie will nichts mehr, als ihre Tochter zu sich zu holen. 

Die Handlung ist durch diese drei Figuren fesselnd erzählt. Stella habe ich regelrecht beim Durchdrehen begleitet. Von einem ausgeglichenen Charakter schwankt sie rasch zur Hysterikerin um, die sich in blindem Aktionismus verfängt. Diese Spirale wird weiter, weiter und immer weiter getrieben. Nach gut zweihundert Seiten bin ich dann ungeduldig geworden, kurz bevor dieses Kreisen endlich durchbrochen wird. Länger hätte es meinem Geschmack nach nicht dauern dürfen, sonst wäre es langweilig geworden.

Der Großteil der Handlung beschäftig sich mit Stellas Suche nach Antworten auf die Fragen aus ihrer Vergangenheit. Warum glaubt ihr niemand, dass Alice am Leben ist? Was ist ihrem kleinen Mädchen damals passiert? Und ist es möglich, dass Isabelle Alice ist?

So liest man sich gebannt durch die Perspektiven von Stella, Isabelle und Kerstin. Manche Ahnung wird nach wenigen Seiten in Frage gestellt, doch viele meiner Vermutungen haben sich durchaus als richtig erwiesen.

Trotzdem fand ich diesen Thriller fesselnd erzählt. Ich wusste nie, ob ich die Figuren richtig einschätze oder ob ich sie falsch beurteilt habe. Elisabeth Norebäck spielt geschickt mit den Lichtverhältnissen, in denen sie ihre Protagonisten präsentiert. Man weiß nie, wer Täter oder Opfer ist, was ein hohes Spannungslevel bringt.

Leser, die Psychothriller im schwedischen Setting mögen, auf tiefe Charaktere und psychologische Spannung setzen, werden mit „Das Schweigemädchen“ eine aufwühlende Spirale der Emotionen erleben. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.com

Vom warmen Licht im Leben

Das warme Licht des Morgens: Roman - Franziska Fischer

Levi rettete ein Kind aus den Flammen und hat dabei sein Augenlicht eingebüßt. Er weiß nicht, was ihn angetrieben hat, das brennende Haus zu stürmen. Seither schließt er sich in seiner Wohnung ein, sperrt die Welt aus, und will nicht einmal mehr Bücher schreiben. Denn als Schriftsteller braucht er all seine Sinne, um die richtigen Worte zu finden. Bis das Kennenlernen mit Rea wieder Licht in sein Leben bringt.

"Das warme Licht des Morgens" ist ein melancholischer Roman der leisen Töne, der sich mit den Widrigkeiten des Lebens, den Entscheidungen die wir treffen, und den Menschen, die uns umgeben auseinandersetzt.

Levi ist Mitte Vierzig und hat im Schreiben seine Berufung gefunden. Doch als der Schriftsteller in einem Anfall von Heldentum ein brennendes Haus stürmt, ist er mit Blindheit geschlagen. Er schließt sich in der Dunkelheit seiner Wohnung und seines Lebens ein, und will an der Welt keinen Anteil mehr haben. Nur seine Tochter geht ihm bei ihren regelmäßigen Besuchen zur Hand. Sie hilft im Haushalt, kocht und versucht ihm Gesellschafterin zu sein.

Eines Tages lernt Levi die Kellnerin Rea kennen. Sie hat ein robustes Naturell und merkt schnell, dass der Autor Hilfe braucht. Schon allein, um die Tochter zu entlasten, schleicht sich Rea in Levis Alltag ein, und bringt damit Licht in sein Leben retour, auch wenn es anders strahlt als er es von früher kennt.

Dieser Roman ist ruhig und melancholisch geschrieben und hat nichts vom flotten Ton ähnlicher Werke. Die Geschichte ist ernst, bedacht und geht auf die Widrigkeiten des Lebens ein.

Damit ist allerdings nicht Levis Unfall gemeint, sondern dieses Werk beschäftigt sich mit all den Entscheidungen, die uns dahin führen, wo wir angekommen sind. Sei es, dass man sich von geliebten Menschen zurückzieht, weil einem anderes als wichtiger erscheint, oder man wild entschlossen einen großen Schritt auf seinem Weg wagt, der einem am Ziel vorbeilaufen lässt.

Es wird aus zwei Perspektiven erzählt. Den Hauptteil trägt Protagonist Levi, der dem Leser sein dunkles Leben näher bringt. Man lernt seine finstren Tage kennen, die Wohnung, durch die er sich bewegt, die kleinen Kniffe, durch die er den Alltag bewältigt, und Situationen, die er unmöglich allein schaffen kann.

Außerdem kommt Levis Tochter Robin zu Wort. In mehreren Passagen beleuchtet sie den Vater, den sie kannte, und den Mann, der er vor der Erblindung war. Robins Part ist überaus melancholisch. Meinem Gefühl nach liegt viel Wahrheit in ihren Worten. Sie arbeitet ihre Beziehung heraus, und zeigt, dass sie ihn immer liebt, egal wie sehr er sie enttäuscht.

Mir hat die Geschichte von Levi und Rea besonders gut gefallen. Lange Zeit ist nicht nachvollziehbar, wer Rea überhaupt ist. Sie strömt eine geheimnisvolle Aura aus, die mit Gutmütigkeit und Besonnenheit vollgesogen ist. Zudem hat sie einige Überraschungen parat, die der Story kleinere Höhepunkte verleihen.

Wie bereits eingangs erwähnt, handelt es sich um einen ruhigen Roman, der weder mit Dramen noch großen Wendungen dient. Die Autorin erzählt gleichförmig und fesselnd zugleich, was den Leser an die Seiten bannt.

Robins Part - die Rückblenden der Tochter und ihre Emotionen zu den Ausschnitten der Vergangenheit - hätte ich nicht unbedingt gebraucht. Dennoch wird dadurch Levis Charakter und sein bisherigen Leben ergänzt, was für die Geschichte ein rundes Gesamtbild schafft. 

Im Endeffekt ist es eine melancholische Geschichte, die trotzdem frohem Mutes ist und Hoffnung verspricht. Wer mit Levi seiner dunklen Welt entfliehen will, sollte Reas Hand ergreifen und das warme Licht des Morgens in sein Leben lassen. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.com

Mitten im Herz des Wilden Westens

Das wilde Herz des Westens - Alexandra Fischer-Hunold

Baltimore, 1865. Phoebe ist sich sicher, dass sie nur mit einem Cowboy als Ehemann glücklich wird. Nach dem Bürgerkrieg sieht sie ihre Chance in einer Heiratsannonce, und macht sich mit ihrer Freundin Briana auf zu ihrem Bräutigam. Allerdings weiß sie zu diesem Zeitpunkt nicht, dass ihr Zukünftiger ein gesuchter Räuber ist. Damit beginnt eine Reise mitten ins Herz des Westens, die Phoebe und Briana alles abverlangen wird.

Trotz der - meiner Meinung nach - kitschigen Aufmachung handelt es sich bei "Das wilde Herz des Westens" um einen historischen Roman, der quer durch die Prärie Amerikas führt. Natürlich spielen amouröse Umstände in die Geschichte rein, allerdings nicht in dem Ausmaß, wie das Cover vermuten lässt.

In diesem Roman geht es darum, dass " ... Cowboys auch Banditen sein konnten und Banditen auch Gentlemen. Dass eine Hure zur wahren Freundin werden und die große Liebe einen Mann quer durch die Prärie treiben konnte". (S. 432 - 433)

Es beginnt mit Briana, die als Kind in Phoebes Elternhaus aufgenommen wird. Sie ist irischer Abstammung, was damals schon einem Stigmata gleichkam. Briana hat einen Anschlag auf ihre Familie durch Zufall überlebt. Sie beißt sich durch, ist der Familie Harrington ergeben, und weiß nicht so recht, wohin sie ihr Leben führen wird. 

In Phoebes Augen wachsen sie und Briana als Schwestern auf. Als leibliche Tochter der Harringtons ist sie Wohlstand und ein gutes Zuhause gewohnt. Sie gibt sich leidenschaftlich der Lektüre von Groschenromanen hin, und weiß, dass sie eines Tages ihren Cowboy finden wird. 

Nachdem die Kindheit der Mädchen kurz angerissen wird, befindet man sich mitten im Trubel des Amerikanischen Bürgerkriegs. Mittlerweile sind Briana und Phoebe junge Frauen, die sich um Verwundete kümmern. 

Nach dem Krieg antwortet Phoebe in ihrer Naivität auf eine Heiratsanzeige, weil sie endlich einen Cowboy als Ehemann will. Briana begleitet sie auf die Reise, die sie ins wilde Herz des Westens - bis nach Montana führen wird. 

Zuerst lernt man die Frauen während des Krieges kennen, wie sie Verwundete versorgen, dem Arzt bei Amputationen zur Seite stehen, blutige Lappen auskochen oder erschöpft durch die Reihen der Toten gehen. Diese Szenen hat Alexandra Fischer perfekt eingefangen und mir vor Augen geführt. Schlimm ist, welche geringen medikamentösen Mittel zur Verfügung standen, und durch welches Leid diese Menschen gegangen sind. 

Danach nimmt die Handlung an Fahrt auf, weil sich Briana und Phoebe auf den Weg nach Missouri machen. Phoebe ist hoffnungsvoll, mit Vorfreude aufgeladen und absolut naiv - weil sie sich ihren zukünftigen Ehemann Silas wie einen Cowboy aus den Groschenromanen vorstellt. Hier musste nicht nur Briana den Kopf über ihre Freundin schütteln, ich hätte ihr ebenso gern ihre Fantasien ausgetrieben. 

„Ab diesem Moment waren sie zwei Frauen aus dem Osten, die auf dem Weg zu einem gesuchten Banditen durch Missouri fuhren“. (S. 86)

In Missouri eingetroffen, lernen wir Silas und seinen Bruder Jesse kennen, die nicht nur Phoebes neue Familie sondern auch Banditen sind.

Ab Missouri geht es im Siedlertrek quer durch die Prärie, weil sie Montana erreichen möchten. Dort wartet ein neues Leben - inklusive einer vielversprechenden Ranch - auf sie.

Ich habe die Reise in das wilde Herz des Westens genossen. Die Sonne brennt auf der Haut, der Wind weht durch die Prärie, was später in grausiges Wetter und eiskalte Nächte umschlägt. Alexandra Fischer hat den historischen Rahmen, die Atmosphäre, all diese Mühen, Anstrengungen und Gefahren perfekt in Szene gesetzt.

„In keinem von Phoebes Groschenromanen war zu lesen gewesen, wie das Leben in einem Planwagen ablief. Man schlief auf engstem Raum, kochte im Freien, wusch sich an Bächen, Flussläufen oder aus Eimern und verrichtete sein Geschäft am Wegesrand.“ (S. 146 - 147)

Zudem schärft sie das Auge für die damaligen gesellschaftlichen Bedingungen in Amerika. Zum Beispiel waren Iren gar nicht gerne gesehen, wurden fast schon mit Schwarzen auf eine Stufe gestellt. Sie haben gleichzeitig als aufgebrachter Mob oder garstige Banditen für Furore gesorgt. Hierzu wird man als Leser auch in städtisches Treiben versetzt, das in einem weiteren Handlungsstrang um den Iren Frank, in der Gesamthandlung seinen Platz findet.

Ich habe mich sehr, sehr gerne auf den Weg in das wilde Herz des Westens gemacht. Zwar gab es manchmal Passagen, die mir einen Hauch zu emotional geworden sind, diese gliedern sich dennoch exzellent in das Gesamtgeschehen ein, was absolut packend ist. 

Obwohl ich hier relativ viel über die Handlung erzähle, kann ich versprechen, dass das nicht einmal die Spitze des Eisbergs ist. Neben der anstrengenden Reise, etwas Gefühl und Emotion, und dem historischem Gegebenheiten, kommen spannende Krimi-Elemente und familiäre Verstrickungen vor, die äußerst spannend zu lesen sind.

Als Leser stoßt man in diesem Buch mitten in das wilde Herz des Westens vor, wo man in die gesellschaftlichen Abgründe Amerikas blickt, mehr über die Auswirkungen des Bürgerkriegs erfährt und die Geschichte zweier mutiger Frauen sowie der Siedler erfährt. Leseempfehlung!

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.com

Blutig-rustikaler Horror-Mix

Regulator - Stephen King, Richard Bachman, Joachim Körber

Die typische Kleinstadt-Idylle in Ohio. Blutrünstige Regulatoren rauschen durch die Straßen und erschießen jeden, der nicht rechtzeitig den Kopf einzieht. Dieser erste Rundumschlag ist der Anfang des Martyriums.

"Regulator" ist ein Horror-Roman von Richard Bachman alias Stephen King, der in Anlehnung an seinen Roman "Desperation" entstand. Die Werke können unabhängig voneinander gelesen werden.

Bei diesem Roman hat sich Stephen King mehrerer Genres bedient. In erster Linie ist es ein Horror-Roman, der mit Ängsten der amerikanischen Bevölkerung spielt. Im Wild-West-Style kommt es im beschaulichen Städtchen Wentworth zur Straßenschießerei, die jeden niedermetzelt, der sich nicht rechtzeitig retten kann. 

"Und weshalb war es gekommen? Nun ... um Spaß zu haben." (S. 286) 

Anfangs ist man als Leser mit dem Zeitungsjungen unterwegs. Die Bewohner der Stadt läuten das Wochenende ein. Autos werden gewaschen, Frisbees geworfen, und die Stimmung ist sommerlich gut, wenn nicht sogar hervorragend.

Wie aus dem Nichts ertönt der erste Knall, und dieser hat eine blutig-grauenhafte Realität im Gepäck. Die Leichen stapeln sich fast auf der Straße. Die Menschen sind fassungslos. Nur Audrey und ihr autistischer Adoptivsohn Seth wissen, was vor sich geht.

Audrey und Seth sind die Schlüsselfiguren im Geschehen, weil sie einen Wissensvorsprung gegenüber den anderen haben. Gleichzeitig sind sie im Zentrum des Grauens platziert und müssen überlegen, wie sie die Stadt vor den Regulatoren retten.

Stephen King greift tief in die Gestaltungskiste und behilft sich unterschiedlicher Arten, den Vorgängen rund um die Regulatoren Ausdruck zu verleihen. Es gibt die Perspektiven der Bewohner, die sich in ihren Häusern verschanzen, und den Tod ihrer Lieben betrauern. Zudem kommen Briefe, Tagebucheinträge, Drehbücher und sogar Kinderzeichnungen vor, die sich am Ende zu einem schaurigen Gesamtbild fügen.

Besonders atmosphärisch fand ich Audreys Briefe und ihr Tagebuch, weil sie die Hintergründe zum Geschehen erklären, und gleichzeitig gruselig sind. Hier kommt meine Lieblingsseite von King zum Ausdruck: Die psychologische Spannung, die mich als Leser an die Seiten bannt.

Die Perspektive des Kampf- und Verschanzungsgeschehen ist blutig-rustikal. Sie ist sicherlich nicht für zimperliche Leser geeignet. King lässt das Blut spritzen, sogar in Fontänen schießen, es kommt zu grausamen Verstümmelungen, dabei hat sich manchmal selbst mein Magen umgedreht.

Die Genre-Mischung ist sehr schräg und ich hatte manches Mal Mühe, den Ereignissen zu folgen. Zwar hat mich der Autor auch diesmal überzeugt, nur ist er hart an meiner Grenze entlang geschabt, weil es etliche wirre Momente gab. 

„ … willkürliche Grenzen interessieren sie nicht, schon gar nicht beim Spielen, dennoch stellt es eine schwindelerregende Verschmelzung von Genres dar …“ (S. 349)

Die Handlung ist simpel und dennoch eine Urgewalt. Stephen King versteht es, Fäden komplex zu ziehen und in ein grausames Spektakel zu verstricken, wobei man angewidert das Gesicht verzieht. Außerdem hat „Regulator“ ein Ende zu bieten, das letztendlich noch einmal die Gänsehaut aufziehen lässt.

Alles in allem ist „Regulator“ ein Horror-Roman, der die Facetten des Genres in einem Werk verschmilzt, und damit markant aus dem üblichen Rahmen fällt. Meiner Meinung nach ist es zwar nicht Kings bestes Werk, dennoch lesenswert, weil es gar so anders ist.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.com

Interessantes Gedankenspiel, leider nicht ausgereift

Nightmare: Alles hat ein Ende … nur der Tod nicht - Sara Metz

March weiß, wohin sie gehen wird. Nicht nur im Alltag, sondern ihr ist bewusst, was die Menschen nach dem Tod erwartet. Denn March kann sich seit ihrer Geburt daran erinnern, wodurch sie auf manche einen verrückten Eindruck macht. Plötzlich klopft ihr alter Schulkollege Jonah ans Fenster, weil er ihre Hilfe braucht. Aber Jonah ist schon sechs Jahre tot.

Sara Metz hat mit "Nightmare. Alles hat ein Ende ... nur der Tod nicht" ein interessantes Gedankenspiel angeregt und ihren Entwurf vom Himmel kreiert.

March weiß mehr als andere Menschen. Der Tod ist für sie nicht das unvorstellbare Ende des Lebens, sondern ein Übergang in eine andere Welt, wo sie schon gewesen ist. Eigentlich dürfte sie sich daran nicht erinnern, dennoch muss sie mit diesem Wissen leben.

Eines Nachts klopft es an ihrem Fenster und Jonah, ein ehemaliger Schulkollege, fleht sie um Hilfe an. Jonah ist schon sechs Jahre tot und hat sich heimlich aus den Staub gemacht. Er ist aus dem Himmel abgehauen.

Es folgt eine schräge Geschichte, die meiner Meinung nach viel zu viele Elemente vereint.

Zuerst ist da diese Himmels-Idee, die ungewöhnlich und gleichzeitig sehr ansprechend umgesetzt ist. Autorin Sara Metz regt mit ihrem Konstrukt zu einem fesselnden Gedankenspiel an, was richtig gut zu lesen ist.

Allerdings kommt auch noch Nightmare ins Spiel, der als brennender Rächer durch die Straßen zieht. Dieser Nightmare fackelt beliebig Häuser ab, Polizei und Presse sind ihm auf der Spur, und sogar March macht Bekanntschaft mit ihm.

Außerdem wird eine Schar an Figuren in die Handlung eingeführt, wodurch sie zusammengeschustert wirkt. Marchs Freunde kommen vor, die zwar äußerst sympathisch, meines Erachtens für die Handlung aber absolut unnötig sind. Mit ihnen pilgert March hin- und her, diskutiert ihre Situation oder stopft sich gemeinsam mit ihnen Fast Food in den Mund.

Weitere Figuren sind Jonah, der besagte Nightmare und ein Mann, dem Nightmare zu Dank verpflichtet ist. Das Geschehen zwischen Nightmare und diesem Mann - zu viel mag ich hier nicht verraten - hat auf mich unlogisch gewirkt und hätte außerhalb eines Fantasy-Romans niemals funktioniert. 

Insgesamt läuft die Handlung etwas planlos ab und wirkt gleichzeitig - aufgrund diverser Charaktere und Ereignisse - überladen. Es hat sich angefühlt, als ob die Autorin selbst nicht wüsste, worin das Ziel ihrer Figuren besteht. Eine flapsige Idee jagt die nächste, ohne dass der Zweck dieser Aktionen erkennbar ist.

Sara Metz' Schreibstil muss ich lobend erwähnen. Witzige Dialoge lockern das Geschehen auf und die Figuren sind mit Ecken und Kanten versehen. Sie zeigen schelmische Grundzüge, die der Handlung zusätzliches Amüsement verleihen. 

Unterm Strich bleibt ein interessantes Gedankenspiel, eine überladene Story, die in ihrer Handlung nicht ganz ausgereift wirkt, und dennoch amüsant zu lesen ist. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.com

Für den kleinen Horror zwischendurch

LEGENDEN: 1- Das Fahrstuhlritual -  Horror - Dana Müller

Justin glaubt nicht an Übernatürliches. Daher ist führ ihn klar, dass er das Fahrstuhlritual macht, als es bei seinen Freunden zur Sprache kommt. Doch schon während er von einem Stockwerk ins nächste rauscht, bekommt er ein mulmiges Gefühl. Wird er vom Bösen verfolgt?

"Das Fahrstuhlritual" ist Teil der Legenden-Reihe von Dana Müller, die sich mit schaurigen, modernen Sagen aus der Gegenwart auseinandersetzt. 

Beim Fahrstuhlritual an sich, fährt man mit dem Lift in einer bestimmten Reihenfolge verschiedene Stockwerke ab. Angeblich steigt eine Frau hinzu, die man weder ansehen noch sich mit ihr unterhalten darf, weil sonst Grauenhaftes geschieht.

Justin und seine Freunde erfahren von diesem Ritual und probieren es aus. Es folgt ein unheimlicher Horror-Trip, der sie im wahrsten Sinne des Wortes von ihren Füßen hebt.

Die Figuren sind großteils Jugendliche aus mehrstöckigen Wohnhäusern in Deutschland. Es gibt den smarten Justin, der grundsätzlich über den Dingen steht, den hirnamputierten Brutalo, der mit Drogen dealt, Justins besten Freund, der gleichzeitig Stammkunde des Dealers ist, und das Mädchen in der Runde, das eigentlich aus besseren Kreisen stammt.

Dana Müller beschreibt ein lebendiges Bild vom Alltag dieser Jugendlichen. Sie zeigt, wie sie eher am unteren sozialen Rand angesiedelt sind, ihre Freizeit außerhalb der beengten Wohnräume verbringen und sich gegenseitig zu Drogenkonsum sowie risikoreichen Aktionen anstacheln.

So kommt es, dass Justin in diesem Fahrstuhl landet, und dabei den Albtraum seines Lebens beginnt. 

Dieser Augenblick im Fahrstuhl war für mich der Höhepunkt der Story. Zwar gibt es auch andere Schockmomente, doch ich mag es besonders gern, wenn der Horror die Nerven kitzelt und nicht mit dem Hammer direkt vor einem steht. 

Die Handlung fand ich insgesamt spannend und anständig umgesetzt. Das Prinzip ist grundsätzlich nicht neu, und spielt mit dem Knock-out-System und dem Horror-Moment. Mir sind die Jugendlichen ein bisschen zu viel hin- und hergepilgert, während sie nach einer Lösung für ihr Problem suchen. Von der Stimmung her entspricht "Das Fahrstuhlritual" auf jeden Fall japanischen Horror-Schockern, was für eine Kurzgeschichte bemerkenswert ist.

Gestört hat mich der jugendliche Slang, der sogar für manche Figuren unverständlich war. Ich habe mir den Ausdruck mit der Banane gemerkt, der meint, dass man sich beeilen soll. Obwohl damit wohl Authentizität geschaffen wird, hat diese Wortwahl von Zeit zu Zeit doch den Lesefluss gebremst. Dennoch muss ich den Hut vor der Autorin ziehen, weil diese Jugendsprache sicherlich nicht leicht einzusetzen ist.

Meiner Meinung nach ist „Das Fahrstuhlritual“ für eine Kurzgeschichte bemerkenswert stimmungsvoll und mit gruselmäßigen Horror-Elementen spannend umgesetzt. Für den kleinen Horror zwischendurch ist es durchaus empfehlenswert.

 

 

Bisher erschienen:
Legenden 1. Das Fahrstuhlritual
Legenden 2. Die verfluchte Puppe
Legenden 3. Wachul, der Alte
Legenden 4. Der Werwolf
Legenden 5. Das Bloody Mary Ritual
Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.com

Höllische LIebe

Engelsfeuer  - Jana Oliver, Maria Poets

Die Dämonenfängerin Riley Blackthorne will nicht von Denver Becks Seite weichen, als er in seine Heimatstadt reist. Seine Mutter liegt im Sterben, die Dämonen spielen verrückt und ein Geheimnis aus Becks Vergangenheit holt ihn ein.

"Engelsfeuer" ist der vierte Band der Reihe um die Dämonenfängerin Riley Blackthorne. In Rileys Welt hat sich das Tor zur Hölle aufgetan und die Dämonen haben Atlanta fest im Griff. 

Protagonistin Riley Blackthorne hat sich in der Dämonenfänger-Zunft einen Namen gemacht. Als erste Frau geht sie die Lehre zur Dämonenfängerin an, hatte den Tod ihres Vaters verkraftet, und sich in ihren Kollegen Denver Beck verliebt.

Denver Beck war einst Lehrling ihres Vaters - ein wahrer Meister seiner Zunft - und hat sich vom grobschlächtigen Kriegs-Veteranen zum talentierten Fänger gewandelt. Allerdings holt Beck seine Vergangenheit ein, die seine Zukunft zerstören kann.

Meiner Meinung nach zeichnet sich diese Reihe durch die Protagonistin und das ungewöhnliche Setting aus. 

Die Reihe spielt großteils in Atlanta, was mittlerweile zur Dämonen-Burg mutiert. Dämonen machen den Menschen - wie Ungeziefer - das Leben schwer. Sie tauchen unvermittelt auf, heischen nach Seelen oder laben sich an Abfällen - je nachdem, welcher Art sie sind.

Gleichzeitig mischen der Himmel und gefallene Engel mit, wobei natürlich Luzifer persönlich Hand anlegt. 

Riley Blackthorne ist eher der knautschige Teenager-Typ. Obwohl sie sich stets bemüht, holt sie ihre tollpatschige Art ein, die sie mit viel Übung langsam in den Griff bekommt.

In diesem vierten Teil und Abschlussband der deutschsprachigen Ausgabe, steht allerdings die Liebe und ein höllisches Beziehungsdrama im Vordergrund. Beck und Riley reisen in seine Heimatstadt, weil Becks Mutter stirbt. Hier wird Beck mit seiner Vergangenheit, dem typischen Kleinstadt-Gehabe und den Sumpf Georgias konfrontiert.

Obwohl dieser Part gut geschrieben ist, war es für mich einfach nicht das, wofür die Reihe steht. Das Beziehungsgeplänkel zwischen Riley und Beck, seine Vergangenheit und eine damit verbundene Gefahr, nehmen die erste Hälfte dieses Bands ein. Alles ist exzellent beschrieben und meist spannend zu lesen, dennoch war ich froh, als dieser Teil hinter mir lag.

Und dann kommt die Hölle ins Spiel und die Reihe steuert auf ein dämonisches Finale zu, das gewohnt teuflisch zu lesen ist. Höllisch-heiße Kämpfe, satanische Machenschaften und diabolisches Kampfgeschehen schließen die Reihe in einem akzeptablen Ende ab.

Ich war gerne mit Riley Blackthorne auf Dämonenjagd, habe mich mit Vergnügen in dieser teuflischen Version unserer Welt bewegt, und hatte meist großen Spaß, wenn die Liebe nicht zu vordergründig war. 

Alles in allem ist die Reihe um Dämonenfängerin Riley Blackthorne lesenswert. Sie zieht den Leser in das originelle Setting der Höllenbrut, ist spannend und überzeugt mit apokalyptischen Kampfgeschehen. 

 
Die Reihe:
1) Aller Anfang ist die Hölle
2) Seelenraub
3) Höllenflüstern
4) Engelsfeuer
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Ein Horror-Roman der leisen Töne

Das Heim: Roman - Mats Strandberg, Nina Hoyer

Nach zwanzig Jahren kehrt Joel in seine Heimatstadt zurück, weil er sich um seine demenzkranke Mutter kümmern muss. Obwohl es ihm schwerfällt, gibt er sie in ein Seniorenheim, wo auf den ersten Blick alles besser ist. Doch dann ändert sich Monikas Verfassung drastisch: Sie nimmt dramatisch ab, wird ungewöhnlich ausfallend und spricht Geheimnisse aus, die sie nicht kennt ... 

Es beginnt mit Joel und den Umzug seiner Mutter ins Seniorenheim. Seit einem Infarkt leidet Monika an Demenz und ist mittlerweile eine Gefahr für sich selbst geworden.

Bereits hier lässt der Autor den Leser den Horror spüren. Monika ist zwar eine alte Frau, hätte aber ohne die Demenz sicher noch etliche gute Jahre vor sich. Und so steht man an Joels Seite und fühlt das Grauen, das diese Krankheit in den Alltag bringt: Monikas befremdliches Benehmen, ihr Unwissen über gemeinsame Erlebnisse, ihr Verhalten, das teilweise an ein Kleinkind erinnert, und die Tatsache, dass diese alte, verwirrte Frau Joels Mutter ist.

Das Grauen geht im Seniorenheim weiter, als man weitere demenzkranke Menschen kennenlernt. Hier spielt Strandberg gekonnt mit der Angst vor dem Lebensabend, dem körperlichen Verfall, der geistigen Verwirrung und den Menschen, die vielleicht ein Ausblick auf das eigene Ende sind. 

Der Autor beschreibt, wie sich das Pflegepersonal um diese Alten kümmert, wie die Angehörigen lieben, leiden oder ihnen den Rücken zudrehen, und dann fängt der Horror erst richtig an.

Denn Monika scheint eine Grenze zu überschreiten, die selbst für Demenzkranke außerhalb der Normalität liegt. Sie magert rasch ab, zeigt ein boshaftes Wesen und beängstigendes Verhalten, was nicht nur Joel das Fürchten lehrt.

Dabei dauert es relativ lange, bis sich der Roman zu seinem Genre bekennt. Anfangs leidet Joel unter der Krankheit seiner Mutter, hat selbst ein Problem mit seiner Vergangenheit, und versucht die Situation zu bewältigen. Dabei zieht sich sein älterer Bruder gekonnt aus der Affäre, während Joel mit den Nachwehen seiner Vergangenheit ringt.

Im Endeffekt hat Mats Strandberg ein beängstigend realistisches Horror-Szenario gekonnt mit dem üblichen Ablauf des Genres kombiniert. Ich war von der ersten Seite an gebannt, Joel hat mir leid getan, und das Geschehen im Seniorenheim habe ich mit verstörenden Interesse verfolgt.

Die Handlung ist ruhig erzählt, dafür trifft einem das schaurige Ambiente mit gnadenloser Wucht: Alte Menschen, die hilflos vor sich hin brabbeln, stille Nachtschichten im Seniorenheim, die vom Unheimlichen begleitet werden, sich verrenkende Körper, brechende Knochen und blutige Accessoires - darauf spricht man als Horror-Leser an. 

Insgesamt ist "Das Heim" ein Horror-Roman der leisen Töne, der durch die drückende Stimmung einen fesselnden Sog anrührt. Mats Strandberg holt das Grauen in den Alltag, wo die Realität auf das Unfassbare trifft - und äußerst böse zu lesen ist. 

 

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Charmant amüsant.

Seit ich dich gefunden habe: Liebesroman - Andrea Härtel, Nicci French

Honey steckt in der Bredouille. Ihre Freundinnen jagen sie von einem Blind Date zum nächsten, ihre Stelle in einem Altersheim ist bedroht, und dann ist da noch dieser unfreundliche Nachbar, bei dem nicht nur die Stimmung dunkel ist. 

Bei "Seit ich dich gefunden habe" handelt es sich um einen leichten Liebesroman, den ich unter Chick-lit einordne: Lockerer Schreibstil trifft auf eine vorhersehbare Handlung, was das Lesevergnügen absolut nicht trübt. 

Honeys Freundinnen meinen es gut mit ihr, als sie sich für sie auf die Suche nach dem Richtigen begeben. Denn sie hat da ein Problem, bei dem Fingerspitzengefühl gefragt ist, und daher kommt wohl nur ein Pianist in Frage. Daraufhin jagen sie Honey von einem Blind Date mit einem klavierspielenden Virtuosen zum anderen, wobei sie in abstruse Situationen gerät.

Es geht augenmerklich darum, dass Honey den Mann für's Leben sucht und ihre Freundinnen helfen ihr dabei, beziehungsweise, sie versuchen es. Die Kriterien für die Partnersuche sind witzig umgesetzt und zaubern manches Schmunzeln beim Lesen ins Gesicht. 

Während ihr Freundeskreis mit dem Pianisten-Projekt beschäftigt ist, nähert sich Honey ihren neuen - sexy, wirklich sehr, sehr sexy - Nachbarn an. Der hält sie gehörig auf Abstand beziehungsweise schlägt er ihr die Tür vor der Nase zu. Aber Honey lässt sich nicht so einfach abwimmeln, denn diesem Hal gehört zumindest mal die Meinung gegeigt. 

Und so läuft die Handlung an, die exzellent zu unterhalten weiß. Zwar hätten die Figuren mehr Tiefe vertragen, doch dann hätte die Handlung ihre Leichtigkeit eingebüßt, was ich daher verzeihen kann.

Honey ist der Bridget-Jones-Typ. Zumindest merkt man, dass die Autorin diese Figur beim Schreiben vor Augen hatte. Sie tritt auch mal in ein - oder mehrere - Fettnäpfchen, spricht ohne zu denken ihre Gedanken aus oder denkt viel zu viel im Vorhinein, was sie auch nicht weiterbringt.

Hal ist der Bad Boy der Story, der im Endeffekt gar nicht so böse ist. Er hat sein Päckchen zu tragen, denn das Schicksal hat es nicht gut mit ihm gemeint. Jetzt muss er erst einmal schauen, wie er wieder auf die Füße kommt.

Weitere Themen sind Sex - in diversen Varianten - der augenzwinkernd in die Handlung fließt, teilweise übermäßiger Alkoholkonsum, der doch etwas zum Nachdenken anregt, und wie es ist, wenn sich die eigene Welt drastisch verändert hat. Zugegeben, das Sexthema ist albern umgesetzt. Doch da ich an einen Chick-Lit-Roman keine anderen Ansprüche habe, hat mich dieser Aspekt nicht gestört. 

Zusätzlich zur Haupthandlung geht es um das Altersheim, weil es geschlossen werden soll. Ehrlich gesagt, dieser Strang hat mich überhaupt nicht interessiert und ich war immer froh, wenn ich abends mit Honey nachhause ging.

Der Schreibstil ist leicht und flockig. Ich bin durch die Seiten geflogen, denn ich wollte immer wissen, wie es weitergeht, obwohl es keine großen Überraschungen gibt. Allein dafür muss Kat French Lob ausgesprochen werden, weil es trotzdem ein wahres Vergnügen ist.

Alles in allem ist „Seit ich dich gefunden habe“ ein charmanter Liebesroman, der durch amüsante Situationen, mit fiesen Dialogen und einem außergewöhnlichen - verdammt sexy! - bösen Jungen punkten kann. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.com

Ein authentischer Kriegsroman

Wintermänner - Oliver Wronka, Jesper Bugge Kold, Amazon Web Services

Deutschland in den 1930er-Jahren. Die Brüder Karl und Gerhard haben ein gutes Leben. Doch dann reisst sie die Nazibewegung mit. Sie geraten in einen Strudel aus Systemtreue, Faschismus und Krieg, der ihnen den Boden unter den Füßen wegzieht. 

"Wintermänner" ist ein zeitgeschichtlicher Roman über ein ungleiches Brüderpaar, das durch den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg einen ähnlichen Weg einschlägt. Eindrucksvoll, bedrückend und verstörend schildert Autor Jesper Bugge Kold die Lebenswege von Karl und Gerhard, die als Söhne reicher Eltern, zu stolzen Männern und später SS-Offizieren werden, und auf der Flucht vor ihrem eigenen Dasein sind.

Es gibt viele Romane über den Zweiten Weltkrieg. Meistens beschäftigen sie sich mit den offensichtlichen Opfern der Kriegsjahre. Egal ob es nun Juden, die Zivilbevölkerung oder einfache Soldaten sind - sie und ihr Schicksal werden oft in Erzählungen thematisiert.

Dieser Roman widmet sich zwei Brüdern, die auf den ersten Blick eindeutig Täter sind. Karl und Gerhard, beide SS-Offiziere, haben den Krieg aus einer anderen Perspektive erlebt. Diese Geschichte zeigt, dass auch sie Opfer der Zeit, der Widerlichkeiten und der Umstände sind.

Die Protagonisten lernt man im erwachsenen Alter kennen, genau zu der Zeit, als die Nazibewegung Fahne schwingend durch Deutschland zieht. Karl hat die Textilfabrik der Eltern übernommen, und grämt sich ein bisschen, weil er gegen Hugo Boss den Kürzeren gezogen hat. Wenigstens hat ihm das Regime mit der Produktion der regulären Wehrmachtsuniformen betraut. Hingegen geht Gerhard in seiner Mathematik-Professur auf. Er hat sein Ziel erreicht, und darf an der Universität die Freuden der Zahlen lehren. Allerdings werden die Studierenden weniger, und sein Vorgänger ist in die USA emigriert. 

Daraufhin werden die Brüder in den Sog des Nationalsozialismus gezogen. Einer steht voller Stolz an der Front und kämpft für sein Vaterland. Der andere darf die Mobilmachung überwachen, und addiert im Hintergrund. Auch wenn das Schicksal die beiden Brüder auseinanderreißt, so erleben sie die Schrecken des Krieges gleichermaßen, was aus moralisch einwandfreien Menschen Kriegsverbrecher macht.

Anfangs wusste ich nicht so recht, worauf ich mich bei diesem Roman eingelassen habe. Soll dieses Werk eine Entschuldigung für die verbrecherischen Machenschaften von SS-Offizieren sein? Ich war schon skeptisch, weil von Vornherein klar ist, auf wessen Seite man während des Lesens steht. 

Doch Jesper Bugge Kold zeigt grandioses Gespür für Grauschattierungen. Er zeichnet die Lebenswege von Karl und Gerhard, ihre Hoffnungen, Ängste und die Beweggründe, warum sie überhaupt in diese Position gekommen sind. 

Ich habe mit den Brüdern und ihrer Familie mitgefühlt. Manches Mal hielt ich den Atem an, weil ich den Gestank der Soldatenleiber nicht mehr ertragen habe. Dann musste ich mit den Protagonisten die Augen schließen, weil ihre Taten so grausam waren. Zum Ende hin waren sie und ich wie betäubt, weil wir uns dem Leben und der Rolle darin gefügt hatten.

Für mich ist "Wintermänner" ein unheimlich ergreifender Roman, der die Täter zu Menschen macht. Es gibt kein Pardon für ihre Taten. Trotzdem zeigt der Autor, wie rasch eine falsche Entscheidung den dunklen Weg zum Kriegsverbrecher bereiten kann.

Meiner Meinung nach ist "Wintermänner" ein schonungsloser Kriegs-Roman, der authentisch und absolut glaubwürdig wirkt, und den Leser mit der abscheulichen Realität des Zweiten Weltkriegs in seinen Grauschattierungen konfrontiert. 

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Ein wahrer Krimi-Klassiker

Mord im Orientexpress: Ein Fall für Poirot - Agatha Christie, Otto Bayer

Hercule Poirot hat gerade noch ein Abteil im Orientexpress bekommen, weil der Zug für die Jahreszeit regelrecht überfüllt ist. Allerdings kann er sich auf der Reise nicht gemütlich zurücklehnen, weil ein Mord während der Nacht geschehen ist.

"Mord im Orientexpress" ist ein berühmt-berüchtigter Klassiker am Krimihimmel, der trotz seines Alters nach wie vor keinen Staub ansetzt. Spannung, Rätsel und Unterhaltung bietet Agatha Christie mit ihrem Star-Ermittler Hercule Poirot im Orientexpress.

Es dauert eine Weile, bis Hercule Poirot den Orientexpress besteigt. Christie lässt sich Zeit, um ihren Protagonisten in den Zug zu verfrachten. Sie beleuchtet die Umstände seiner Reise, beschreibt seine exzellente Beobachtungsgabe, und lässt ihn dann den Orientexpress besteigen, weil er auf dem Weg zu seinem nächsten Fall ist.

Wie nah er seinem neuen Fall schon ist, ahnt Poirot natürlich nicht. Aber es dauert nicht lang, bis eine Leiche in einem Schlafwagen gefunden wird. Der Tote wurde interessanterweise von niemanden gemocht, und es gibt ein Geheimnis, das ihn noch unsympathischer werden lässt.

So findet sich Poirot mitten in einer Schar Verdächtiger, die allesamt unschuldig wirken. Doch der Mörder befindet sich sicherlich im Zug - und Poirot wird dem Rätsel auf die Spur kommen. 

Wie schon erwähnt, zuerst werden die Umstände der Reise beschrieben, und so ist jedes kurze Kapitel einem Abschnitt gewidmet. Nach dem Mord geht Agatha Christie weiterhin systematisch vor und teilt jeden Schritt Poirots in Kapitel ein. Auf diese Weise erhält nicht nur die Leiche ihre eigene Überschrift, sondern es wird jeder Zeuge kapitelweise vernommen, was wie ein Puzzle zu lesen ist.

Ich bin von den schillernden Fahrgästen im Orientexpress sehr angetan. Agatha Christie verleiht ihnen trotz der Kürze der Erzählung ein Gesicht. Man spürt die Gruppendynamik im Zug, die aufgebrachten Gemüter, die beflissene Beherrschung und wie sich alle gegenseitig mustern.

Hercule Poirot ist nunmal ganz Star-Detektiv seiner Zeit und lässt sich von äußeren Umständen nicht aus der Ruhe bringen. Er breitet alle Indizien vor sich aus, schließt Unmögliches aus und kommt zu einer Erklärung, die sich mit allen Wassern gewaschen hat. 

„Wir haben das Letzte herausgeholt. Alle Tatsachen liegen wohlgeordnet vor uns ausgebreitet. Die Fahrgäste haben einer nach dem anderen hier gesessen und ihre Zeugnisse abgelegt. Wir wissen alles, was es zu wissen gibt …“ (S. 203)

Obwohl der Tathergang im Nachhinein betrachtet auf der Hand liegt, bin ich nicht darauf gekommen. Genauso müssen sich die Wegbegleiter Poirots fühlen, weil er ihnen stets weit voraus ist.

Meiner Meinung nach ist "Der Mord im Orientexpress" ein wahrer Krimiklassiker mit großem Unterhaltungspotential, der unheimlich interessant und amüsant zu lesen ist. 

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Schmählicher Garagen-Horror

Der Buick: Roman - Stephen King, Jochen Schwarzer

An einer Tankstelle in Pennsylvania. Ein Buick fährt an die Zapfsäule, der Fahrer - ganz in Schwarz - verschwindet, und die State Trooper bleiben mit einem gefährlichen Mysterium zurück ... 

"Der Buick" ist ein ungewöhnlicher Horror-Roman von Stephen King, dem es zwar nicht an schriftstellerischem Können, sondern deutlich an Handlung mangelt. 

Ned Wilcox' Vater war Cop bei den State Troopers bis dieser eines traurigen Tages bei einer Verkehrskontrolle von einem Auto überrollt wird. Seither ist der Junge in Trauer gefangen und hilft gern bei der ehemaligen Arbeitsstelle seines Vaters aus: dem Polizeirevier.

Dieses Revier birgt ein schauriges Geheimnis, dass die Älteren für sich bewahren und nur im engsten Kreis weitergeben. Vor Jahrzehnten wurde ein Buick an einer Tankstelle verlassen, und seither kümmern sich die State Trooper um das gute Stück. Denn dieses Auto ist gefährlich, selbst dann, wenn es nur im Schuppen steht. 

Die Handlung selbst gibt leider nicht viel her. Es geht tatsächlich nur um ein altes Auto, das in einer Garage abgestellt ist. Dieser Wagen wird von den Polizisten gut bewacht, weil er äußerst sonderbar ist. Im Schuppen hat es meist nur um die 13 ° C, obwohl draußen hochsommerliche Temperaturen sind. Er veranstaltet schon einmal eine Lichtshow, gebiert ekelerregende Pflanzen und Tiere im Kofferraum, und hat sogar den einen oder anderen Menschen eingesaugt - was innerhalb der State Trooper aber eine Streitfrage ist.

Ned Wilcox erfährt von diesem Wagen, weil er ihn beim Saubermachen entdeckt. Es kommt zu einer Lagerfeuer-Situation und die alten Cops berichten ihm davon. 

Ambiente und Erzählstil haben hier eindeutig einen Hauch von Gespenstergeschichten um Mitternacht. Ich habe es förmlich vor Augen gesehen, wie die alten Herren - und eine Dame - auf der Raucherbank vor dem Revier zusammen sitzen und die Geschichte von dem Buick erzählen. Es schüttelt sie, die Angst von damals kriecht ihnen den Nacken hoch, und gleichzeitig sinnieren sie über ihre Erfahrungen, die der Beruf mit sich bringt.

Am Erzählstil gibt es nichts zu kritisieren. Stephen King schafft diese einnehmende Atmosphäre, er stellt die Figuren und ihre Geschichte vor und haucht ihnen Leben ein. Meiner Meinung nach ist die Handlung um den Buick das Problem, weil sie nicht viel hergibt. Der Meister hat eine Kurzgeschichte genommen und zu einem Roman gedehnt. Dadurch wird es zäh, es gibt keine Höhepunkte sondern maximal Erhebungen. Die gesamte Story zieht sich wie klebriger Sirup hin. Es bleibt nur, den hochgradigen Schreibstil und das unvergleichbare Ambiente zu genießen, was für den Autor so eigen ist.

Meiner Meinung nach ist „Der Buick“ ein ernüchternder Roman, der leider überhaupt nicht zeigt, was der Meister des Horrors kann. King brilliert durch sein Erzählen, nimmt sich durch die schmähliche Handlung aber selbst den Glanz. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.com