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Stephen King
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Die Geheimnisse der Welt: Roman (Taschenbücher)
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Daniel Defoe
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Distanzierter Thriller

The Couple Next Door: Thriller. - Sonic Boom Studios Fach / Khromov GbR Alex Khromov, Shari Lapena, Friederike Kempter

Marco und Anne wollen einfach ein ruhiges Dinner bei den Nachbarn verbringen. Die Nachbarin verlangt aber, dass sie ihr Baby daheim lassen und die frischgebackenen Eltern zögern kaum. Immerhin kann man das Babyphon mitnehmen und im halbstündigen Takt nach den Nachwuchs sehen. Doch dann ist die Wiege leer …

Allein die Ausgangslage hat mich sofort fasziniert. Es ist wahrscheinlich der Albtraum aller Eltern, dass auf einmal das Kind weg ist. Natürlich macht man sich Vorwürfe, weil man das Kleine allein gelassen hat, wobei es wahrscheinlich sonst genauso hätte passieren können.

Es folgt ein kniffeliger Thriller, der den Leser immer wieder mit neuen Enthüllungen konfrontiert. Mit der Zeit hat man jede Figur unter Verdacht und es ist spannend, die Hintergründe zur Tat zu verfolgen. Wurde das Kind entführt oder gar ermordet? Haben die Eltern vielleicht ein Motiv oder wurde es von einem Fremden genommen?

Diese Fragen stellt man sich gemeinsam mit der Polizei, wobei man als Leser den Vorteil hat, die Geschehnisse aus den Perspektiven der Eltern zu verfolgen. Die Sichtweisen von Anne und Marco wechseln sich ab und so bekommt man einen Einblick, was wirklich geschehen sein könnte. Jede der Figuren hat eine dunkle Seite, der man nach und nach auf die Schliche kommt.

Außerdem wird ein Ermittler der Polizei als weitere Perspektive ins Spiel gebracht. Diese Passagen habe ich besonders gern gehört, weil ich hier meine Gedanken und Mutmaßungen zu den Eltern und Geschehnissen ordnen konnte. Zusätzlich hat der Ermittler noch ein paar interessante Geschichten aus der Vergangenheit aufgedeckt.

Der Thriller lebt allein von den Figuren und dieser Punkt hat mich gestört. Die Autorin spart an Ausschmückungen sowie Atmosphäre und setzt allein auf die Beziehungsebene der Charaktere. Gleichzeitig hält sie sich mit Emotionen stark zurück und es werden tatsächlich nur aktuelle und vergangene Ereignisse abgehandelt, um die Verbindung der Figuren untereinander zu beleuchten. Dieser nüchterne Stil konnte mich nicht ganz packen. Es war zwar interessant zu hören, dennoch ist die Spannung mit der Zeit abgeflaut, obwohl ich gar keinen konkreten Verdacht im Hinterkopf hatte.

Die Handlung ist okay, nachvollziehbar und für dieses Genre leider typisch - sehr überkonstruiert. Von allen Ecken und Enden werden Motive ins Spiel gebracht, die halt überzufällig ihren Weg in die Geschichte gefunden haben. Daher empfinde ich „The Couple Next Door“ als gutes Buch, das man zwischendurch hören oder lesen kann, und das meiner Meinung nach einem passablen Durchschnitt entspricht.

„The Couple Next Door“ ist ein Thriller, der mit den Geheimnissen seiner Figuren spielt, und durch genreübliche Wendungen besticht. Latent spannend, jedoch sehr distanziert, lädt Shari Lapena den Leser in den Albtraum aller Eltern ein.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Das Flammende Phantom

Lockwood & Co. - Das Flammende Phantom (Die Lockwood & Co.-Reihe, Band 4) - Katharina Orgaß, Gerald Jung, Jonathan Stroud

Die Geisteragentur Lockwood & Co. geht in die vierte Runde. Diesmal führt sie die Spur mitten zu den großen Agenturen, die sie mittlerweile als ernstzunehmende Mitbewerber betrachten. Dabei haben sie es mit furchteinflößenden Verbrechen zutun und es gilt, jede verfügbare Unterstützung heranzuziehen.

Es handelt sich um den 4. Band der Lockwood & Co.Reihe und damit um den vierten Fall dieser Geisteragentur, die sich mit unerschütterlichem Charme und erschreckendem Esprit der Geisterplage in London stellt. Allen voran Anthony Lockwood, der an der Spitze seiner Agentur mit lebensbedrohlichem Einsatz den Geistern das Fürchten lehrt. Außerdem sind nach wie vor George, das Gehirn der Truppe, und Holly, in ihrer absoluten Perfektion am Werk, die sich nicht nur mit der Geisterwelt sondern auch gleich mit den altehrwürdigen Geisteragenturen anlegen.

Sich mit Deo anzufreunden, würde auch nichts schaden“, kommentierte Sir Rubert Gale von hinten und tätschelte George die Schulter. (S. 364)

Bei Lockwood & Co. habe ich mich von Anfang an wohlgefühlt und ich freue mich, dass auch dieser Band der Reihe mit seinen Vorgängern im Großen und Ganzen mithalten kann. Die Agentur zeichnet sich durch Unfähigkeit, Unprofessionalität und Unseriösität aus, was nicht nur den Geistern das Fürchten lehrt:

„… wenn du willst, kannst du für uns arbeiten. Wir sind sowieso unseriös.“ (S. 365)

Wie immer wird der Fall von Lucy erzählt. Sie hat sich im letzten Band von Lockwood & Co. getrennt, doch muss sie sich bei diesem Fall erneut auf eine Zusammenarbeit mit George, Holly und Big Boss Lockwood himself einlassen.

Lucy ist der absolut uncharmante Typ, die sich trotz all ihrer Bemühungen durch ihr Talent für prekäre und unangenehme Situationen auszeichnet. Während Nebenbuhlerin Holly in strahlender Perfektion glänzt, landet Lucy in bescheidener Eleganz auf ihrem Hintern und hat sich von oben bis unten eingesaut. Allerdings wäre es nicht Lucy, wenn sie dafür nicht durch ihren scharfen Sinn für die Geisterwelt besticht, indem sie sie hören und mit manchen Geistern sogar reden kann.

Außerdem trägt sie einen Schädel im Glas mit sich herum, mit dem sie tiefsinnige Gespräche führt, der in diesem Fall eine wichtige Rolle spielt. Dieser grausliche Schädel ist ein Element, auf das ich nicht mehr verzichten will. Mysteriöse Andeutungen, boshaftes Geplänkel oder furchterregende Fratzen - so ein Schädel im Glas ist schon eine Besonderheit:

„Ich schlafe nie. Es ist mir nicht vergönnt. Genauso wenig, wie es mir vergönnt ist, in der Nase zu bohren, im Traum zu schmatzen oder während der Morgengymnastik zu furzen.“ (S. 47)

Der Fall selbst geht diesmal auf den Ursprung der Geisterplage zurück und ich bin nach einiger Zeit mit Spannung durch die Seiten geflogen. Seit Beginn an fragt man sich als Leser, wie es dazu gekommen ist, dass sich die jenseitige Welt in die unsrige begibt, und Autor Jonathan Stroud ist uns diesmal einen kleinen Einblick vergönnt.

Die Handlung an sich hat mir gut gefallen, obwohl sie bei diesem Fall ein bisschen gebraucht hat, bis sie so richtig Fahrt aufgenommen hat. Vielleicht bin ich durch die vorherigen Bände zu sehr verwöhnt, doch es hat gedauert, bis es mich richtig packen konnte.

Der Stil ist nach wie vor unschlagbar gehalten. Die Agenten von Lockwood & Co. hatte ich von Anfang an gern und der sarkastische Erzählstil, die witzigen Sticheleien und der trockene Humor geben auch diesem Band den geistreichen Esprit, der einen durch die Geschichte sausen lässt.

Wer mit Lockwood & Co. schon ermittelt hat, wird auch diesmal ein begeisterndes Abenteuer erleben und wer noch zögert, sollte sich eventuell mal den 1. Band schnappen.


Die Reihe:
1) Lockwood & Co. Die Seufzende Wendeltreppe [Rezension lesen]
2) Lockwood & Co. Der Wispernde Schädel [Rezension lesen] 
3) Lockwood & Co. Die Raunende Maske [Rezension lesen]
4) Lockwood & Co. Das Flammende Phantom
Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Vater und Tochter

Gehe hin, stelle einen Wächter - Der Hörverlag, Harper Lee, Nina Hoss

Jean Louise Finch macht einige Tage Urlaub in ihrer Heimatstadt Maycomb. Aus dem multikulturellem New York treibt es sie ins konservative Alabama zurück, wo sie schon früher auf die Grenzen der Toleranz ihrer Mitmenschen traf.

Denn Jean Louise Finch ist niemand anders als Scout, das kleine Mädchen, das im Weltklassiker „Wer die Nachtigall stört …“ tausende Herzen im Sturm erobert hat.

Demzufolge handelt es sich um eine Art Fortsetzungsroman, der kaum unabhängig gelesen werden kann. Meiner Meinung nach ist es notwendig, die Figuren bereits zu kennen, damit man der Handlung folgen kann.

Im Vordergrund steht wieder der Schwarz-Weiß-Konflikt. Dieser Roman behandelt die Südstaaten, die Rassentrennung und wie die Menschen in den 1950er-Jahren mit diesem Thema umgegangen sind. Gleichzeitig beschäftigt sich die Autorin mit einem Vater-Tochter-Konflikt. Sie beleuchtet genau diesen Moment, in dem Kinder - egal welchen Alters - begreifen, dass ihre Eltern doch nicht allmächtig und über alles erhaben sind.

Scout kommt aus New York nach Maycomb, Alabama zurück und muss der Wahrheit ins Gesicht blicken. Der Zauber der Kindheit ist verflogen und sie ist nun eine erwachsene Frau, die vieles mit anderen Augen sieht. Die Rassentrennung wird in Maycomb nach wie vor konsequent umgesetzt, dennoch zeigt sich, dass liberalere Wege eingeschlagen werden. Die Schwarzen finden langsam zu einer gewissen Selbstbestimmtheit, während die meisten Weißen diesen Veränderungen sehr skeptisch gegenüberstehen.

Das Wiedersehen mit Scout ist wunderbar! Oft stellt man sich beim Lesen die hypothetische Frage, was wohl aus diesem oder jenen Charakter geworden ist. In „Gehe hin, stelle einen Wächter“ gibt die Autorin selbst die Antwort darauf. Über manche Entwicklungen bin ich sehr traurig gewesen, weil ich mir doch bessere bzw. andere Lebenswege erhofft hatte. Trotzdem empfinde ich sie allesamt als authentisch und es wurde sehr glaubwürdig rübergebracht.

Im Vordergrund der Handlung steht Scout und wie sich ihre magische Welt der Realität beugen muss. Vorbei sind die Tage, in denen sie mit ihrem Bruder auf der Veranda herum getobt ist, beantwortet die Fragen, auf die ihr Vater Atticus immer die richtige Antwort hatte, und gewesen die Momente, in denen sie sich hingebungsvoll in die liebevollen, schwarzen Arme von Haushälterin Calpurnia geworfen hat.

Der Erzählstil ist sehr ruhig und besteht aus vielen Dialogen, wobei es zum Ende hin schon eher Monologe werden. Dabei hatte ich manchmal das Gefühl, dass dieser Roman noch nicht fertig geschrieben ist. Oft wirkt es wie ein Entwurf, aus dem nie eine Endfassung wurde. Nichtsdestotrotz hat mich Scouts Rückkehr nach Maycomb aufgewühlt und es war schön, sich gemeinsam mit ihr an ihre Jugend zu erinnern. Denn so manche Episoden daraus sind ein herzliches Lachen wert.

Ich habe gehört, dass Harper Lee dieses Buch eigentlich nicht veröffentlichen wollte und kann schon verstehen, dass sich die Autorin einige Zeit geziert hat. Denn es ist ihr natürlich nicht gelungen, die dichte Atmosphäre ihres Meisterwerks aufrecht zu erhalten. Weder die Magie der Kindheit noch die drückende Hitze der Südstaaten konnte ein weiteres Mal von ihr eingefangen werden, dennoch bleibt ein beachtlicher Roman, der gut zu hören und bestimmt auch zu lesen ist. 

Scout ist erwachsen geworden und die Welt hat sich verändert. Ob sie für Jean Louise Finch besser geworden ist, muss man beim Lesen oder Hören aber schon selbst erfahren.

Wem „Wer die Nachtigall stört …“ gefallen hat und gern wissen möchte, was aus dem kleinen Wildfgang Scout geworden ist, dem rate ich zu dem Buch zu greifen. Auch wenn es dem Vergleich mit Harper Lees Meisterwerk keinesfalls Stand hält, regt es doch zum Nachdenken an.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Der letzte Stern

Der letzte Stern: Die fünfte Welle 3 - Roman (German Edition) - Thomas Bauer, Rick Yancey

Die erste Welle brachte die Dunkelheit, danach kamen die Zerstörung und der Tod. Die vierte Welle hat das Vertrauen der Menschen weggespült und nun steht zu guter Letzt die fünfte Welle am Programm.

„Der letzte Stern“ ist der Abschlussband von Rick Yanceys Trilogie um das Ende der Menschheit und wie sie von Aliens vernichtet wird. 

Menschen sind tot, Häuser sind zerstört, ganze Städte liegen als ausgebrannte Gerippe brach, und die Menschen bringen sich gegenseitig um, weil dein bester Freund, eigentlich dein Feind sein kann.

Mitten in diesem Inferno gibt es nur mehr wenige Überlebende. Cassie, Ben und Evan stellen sich dem Kampf gegen das Ende, auch wenn ihr eigenes Leben der Preis dafür ist.

Die Handlung ist grandios! Rick Yancey hat ein wahnsinnig komplexes, düsteres und exzellent durchdachtes Szenario erschaffen, dass an Perfidität kaum zu überbieten ist. Die Menschheit wird systematisch von der Erde getilgt und die Aliens scheinen tatsächlich an alles gedacht zu haben. Wie soll sie sich gegen die Vernichtung wehren, wenn sie sich niemals zusammenschließt? Die fünfte Welle naht und damit wird die Erde letztendlich den Anderen gehören …

Trotz der großartigen Handlung hat mich der Autor mit seinen vielen Perspektivenwechseln verwirrt. Einmal ist man Cassie, dann wieder Evan, ist mit Ringer unterwegs oder bekommt von einem fremden Priester die Welt erklärt - ich glaube damit hätte die Spannung angeheizt werden sollen, jedoch hat es bei mir stark den Lesefluss gehemmt.

Denn von den Figuren sind meinem Empfinden nach nur die Sichtweisen von Cassie und Evan wirklich gut ausgearbeitet. Sobald ein Abschnitt aus ihrer Perspektive erzählt wurde, wusste ich, mit wem ich es zutun hatte. Bei den anderen Charakteren war es mühsam, sich zu orientieren und sich zu erinnern, wie diese Person ins Gesamtbild passt. Es ist wirklich schwierig, den Überblick zu behalten, weil die Vielzahl an Figuren auch noch zwei unterschiedliche Namen hat. Damit hat sich der Autor meiner Meinung nach selbst ausgebremst und das Lesevergnügen deutlich beeinträchtigt.

Schon im Mittelband ist mir dieses Punching-Ball-Verfahren negativ aufgefallen. Ständig wird man von einer Perspektive zur anderen und von einer Figur zur nächsten geworfen, dabei auch noch im Kreis gedreht, bis man ganz wirr im Kopf vor der Gesamthandlung steht. Ich hätte mir gewünscht, dass Yancey zu seinem ausgezeichneten Stil aus dem 1. Band zurückfindet, was leider nicht der Fall gewesen ist.

Das Ende hat mich doch im positiven Sinn überrascht und ich habe mich gefreut, dass der Autor Nägel mit Köpfen macht. Es wird dramatisch, es wird brenzlig und spannend zugleich, wobei aber die meisten Geheimnisse schon im Mittelband gelüftet sind.

Ob man sich den Abschlussband wirklich gönnen soll, kann ich nicht beurteilen. Ich denke, wer den Mittelband mochte, sollte auch noch das Ende miterleben, weil es von der Handlung her schon lohnenswert ist. 

Alles in allem finde ich es schade, dass Rick Yancey durch den wirren Stil meistens die Spannung aus seinem großartigen Endzeit-Szenario nimmt. Ich hätte es gern mehr genossen und mich an die Seiten fesseln lassen, was leider durch die zu abwechslungsreiche Erzählweise nicht möglich war. 

 

Die Trilogie:
1) Die fünfte Welle [Rezension lesen]
2) Das unendliche Meer [Rezension lesen]
3) Der letzte Stern

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Kein Burner

Fireman: Roman - Ronald Gutberlet, Joe Hill

Eine Pandemie brandet über die Welt. Bei Infizierten bilden sich Muster auf der Haut bis, sie am Höhepunkt der Krankheit in Flammen aufgehen. Mitten in diesem Inferno versucht Krankenschwester Harper den Leidenden Trost zu spenden. Bis sie selbst an Dragonscale erkrankt und merkt, dass sie schwanger ist.

Tragende Themen sind jedoch Gruppendynamik, Abhängigkeit und sektenartige Gemeinschaften, die die Augen vor der Realität verschließen. Zwar ist die Pandemie als Auslöser für die Handlung zu betrachten, rückt aber sehr weit in den Hintergrund und das Endzeit-Szenario verschwindet fast vollständig.

Bei diesem Werk war ‚Pandemie‘ das Schlüsselwort für mich. Ich habe mich auf ein horrormäßiges Endzeit-Szenario gefreut und hatte erwartet, dass der Fireman eine spannende Rolle darin spielt. Doch so ganz bin ich nicht für diesen Roman entbrannt.

Ja, es geht eindeutig um die Pandemie. Joe Hill hat sich eine besondere Krankheit für sein Endzeit-Szenario ausgedacht, die ich - man verstehe mich bitte nicht falsch - umwerfend finde. Infizierte bekommen ein eigenartiges Muster auf der Haut, das an Tattoos erinnert. Es brennt, es leuchtet, es zeigt an, dass man dem Tod geweiht ist. In meiner Vorstellung habe ich wunderschöne Henna-Tattoos gesehen, die mich sofort in ihren Bann gezogen haben. Weniger schön ist der weitere Verlauf der Krankheit, weil die Infizierten nicht nur für weitere Kranke sorgen, sondern letztendlich sich selbst entzünden und ringsherum alles in Brand gerät.

Zu Beginn hat mich Joe Hill sofort mit seiner Horrorvorstellung von der Dragonscale-Pandemie entflammt. Man erlebt, wie die Krankheit langsam überhand nimmt, man beobachtet, wie aus einzelnen Fällen immer mehr Kranke werden, und bekommt Angst, weil niemand weiß, wie man sich vor einer Infektion schützen kann. Gleichzeitig gehen bewährte Systeme den Bach runter, weil Behörden, Krankenhäuser und andere Einrichtungen im Flammenmeer ertrinken. Die Stimmung ist beängstigend, sie ist bedrohlich und man weiß einfach nicht, wie sich das weiterentwickeln wird.

Doch dann flaut die Handlung sehr stark ab. Sie bewegt sich vom Endzeit-Szenario weg und begibt sich in eine sektenartige Gemeinschaft, die zum Kern der Geschichte wird. Hier habe ich ebenso die dichte Atmosphäre und bedrohliche Stimmung gefühlt, dennoch war ich vom Verlauf der Handlung enttäuscht, weil sie doch arg auf der Stelle tritt.

Protagonistin Harper ist eine starke Frau, die mir durchgehend sympathisch war. Manchmal hätte ich mir von ihr doch mehr Entschlossenheit erwartet, weil damit auch die Handlung einen Sprung gemacht hätte. Trotzdem war ihr Verhalten meistens nachvollziehbar und ich konnte verstehen, warum sie öfter mal gezögert hat.

Der Fireman ist leider zur Randerscheinung verkommen und so ganz anders als ich vom Klappentext her erwartet hatte. Er kommt nicht besonders oft zum Zug, weil er meistens eine liegende Rolle einnimmt. Was es damit auf sich hat, muss aber selbst in Erfahrung gebracht werden.

Der Schreibstil ist flüssig und originell, denn Joe Hill baut zahlreiche Verweise zu anderen Büchern ein. Es werden etliche Klassiker und Autoren zitiert. Dabei bin ich mir sicher, dass mir nicht alle aufgefallen sind. Dieser Bezug zu anderen Büchern hat mir sehr gut gefallen. Egal ob Mary Poppins oder Harper Lee - Joe Hill hat in seinem Roman vielen literarischen Werken auf eine sehr charmante Weise Hochachtung gezollt.

Trotzdem ist es mir schwer gefallen, dieses Buch zu bewerten. Einerseits habe ich es wirklich gern gelesen, andrerseits gibt es zu viele Kritikpunkte, um es in hohen Tönen loben zu können. Für über 900 Seiten hätte ich mir mehr Handlung gewünscht und es wäre nett gewesen, wenn  der Fireman - wenn schon das Buch nach ihm benannt ist - entsprechenden Raum bekommen hätte. Das Endzeit-Szenario rückt zu sehr in den Hintergrund und es bleibt eine Gesellschaftsstudie unter Extrembedingungen, die mich an „Die Arena“ von seinem Vater erinnert. 

Alles in allem kann ich dieses Buch daher jenen empfehlen, die „Die Arena“ gerne gelesen haben. Wer sich pandemischen Endzeit-Flair erhofft, wird wohl eher enttäuscht werden. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Lockere Unterhaltung mit tiefem Kern

Ein Mann namens Ove (Hörbestseller) - Fredrik Backman, Stefanie Werner, Heikko Deutschmann

Ove ist ein Pendant. Bei seiner morgendlichen Runde schreibt er die Falschparker auf, achtet drauf, dass das Fahrverbot in der Siedlung eingehalten wird und sagt direkt, was er denkt, ohne auf die Gefühle seiner Mitmenschen zu achten. Doch Oves neue Nachbarsfamilie schafft es schnell, sich das Herz des alten Grantlers zu erschleichen. Indem sie gleich einmal seinen Briefkasten niederfährt …

Dieser Roman ist ein modernes Märchen, dass sich mit Lebensfreude, Zusammenhalt und den schönen Kleinigkeiten im Alltag auseinandersetzt. Er beschäftigt sich damit, was wirklich wichtig ist, wie man gegenseitig auf sich achtet und dass man aus einer Mücke keinen Elefanten zu machen sollte.

„Ein Mann namens Ove“ handelt von einem alten Grantler, der keinen Sinn oder Freude mehr im Leben sieht. Oves Lebenswerk ist seiner Meinung nach vollbracht, als er in die Pension verabschiedet wird. Schon immer war ihm wichtig, dass alles seine Ordnung hat und nun steht er einem Lebensabend ohne feste Tagesordnung gegenüber. Ove ist pedantisch, er nimmt alles ganz genau und will auch bei anderen die Fünf nicht grad sein lassen.

Ich glaube, dass man als Leser rasch den einen oder anderen ‚Ove‘ im eigenen Leben identifiziert. Viele Nachbarschaften haben es mit einem Nörgler zutun, der schon einmal die Familie gegenüber angezeigt hat, weil sie eine halbe Stunde zu lange den Rasen mähen.

Aber in Ove schlummert viel mehr, was seine neuen Nachbarn rasch erkennen und ihm - ob er will oder nicht - zu einem Teil ihres Lebens machen.

Dieses Buch lässt einen laut lachen, sich ärgern, über Ove den Kopf schütteln und die Courage der jungen Frau von nebenan bewundern. Meistens habe ich mit einem Lächeln gelauscht, weil es eine wunderbare Geschichte ist, die einem das Herz erwärmt.

Von Ove wird in sehr nüchternem Ton erzählt. Jedes Kapitel beschäftigt sich mit Ove und den Aktivitäten, die er setzt. Beispielsweise „Ein Mann namens Ove parkt mit Anhänger rückwärts ein“ schildert die erste Begegnung mit der besagten Nachbarsfamilie. Obwohl diese märchenhaften Überschriften anfangs etwas gewöhnungsbedürftig sind, wusste ich nach einiger Zeit schon, dass Ove und mich eine skurrile Situation erwarten wird, wenn es zum nächsten Kapitel ging.

Dabei erfährt man nicht nur, was Ove in der Gegenwart treibt, sondern blickt in sein Leben zurück. Es wird erzählt, wie Ove seine Jugend verbracht hat, wie er seine Frau kennen und lieben lernte und wie er zu seinem Job gekommen ist. Dabei merkt man schnell, was im Leben wirklich wichtig ist, und spielt dabei eine facettenreiche Gefühlspalette durch. Denn es gibt schöne, traurige, hoffnungsvolle und verzweifelte Momente, die Ove auf seinen Weg bis zum niedergenieteten Briefkasten hinter sich gebracht hat.

Gleichzeitig gibt der Autor sogenannten „Randgruppen“ sehr viel Raum, was mir unheimlich gut gefallen hat. Ausländer, Dicke und Homosexuelle nehmen den Platz der Nebenfiguren ein und weisen darauf hin, wie unwichtig diese eine Eigenschaft ist, weil man es immer mit einem Menschen als Ganzen zutun hat.

Ich habe mich mit Ove herrlich amüsiert und den alten Griesgram hatte ich nach einiger Zeit ins Herz geschlossen. Es war wunderschön zu erleben, wie Ove einen neuen Lebensabschnitt beginnt und sich dabei von einer skurrilen Situation in die nächste manövriert.

„Ein Mann namens Ove“ ist lockere Unterhaltung mit einem tiefen Kern. Obwohl es sich sehr leicht hören lässt und durch den humorvollen Grundton zum Lächeln und Lachen anregt, steckt viel harte Realität in diesem Buch, die man dank Ove nach der Lektüre hoffentlich positiver sieht.

Ich kann dieses (Hör-) Buch bedingungslos weiterempfehlen. Es ist eine dieser Geschichten, die man sich ab und zu mal gönnen soll, um mit einem Lächeln auf den Lippen durch das eigene Leben zu gehen. 

P.s.: „Grantler“ ist ein österreichischer Ausdruck für einen griesgrämigen Menschen. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Wenn der Regen den Tod bringt

Rain - Das tödliche Element - Virginia Bergin, Rainer Schmidt

Samstag und Partyzeit! In Rubys schönstem Moment - gerade als sie ihren Schwarm Caspar küsst -   kommt es zu einer dramatischen Veränderung. Der giftige Regen bricht über die Welt herein und beschert den Untergang.

Bei „Rain. Das tödliche Element“ handelt es sich um einen Endzeitroman im Jugendton, der mir unheimlich gut gefallen hat.

Der Regen hat es wirklich in sich und die Menschen sterben auf abscheuliche Weise. Sobald man mit dem Nass in Berührung kommt, hat man nur mehr wenige Stunden zu leben, die noch dazu sehr qualvoll sind. Wer aus Versehen davon trinkt, stirbt sogar einen noch schlimmeren Tod.

Daraufhin stürzt die Menschheit - sofern man noch davon sprechen kann - in ein furchterregendes Chaos und die Jugendliche Ruby ist mittendrin. Anfangs verschanzt sie sich noch mit ihrer Familie im Haus, doch leider sterben ihre Liebsten den grausamen Regentod. Daraufhin macht sich Ruby daran, ihren leiblichen Vater zu finden, der doch noch am Leben sein muss …

Protagonistin Ruby hat mir gefallen, obwohl ich mir denken kann, dass sie nicht bei allen Lesern gut ankommen wird. Sie ist jung, sie ist ein Teenager und mit einer grauenhaften Realität konfrontiert. Vor Regen und Wasser allgemein muss man sich hüten, Körperpflege ist ein Ding der Unmöglichkeit und der brennende Durst treibt einen die Tränen in die Augen, wenn der Körper noch welche produzieren würde. Dabei geht Ruby ihre Situation mit einer ordentlichen Portion Sarkasmus, Ironie und noch mehr Ignoranz an. Sie weigert sich häufig die Realität zu akzeptieren und zieht teilweise knallhart ihr Teeniegehabe durch. Dazu zählt, dass sie sich in Geschäften an Designerklamotten bedient oder sehr großen Wert auf ihr Make-up legt.

Das mag wahrscheinlich in Anbetracht der Situation eher unpassend sein, aber ich kann sie ganz gut verstehen. Schon bei kleineren Problemen im Leben - ich rede jetzt nicht von zehntausend Todesfällen und dem Weltuntergang - haben wir Menschen die Neigung, sie einfach auszublenden und unserer Seele etwas Gutes zutun. Für mich ist Ruby daher sehr realistisch dargestellt, weil man schnell mal die Flucht in Träumereien antritt, wenn die Realität gar so hartgesotten ist.

Vom Weltuntergang bzw. vom Ende der Menschheit wird von Ruby persönlich erzählt. Im jugendlichen Plauderton lässt sie den Leser an ihren Gedanken teilhaben, manchmal zieht man dabei die Brauen hoch, oder denkt sich, Mädel, schau’ doch bitte der Wirklichkeit ins Gesicht. 

Denn Ruby hat schon die Gabe, durch ihre Ignoranz in lebensbedrohliche Situationen zu geraten, die nicht notwendig gewesen wären.

Die Handlung an sich ist sehr typisch für einen Endzeitroman und dennoch eher ruhig erzählt. Es kommt zu grausamen Ereignissen, manches Mal trieb es mir die Tränen in die Augen, nur um dann wieder über Rubys Ironie den Kopf zu schütteln, weil sie nicht weiß, wie sie die Dinge nehmen soll.

Meiner Meinung nach richtet sich „Rain. Das tödliche Element“ an junge Leserinnen und Leser, die wie ich gern das Ende der Welt erleben, ohne tatsächlich dabei zu sein. Wenn man mit dem flapsigen Jugendton umgehen kann und diese typisch-amerikanischen Blockbuster-Art manchmal mag, dann wird man bestimmt auch Ruby mögen und mit ihr hoffentlich dem tödlichen Regen entgehen.

 

Die Reihe:
1) Rain. Das tödliche Element
2) Storm. Die Auserwählte

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Freunde?

Him - Mit ihm allein (HIM-Reihe, Band 1) - Elle Kennedy, Sarina Bowen

Jamie weiß ganz genau, was er will. Er möchte nach dem College als Profi Eishockey spielen. Außerdem ist er sich sicher, dass er Frauen mag. Bis er seinem ehemals besten Freund Wes nach Jahren im Trainingscamp gegenüber steht und von einem Moment auf den anderen gar nichts mehr so genau weiß …

„Him. Mit ihm allein“ ist eine schöne Liebesgeschichte, die im Grunde ganz normal ist. Bis auf die Tatsache, dass Homosexualität eine Rolle spielt. Gleichzeitig geht es um den nächsten großen Schritt im Leben. Das College ist zu Ende und die jungen Männer stehen - jeder für sich - vor der Entscheidung, welchen Weg sie gehen sollen und ob sie ihre bisherigen Pläne überhaupt in die Tat umsetzen möchten.

Die Protagonisten Jamie und Wes kannten sich schon als Kinder und haben sich als Jugendliche aus den Augen verloren. Denn damals ist etwas geschehen, woran Wes nicht gerne zurück denkt. Doch plötzlich werden sie gemeinsam einen Sommer verbringen und für Wes steht fest, dass er es diesmal nicht vergeigen und endlich wieder ganz normal mit Jamie befreundet sein will.

Als Leser taucht man mit Wes und Jamie in ihr Leben und Universum ab. Meistens geht es wirklich nur um die beiden, ihre Gefühle und die Verwirrung, weil keiner recht weiß, wie ihre Freundschaft weitergeht. Denn Jamie fühlt sich auf einmal zu Wes hingezogen, so wie es in einer Männerfreundschaft eigentlich nicht üblich ist. Wes ist zwar bekennend homosexuell, allerdings stellt er diese Seite von sich in den Hintergrund. Nach dem Sommer möchte er in der Profiliga Eishockey spielen, und ihm schwant, dass man da nicht besonders gern schwule Profi-Sportler sehen will.

Die Geschichte wird abwechselnd von Jamie und Wes erzählt. Diese Erzählform gefällt mir immer gut, weil man auf diese Weise mit allen Protagonisten gemeinsam die Ereignisse erlebt. Die Autorinnen haben hier besonderes Augenmerk auf die Diskrepanz zwischen der eigenen Gedankenwelt und der äußeren Wirkung gelegt, wodurch man sieht, wie rasch mal ein Missverständnis entsteht.

Die Stimmung ist von Schmetterlingen im Bauch, sexy Szenen und großer Zukunftsangst geprägt. Keiner der beiden weiß, wohin sie ihre heimlichen Gefühle und Wünsche führen könnten, und so schleichen sie wie die Katze um den heißen Brei herum. Dabei fühlt man sehr mit den beiden mit. Ich konnte mir ihre Situation gut vorstellen und spürte, dass es eben schwierig ist, sich zu trauen und aufeinander zu zugehen.

Der Verlauf der Ereignisse ist mir persönlich etwas zu schnell gegangen, weil ich mir nur schwer vorstellen kann, dass manche Hemmschwelle so niedrig liegt. Dennoch konnte ich die Entwicklung der Figuren gut verfolgen und ich habe mich bestens unterhalten gefühlt.

Weniger gefallen haben mir die Eishockey-Szenen. Ich weiß, wenn es um Sportler der Eishockey-Szene geht, dann muss sich der Roman auch solchen Passagen widmen. Trotzdem haben sie mich etwas gelangweilt und ich war froh, dass sie sehr kurz gehalten sind.

Dennoch ist es ein gelungener Liebesroman mit Höhen und Tiefen, Ängsten und Hoffnungen - gespickt mit der Tatsache, dass homosexuelle Liebe nach wie vor Mut erfordert, wenn jemand dazu stehen will.

Die Reihe:
1) Him. Mit ihm allein
2) Us. Du und ich für immer
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Ein Flugzeugträger voller Bräute

Über uns der Himmel, unter uns das Meer - Jojo Moyes, Katharina Naumann, Luise Helm

1946. Sechshundert australische Frauen treten eine Reise ins Ungewisse an. Quer über die halbe Welt werden sie auf einem ausrangierten Flugzeugträger von einem Kontinent auf den anderen gebracht. Denn in England warten nicht nur ihre Ehemänner sondern auch ein ganz neues Leben auf sie.

Jojo Moyes greift eine wahre Begebenheit auf und verflicht sie zu einem wunderbaren zeitgeschichtlichen Roman. Es war tatsächlich so, dass während der Wirren des 2. Weltkriegs britische Soldaten etliche australische Frauen geehelicht haben. Diese Bräute mussten nach den Kriegshandlungen in ihre neue Heimat verfrachtet werden. ‚Verfrachtet‘ trifft es hier ganz gut, weil jedes zur Verfügung stehende Schiff verwendet wurde. So kam es, dass sich 600 Frauen auf einem Flugzeugträger in Richtung Großbritannien wiederfanden.

Stellvertretend für das Schicksal all dieser Frauen erzählt Jojo Moyes anhand ihrer Figuren Frances, Avice, Margaret und Jean von der schicksalsträchtigen Fahrt, quer über das Meer. 

Avice ist eher die feine Dame, die sich in Großbritannien ein standesgemäßes Leben erhofft, Margaret ist der Farmertyp, der schwanger und mit beiden Beinen am Boden steht, Jean ist der Jungspund unter den Frauen, weil sie gerade einmal 16 Jahre alt ist, und Frances trägt ein düsteres Geheimnis mit sich herum, das ihr zum Verhängnis werden kann. Obwohl sie total verschieden sind, müssen sich diese vier Frauen eine Kabine teilen und zeigen sich gegenseitig, dass man diese Reise einfach überstehen muss. Gleichzeitig spiegeln sich Ängste und Hoffnungen der Frauen, weil keine von ihnen weiß, was sie wirklich erwarten wird.

Hunderte von Frauen haben mehr oder weniger fremde Soldaten geheiratet, die sie meist nur wenige Tage kennen. Jede von ihnen muss sich auf ihr Urteil verlassen und vielleicht fürchten, ob sie nicht statt des Prinzen einen Frosch geheiratet hat. Außerdem wusste auch keine, was und wer sie in England erwarten wird. Werden sie mit offenen Armen von ihrer neuen Familie empfangen? Oder sind sie in Australien einen Schwindler auf den Leim gegangen? 

Meiner Meinung nach arbeitet Jojo Moyes all diese Gefühle facettenreich heraus, indem sie ihre Protagonistinnen zu Wort kommen lässt. In Rückblicken erfährt man, wer sie sind, aus welchem Leben sie stammen und wie sie ihre Männer kennengelernt haben. Dabei merkt man, dass zwar jede zuversichtlich, aber keine allzu blauäugig ist.

Natürlich kommt eine derart ungewöhnliche Überfahrt nicht ohne Zwischenfälle aus. Denn die Mannschaft besteht aus Männern, die dem weiblichen Geschlecht nicht abgeneigt sind. Außerdem macht ihnen die raue See, neben mancher ausufernden Party, sowie kleineren und größeren Katastrophen einen Strich durch die Rechnung, daher ist es insgesamt recht abenteuerlich. 

Zwar könnte man auch anmerken, dass die Geschichte etwas eintönig ist, doch hier hat sich Jojo Moyes mit einer zarten Liebesgeschichte geholfen, die der Handlung mehr Lebendigkeit bringt. Aufgrund des realen Hintergrunds hat die Autorin allemal einen sehr schönen Roman geschrieben, der mir als Hörbuch gut gefallen hat.

Sprecherin Luise Helm hat wunderbar einfühlsam vorgetragen und ich hatte tatsächlich das Gefühl mitten unter den vielen Frauen dabei zu sein.

Wenn man also anhand eines Romans mehr über die Überfahrt dieser Bräute nach England erfahren will, dann sollte man sich unbedingt dieses Buch gönnen, weil es sehr schön zu hören und sicherlich auch gut zu lesen ist.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Der Tod des Schmetterlings

Der Tod des Schmetterlings - Matt Dickinson

Als ein Schmetterling im 21. Stockwerk einer Baustelle erschlagen wird, ahnt der Wachmann nicht, welche Kettenreaktion dadurch ausgelöst wird. Für viele Menschen auf der Welt hat der Tod dieses Schmetterlings schwerwiegende Folgen. Manche überleben und viele sterben, und alles nur, wegen eines toten Schmetterlings.

Es handelt sich um die Fortsetzung von Matt Dickinsons „Die Macht des Schmetterlings“, wobei beide Bände unabhängig voneinander gelesen werden können, weil nur die Grundthematik dieselbe ist. 

Der Autor arbeitet erneut die Chaostheorie (eigentlich handelt es sich dabei um den Schneeballeffekt) ab, welche besagt, dass ein einziger Flügelschlag ausreicht, um eine Katastrophe auszulösen. Diesmal fängt die Katastrophe mit dem Tod eines Schmetterlings an und kaum jemand ahnt, welches Ausmaß ein solch kleines Ereignis auslösen kann.

Denn der Tod des Schmetterlings greift um sich und macht nicht einmal vor Landesgrenzen halt. In Australien ist Hannah auf der Flucht vor der Polizei, Gwen und Tehpoe kämpfen in Liberia gegen Rebellen an, Todd und Isabella sitzen am Amazonas in Brasilien fest und Stian Olberg trägt die Verantwortung für ein ganzes Kreuzfahrtschiff. 

All diese Schicksale - und etliche mehr - finden im Tod des Schmetterlings ihren Zusammenhang und kämpfen unabhängig voneinander gegen die Auswirkungen an.

Der Erzählstil heizt beim Lesen ordentlich ein. In kurzen Kapiteln verfolgt man die Ereignisse. Manchmal wird man in die jeweilige Person versetzt, ein anderes Mal ist man objektiver Beobachter, man zoomt häufig auf kleinste Details oder schaut sich die nahende Katastrophe als Gesamtbild an. Dabei spürt man die ganze Zeit, dass etwas Großes und Schlimmes geschehen wird, während das Schicksal des Schmetterlings um sich greift.

Diesmal mochte ich den Erzählstil sehr gern, weil dadurch eine wahnsinnig mitreißende Dynamik entsteht. Man kann das Buch kaum aus den Händen legen, weil jedes Kapitel mit einer anderen Figur beginnt. Aus normalen Alltäglichkeiten und simplen Entscheidungen spitzt sich nach und nach eine Katastrophe zu, die auf den eher banalen Tod eines Schmetterlings zurückzuführen ist.

Außerdem gefällt mir die Logik hinter den Ereignissen und diese Umsicht, mit der der Autor davon erzählt. Denn es ist kaum zu glauben, wie schlüssig das endgültige Gesamtbild und wie nachvollziehbar jede Entscheidung oder Handlung der Figuren ist. Dennoch war mir der Zufall ein- bis zweimal zu häufig am Werk, wobei das wohl genauso dem echten Leben entspricht. 

Wie bereits beim ersten Band, kann ich dieses Werk jedem empfehlen, der sich für den Butterfly-Effekt interessiert und gerne spannende Bücher liest.

 

Die Dilogie:
1) Die Macht des Schmetterlings [Rezension lesen]
2) Der Tod des Schmetterlings

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Besonders wissenschaftliche Science Fiction

Das Erbe der Sterne: Roman - Meisterwerke der Science-Fiction (Riesen-Trilogie 1) - James P. Hogan, Andreas Brandhorst

Am Mond wird in einer Höhle die Leiche eines Raumfahrers entdeckt. Auf der Erde weiß niemand, wer dieser Mann ist und wie er dahin gekommen ist. Noch rätselhafter als sein Ursprung ist aber das Alter der sterblichen Überreste - denn es stellt sich heraus, dass die Leiche 50 000 Jahre alt ist. Damit steht die Menschheit vor einem Mysterium.

Dieser Science Fiction Roman ist ursprünglich in den 1970er-Jahren erschienen und hebt sich durch seinen hohen Wissenschaftsanteil von anderen Vertretern des Genres ab. 

Das Mysterium um diesen Mann im Mond stellt die Wissenschafter der Erde vor ein Rätsel, das es zu entschlüsseln gilt. In Laboren arbeitet man auf Hochtouren, Experimente werden durchgeführt und Ergebnisse werden zur Diskussion gestellt. Aber so recht kann sich niemand erklären, warum die menschlichen Überreste vom Mond so alt sein können. Denn vor 50 000 Jahren hat es noch gar keine Menschen gegeben. Wie kommt es dann, dass ein Vertreter der menschlichen Spezies im Raumanzug am Mond spaziert?

Man kann sich vorstellen, dass ein solcher Fund das gesamte bisher angehäufte Wissen in Frage stellt. Wahrheiten werden gebogen, mit Paradigmen wird gebrochen und die Geschichte der Menschheit wird neu erfunden.

So spannend diese Geschichte und die Handlung an sich ist, so nüchtern wird sie von Autor James P. Hogan beschrieben. Der Roman gleicht eher einem Forschungs- oder Tatsachenbericht, der vom Protagonisten und Leiter für Theoretische Studien Dr. Victor Hunt verfasst worden ist. Es werden lediglich Fakten abgehandelt und tiefe Emotionen oder dichte Figuren in den Hintergrund gepackt. Alles was zählt sind die Fakten, die präsentiert werden, die Wissenschafter, die zusammen arbeiten und die Erkenntnisse, die davon abgeleitet werden.

Das ist auch mein größter Kritikpunkt, weil es dadurch manchmal ganz schön zäh zu lesen ist. Obwohl ich wissenschaftlichen Auseinandersetzungen nicht abgeneigt bin, hat es von mir oft ein hohes Maß an Konzentration gefordert, damit ich den präsentierten Fakten folgen kann. Sämtliche Figuren sind Namen auf Papier geblieben und nicht einem wurde Leben eingehaucht, was ich in Anbetracht der spannenden Thematik sehr schade finde.

Spannend ist dafür das Umfeld, das sich der Autor ausgedacht hat, weil es wunderbar die 70er-Jahre spiegelt. Wissenschaft und Forschung sind vom Kalten Krieg geprägt, Wettkampfsituationen zwischen zwei Supermächten stehen im Vordergrund, jeder will schneller und besser als der andere sein, und man hat Angst, dem Feind zu unterliegen.

Gleichzeitig ist die wissenschaftliche Landschaft und Führungselite ausschließlich vom männlichen Geschlecht geprägt. Nur eine einzige Frau kommt in der gesamten Handlung vor, und hier auch nur, um ein bisschen - wirklich nur ganz, ganz wenig - Sex-Appeal in den Roman zu bringen. Man fühlt durch den Roman heraus die Epoche, in dem er entstanden ist, und schon allein deshalb hat es mir dann doch Spaß gemacht, dem Geheimnis hinter dem Mann am Mond auf den Grund zu gehen.

Aus heutiger Sicht ist „Das Erbe der Sterne“ sicherlich kein Pageturner, wartet dafür aber mit einer interessanten Handlung auf und lässt einen Blick auf seine Entstehungszeit zu, was ihn auf seine Art sehr lesenswert macht. 

Alles in allem kann ich diesen Science-Fiction-Roman Lesern empfehlen, die vom Genre ohnehin begeistert sind oder eine besondere wissenschaftliche Note mögen, die hier an vorderster Stelle steht.

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Willkommen im Murder Park, treten Sie ein!

Murder Park: Thriller - Jonas Winner

Zodiac Island war einst ein fröhlicher Freizeitpark bis der Tod dort eingezogen ist. Ein Serienmörder hat vor 20 Jahren dem lebendigen Treiben ein Ende bereitet. Dieses Vergnügen wird der neue Murder Park auferstehen lassen. Dem alten Park soll in neues Leben eingehaucht werden, indem er zum Themenpark der Serienmörder wird.

Paul Greenblatt wird mit elf weiteren Personen in den neuen Murder Park eingeladen. Als Medienvertreter sollen sie dem Themenpark zu einem mörderischen Start verhelfen. Und auf einmal fängt das Morden an. Aus dem Vergnügen wird blutiger Ernst … 

Es handelt sich um einen interessanten Psychothriller, der mit dem Mythos der Serienmörder spielt und sogar den Opfern Beachtung schenkt. 

Bei diesem Buch haben es mir von Vornherein die Grundidee und das Setting angetan. Themenparks sind Nervenkitzel für Jung und Alt. Es ist meiner Meinung nach gar nicht abwegig, dass sich ein gewitzter Unternehmer für die Eröffnung eines Murder Parks entschließt. Der Mythos Serienkiller hat zwar seinen Zenit überschritten, doch mit diesem Thema lockt man bestimmt viele morbid Neugierige an.

„ … ein Park von Mördern, ein Murder Park? Das sollten wir nicht tun!“ (S. 328)

Dieser Punkt, der mich so sehr gereizt hat, wurde meiner Meinung nach arg vernachlässigt. Ein Murder Park hätte so viel bieten können, doch im Buch wird er nur ansatzweise geschildert. In seiner Beschreibung ist er auf ein Museum, eine Geisterbahn und eine Wohn- bzw. Hotelanlage beschränkt. Auch bei den Attraktionen hat der Autor an Fantasie gespart. Dabei denke ich, dass der Park ganz viel hergegeben und er sich eine anschauliche - mit vielen Serienmördern geschmückte - Beschreibung verdient hätte. Denn anstatt die Namen des Bösen vollends auszuschlachten, bleiben die wahren ‚Stars‘ wie Ted Bundy, der Zodiac Killer oder Fritz Haarmann, schon fast Randnotizen, während ein fiktiver Name die gesamte Handlung an sich reisst.

Die Handlung passt sich dem Setting an. Der Murder Park liegt auf einer Insel, von der es ohne fremde Hilfe kein Entkommen gibt. Daher sind Protagonist Paul Greenblatt und seine elf Kumpane dem mörderischen Vergnügen des Murder Parks ausgeliefert.

Protagonist Paul Greenblatt hat sich meinen Geschmack nach zu sehr im Kreis bewegt. Bei ihm verschwimmen Erinnerungen mit der Gegenwart und das führt zum typischen Psychothriller-Effekt, der auf Verwirrung des Protagonisten und des Lesers baut.

Die Erzählweise ist ausgezeichnet gewählt. Jonas Winner hat sich für einen sehr guten Kniff entschieden, um seinen insgesamt zwölf Figuren ein Gesicht zu verleihen. Es sind immer wieder Kapitel mit Einzelinterviews eingestreut. Diese Interviews fachen nicht nur die Neugier an, sondern helfen auch, die Übersicht zu behalten und die Ereignisse aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Das Ende hat mir weniger gefallen. Erstens, ich finde die Auflösung viel zu unrealistisch, und zweitens, ist mir die Motivation ein Rätsel. Außerdem wurde hier ganz schön dick aufgetragen, es hätte ruhig weniger sein dürfen.

Im Endeffekt fällt es mir schwer, hier zu einer Bewertung zu kommen. Geniale Ansätze vermischen sich mit dem Typischen, großartige Ideen bleiben im Lauf der Erzählung auf der Strecke und am Ende wird mir persönlich zu sehr übertrieben.

Meiner Meinung nach ist es ein Psychothriller, der aufgrund der Serienmörder-Thematik allein schon recht lesenswert ist, mir allerdings etwas zu verdreht ist und daher nicht völlig überzeugen kann. Wer sich traut, sollte sich jedoch unbedingt selbst ein Bild machen und gemeinsam mit Paul dem Murder Park einen Besuch abstatten.

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Literarischer Endzeit-Roman

Vom Ende an - Megan Hunter, Karen Nölle

Eine Frau bekommt ein Kind während eine unvorstellbare Naturkatastrophe Großbritannien heimsucht. Das Land steht unter Wasser, Feuer brechen aus und Unruhe herrscht. Die Frau und ihr Mann müssen flüchten, um ihren Sohn eine Zukunft zu ermöglichen.

Bei diesem Werk handelt es sich nicht um ein übliches Weltuntergangs-Szenario, sondern es hebt sich in Stil, Sprache und Themen erheblich von anderen Büchern ab. Literarisch steckt einiges mehr darin, als eine Welle, die London überschwemmt. 

Es geht um das Ende des Lebens, wie man es kennt, aber auch um den Anfang, wie neues Leben entsteht. Die Autorin beschreibt den Prozess, wie aus einem Paar eine Familie wird. Zumindest habe ich das jetzt so wahrgenommen.

Am Anfang des Buchs bin ich richtig erschrocken, weil es insgesamt sehr gewöhnungsbedürftig ist. Der fraqmentartige Erzählstil fällt zuerst auf. Die Handlung wird nicht wie gewohnt in romanhaften Zügen beschrieben, sondern in wenigen Sätzen skizziert. Zeile für Zeile, Absatz für Absatz wird man mit den Gefühlen und Erlebnissen der Protagonistin konfrontiert. Ein bisschen hat es mich an kurze Tagebucheinträge erinnert, weil aus ihrer Sicht erzählt wird.

Die Autorin deutet vieles nur an und legt sich selten auf konkrete Ereignisse fest. Daher bleibt viel Raum für eigene Spekulationen. Außerdem wird die Handlung sprunghaft erzählt, was dem Eindruck von knappen Tagebucheinträgen unterstreicht.

Zudem wird man als Leser auf Abstand gehalten. Sämtliche Figuren bleiben gesichtslos und keiner einzigen war die Autorin einen Namen vergönnt. Man lernt sie als R, Z oder O kennen und weiß dennoch rasch, wie sie sich ins Gesamtgeschehen einfügen.

Etwas detaillierter war sie allerdings bei körperlichen Befindlichkeiten der Protagonistin. Auf wenigen Zeilen werden physische Vorgänge - zum Beispiel während der Geburt - beschrieben, die ich nicht so genau wissen muss.

In der Handlung selbst steht die Entwicklung des Kindes im Vordergrund. Die Ereignisse, die die Welt aus den Angeln heben, sind eher ein Hintergrundgeräusch, das man ebenfalls nur in groben Zügen kennenlernt. 

Für mich war es ein faszinierendes Leseerlebnis. Das Buch hat mich nach den ersten - irritierenden Seiten - sofort in seinen Bann gezogen. Es ist sehr ruhig, es bleiben viele Fragen unbeantwortet, und trotzdem konnte ich es kaum aus der Hand legen, weil mich die nüchterne Perspektive nicht losgelassen hat.

Zu guter Letzt habe ich es als Geschichte der Hoffnung, der Liebe und des Lebens empfunden:

„Wir haben diese Berührung, unsere Finger in dem verwüsteten Zimmer.“ (S. 156)

„Vom Ende an“ ist ein packendes Stück Literatur, das trotz des verstörenden Stils faszinierend zu lesen ist. Ich denke, dass man sich trauen soll, wenn man Lust hat, einmal etwas Anderes auszuprobieren und sich auf das Leben nach dem Ende einlassen kann.

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Das Drama am Mount Everest

In eisige Höhen: Das Drama am Mount Everest - Jon Krakauer, Christian Brückner

1996 hat sich am Mount Everest eine Tragödie ereignet, die mehrere Todesopfer gefordert hat. Journalist und Bergsteiger Jon Krakauer war live dabei und verarbeitet in diesem Buch  seine traumatische Erfahrung. Er zeigt, dass nicht der Mount Everest von Bergsteigern sondern die Höhenbegeisterten nach wie vor vom Berg bezwungen werden.

Es handelt sich hierbei um ein Sachbuch mit subjektiven Tönen, weil Autor und Journalist Jon Krakauer die Ereignisse aus erster Hand schildert. Er beschreibt seine Erlebnisse, seine Sicht der Begebenheiten und geht auch darauf ein, dass es aufgrund des Sauerstoffmangels zu unterschiedlichen Wahrnehmungen der Ereignisse kommen kann. Daher ist es schwierig in diesem Zusammenhang von der einen absoluten Wahrheit zu sprechen.

Die Wahrheit ist, dass der Mount Everest als höchster Berg der Welt nicht nur die größte Herausforderung für geübte Bergsteiger ist, sondern bereits jahrzehntelang als kommerzielles Ziel für wohlhabende Touristen herhalten muss. Dieser Entwicklung und ihren Folgen gibt der Autor genauso viel Raum, wie den Ereignissen von 1996. Dabei geht er auf die Problematik ein, dass sich Expeditionsführer in einer Zwickmühle befinden. Einerseits kann es keine Garantie für die Eroberung des Gipfels geben, andrerseits möchten sie natürlich zufriedene Kunden haben, weil ihr wirtschaftliches Überleben davon abhängig ist. So wird manches Risiko vielleicht schneller eingegangen, als es vernünftig ist. Dabei darf man nicht vergessen, dass viele dieser Everest-Touristen keine versierten Bergsteiger sind.

Jon Krakauer hingegen sind Berge nicht fremd. Zwar hätte er nicht gedacht, dass er eines Tages am Everest stehen wird, dennoch bringt er Gipfelerfahrung mit. Dadurch hat er einen sachverständigen Blick auf den Ablauf und das Drama von 1996. Gleichzeitig geht er auf die Geschichte des Everest, große Namen und die Gier nach dem Gipfel ein, die kaum jemanden kurz vorm Ziel zur Umkehr bewegt.

Der Mount Everest ist eine Herausforderung, der man sich bestimmt nicht oft im Leben stellt. Den Gipfel der Welt zu erklimmen, ist für viele Bergsteiger ein Traum, den es sich hart zu erkämpfen gilt. Krakauer schildert minutiös welchen Strapazen der menschliche Körper ausgesetzt ist. Es ist nicht nur Muskelarbeit, die hier gefordert wird, sondern man muss sich als Ganzes auf die Höhenluft einstellen. Übelkeit, Erbrechen, Durchfallerkrankungen, schneidende Kälte, brütende Hitze, Schlaflosigkeit und permanenter Sauerstoffmangel sind nur einige Widrigkeiten, die es auf dem Weg zum Gipfel zu überwinden gilt. All dies beschreibt Jon Krakauer und geht anschließend auf die unglücklichen Umstände ein, die 1996 etliche Todesopfer am Mount Everest gefordert haben.

Einziger Kritikpunkt ist, dass Krakauer über Bergsteiger und -führer namentlich richtig herzieht. Er beschreibt sexuelle Eskapaden oder unnötige Luxusgüter, die von Sherpas mitgeschleppt werden müssen und geht auf - seiner Meinung nach - mangelnde Vorbereitung mancher Bergführer ein. Es ist vollkommen in Ordnung, Schuldzuweisungen und Mutmaßungen auszusprechen, allerdings hätte er etwas subtiler vorgehen können.

Sprecher Christian Brückner leiht auch Robert De Niro seine deutsche Stimme und so hatte ich das Bild dieses berühmten Schauspielers vor Augen, was doch recht passend ist. Die Tonqualität ist etwas merkwürdig, weil es klingt, als ob Jon Krakauer bei sich im Wohnzimmer sitzt und seine Erfahrungen auf Tonband spricht. Es hört sich wie eine alte Aufnahme auf Kassette an, was der Erzählung meiner Meinung nach hohe Authentizität verleiht.

Für mich ist „In eisige Höhen“ ein authentischer Blick auf den Mount Everest. Ich habe mit hohem Interesse und großer Faszination den Begebenheiten rund um Gipfelstürmern, dem Berg und letztendlich dem Drama von 1996 gelauscht, mir dabei die Sonne ins Gesicht scheinen lassen, die Scherpas bewundert und den Kopf über manch risikofreudigen Expeditionstrupp geschüttelt. 

Meiner Meinung nach ist es ein absolutes Must-Read-Buch für jeden, der sich für den Gipfel der Welt interessiert und aus erster Hand erfahren will, wie sich dieses Drama ereignet hat.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at

Süße Liebesgeschichte

Promises - Nur mit dir  - Marie Sexton, Michaela Link

Jared lebt in der typisch amerikanischen Kleinstadt am Hintern der Welt. Es ist der Klassiker von Stadt, der als Durchfahrtsroute dient, wo sich selten ein neues Gesicht hin verirrt und Moralvorstellungen so festgefahren sind, dass er es als Homosexueller selbst heutzutage nicht leicht hat.

Die Autorin behandelt vorrangig das Thema Homosexualität und das typische Kleinstadtphänomen. Gleichzeitig packt sie dieses ernste Themen in einen niedlichen Liebesroman und heizt ganz schön die Spannung an. 

Protagonist Jared ist homosexuell und lebt in dieser Kleinstadt-Tristesse. Sein Leben dort führt er eigentlich gern, auch wenn er in der kleinen Gemeinde nur niedrige Chancen auf eine Partnerschaft hat. Denn außer ihm gibt es nur einen alten Lehrer, der sich zur Homosexualität bekennt, was verständlicherweise keine Alternative ist. Doch dann erscheint Polizist Matt auf der Bildfläche, der neuen Flair ins dörfliche Leben bringt.

Meiner Meinung nach handelt es sich um eine Liebesgeschichte, wie man sie auch von heterosexuellen Paaren kennt. Der erste Kontakt, leise Annäherungsversuche und der Hauch einer Ahnung, dass vielleicht doch nichts daraus wird, fördern die Spannung, wobei das Ende von Vornherein offensichtlich ist.

Ich greife gern einmal zu anderen Büchern, die nicht dem gängigen Klischee entsprechen, und genau deshalb fand ich dieses Genre mal interessant. Obwohl ich jetzt nicht behaupten kann, dass sich der Roman ungewöhnlich entwickelt, hat er durch den homosexuellen Protagonisten doch einen gewissen Mehrwert, weil es da einiges zu beachten gibt. 

Es ist schon schwierig genug, sich kennenzulernen, wenn die sexuelle Orientierung den üblichen Vorstellungen entspricht. Aber worauf ein homosexueller Mensch noch so aufpassen muss, öffnet die Augen und gibt dieser Love Story einen weiteren Reiz.

Ich weiß nicht, ob ich es extra erwähnen muss, aber es gibt erotische Szenen, die mich doch ein bisschen überrascht haben. Sie sind weder vulgär noch irgendwie dramatisch beschrieben, allerdings will ich darauf hinweisen, damit sich andere Leser nicht überrumpelt fühlen.

Die Liebesgeschichte hat mir sehr gut gefallen. Ich konnte mitfiebern, die latente Spannung war greifbar und hat sich über alle Seiten gezogen. Es war bezaubernd, ein bisschen ungewöhnlich und trotzdem ganz normal.

Der Schreibstil der Autorin ist einfach und ruhig gehalten, sodass ich ich die Geschichte binnen weniger Stunden gelesen habe. Es hat mir gefallen, in den Weiten der USA in Frühlingsgefühle abzutauchen und ich bin mir sicher, dass sich ab sofort manchmal die eine oder andere Liebesgeschichte für Zwischendurch bei mir einschleichen wird. 

Wer also mit Jared dem beengten dörflichen Leben trotzen will und eine süße Geschichte für Zwischendurch sucht, wird in „Promises. Nur mit dir“ genau den richtigen Lesestoff finden.

Ein Must-Read unter den Klassikern

Herr der Fliegen - William Golding

Eine Gruppe Schuljungen kommt infolge eines Flugzeugunglücks allein auf einer Insel an. Mitten im Ozean sind die Kinder auf sich allein gestellt. Es gibt keine Erwachsenen die zur Ordnung rufen und während sie sich anfangs noch an die Regeln der Zivilisation erinnern, schreitet rasch der Zerfall voran.

Die Kinder - allesamt Jungen aus England - sind allein auf der Insel gestrandet. Weit und breit ist kein Erwachsener, der die Zügel lenkt, und so wird schnell ein Anführer gewählt, der das Sagen hat. Doch je länger die Kinder sich selbst überlassen sind, umso schneller vergessen sie, was sie eigentlich auf der Insel hält.

„Herr der Fliegen“ ist ein Klassiker, den wohl jeder gelesen habe sollte. William Golding prangt den Verfall der Gesellschaft an. Er zeigt, wie zerbrechlich unser zivilisierter Umgang miteinander ist, und wie rasant die Degeneration des Menschlichen im Menschen folgt, wenn der Rahmen nicht mehr stimmt.

Die Handlung an sich mochte ich sehr gern. Es war spannend zu lesen, wie sich die Kinder verhalten, wie sie sich in Gruppen aufspalten und gegen ihre Ängste angehen. Dabei ist es interessant zu beobachten, wie leicht sie von ihren eigentlichen Zielen abzubringen sind. Obwohl sich die Jungen bemühen, mittels Signalfeuer auf sich aufmerksam zu machen, Regeln zur Hygiene aufstellen und versuchen durch die Schweinejagd an Fleisch zu kommen, hält dieser gute Wille nicht lange an und ein teuflisches Spiel beginnt.

Die Beobachtung wird bei „Herr der Fliegen“ ganz groß geschrieben, denn als Leser nimmt man eine sehr objektive Perspektive ein. Golding lässt einen nicht besonders nah an die Figuren ran, sondern man muss sich mit vagen Vermutungen begnügen. Während der Autor die Insel in schillernden Farben schildert, werden die Charaktere lediglich skizziert, was mir nicht gefallen hat.

Die Protagonisten Ralph, Jack und Piggy sind meiner Meinung nach austauschbar, weil man sie rein von ihren Gedanken und Handlungen auf der Insel her kennt. Ralph ist der Anführertyp, der nach bestem Wissen im Sinne aller handelt. Jack wird der schwarze Peter zugeschoben, indem er als Widersacher mit diabolischen Zügen auftritt. Hingegen ist Piggy der Denker mit der Brille auf der Nase, der nicht ganz ernst genommen wird.

Die anderen Jungs verlieren sich wie Schatten im Hintergrund. Namentlich werden zwar noch Simon und ein Zwillingspaar genannt, aber auch diese Charaktere erfüllen ausschließlich ihren Zweck, ohne weitere Erklärungen zu liefern.

Diese schemenhafte Darstellung hat mich besonders gestört, weil ich gern eine Verbindung mit den Figuren eingehe. Ich will sie kennenlernen, dabei von ihrer Vergangenheit, ihren Hoffnungen und Beweggründen erfahren, und nicht mit Austauschbarkeit abgespeist werden.

Allerdings funktioniert die Geschichte auch ohne tiefe Protagonisten gut, weil sie im psychologischen und soziologischen Sinn schockierenden Einblick ins menschliche Zusammenleben gibt, der dieses Buch eben zu diesem lesenswerten Klassiker macht.

Gleichzeitig konnte ich mich mit Goldings Erzählstil nicht anfreunden, die aufgrund der skizzierten Figuren zu einem wirren Aufbau führt. Einmal zoomt man nah, klar und deutlich an das Geschehen ran, dann wird mit hochgestochenen Parabeln gearbeitet, was ich nicht immer als gelungen empfand.

Alles in allem ist „Herr der Fliegen“ trotz meiner Kritikpunkte ein Must-Read unter den Klassikern. Die schockierenden Elemente, die Wahrheit hinter den Ereignissen und manch bestürzende Szenen geben den Blick auf das menschliche Wesen frei und regen enorm zum Nachdenken an.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at