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NiWa

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Zur Erinnerung an Sidonie

Abschied von Sidonie - Erich Hackl

Anfang der 30er-Jahre wurde vorm Krankenhaus Steyr (Oberösterreich) ein kleines Bündel abgelegt. Entdeckt wurde es vom Pförtner, der auch als Erster diese Nachricht las:

"Ich heiße Sidonie Adlersburg und bin geboren auf der Straße nach Altheim. Bitte um Eltern." (S. 7)

Es ist die Geschichte von Sidonie, die trotz der samtig dunklen Haut und den blauschwarzem Haar gute Pflegeeltern in Hans und Josefa Breirather und einen gutmütigen Bruder in deren Sohn Manfred fand.



Es ist aber auch die Geschichte, wie sich die Schatten des Nationalsozialismus ausbreiten und letztendlich das Leben der Familie Breirather verdunkeln:

Die Zigeuner, sagte Josefa. Warum kommen keine mehr. Die können sich ja nicht in Luft aufgelöst haben.“ (S. 98)



Dieses dünne Buch beschreibt ihre kurze Lebensgeschichte. Nachdem sich jahrzehntelang der Mantel des Schweigens über das Schicksal des Roma-Mädchens gelegt hat, und man weder in Steyr noch Umgebung etwas davon wissen wollte, hat es ihrem Bruder Manfred keine Ruhe gelassen und dank Erich Hackl bleibt uns Sidonie in Erinnerung.



Erich Hackl geht hier als Chronist vor, beschreibt die Ereignisse der damaligen Zeit, die politischen Zusammenhänge und die Furcht der Gemeinschaft, vergisst aber nicht auf die unbedachte Boshaftigkeit einzelner.



Meiner Meinung nach ist es ein gutes Buch, das uns die Menschenverachtung jener Zeit vor Augen führt und uns an ein fröhliches Mädchen, Sidonie Adlersburg, Sidi genannt, erinnern soll.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at