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Schneegezauber

Das Schneemädchen - Eowyn Ivey

Alaska in den 20er-Jahren. Das alternde Ehepaar Mabel und Jack hat alles hinter sich gelassen, um sich in der Idylle Alaskas ein neues Leben als Farmer aufzubauen. Sie wollten weg, weg von der Zivilisation, weg von der Familie, weg von den anderen Paaren, denen nicht nur Kinder, sondern sogar schon Enkel vergönnt waren.Denn Mabel und Jack sind kinderlos geblieben, ein Schicksal, mit dem sie sich nunmal abfinden müssen.

Doch so verzaubert die Landschaft Alaskas scheint, so rau zeigt sie sich ihren Bewohnern. Der karge Sommer gibt wenig her und die kalte Schönheit der langen Winter ist kaum zu ertragen. Trotzdem lassen sich Mabel und Jack vom Zauber des ersten Schnees überwältigen, um sich ein Kind aus Schnee zu bauen. Und auf einmal steht ein richtiges kleines Mädchen vor der Tür.

 

Der Leser wird mit Mabel und Jack mitten in die bezaubernde Wildnis Alaskas gesetzt. Das Leben in Alaska ist nicht leicht, in den Wintern ist man in seiner Hütte eingesperrt und während der kurzen Sommer ist so viel zutun, dass man die wärmere Zeit kaum genießen kann. Während Jack sich um Grund und Boden kümmert, zieht sich Mabel in den häuslichen Bereich zurück. Beide hängen getrennt voneinander ihren Gedanken und Sehnsüchten nach und haben schon Zweifel, ob Alaska eine gute Entscheidung war. Bis zu dem Tag, als sie den Schneemann - besser gesagt - das Schneemädchen bauen und ihnen auf einmal ein kleines Mädchen die langen Wintertage erhellt.

Dieser Geschichte liegt das russische Märchen „Snegurotschka“ (Schneemädchen) zugrunde. Das Schneemädchen ist ein Kind, das in der Kälte beheimatet ist, sich in den Wald zurückzieht und ganz im Einklang mit dem Winter lebt.

Genauso märchenhaft ist dieses Buch geschrieben. Von Beginn an hat man die beeindruckende Winterlandschaft Alaskas vor Augen, sieht die Sonne im Schnee glitzern und streift über schneebedeckte Wiesen und durch verschneite Wälder, wobei jeder Laut durch das prächtige Weiß gemildert wird.

Die Autorin zeichnet meiner Ansicht nach ein großartiges Bild des strengen Alltags, der imposanten Landschaft und des beschwerlichen Lebens im Alaska der 20er-Jahre. Mich hat dieser Aspekt besonders fasziniert, weil ich dadurch von einer ganz anderen Lebenswelt erfahren habe. Monatelange Winter, mit nur wenigen Stunden Sonnenlicht und ganz kurze Sommer, die der Vorbereitung auf die kalte Jahreszeit gewidmet sind, ein unvorstellbar harter Jahresrhythmus!

Die märchenhafte Begebenheit um das Schneemädchen wird in einem sehr leisen, bezaubernden Stil erzählt. Einer schneebedeckten Märchenlandschaft entsprechend, erzählt die Autorin mit sehr ruhiger Stimme, die vielleicht insgesamt etwas zu gedämpft - dafür aber sehr zärtlich - geraten ist.

Es ist ein bezauberndes Märchen für verschneite Winterstunden, zart und leise wie ein Schneegestöber und gleichzeitig eine Hommage an Alaska, an seine harten Winter, anstrengende Sommer und resoluten Menschen.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at