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Jeden Tag ein Lacher

Das Lachen und der Tod - Pieter Webeling

1944. Ernst Hoffmann ist Niederländer, Komiker und Halbjude. Der letzteren Eigenschaft hat er es zu verschulden, dass er sich mit zig anderen Verfolgten in einem Viehwaggon auf dem Weg in ein Konzentrationslager befindet. Dem Ernst der Lage durchaus bewusst, setzt er sich das Überleben zum Ziel, nicht nur sein eigenes, sondern auch das seiner Mitmenschen, indem er ihnen jeden Tag einen Lacher schenkt:

„Wir sitzen in einem Viehwaggon. Ist das ein Grund zum Lachen? Nein, im Gegenteil. Aber es erinnert mich an ein Foto, auf dem Hitler neben einer Kuh steht. Wissen Sie, was mir sofort aufgefallen ist? Der intelligente Blick der Kuh.“ (S. 33)

Noch im Viehwaggon wird er allerdings mit der unglaublichen Realität konfrontiert, dass es gar nicht so einfach ist, seinen Mitmenschen mehr als ein Schmunzeln abzuringen. Und erst recht nicht, wenn sich die Menschen nach der Ankunft in zwei Reihen aufteilen, wobei zwar beide den Tod garantieren, doch zumindest eine davon statistisch gesehen noch etwa 4 Monate Leben verspricht.

„Das Lachen und der Tod“ ist bestimmt keine einfache Lektüre und trotzdem lässt es mit Leichtigkeit lesen. Der Komiker Ernst Hoffmann erzählt persönlich von seinen Erlebnissen, er erzählt seine Geschichte und all die Grausamkeiten, die er und tausend andere erdulden mussten.

Nach der Reise im Viehwaggon wird der Leser gemeinsam mit Ernst Hoffmann mit dem KZ-Alltag vertraut gemacht. Grauenvolle Baracken, bereits tote aber noch lebende Muselmänner, die auf’s Sterben warten, Kapos, die sich ihrer Vormachtstellung zum Guten oder zum Schlechten bedienen und schwerste Arbeiten, die früher oder später den Tod garantieren.

Es gibt viel Literatur, die von den Schrecken der Konzentrationslager berichtet, dem Unrecht, das all diesen Menschen widerfahren ist, und dabei zeichnet sich dieses Buch durch eine einzigartige Besonderheit aus: denn der KZ-Insasse Nummer 173545 schafft es durch Humor einen letzten Funken Menschlichkeit zu bewahren.

Wie unvorstellbar es bei dieser ernsten Thematik auch sein mag, so habe ich selten derart gelacht und gleichzeitig geweint. Während des Lesens gaben sich lautes Auflachen und atemloses Entsetzen die Klinke in die Hand, wechselten sich Tränen der Erheiterung mit einschneidender Erschütterung ab und aus banger Hoffnungslosigkeit wurde blanke Verzweiflung, die sogar dann noch durch einen Lacher Lebensmut versprochen hat.

Außerdem hat es mir gut gefallen, dass hier nicht nur die SS ins rechte Licht gerückt wird, sondern sogar die Stellung der Kapos näher beleuchtet wird. Diese Menschen, die sich aus der Zusammenarbeit mit den Deutschen Vorteile für sich versprachen oder dadurch einfach nur den anderen Insassen auf ihre eigene Weise helfen wollten.

Weiters ist es ein guter Ansatz, dass die Handlung nicht nach der Lagerbefreiung ihr Ende findet, sondern auch von der unmittelbaren Zeit danach berichtet. Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, wie es für die Menschen war, ein KZ zu überleben und als ob nichts gewesen wäre einfach in ihr „altes“ Leben zurückzukehren? 

Obwohl es sich bei dem Komiker Ernst Hoffmann um eine fiktive Figur handelt, basieren die Erlebnisse auf realen Hintergründen, die wir niemals vergessen oder verdrängen dürfen und diese Geschichte zeigt uns, wie wichtig es ist, sich sogar unter den widrigsten Umständen seiner Menschlichkeit bewusst zu sein, und sei es nur, indem wir jeden Tag einen Lacher schenken.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at