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Jack the Ripper in New York?

Stadt in Angst: Historischer Kriminalroman - John Matthews, Andreas Jäger

Nach der Mordserie von Jack the Ripper in London wird 1891 eine Prostituierte auf dieselbe Weise in New York getötet. Hat der Ripper den Kontinent gewechselt oder treibt ein Nachahmungstäter sein böses Spiel?

Die Idee dahinter finde ich brillant. Nach wie vor ist es ein Rätsel, was aus dem „legendären“ Jack the Ripper geworden ist. Warum hat er nach den kanonischen Fünf - den Morden in White Chapel, London - aufgehört? Hat er die Lust daran verloren? Sein Werk vollendet? Wurde er für ein anderes Verbrechen eingesperrt? Ist er gestorben? Oder ist Jack the Ripper in die USA ausgewandert?

John Matthews greift hier eine der vielen Ripper-Theorien auf und lässt einen Serienkiller in New York wüten. Aber ist es tatsächlich der Ripper? Oder handelt es sich um einen Nachahmungstäter, der sich hier der berühmten Handschrift bedient?

Anfangs ist es mir schwer gefallen, richtig in die Geschichte reinzufinden. Ich glaube, es lag daran, dass ich Schwierigkeiten hatte, die verschiedenen Personen einzuordnen. Es waren doch einige Erzählstränge, die hier jäh durcheinander gingen, aber mit der Zeit hatte ich mich dann doch daran gewöhnt.

Ab der Hälfte wird es dann richtig spannend. Es ist ein Verwirrspiel aus übelsten Verstrickungen und ich wusste ab diesem Zeitpunkt nicht mehr, wem ich überhaupt trauen kann.

Besonders gut gelungen finde ich die Szenen aus Täterperspektive. Der Autor spielt hier mit den Vermutungen des Lesers, brachte mich immer wieder auf neue Fährten, bis ich mir des Täters sicher war, nur um mir dann wieder eine neue Perspektive zu eröffnen.

Insgesamt waren meine Erwartungen eventuell zu hoch angesetzt, vielleicht habe ich mich auch einfach schon zu oft mit Mythen um Jack the Ripper beschäftigt, denn wirklich Überraschendes konnte mir der Autor leider nicht erzählen. Die gesamte Handlung hat mich sehr stark an die Ripper-Verfilmung „From Hell“ mit Johnny Depp erinnert. Auch hier hatten wir neben dem Ripper, die Opiumhöhlen und freundschaftliche Anwandlungen zwischen Ermittlern und Prostituierten, und auch andere Details waren meiner Ansicht nach stark an der Verfilmung angelehnt.

Außerdem stand besonders die Korruption der New Yorker Polizei, persönliche Verstrickungen sowie Verwicklungen und die Prostitution an sich im Vordergrund, was mir persönlich zu weit weg von der Haupthandlung des Rippers lag. 

Bevor diese Rezension in einer schlechten Kritik endet, was sie überhaupt nicht sein soll, weil mir das Buch im Grunde gefallen hat, muss ich noch einen sehr störenden Punkt anbringen. Es geht um das Vorgehen der Ermittler selbst, denn da sitzen sie, und schwadronieren über die unbewussten Wünsche, Ängste und Verhaltensmuster des Täters und das im Jahr 1891! Sigmund Freud hat sich erst ab 1889 mit der Möglichkeit eines „Unbewussten“ beschäftigt, daher, diese Denkrichtung gab es zu diesem Zeitpunkt nicht. Demzufolge wären diese Herren also dem Vater der Psychoanalyse um einige Gedankengänge voraus gewesen. Vielleicht bin ich zu pedantisch, aber wenn ich einen historischen Roman lese, dann wünsche ich mir, dass der Rahmen stimmt.

Trotz der Kritikpunkte hat mir dieser Krimi um den New Yorker Ripper gut gefallen. Es wurde mir ein besonderer Einblick in die Arbeitsweise der damaligen Polizei, der Gangster und Straßenbanden gewährt, man wird sich beim Lesen bewusst, wie langsam damals alles ging - zum Beispiel wenn man eine Nachricht von einem Kontinent auf den anderen überbringen wollte - und man spürt den Flair einer alten Welt, vollgepackt mit Gentlemen, die ihre Hüte vor den Damen lüften, wie wir ihn nie erleben werden.

Meiner Meinung nach ist dieser Roman für Freunde historischer Krimis empfehlenswert, wer mit Jack the Ripper allerdings schon auf Tuchfühlung war, wird sich mit Althergebrachten begnügen müssen.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at