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Der Fall des Dr. Crippen

Der freundliche Mr Crippen - John Boyne, Werner Löcher-Lawrence

1910 macht Scotland Yard in London eine grausige Entdeckung. Im Haus des ruhigen und freundlichen Dr. Crippens findet sich seine zerstückelte Frau unter den Kellerdielen. Vom mutmaßlichen Täter fehlt jede Spur, bis sich der Kapitän eines Passagierschiffs bei Scotland Yard meldet, denn ein fragwürdiges Vater-Sohn-Gespann hat seine Aufmerksamkeit erregt …

Dieser Fall hat sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts tatsächlich so zugetragen. Mr Crippens Frau wurde wie Vieh zerstückelt im Keller gefunden, während sich Crippen mit seiner Begleitung auf einem Passagierschiff nach Kanada absetzen wollte. 

John Boyne geht in seinem Roman den Motiven auf den Grund. Er skizziert das Leben des vermeintlichen Mörders, die Ehejahre, die ihn bis auf das Passagierschiff trieben, und versucht, seine möglichen Hoffnungen, Träume, Wünsche und Ängste an den Leser heranzuführen.

Besonders gut gefällt mir, dass Boyne in Grauschattierungen schreibt. Es gibt nicht die bösen und die guten Menschen, und seine Beschreibung Crippens ist weit von einem blutrünstigen Mörder entfernt, auch wenn er hier natürlich so manche grausame Aspekte einfließen lässt.

Boynes ruhiger Schreibstil lässt zwar teilweise etwas Spannung vermissen, aber umso mehr ermöglicht er es dem Leser in die damaligen Ereignisse einzutauchen und schafft es, eine dichte historische Atmosphäre zu kreieren, die einem die Straßenbilder dieser Zeit vor Augen führt.

Erwähnenswert sind vor allem auch die vielen Perspektivenwechsel. Der Autor beleuchtet den Fall des freundlichen Mr Crippen von vielen Seiten, geht den vorhergehenden Ereignissen des Leichenfunds auf den Grund und vermittelt einen authentisch wirkenden Blick auf die damalige Gesellschaft, den ich besonders genossen habe.

Auffällig ist allerdings, dass der Fall des Mr Crippen für die Damenwelt nicht besonders schmeichelhaft ist. Gefallenen Mädchen, durchtriebenen Ehefrauen und nervenden Walküren wird relativ viel Raum gegeben, was mir etwas zu übertrieben vorkommt. Nichtsdestotrotz ist es auch hier die Vielschichtigkeit sämtlicher Charaktere, die aus diesem wahrem Hintergrund eine stimmige Geschichte machen.

Insgesamt ist es ein sehr interessanter historischer Krimi, der einen der grausigsten Morde der damaligen Zeit thematisiert und äußerst fesselnd zu lesen ist.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at