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Maggie und die 40 Räuber

Maggie und die Stadt der Diebe - Patrick Hertweck, Maximilian Meinzold

Von Gangstern verfolgt irrt das kleine Waisenkind Maggie in den Straßen von New York herum. Dreckig, schmutzig und richtig kalt ist es für Waisenkinder im New York von 1870 und dann gerät das kleine Mädchen auch noch in die Fänge einer Diebesbande!  

Was mir sofort gefallen hat, ist das Setting, in dem Maggies Geschichte spielt. Der Leser findet sich in New York von 1870 wieder, irrt durch dreckige Gassen, macht mit der stinkenden Kanalisation Bekanntschaft und ist von Gangsterbanden umzingelt, die damals das Straßenbild der Stadt prägten.

Maggie ist ein Waisenkind und hat dabei eigentlich Glück gehabt. Sie hat mehrere Jahre in einem relativ angenehmen Waisenhaus verbracht anstatt wie viele andere im Straßenschmutz zu landen. Doch dann wird sie von ihren Eltern abgeholt, und sogar der jungen Maggie ist klar, das es sich unmöglich um ihre Mutter und ihren Vater handeln kann.

So geschieht es, dass sich Maggie einer Diebesbande von mehreren Kindern anschließt, die in ihrem griesgrämigen Fagin einen Lehrmeister der Kunst des unauffälligen Entwendens gefunden haben und sich dadurch zumindest einigermaßen über Wasser halten können.

Maggie ist ausgezeichnet gelungen. Sie ist ein kleines Mädchen von 8 Jahren, teilweise aufmüpfig mit ihrem eigenen Kopf, gleichzeitig aber auch intelligent genug, sich den Gegebenheiten zu fügen und zutun, was eben getan werden muss. Bis auf Tom und Silence bleiben weitere Bandenmitglieder eher im Hintergrund, hier hätte ich mir fast gewünscht, mehr über das Schicksal der Kinder zu erfahren, aber auch so hat mir das Abenteuer der 40 Little Thieves unheimlich großen Spaß gemacht.

Die Handlung selbst entspricht dieser düsteren New Yorker Zeit. Damals hat ein Regime aus Banden, Gangstern und einem korrupten Polizeiapparat ein eigensinniges Verständnis vom Rechtsbegriff hervorgebracht und Maggies Abenteuer ist genau in diesem Rahmen angesiedelt. In einem Wirrwarr aus Einwanderern und „alteingesessenen“ Amerikanern versucht Maggie, dem Verbleib ihrer richtigen Eltern auf die Spur zu kommen und legt sich dabei gleich mit den großen Gangsterbossen an.

Obwohl es ein Kinderbuch ist, versäumt es der Autor nicht, auf die Schrecken dieser Zeit einzugehen, romantisiert natürlich etwas das Straßen- und Bandenleben und hat in Maggie eine bezaubernde Protagonistin erschaffen, die ich auch als Erwachsene sehr gern kennengelernt habe.

Trotz des düsteren Rahmens sprüht die Geschichte vor Esprit, verleiht Maggies Kindheit einen Hoffnungsschimmer und zeigt, wie wichtig Freundschaft ist, gerade dann, wenn sich das Leben von der harten Seite zeigt.

Meiner Ansicht nach ist „Maggie und die Stadt der Diebe“ ein spannendes Abenteuer für junge und alte Leser, eine Geschichte, die mir die schwierige Kindheit jener Zeit bildhaft vor Augen geführt hat, mich gemeinsam mit Maggie in den Schmutz der Kanalisation zog und mich mitten in der stinkenden New Yorker Brühe aus Waisenkindern, Einwanderern und Gangstern ausgesetzt hat.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at