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Französische Einöde

Der Hof - Argon Verlag, Simon Beckett, Johannes Steck

Sean ist auf der Flucht. Er will einfach nur weg aus der Stadt, aber dass er sich auf einmal mitten in einem französischen Wäldchen mit seinem Fuß in einer Eisenfalle wiederfindet, hätte er sich auch nicht gedacht.

Die Besitzer des Hofs - allen voran die schöne Mathilde - pflegen ihn gesund und obwohl ihr Vater - der mürrische Arnaud - ein fuchteinflössender Zeitgenosse ist, nimmt er gegen Kost und Logis einige Arbeiten am Hof an. Denn auf diese Weise kann er in dem maroden Gemäuer den Kopf einziehen und kommt dabei unvermutet einem erschreckenden Familiengeheimnis auf die Spur.

Der Autor verwebt zwei geheimnisvolle Erzählstränge zu einer Geschichte. Einerseits kommt man Seans plötzlicher Flucht aus London auf den Grund. Wovor er genau geflohen ist, weiß man erst zum Ende hin. Aber dass es nicht ganz legal sein kann und etwas mit seiner Freundin zutun hat, ist einem von Anfang an klar. 

Andrerseits befindet man sich mit Sean auf diesem maroden Hof, mitten in der französischen Einöde, wo der Landwirt Arnaud sein herrschaftliches Zepter als Familienoberhaupt über die beiden Töchter und seine Schweine schwingt. Dabei ist er zu zweiteren allerdings einfühlsamer, was einem bereits zu Beginn zu denken gibt.

Es klingt so spannend und so geheimnisvoll, aber entspricht insgesamt ungefähr der französischen Einöde, in der sich Sean aufhält. Zuerst habe ich gedacht, Simon Beckett wickelt mich mit dieser alltäglichen Normalität um den Finger, um dann richtig zuzuschlagen, wenn ich am wenigsten damit rechne, aber dann lässt er den Leser in dieser belanglosen Atmosphäre nach Spannung lechzen, nur um am Ende ein paar Fäden zu vereinen und einen Showdown im Schnelldurchgang zu präsentieren.

Lange Zeit habe ich mir gedacht, jetzt kommt’s! Jetzt kommt gleich der Clou, ganz sicher. Doch dem war nicht so! Beckett schildert hier das triste Leben am Hof, die Schweinezucht und zugegebenermaßen eine abartige Familie, dann schlittert man in London durch ein abgedroschenes Beziehungsdrama, um zu guter Letzt zum interessantesten Teil der Erzählung - dem Epilog - zu gelangen.

Ich mag Simon Beckett und nicht nur die David-Hunter-Reihe sondern auch seine anderen Werke. Doch mit diesem Roman ist ihm meiner Meinung nach ein Ausrutscher passiert, den man unbedingt auch den Besten zugestehen soll. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at