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Solider Nachkriegskrimi

Der Schieber - Cay Rademacher

Hamburg in der Nachkriegszeit. Die Leiche eines Jungen wird auf einer Bombe drapiert in den Ruinen einer Werft gefunden. Es ist Oberinspektors Staves zweiter Fall im zerbombten Hamburg während der Besatzungszeit, bei dem er nun versucht, einen Kindermörder zu fassen.

Die Krimihandlung selbst ist an und für sich nicht herausragend. Bis auf den ungewöhnlichen Fundort der Leiche - welcher lebensmüde Mörder legt eine Leiche auf einem Blindgänger der Alliierten ab? - ist es ein Kriminalfall der solide nach dem gängigen Schema abgearbeitet wird. Frank Stave macht sich auf Mördersuche, wobei auch noch weitere Leichen seinen Ermittlungsweg pflastern und er nach und nach Mordverdächtigen und dem Motiv auf die Schliche kommt.

Allerdings zeichnet sich dieser Krimi durch seinen historischen Rahmen aus. Nicht nur, dass der Grundstein der Handlung auf wahren Umständen basiert, Cay Rademacher hat ein besonderes Gespür dafür, den Leser das zerbombte Hamburg der Nachkriegszeit vor Augen zu führen: die Zuteilung der Wohnstätten, die großen und kleinen Probleme des Lebensalltags, leise Hoffnung sowie laute Verzweiflung und die Schwerfälligkeit polizeilicher Ermittlungen, hervorgerufen durch die Wirren, die der Krieg in der Regel nach sich zieht. Davon wird ein anschauliches Bild vermittelt, das unglaublich authentisch wirkt.

Außerdem ist Kommissar Frank Stave ein sympathischer und glaubwürdiger Charakter, an dessen Seite man weitere Tatsachen über die Zeit nach dem Krieg erfährt. So steht Karls Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft bevor und der Kommissar weiß nicht so recht, ob er sich über die Rückkehr des Sohnes freuen oder davor fürchten soll. Denn der Sohn wurde als begeisterter Nazi in den Krieg gesandt und hat nun die Schrecken der Schlacht am eigenen Leib erfahren. In welche Richtung hat ihn das verändert? Mit welchen Erinnerungen er wohl nachhause kommt und ob ihn Albträume plagen?

Aber nicht nur die Befürchtungen eines besorgten Vaters werden thematisiert, sondern weitere Begleiterscheinungen des Krieges erhalten ihren Raum: die Wolfskinder, die ihre Kindheit in den Kriegsjahren gelassen und im Rudel zB durch Kohlenklau selbst für ihr Überleben sorgten.

Zudem tragen neckische Dialoge zwischen Kommissar Stave und seinem alliierten Vertrauten Lieutenant MacDonald zum Unterhaltungswert bei, was diesen Roman neben der soliden Krimihandlung zu einem guten, historischen Leseerlebnis vereint.

Die Komissar-Frank-Stave-Reihe:
1) Der Trümmermörder
2) Der Schieber
3) Der Fälscher

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at