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Wer's findet ...

Finderlohn: Roman - Stephen King, Bernhard Kleinschmidt
Der Junge Peter Saubers findet einen Koffer voller Geld, der ihm und seiner Familie wie gerufen kommt. Neben dem Geld befindet sich ein Haufen teurer Notizbücher in dem Koffer, die Peter aus Neugier zu lesen beginnt und feststellt, dass er die unveröffentlichten Werke eines berühmten Autors enthält.

Eben dieser Autor - John Rothstein - wurde Ende der 70er-Jahre ermordet. Nach seiner bekannten Läufer-Trilogie hat er allerdings keine weiteren Werke veröffentlicht und die literarische Nachwelt würde sich bei neuentdeckten Manuskripten gierig die Hände reiben …

Rothsteins Mörder wurden nie gefasst und damit fehlt auch von dem Geld und seinen bedeutenden Notizen jede Spur. Dass die Notizbücher gar nicht verschollen sind, weiß außer dem unbedarften Jungen nur einer: Morris Bellamy, der nach einer jahrzehntelangen Haftstrafe wegen Vergewaltigung endlich aus dem Gefängnis entlassen wird und nun hoffnungsvoll seinen Schatz an sich nehmen will.

Kann man sich die Wut vorstellen, als Bellamy mit offenem Mund vor dem leeren Koffer steht? Ja, dank Stephen King kann man das sehr wohl!


Gleich zu Beginn hat man es in den 70ern mit Rothsteins Mörder zutun. Bellamy, ein Wahnsinniger, der vom geschriebenen Wort besessen ist, vor allem, wenn es aus der Feder Rothsteins stammt.


Danach ist man in der Gegenwart. Peter Saubers Familie leidet unter einer finanziellen Misere, die sich langsam auf die Stimmung schlägt. Wie praktisch, wenn man bei einem Waldspaziergang einen richtigen Schatz entdeckt? Hand auf’s Herz, nicht nur Peter, jeder andere hätte ihn genauso an sich genommen!


Und erst dann breitet die Geschichte ihren Schrecken aus. Zuerst habe ich mich mit Peter so sehr über den Fund gefreut - ich wusste ja schon, was es mit den Notizbüchern auf sich hat - während Peter Rothsteins Werke nach und nach für sich entdeckt. Mittendrin denkt man, alles wird gut, Peter lässt sich nicht hinreissen, er packt die Sache schon, aber dann kriegt man es doch mit der Angst zutun.


Denn nebenher begleitet man noch den wahnsinnigen Morris durch seine Gefängnisstrafe und merkt erst hier so richtig, wie dem Typen der Irrsinn aus den Augen springt. Ruhig, vorbildlich und entsetzlich gefährlich - der Typ Mann, der nichts mehr zu verlieren hat.


King hat dem Setting richtig Leben eingehaucht. Blutig-brutale Szenen, von Spannung und brenzligen Situationen umrahmt, lässt er den Leser auf eine Finale zusteuern, dass man schon während des Lesens zu fürchten beginnt.


Bisher unerwähnt blieb noch unser Reihenheld - Bill Hodges, der Detective a.D. - mit dem man im Vorgängerband „Mr Mercedes“ erstmals ermittelt hat. Er tritt ziemlich spät in der Geschichte auf, betritt allerdings zur rechten Zeit das Parkett, dass man ihn meiner Meinung nach nicht missen braucht.


Meiner Ansicht nach hat Stephen King mit „Finderlohn“ ein wahres Glanzstück geschaffen. Wer, wenn nicht er, der es schafft, einen guten Krimi auf die Beine zu helfen, und ihn derart in Szene zu setzen, dass es zum horrormäßigen Leseerlebnis wird?


Während mich die Krimihandlung durch den grandios fesselnden Stil kaum atmen ließ, habe ich am Ende noch einmal ganz erstaunt die Augen aufgerissen und in mich hinein gelacht. Denn dezent weist der Autor zu guter Letzt noch darauf hin, dass er zwar einen guten Krimi zustande bringt, dennoch nach wie vor als Meister des Horrors gilt.
 
Stephen Kings Bill-Hodges-Reihe:
1) Mr Mercedes
2) Finderlohn
 
© NiWa
Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at