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Hochgeschraubte Gruselspannung

Die Drehung der Schraube - Henry James, Ingrid Rein, Paul Ingendaay

Eine junge und naive Erzieherin nimmt eine Anstellung in einem märchenhaften Landhaus an. Die pflegeleichten Kinder gleichen Engeln, ihre Aufgaben lassen sich gut bewältigen und Unterstützung wird ihr von der Haushälterin Mr. Grose zugesagt.

Wenn diese Stelle nur nicht zum Fürchten wäre! Denn plötzlich sieht sich die Gouvernante mit gespenstischen Erscheinungen konfrontiert, die sie vor Angst in den Wahnsinn treiben. Und was haben die Kinder damit zutun?

Diese Novelle ist von Beginn an ein wahrer Gruselklassiker! Zuerst befindet man sich als Leser in feiner Gesellschaft, die sich abends gegenseitig schaurige Geschichten erzählt. Da lässt es sich ein Herr nicht nehmen, von zwei engelsgleichen Kindern und ihrer Gouvernante zu berichten.

Die Gouvernante ist äußerst unerfahren und nimmt glückselig die Stelle in dem Landhaus an. Ihr Herr möchte mit Belangen um die Kinder nicht behelligt werden und so stellt sie sich zaghaft und trotzdem überwältigt der verantwortungsvollen Position.

Trotz der vorzüglichen Manieren der Kinder und dem harmonischen Ablauf der einzelnen Tage, bekommt es die Erzieherin mit der Angst zutun, als der ihr anvertraute Junge Miles einen Schulverweis bekommt und sie sich fragt, woran die letzte Gouvernante eigentlich gestorben ist.

Und obwohl eigentlich kaum etwas geschieht, dreht Henry James die Spannungschraube bis zum Bersten an. Von Beginn an war ich von der gruseligen Atmosphäre gefangen, seitenweise hielt ich den Atem an und habe mich nicht nur gegruselt sondern gefürchtet, weil teilweise die Fantasie mit mir durchgegangen ist.

Denn hier komme ich zum Kern dieser Erzählung. Der Autor überlässt den Leser seiner eigenen Vorstellungskraft und erschafft damit Nervenkitzel, der einen beim kleinsten Laut vor Schreck zusammenzucken lässt.

Als natürliche Folge lässt die Handlung sehr viel Interpretationsspielraum, der im Nachhinein noch für interessante Diskussionen sorgt und die Geschichte aus mehreren Perspektiven betrachten lässt. 

Zwar war ich vom Ende leider etwas enttäuscht, allerdings kann ich diese nervenaufreibende Schauerlektüre auf Klassikerniveau uneingeschränkt jeden empfehlen, der einmal hochgeschraubte Gruselspannung am eigenen Leib erfahren will.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at