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Endzeitszenario der leisen Töne

Das Licht der letzten Tage: Roman - Emily St. John Mandel, Wibke Kuhn

Die Welt ist zerbrochen. Eine Pandemie hat das Leben, wie wir es kennen, ausgelöscht. Den Anfang nimmt es mit dem Tod des Schauspielers Arthur Leander, der während einer Aufführung „König Lears“ auf der Theaterbühne an einem Herzinfarkt stirbt.

„Das Licht der letzten Tage“ ist ein sehr ungewöhnlicher Roman. Als Leser begleitet man eine Theatergruppe durch eine postapokalyptische Welt. Diese Gruppe nennt sich selbst „Die Symphonie“ und führt vor anderen Überlebenden die zeitlosen Stücke Shakespeares auf.

Auch „König Lear“ ist ein Stück aus Shakespeares Hand, daher wundert es nicht, dass sein vielleicht letzter Darsteller in der alten Welt, Arthur Leander, Dreh- und Angelpunkt der ganzen Geschichte ist. Man erfährt von seinem Auf- und Abstieg als Schauspieler, wie er sich von einer kleinen Insel zuerst nach Montreal bis ins Stargewühl von L.A. vorgearbeitet hat und im Besonderen lernt man Menschen kennen, die seinen Weg pflasterten. Denn viele dieser Menschen haben die Pandemie überlebt und erinnern sich nach der Apokalypse immer wieder an ihn zurück.

Die Stimmung war gigantisch, die Autorin hat mich in ihr postapokalyptisches Szenario geschleift und ließ mich nicht mehr los. Sogar mir haben die Annehmlichkeiten unserer modernen Gesellschaft gefehlt und während mancher Lesepause war ich direkt glücklich, dass im Badezimmer Wasser aus den Hähnen kommt und ich mir einen heißen Tee am Herd zubereiten kann.

Was mir an dieser Geschichte leider eindeutig gefehlt hat, war eine grundsätzliche Handlung. Es war auf jeden Fall interessant über Arthur Leanders Karriere zu erfahren, gemeinsam mit der Symphonie durch die Postapokalypse zu wandern und dabei manchen überreligiösen Anführer zu begegnen, trotzdem war für mich kein Ziel des Romans erkennbar. 

Vielleicht wollte die Autorin meine philosophische Seite anregen, in dem sie mir vor Augen führt, wie zerbrechlich all unsere Selbstverständlichkeiten sind: Man denke an die medizinische Versorgung, lieb gewonnene Gewohnheiten - der Latte Macchiatto zum Frühstück -  oder ganz einfach saubere Kleidung aus der Waschmaschine. Wenn das ihr Ziel war, dann hat sie es erreicht.

Allerdings lässt sie mich nicht als überzeugte Leserin zurück. Gerne hätte ich eine richtige Geschichte in ihrem Szenario erlebt und nicht nur die Bekanntschaft mit den Menschen aus Arthur Leanders Leben gemacht.

Ich denke, wer einmal ein Endzeitszenario der leisen Töne durchmachen und eine Postapokalypse wie aus Shakespeares Zeiten erleben will, ist mit „Das Licht der letzten Tage“ gut beraten. Wer sich davon eine richtige Geschichte vom und nach dem Ende der Welt verspricht, wird leider enttäuscht werden.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at