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Makabres Freizeitvergnügen

Seelenfänger  - Roberto Hollanda, Jonathan L. Howard

Johannes Cabal - seines Zeichens Totenbeschwörer - fährt in die Hölle um Luzifer himself einen Deal vorzuschlagen. Er möchte seine schwarze Seele vom Fürst der Finsternis zurück, doch der lässt sich nicht ganz so einfach darauf ein und schlägt nach gutem Höllenbrauch eine Wette vor: innerhalb eines Jahres soll Cabal 100 Seelen in die Hölle verfrachten und dafür bietet er ihm sogar Hilfestellung an.

Diese Unterstützung ist ein Jahrmarkt, der Zwietracht unter den Menschen sät und als eingestaubtes Projekt in den hintersten Winkel der Hölle ruht. Cabal bleibt keine andere Wahl und lässt sich auf das teuflische Vergnügen ein.

Johannes Cabal ist ein bizarrer Typ. Selten hatte ich es mit einem derart kaltherzigen Protagonisten zutun. Was aber an und für sich kein Wunder ist, wenn man seelenlos als Nekromant bzw. Totenbeschwörer seinen Alltag verbringt. Vor Jahren hat Cabal seine Seele an den Teufel verkauft, um im Gegenzug dazu die Geheimnisse der Nekromantie zu erfahren. Mittlerweile stellt er fest, dass die Seelenlosigkeit nicht nur Vorteile mit sich bringt und nun fordert er, was rechtmäßig ihm gehört vom Satan zurück.

Der Schreibstil ist schwierig zu beschreiben. Einerseits strotzt er vor typisch britischem Amusement mit einer fein geschliffenen Sprache, schwarzem Charme und überlegten Anspielungen, andrerseits wirkt er manchmal etwas albern und hochgeschraubt, was teilweise gewöhnungsbedürftig war.

„Bettler, Hausierer und Vertreter waren durchaus willkommen - es kam billiger, als ein Besuch beim Fleischer.“ (S. 372)

Die Erzählung selbst ist ebenso makaber, worauf man sich meiner Meinung nach wirklich einlassen muss, um sie genießen zu können. Cabal als seelenloser Wissenschafter holt Zombies aus der Taufe, haucht toten Menschen Leben ein und flickt schon einmal den einen oder anderen lebenden Leichnam wieder zusammen, damit dieser weiterhin auf dem Jahrmarkt seinen Dienst tun kann:

„Der Schaden ist irreparabel. Verstehst du das? … Ich könnte ihn abnehmen, den Stumpf abdichten und versuchen, die Knochen zu reanimieren.“ (S. 90)

Obwohl es der erste Band einer Trilogie ist, hatte ich beim Lesen oft das Gefühl, irgendetwas versäumt zu haben, weil viel vorhergehende Ereignisse immer wieder von Bedeutung sind. Es war als ob es sich eigentlich schon um einen weiteren Band einer Reihe handelt. 

Nichtsdestotrotz war ich gern mit dem Totenbeschwörer Johannes Cabal und seinem Jahrmarkt der Zwietracht unterwegs, habe mit ihm Mütter zum Mord getrieben, stinkende Leichen verarztet und mich mit dem Höllenfürsten angelegt. Wer eine Vorliebe für seelenlose schwarze Charaktere im Rahmen eines absurd-makabren Settings hat, sollte sich auf eine Begegnung mit Johannes Cabal einlassen und selbst schauen, wie er ihm zu Gesicht steht und ob er ihm ein weiteres Mal begegnen mag.

Die Johannes-Cabal-Trilogie:
1) Johannes Cabal. Seelenfänger
2) Johannes Cabal. Totenbeschwörer
3) Johannes Cabal. Das Institut für Angst und Schrecken

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at