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Farbenprächtiges Indien

Die Mitternachtsrose - Lucinda Riley

Die amerikanische Schauspielerin Rebecca seufzt erleichtert auf als sie endlich am Set zu ihrem nächsten Film ankommt. Die Papparazzi haben es jetzt so richtig auf sie abgesehen, dabei sehnt sie sich nur nach etwas Ruhe zum Nachdenken.

Dieser Film wird im englischen Dartmoor gedreht, in einem herrschaftlichen Herrenhaus, indem sich einst vornehme Lords und bezaubernde Ladies die Ehre erwiesen, und wo Rebecca zu ihrem Erstaunen erkennt, dass sie der längst verstorbenen Lady Violet zum Verwechseln ähnlich sieht.

In diesem Roman nimmt die Autorin den Leser in zwei Welten mit. Einerseits öffnet sie die Tore eines herrschaftlichen Anwesens, das ganz im Sinn des feudalen Großbritanniens unter seiner alles verachtenden Würde einzustürzen droht. Andrerseits entführt sie hinter die Mauern eines indischen Palasts, in dem man in eine völlig fremde Kultur abtaucht. Laut, bunt und von Aberglauben geprägt verströmen Räucherstäbchen ihren Duft, bilden Elefanten Paraden und leben Frauen in Zenanas, wo sie vor männlichen Blicken sicher sind.

Und es wäre nicht Lucinda Riley, wenn sich Vergangenheit und Gegenwart nicht die Hand reichen und gemeinsam von Familien über Generationen hinweg, ihren Tragödien und schönen Momenten erzählen.

So bilden sich zwei Erzählstränge, die zum einen von der Zeit des 1. Weltkriegs in Großbritannien sowie Indien berichten und zum anderen in der Gegenwart angesiedelt sind.

Die Episoden von Vergangenheit und Gegenwart haben mir gleich gut gefallen. Mit der Protagonistin Rebecca hatte ich großes Mitgefühl, weil sie trotz ihrer Prominenz tatsächlich auf dem Boden geblieben ist und eher die Schattenseite ihrer Berühmtheit zu spüren bekommt. 

Hauptperson der Vergangenheit ist eine Inderin namens Anni, die mir ihr schillerndes Land in allen Farben und Verwaschungen gezeigt hat. Besonders die Schilderungen der indischen Kultur und ihrer Geschichte haben es mir angetan und so wurde dieser Roman ein richtig indisches Leseerlebnis für mich, das mich vor allem durch das prächtige Ambiente der hiesigen Paläste faszinieren konnte.

Gut herausgearbeitet ist die komplizierte Beziehung zwischen Großbritannien und Indien, von der ich selbst noch nicht viel gelesen habe. Damit konnte mich die Autorin nicht nur gut unterhalten, sondern ich habe sogar das Gefühl, dass ich mich ein wenig weitergebildet habe.

Leider konnte Lucinda Riley dem Griff in die Trickkiste nicht widerstehen und hat gegen Ende des Romans die Gegenwartshandlung derart ins Lächerliche gezogen, dass sich vor Schreck meine Augen geweitet haben. Man kann es wirklich übertreiben und das wurde hier getan.

Letztendlich musste ich auch feststellen, dass sich Vergangenheit und Gegenwart nicht immer einig sind und manche Ereignisse das Gesamtbild trüben oder für mich nicht nachvollziehbar waren.

Dennoch ist es farbenprächtiger Roman über Familien in Großbritannien und Indien, deren Vergangenheit und Gegenwart, Gegensätze und Gemeinsamkeiten, aber auch über Moderne und Tradition, allesamt in einem schillernden Leseerlebnis vereint, das ich dem genregeneigten Leser trotz mancher Mängel gerne empfehlen kann.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at