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"Die Schule ist aus, Starling." (S. 86)

Das Schweigen der Lämmer  - Thomas Harris

Ja, für die angehende FBI-Agentin Clarice Starling ist sie das auf jeden Fall. Gerade noch hat sie in Quantico die Schulbank gedrückt, steckt sie schon mitten in der Serienkillerjagd nach Buffalo Bill, der Frauen häutet, und kommt zur zweifelhaften Ehre Dr. Hannibal Lecter zu verhören.

Anfangs sollte es nur ein harmloses Verhör werden, auf das sich Clarice Starling eingelassen hat. Im geschützten Raum der Gefängniszelle ist ihr Einsatz gefragt, um Dr. Hannibal Lecter - bekannt als Hannibal der Kannibale - Informationen zu seinen Gräueltaten zu entlocken.

Doch dann stellt sich heraus, dass Lecter sein eigenes Spielchen mit dem FBI und Starling treibt und er sogar bei der Ergreifung von Buffalo Bill behilflich sein kann. 

Thomas Harris’ „Das Schweigen der Lämmer“ ist für mich einer der besten Serienkiller-Thriller, die ich jemals gelesen habe. Obwohl es um die Ergreifung Buffalo Bills geht, handelt es sich eher um eine Ménage-à-trois, die sich zwischen Starling, Dr. Lecter und dem geistesgestörten Frauenmörder Buffalo Bill anbahnt.

Gerade befand sich Starling noch im Schutz ihrer Ausbildung, da wird ihr die berufliche Ehre erwiesen, sich mit Dr. Hannibal Lecter zu befassen. Er ist einer der bekanntesten Serienmörder aller Zeiten, den nicht einmal ein Hochsicherheitstrakt in Schach halten kann. Der hochintelligente und überaus intellektuelle Lecter, wird mit Samthandschuhen angefasst, aber nicht, weil es in amerikanischen Gefängnissen so üblich ist, sondern weil es sonst leicht passieren könnte, dass sich der renommierte Psychiater im Gesicht eines anderen verbeißt.

Während die Ermittlungen um Buffalo Bill das FBI in Atem halten, erkennt Starling, dass Lecter dabei helfen kann und fasst Vertrauen in den geistesgestörten Mann.

Die Charaktere Starling und Lecter sind Dreh- und Angelpunkt dieses Psychothrillers. Bereits als man mit Clarice Starling das Gefängnis betritt, stockt einem der Atem, weil man sich der Situation nicht gewachsen fühlt. Man reisst sich zusammen, wirft selbstbewusst das Haar zurück und nimmt überlegt eine gerade Haltung ein, als man Lecter zum ersten Mal gegenübertritt. Dr. Hannibal Lecter ist eine formvollendete schwarze Seele, die mit intellektueller Anmut das Wort ergreift,  auf hochintelligente Weise sein Gegenüber analysiert und dadurch in seiner gleichgültigen Ruhe hochgradig gefährlich ist.

Thomas Harris hat mit Lecter einen Protagonisten erschaffen, der einen beim Lesen den Atem anhalten lässt. Anziehend und abstoßend zugleich, bannt er durch seine kultivierte Art und besticht durch verstörendes Charisma.

Starling, die sich aus verworrenen Verhältnissen bis zum angehenden FBI-Agent hochgearbeitet hat, wartet als interessante Protagonistin auf, die in einem geschickten Zusammenspiel ihrer Wesenszüge, den Leser an der Hand zu nehmen weiß, und sich gemeinsam mit ihm auf das Grauen einlässt.

Die Story um Buffalo Bill erfreut sich ebenso genialer Ausarbeitung. Ohne Klischees oder langatmiger Vorhersehbarkeit, fädelt der Autor eine meisterhafte Handlung ein, die nicht nur das FBI sondern vor allem den Leser in äußerst angespannte Stimmung versetzt.

„Das Schweigen der Lämmer“ ist für mich ein Klassiker unter den Psychothrillern, der mit seinen beispiellosen Charakteren, schockiert, fesselt, verstört und sich dadurch zurecht die Aufmerksamkeit jedes Thrillerfans verdient.

Die Hannibal-Lecter-Reihe:
1) Roter Drache
2) Das Schweigen der Lämmer
3) Hannibal
4) Hannibal Rising

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at