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Eine Hetzjagd von einem Thriller

Bald ruhest du auch: Thriller - Wiebke Lorenz

Lena kann nicht mehr, sie ist an ihrer Grenze angekommen, aber aufgeben kommt auch nicht in Frage. Ihr Mann starb einen furchtbaren Unfalltod und sie ist im 8. Monat schwanger. Sie muss für ihr Kind leben und reisst sich zusammen. Doch wenige Wochen nach der Geburt fängt das Grauen erst richtig an. Die kleine Emma wurde entführt, weil sich jemand an Lena rächen will. Aber wofür?

Wiebke Lorenz versetzt den Leser gleich zu Beginn in eine niederschmetternde Situation. Der Ehemann ist bei einem Unfall um’s Leben gekommen, die Frau hochschwanger und nach der Niederkunft wird das Kind entführt, worauf sich Lena in ihrer Verzweiflung keinen Reim machen kann.

Noch dazu darf sie keinesfalls die Polizei einschalten, weil das Emmas sicheren Tod bedeuten würde, und auch ihrer Schwiegermutter wagt sie kein Wort zu erzählen, zu groß ist die Angst um das Kind, das ihr von ihrem Mann geblieben ist.

Die Autorin hat einen Wahnsinns-Pageturner geschaffen. Verzweifelt hastet man mit Lena quer durch Hamburg, fürchtet sich, hat es ständig mit der Angst zutun und rätselt, wer oder was sich hinter der Entführung verbergen mag. 

Denn es ist nicht nur die Kindesentführung allein, die es zu klären gilt, sondern im nächsten Umfeld ist deutlich Gefahr zu spüren, vor der es kein Entrinnen gibt. Lena kann sich die Ereignisse nicht erklären, nur so viel ist klar, es hat jemand auf sie abgesehen und ist auf Rache aus.

Jeder Person, der ich in diesem Thriller begegnet bin, hat für mich eine potentielle Bedrohung dargestellt. Bei jedem, wirklich jedem, war ich darauf gefasst, dass er oder sie dahintersteckt und daher war ich nicht weiter verwundert, als sich ein Verdacht von vielen bewahrheitet hat. Aber dieses Hin und Her, die Verdächtigungen und die grausigen Ereignissen haben mich in einen Spannungszustand versetzt, dass ich das Buch tatsächlich nicht mehr aus der Hand legen konnte und in den wenigen Lesepausen über meinen Theorien gebrütet habe.

Eine besonders blutige Situation mit einem Hund ist mir so richtig an die Nieren gegangen. Wiebke Lorenz hat hier alles so geschickt in Szene gesetzt, dass ich kaum ruhig sitzen konnte, und ich direkt Erleichterung empfunden habe, als es ausgestanden war, weil ich hier an meine Grenzen gestoßen bin.

Zudem schafft es die Autorin sogar nach dem Thriller selbst, den Leser zum Staunen zu bringen. Denn im Epilog setzt sie dem Ganzen noch die Krone auf, was mir sehr gut gefallen hat.

Weniger gefallen haben mir einige Charaktere, darunter Lenas Ehemann, den man in Rückblenden kennenlernt. Bei aller Liebe, wenn mich ein Mann während der Kennenlernphase derart von sich stößt, würde ich mir nicht so schnell eine gemeinsame Zukunft mit ihm aufbauen. Lena hat’s getan, was mich bei ihrer ansonsten eher emanzipierten Persönlichkeit doch gewundert hat.

Die Auflösung selbst war gut, aber recht konstruiert, womit man meiner Meinung nach bei Thrillern dieser Art eben rechnen muss. Jedenfalls hat Wiebke Lorenz wahre Hintergründe einfließen  lassen und macht damit auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam, die nicht nur in Büchern zu finden sind.

Spannend, rasant, aufwühlend - eine Hetzjagd von einem Thriller, der einen nicht zur Ruhe kommen lässt! 

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at