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Willkommen im Unus, treten Sie ein!

Schattentour: Thriller - Jessica Swiecik

Wenn Urban Explorer auf Erkundungstour gehen, dann lassen sie sich auf die Vergangenheit ein. Jedoch hätten die Urban Explorer Shannon, Adam, Malte und Lara nicht gedacht, dass sich die Vergangenheit auf sie einlässt.

Das „Unus“ - ein altes leerstehendes Hotel in der Nähe von Frankfurt - wartet richtiggehend darauf von Neugierigen entdeckt zu werden. Daher lässt sich das vierköpfige Urban Explorer Team nur allzu gerne auf dieses Abenteuer ein, denn das Hotel ist noch dazu von geheimnisvollen Geschichten umsponnen.

 
Die Rechnung haben sie allerdings ohne das Team der Ghost Discoverers gemacht, das in alten Gemäuern nicht die Vergangenheit erkundet sondern dessen Geister verfolgt.
 
Hier hat mich sofort die außergewöhnliche Thematik angelockt. Denn Urban Explorer gibt es tatsächlich.  Diese Menschen dringen in verlassene Häuser ein, um in die Vergangenheit einzutauchen und vielleicht sogar manche alte Geschichte den Resten der Gebäude zu entlocken.
 
In diesem Thriller steigt man mit den Urban Explorer Team in das heruntergekommene Hotel „Unus“ ein. An der Rezeption liegt sogar noch das Gästebuch, die Zimmer sehen merkwürdig sauber aus, obwohl es bereits jahrzehntelang geschlossen ist, und seltsame Vorkommnisse - ein Geräusch hier, ein verschwundener Gegenstand da - lassen die Teammitglieder fahrig werden, was meiner Meinung nach in solch einer Situation nur verständlich ist.
 
Eine zweite Erkundungstour tritt man zeitgleich mit dem Ghost Discoverers Team an. Diese drei Geisterjäger versuchen schon länger, das Jenseits zu kontaktieren. Ausgestattet mit Wärmebildkamera, Taschenlampe und weiteren Aufnahmegeräte, hoffen sie, endlich einmal Erfolg zu haben. Doch manchmal hat es auch ja seine Nachteile, wenn Wünsche wahr werden.
 
Genauso schaurig wie die Vorstellung davon, war auch das Lesen selbst. Man dringt gemeinsam mit den beiden Teams in das alte Gebäude ein, kommt durch ein Kellerfenster gekrochen und steht momentan in völliger Dunkelheit. Was wird einen erwarten? Verschimmelte Wände? Besoffene Jugendliche? Oder doch der Hausgeist?
 
Hier konnte die Autorin eine zum Zerreissen angespannte Schauerstimmung vermitteln. Ich habe mich gefühlt, als ob ich selbst bei den Urban Explorer dabei gewesen wäre. Nervös habe ich meine Stirnlampe angeknipst und bin gemeinsam mit den anderen dem spärlichen Lichtstrahl folgend durch die Dunkelheit getapst. Endlich an der Rezeption angekommen, sind wir in den guten Zeiten des Hotels geschwelgt, haben gestöbert und unsere neugierigen Nasen in die staubbedeckte Vergangenheit gesteckt, bis uns einige Merkwürdigkeiten etwas nervös werden ließen …
 
Im Geisterjäger-Team hatte ich es eher mit „nerdigen“ Typen zutun. Menschen, die alles daran setzen, einem Gespenst „Hallo“ zu sagen, obwohl sie sich dann fast in die Hose machen, wenn sie meinen, dass es dazu kommen könnte. Allesamt sind sie eher introvertiert und lassen sich nicht einmal gegenseitig in die Karten schauen, sodass man eigentlich nicht weiß, mit wem man es überhaupt zutun hat. 
 
Die Perspektivenwechsel zwischen den beiden Teams haben für Spannung gesorgt und dem Leser mehr Informationen über die Geschichte des Hotels geliefert. Der Erzählstil an sich hat mich an den berüchtigten Found-Footage-Stil à la „Blair Witch Project“ erinnert, mit dem man mich immer begeistern kann. Obwohl nicht bis zum Ende umgesetzt, konnte mich die Handlung im Großen und Ganzen überzeugen und die eingesetzten Stilmittel haben eine optimale Stimmung kreiert, die mich manchmal in der gespenstischen Ruhe nicht einmal atmen ließ.
 
Es war gruselig, es war schaurig, die Spannung wurde oft bis zum Zerreissen getrieben - womit sich dieser Thriller eine eindeutige Leseempfehlung verdient und zwar für alle, die sich mal in einem alten Gemäuer Angst einjagen lassen möchten, mit Urban Explorer auf Tour gehen wollen und sich nicht im Dunkeln fürchten.
 
© NiWa
Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at