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In der Finsternis

In der Finsternis: 3 CDs - Claudia Franz, Jürgen Holdorf, Sandrone Dazieri

Dante Torre kann Menschen lesen. Das kann er, weil er seiner Ansicht nach nicht zu ihnen gehört. Er sieht sich als Außenstehender, als Beobachter, weil er es nie geschafft hat, sich voll und ganz in die Gesellschaft zu integrieren. Denn Dante Torre war gefangen. 11 Jahre von seiner Kindheit an bis in die Jugend hinein, hat er abgeschottet in einem Silo verbracht. Und jetzt werden auf einmal wieder Kinder entführt …

Der Autor greift eine interessante Idee auf. Wie entwickelt sich ein Mensch, der fast seine ganze Kindheit und Jugend eingesperrt und in den Fängen eines psychopathischen Entführers verbracht hat? Wie wird dieses Trauma verarbeitet? Wie fügt sich dieser Mensch in das soziale Leben ein? Und wer ist diese Person als Erwachsener?

Dieser Mensch heißt Dante Torre. Dem Protagonisten Dante Torre war es nicht vergönnt, in einer Familie, in einem Elternhaus und im Rahmen eines „normalen“ Umfelds aufzuwachsen. Dante Torre ist dieser Mensch, der im Silo großgezogen wurde, seinen Peiniger als „Vater“ bezeichnet und Jahre nach dem Martyrium außerhalb der Gesellschaft lebt. Gleichzeitig   mit dieser traurigen Existenz, hat es Dante allerdings geschafft, das einzig Positive daraus zu gewinnen. Denn durch seine Ausgrenzung, kann er Menschen lesen, sie einschätzen und kleinste Verhaltensweisen deuten. Und diese Gabe hat er zum Beruf gemacht.

Als sich in Rom wieder ein Entführungsfall ereignet, wird Dante von der Polizei als Berater beauftragt und damit nimmt sich ein etwas chaotisch-amüsantes Ermittlerteam des Falles an.

Vertreterin der Polizei ist Colomba Caselli, die selbst ein Trauma zu verarbeiten hat und nicht so recht weiß, warum sie sich mit diesem Fall und Dante beschäftigen soll. Aber ihrem Vorgesetzten zuliebe, nimmt sie sich gemeinsam mit Dante des entführten Kindes an.

Für mich liegt in dem außergewöhnlichen Ermittlerteam der Reiz dieses Thrillers. Beide sind so richtig traumatisiert und haben eigentlich schon genug mit sich selbst zutun. Dante hält es nicht in geschlossenen Räumen aus, Colomba neigt zu Panikattacken, aber irgendwie schaffen sie es doch, gemeinsam voranzukommen. Es kam mir fast so vor, als ob sich ein Blinder und ein Tauber gegenseitig stützen, obwohl beide sogar noch einen Fuß in Gips haben.

Die Handlung selbst war gut ausgearbeitet und es war spannend, den Hintergründen auf den Grund zu gehen. Hier gibt es viele verschiedene Handlungsstränge. Man schwenkt zurück in Dantes Zeit in seinem Kindheitsverlies, beobachtet den Polizeiapparat bei der Arbeit oder darf sich in allen - auch blutigen - Einzelheiten eine Explosion in einem Restaurant schildern lassen. Insgesamt fand ich den Aufbau nicht wirklich rasant, dafür aber sehr fesselnd erzählt und mit interessanten Einblicken gespickt.

Die Auflösung bzw. die Hintergründe des Falles habe ich persönlich als sehr konstruiert empfunden. Hier muss ich allerdings einräumen, dass die Ansatzpunkte des Autors im Grunde auf wahren Ereignissen beruhen und vielleicht gar nicht mal so sehr an den Haaren herbeigezogen sind.

„In der Finsternis“ ließ mich keinesfalls im Dunkeln stehen. Durch die Protagonisten wird man als Leser hineingezogen, leidet mit ihnen, ist mut- und ratlos und man gibt trotzdem nicht auf. 

Meiner Meinung nach ist es ein bemerkenswerter Thriller, mit einem höchst erstaunlichen Ermittlerteam, der einem zusätzlich noch die Vorgehensweise des italienischen Polizeiapparats näher bringt, und damit eindeutig als empfehlenswert bezeichnet werden kann.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at