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Der Traum von Samoa

Der Traum vom Horizont - Alexandra Fischer-Hunold

1902. Karl von Bahrlow will sich in der Kolonie Deutsch-Samoa seinen Traum von der beachtlichen, angesehenen Plantage verwirklichen. Gemeinsam mit seiner Frau und den drei Töchtern geht er das größte Abenteuer seines Lebens an, ohne zu ahnen, in welches Verderbnis er sich selbst und seine Familie stürzt.

Karl von Bahrlow ist kein angenehmer Zeitgenosse. Barsch, ständig wutentbrannt und mit einer alles verzehrenden Sturheit führt er in seiner Familie ein straffes Regiment, worunter nicht nur seine Frau sondern auch die Töchter zu leiden haben.

Als Frau und Mutter hat Rosa wohl versagt. Sie hat es nie geschafft, eine innige Beziehung zu ihren Töchtern aufzubauen - ausgenommen zu Martha, der Jüngsten - schluckt runter, womit sie der hasserfüllte Ehemann auch quälen mag, und seien es neben harter Worte noch härtere Schläge, denn eines kann ihr Karl niemals nehmen - ihren Traum, der auf Samoa wahr geworden ist.

Die Töchter Grethe, Helene und Martha könnten unterschiedlicher nicht sein. Grethe ist die Vorzeigetochter, die Strenge, die sich sogar selbst geißeln würde nur um den Vater zu gefallen. Die Zweitgeborene Helene, geht mit ihren Sehnsüchten, Wünschen und Bedürfnissen zwischen den Schwestern unter, allzu selten wird ihr überhaupt Aufmerksamkeit geschenkt und noch seltener wird sie mit Wohlwollen beachtet. Und Martha ist der Wildfang unter den Dreien, die Rebellin, die wohl vom Vater die Sturheit hat. Ihr ist alles egal, jeden Preis ist sie bereit zu zahlen, um ihren Willen durchzusetzen. Schläge vom Vater? Dann reckt sie erst recht stolz das Kinn empor.

In erster Linie handelt es sich also um eine Familiengeschichte, die während der deutschen Kolonialzeit von 1902 bis nach dem Ende des 1. Weltkriegs spielt. Alle Familienmitglieder leiden unter dem patriarchalischen Vater. Seine Frau und die Töchter sind für ihn nicht mehr als Vieh, das es in Zaum zu halten gilt. Schockierend beschreibt die Autorin, worunter diese Frauen zu leiden haben, wie sie verachtet und gequält werden, einfach nur deshalb, weil sie Frauen sind.

Mit dem Weltenbummler Robert Rönsch kommt eine bessere Zeit auf die von Bahrlows zu. Der junge Mann bringt frischen Wind in die Kolonie und weiß den Vater zu nehmen, sodass die Frauen zwischendurch zu Atem kommen, womit er sich Ansehen in der Familie verdient. Allerdings ahnt niemand, dass sich diese leichte Brise zu einem verzehrenden Orkan entwickeln wird.

Der Erzählstil hat mir ausgesprochen gut gefallen. Man wechselt nach und nach die Perspektiven, während die Handlung weiter ihren Lauf nimmt. Dadurch lernt man die Beweggründe aller Figuren kennen und kann sich sogar gut in Karl, den Schrecklichen, hineinversetzen, was ihn zwar trotzdem nicht sympathischer werden lässt, allerdings bekommt man eine Ahnung, wie er zu diesem garstigen Mann geworden ist.

Abseits vom Familiengeschehen weiß die Autorin den Leser auf die Insel Samoa zu entführen. Üppige Blüten, drückende Hitze, prasselnder Regen - es ist fast so, als ob man tatsächlich selbst vor Ort gewesen ist, und nebenher bekommt man einen interessanten Einblick in die historischen Ereignisse, die sich während der Kolonialzeit auf der Pazifikinsel zugetragen haben.

Die Geschichte der Familie Bahrlow, ist eine Geschichte von Angst, Unterdrückung, familiärer Gewalt und dem hoffnungsvollen Traum vom Leben auf einer Insel am Horizont, den ich sehr gerne mit den Figuren geträumt habe.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at