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Meine Meinung zum Fall Harry Quebert

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert - Joël Dicker

Mehr als 30 Jahre ist es her, dass die 15jährige Nola verschwunden ist. Und plötzlich taucht sie wieder auf: als verwitterte Leiche im Garten des bekannten Bestseller-Autors Harry Quebert!

Sein Schützling Marcus Goldmann - ebenfalls Schriftsteller und von einer ruinösen Schreibblockade gehemmt - glaubt als einer von wenigen an Harrys Unschuld, und beginnt damit, die Geschichte in einem Buch zu verarbeiten. Aber was steckt hinter der mysteriösen Nola und ihrem Verschwinden? Und hatte der damals über 30jährige Harry tatsächlich eine Liebesbeziehung zu dem Teenager?

Die Geschichte wird aus der Sicht von Marcus Goldmann erzählt und das aufstrebende Jungtalent strotzt nur vor schriftstellerischem Esprit und Feingefühl. Gleich von Beginn an weiß er den Leser in seine Situation zu versetzen, lässt einem mit ihm gegen die Schreibblockade kämpfen, und man hofft zusammen darauf, an den ersten großen Erfolg anschließen zu können. Marcus Goldmann war ein Überflieger, ein Bestsellerautor, der fast aus dem Nichts entstand, und schnell merkt man, dass er diesen Erfolg seinem ehemaligen Professor und Freund Harry Quebert zu verdanken hat.

Doch von einem Moment auf den anderen steht Harry Quebert unter Mordverdacht. 1975 ist die 15jährige Nola spurlos verschwunden und bei Gartenarbeiten auf Harrys Grundstück, mehr als 30 Jahre später, unvermutet wieder aufgetaucht. Fast gleichzeitig entdeckt Marcus, dass Harry einst Nolas Geliebter war, was Harry zum Verhängnis wird. Doch Marcus stellt eigene Ermittlungen an und zerrt rätselhafte Verstrickungen ans Tageslicht.

Der Roman und Plot an sich haben mir sehr gut gefallen. Wie bereits erwähnt, beherrscht Joël Dicker einen kurzweiligen Erzählstil, der ausgezeichnet unterhält und amüsant zu hören ist. Anregend und abwechslungsreich sind vor allem auch die Perspektivenwechsel, die zwischen den Ereignissen im Sommer 1975 und der Gegenwart variieren, weil sich Marcus von Harry und den Bewohnern Auroras von damals erzählen lässt.

Allerdings schafft es Dicker nicht, diesen fesselnden Stil beizubehalten, weil er sich ab ungefähr der Hälfte des Romans in Wiederholungen verliert. Ständig lässt man sich auf die Ereignisse von damals auf’s Neue ein und wird mit der Zeit müde, über Nolas Verschwinden nachzudenken. 

Außerdem hat die Geschichte von Harry und Nola einen unangenehmen Beigeschmack, weil eine Liebesbeziehung zwischen einem 15jährigen Mädchen und einem doppelt so alten Mann für mich persönlich ans Pädophile grenzt. Kitschige Ausschmückungen Harrys, habe ich als überzogen empfunden und vom Ende war ich etwas enttäuscht, weil es fast dem typischsten aller Krimiklischees entspricht.

Nichtsdestotrotz war es ein guter Krimi, der mich immer wieder auf die falsche Fährte gebracht hat, die persönliche Note durch Marcus Goldmanns schriftstellerische Ambitionen und den damit einhergehenden Problemen haben für Unterhaltung gesorgt, und insgesamt habe ich gemeinsam mit Marcus gern in der Vergangenheit des Ortes Aurora und Harrys Leben geforscht, wobei wir auf so manches überraschende wie auch pikante Detail gestoßen sind.

Meiner Meinung nach ist es ein ideenreicher Krimi, bei dem man aber mit laschen Wiederholungen zu kämpfen hat und von der Aufklärung nicht zu viel erwarten darf.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at