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Spannend, schaurig, gruselig.

Ausradiert: Roman - Martin S. Burkhardt

Wie würde es einem gehen, wenn sich die eigene Identität aufzulösen beginnt? Wenn einen plötzlich niemand kennt, das Namensschild von der Haustür verschwindet und der Schlüssel nicht mehr ins Schloss passt?

Genau das passiert Moritz. Der anfangs noch an einen bösen Scherz seiner Arbeitskollegen glaubt, es aber dann mit der Angst zutun bekommt, als ihn auch noch bedrohliche Wesen jagen.

Moritz verschwindet nach und nach aus seinem eigenen Leben, seine Identität scheint sich irgendwie auf wundersame Weise aufzulösen. Es beginnt mit Kleinigkeiten. Ein fehlender Name da, ein merkwürdiges Gespräch dort, ein Urlaubsfoto, das er eigentlich anders in Erinnerung hatte, doch spätestens als ihn die eigene Freundin nicht mehr erkennt, wird ihm angst und bange. Als ihm auch noch summende Erscheinungen nach dem Leben trachten kriegt er es richtig mit der Angst zutun.

Mir hat von Vornherein diese Normalität gefallen, die Protagonist Moritz ausströmt. Denn abgesehen von diesen horrormäßigen Entwicklungen ist er eigentlich ein ganz normaler Typ, der gern auf seiner Couch lungert, sich dabei ein Bierchen gönnt und sich im Großen und Ganzen des Lebens erfreut, natürlich nur solange, bis er sich aufzulösen beginnt. 

Weniger gefallen hat mir, dass der Protagonist über die gesamte Handlung hinweg ein ausgeprägtes Verlangen nach alkoholischen Getränken hat. Das fand ich etwas übertrieben und bei dem Alkoholkonsum ist es meiner Ansicht nach nicht verwunderlich, dass man früher oder später mal mit Erscheinungen zu kämpfen hat. Wobei diese Eigenschaft eventuell bewusst eingesetzt wurde, um den Leser zu verwirren oder ihn auf’s Glatteis zu führen. Jedenfalls habe ich diesen Teil an Moritz nicht gemocht und sogar öfter an seinem Verstand gezweifelt.

Denn dadurch weiß man lange Zeit nicht genau, wie man Moritz’ Erfahrungen einordnen soll. Hat es tatsächlich die Hölle auf ihn abgesehen oder ist er einfach nur ein Spinner, der den Folgen des Alkoholismus zu erliegen beginnt?

Die Handlung selbst ist realistisch aufgebaut, was sich bei einer Rezension zu einem Horror-Roman vielleicht merkwürdig lesen mag. Aber in dieser relativ alltäglichen Existenz des Protagonisten, entspringt ein Schrecken, der sich zu einem wahren Horrortrip ausweitet und auch hier nach wie vor eine gewisse Glaubhaftigkeit beibehält.

Daraus entwickelt sich Spannung, ich wurde neugierig, und musste einfach erfahren, was da mit Moritz passiert. Diese Hintergründe gehen wahnsinnig in die Tiefe, wie ich es gar nicht erwartet hätte und sämtliche Erklärungen haben mir gut gefallen, weil sie auf interessanten Überlegungen basieren und sogar noch in mysteriös zerkluftete Landschaften führen, die ich gern mit Moritz erkundet habe.

Obwohl es sich um einen Horror-Roman handelt, weist die Erzählung einen sehr realistischen Kern auf, der einen auch ohne das Übernatürliche das Fürchten lehrt: Was wäre, wenn unsere Identität einfach aus dem System gelöscht wird? Wenn der Führerschein eingezogen, die Bankomatkarte gesperrt ist und man sich nirgends mehr ausweisen kann? Wären wir dann nicht auch wie Moritz geradezu aus dem Leben radiert?

Alles in allem ist „Ausradiert“ eine fabelhafte Horror-Story, die richtig gut zu lesen ist. Spannend, schaurig, gruselig, und mit ausgefeilten Ideen hinterlegt, an denen man als Leser seine Freude hat.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at