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Bloody Mary

Sag nie ihren Namen - William James Dawson, Frank Böhmert

Was macht man als Schüler in einem Internat in der Einöde an Halloween? Genau! Man ruft Bloody Mary im nächstbesten Spiegel an. Exakt das machen Bobbie und ihre beste Freundin Nayla um vor den anderen Jugendlichen nicht blöd dazustehen. Zugegeben, etwas mulmig ist ihnen dabei schon zumute, doch wer glaubt schon an Geister?

Als sich Bobbie überreden lässt, mit einer Kerze bewaffnet ihrem Spiegelbild „Bloody Mary“ entgegen zu hauchen, denkt sie nicht, dass an der Legende etwas Wahres dran ist. Immerhin kommt sie als Außenseiterin dann nicht ganz so schlecht bei den anderen weg und die Legende um die blutige Mary im Spiegel ist zwar gruselig, aber nicht real. Oder?

James Dawson packt die Sage um Bloody Mary an einen gruseligen Schauplatz. Ausgerechnet am Internat in der britischen Abgeschiedenheit wird Bloody Mary angerufen. Es ist ein altes Gebäude, mit Geheimgängen, antiken Möbeln und sogar Priesterlöcher soll es geben. Schon allein mit diesem Ambiente wird ein Hauch von Gruselstimmung erzeugt, die sich der Altersgruppe entsprechend durch die Geschichte zieht.

Im Grunde erzählt Dawson die Geschichte von Bloody Mary nach, gibt ihr einen lockeren, modernen Anstrich und versetzt sie mit bewährten Schock- und Horrorelementen, die meinem Geschmack nach zwar zu kurz kommen, aber sicherlich dem genreunerfahrenen Leser manchen Schauermoment bescheren. Ich muss gestehen, hier hatte ich mir schon etwas mehr davon versprochen, aber trotzdem denke ich, dass es gerade deswegen auch für jüngere Leser gut geeignet ist.

Die Charaktere der Geschichte sind sehr klischeehaft besetzt. Es ist ein reines Mädcheninternat und daher wird man mit den üblichen Schulcharakteren konfrontiert: die Clique, auch als Elite bekannt, die ruhige aber toughe Außenseiterin alias Protagonistin Bobbie, ihre beste Freundin, quirlig, lustig und der Kumpeltyp, und natürlich der Mädchenschwarm, der an den elitären Mädels eigentlich gar kein Interesse hat.

Obwohl man diese Besetzung schon kennt, wirkt sie nicht langweilig, weil sie mit den verschiedensten Bloody-Mary-Versionen so gut verwoben ist, dass daraus eine ganz eigene Variante entsteht, und ich die Figuren an sich nur als Mittel zum Zweck empfunden habe, um Mary hinterm Spiegel hervorzulocken. 

Gruselstimmung ist auf jeden Fall vorhanden, es gibt etliche Gänsehaut-Szenen, die allerdings nur angekratzt werden und nicht allzu sehr in die Tiefe schneiden. Für das Ende hat sich der Autor meiner Meinung nach schon fast Applaus verdient, weil er es richtig gut und doch recht schaurig hingebogen hat.

Insgesamt hat mir die  Aufarbeitung der Bloody-Mary-Legende in diesem Jugendroman sehr gut gefallen. Als etwas hartgesottenere Leserin im Grusel- und Horrorgenre war mir zwar von Vornherein bewusst, dass mir dieses Buch nicht das Fürchten lehren wird, trotzdem wurde ich positiv überrascht und hatte großen Lesespaß.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at