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28 Tage lang

28 Tage lang - David Safier

Warschau 1943. Die Juden wurden von den Nazis im Ghetto zusammengedrängt und allmählich lüften sich die Reihen, weil die „Umsiedelung“ begonnen hat. Mira lebt mit ihrer Familie im Ghetto und schließt sich dem Widerstand gegen die SS an. Und sie trotzen der Besatzung länger als sie es selbst je vermutet hat: 28 Tage lang.

David Safier erzählt die sehr wichtige Geschichte des Aufstands im Warschauer Ghetto, der tatsächlich statt gefunden hat. Man liest leider nur selten davon, umso bemerkenswerter ist es, dass sich Safier damit auseinandersetzt, um sie vor dem Vergessen zu bewahren.

Beachtlich ist die Botschaft, die immer wieder in den Vordergrund rückt: „Was für ein Mensch möchtest du sein?“ Das hat mir besonders gut gefallen, weil gerade diese Frage niemals an Aktualität einbüßen wird. Sie sollte laufend einen Weg in unser Bewusstsein finden und ständig auf’s Neue von jedem Menschen für sich beantwortet werden.

Noch besonderer ist die Art und Weise wie der Autor davon erzählt. In einer sehr modernen Sprache, ausgestattet mit einer jugendlichen Protagonistin geht er den Widerstand gegen die Nazis an.

Dieser Punkt ist meiner Meinung nach Vor- und Nachteil zugleich. Ohne jeden Zweifel wird damit eine jugendliche Leserschaft angesprochen, die sich dadurch mit dem Holocaust und dem Verbrechen an den Juden auseinandersetzt. Hier wird ein sehr behutsamer Einblick ins Ghettoleben gegeben, der sehr realistisch von den damaligen Zuständen berichtet, mit der Wucht der Wahrheit konfrontiert, aber gleichzeitig nicht zu sehr schockiert, um jüngere Leser nicht allzu überfordern. Trotzdem bleibt nichts ausgespart, aber Safier hat ein bemerkenswertes Talent gezeigt, den Leser auf eine einfühlsame Weise an vielem teilhaben zu lassen und ihn zum Nachdenken anzuregen:

„Woran glaubst du denn noch, Jurek?“
„Ich glaube an Marmelade.“
„An was?“ Ich war völlig verblüfft.
„Wenn ich schon sterbe, dann wenigstens mit Marmelade“
(S. 167)

Andrerseits ging mit durch den modernen Anstrich zu viel der damaligen Zeit verloren. Es ist nicht nur die Wortwahl, die dieser häufig nicht entspricht, sondern auch Gesten, Handlungen und Gedanken, die es in den 1940er-Jahren - auch nicht im Warschauer Ghetto - so gegeben hat. 

Protagonistin Mira ist meiner Meinung nach eine Superheldin, die man als Leser eher in einer Dystopie anzutreffen erwartet und kein Mädchen, das heute schon um die 90 Jahre alt sein müsste. Obwohl diese dystopische, actiongeladene Handlung auf der einen Seite sehr ansprechend ist, gab sie mir andrerseits das Gefühl, eine komplett fiktionale Geschichte zu lesen und hier weiß ich nicht, ob das im Endeffekt tatsächlich so gut sein kann.

Abgesehen von dieser Kritik, sei sie nun angebracht oder nicht, habe ich dieses Buch sehr gern gelesen, mit dem jüdischen Widerstand im Ghetto gekämpft, gelitten und gelacht, und hatte dabei ständig all die Menschen vor Augen, die nicht die Chance hatten, dem Holocaust die Stirn zu bieten.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at