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If you are going to San Francisco ...

In dieser ganz besonderen Nacht - Nicole C. Vosseler

Ambers Mutter ist tot. Nun muss sie aus der deutschen Kleinstadt weg und zu ihrem Vater nach San Francisco ziehen. Einsam, voll Trauer und irgendwie verlassen, versucht sie ihren Platz im Leben zu finden und trifft dabei auf den mysteriösen Nathaniel, der aus einer ganz anderen Welt zu stammen scheint.

„In einer ganz besonderen Nacht“ ist zwar eine Geistergeschichte, die aber kaum gruselig ist, sondern in erster Linie den Flair des wunderbaren San Franciscos aufleben lässt und zum Nachdenken anregt.

Amber muss zu ihrem Vater nach San Francisco ziehen und fängt da ein neues Leben an. Die Autorin arbeitet wunderbar die Unterschiede zwischen dem Leben in Deutschland bzw. Europa und dem Alltag in San Francisco heraus. Der europäische Leser lernt viele Eigenheiten kennen, wird mit dem hiesigen Schulsystem vertraut und darf sich gemeinsam mit Amber u.a. über Milch- und Orangensaftkanister in Übergröße wundern, während die europäische Art der Kaffeezubereitung bei den amerikanischen Figuren den Blutdruck in die Höhe jagt.

Die Geschichte selbst liest sich gut und die Handlung ist interessant aufgebaut, wobei mich die Autorin tatsächlich einige Male richtig überraschen konnte. 

Amber beginnt ein neues Leben, sie ist auf einer neuen Schule und findet rasch neue Freunde, von denen jeder sein eigenes Päckchen zu tragen hat. Nebenbei hat sie es mit nebulösen Geistererscheinungen zutun, die ihr nicht nur das Fürchten sondern auch das Lieben lehren, bis es in einer ganz besonderen Nacht zur Katastrophe kommt.

Mit Amber und ihren Freunden hat die Autorin vielschichtige und authentische Charaktere entwickelt, die auf mich sehr realistisch gewirkt haben. Was sich stellenweise wie ein lockerer Jugendroman liest, hat eine ungeahnte Tiefe, die man aufgrund des Covers so nicht vermutet hätte.

Zudem entführt die Autorin auf eine unvergessliche Sightseeing-Tour durch San Francisco, in dem sie die Handlung an sämtlichen Ecken platziert, die es in der „Belle of the Bay“ zu entdecken gibt. Egal ob die prallen Seelöwen, der Park Richtung Golden Gate oder Alcatraz, ich habe mich tatsächlich so gefühlt, als ob ich vor Ort wäre und habe dabei noch immer die Bilder dieser atemberaubenden Stadt im Kopf. Die Autorin nimmt Amber, ihre Freunde und den Leser an die Hand, marschiert mit allem gemeinsam den Strand Richtung Golden Gate Bridge entlang, taucht ins Getümmel am Fisherman's Wharf ein und springt mit allen lachend auf die Cable Cars, die einer Achterbahn gleich, über das Auf- und Ab der Straßen bimmeln.

Und obwohl sich vieles locker und leicht lesen lässt, stehen im Vordergrund der Geschichte ernste Themen wie Trauer, Verlust, Tod und mögliche Strategien, damit umzugehen. Die Autorin behandelt Hoffnungs- und Hilflosigkeit, unendliche Qualen, die der Tod bei Hinterbliebenen auslöst, aber auch, wie zwingend es notwendig ist, loszulassen und von einem geliebten Menschen nach dessen Tod tatsächlich Abschied zu nehmen, damit man wieder Hoffnung schöpfen sowie Liebe und Freude fühlen kann.

Für mich war es ein besonderes Jugendbuch, das nicht nur besondere Themen behandelt, die sich in einer besonderen Nacht zuspitzen, sondern vor allem in eine ganz besondere Stadt einlädt und auf seine besondere Art zauberhaft zu lesen ist.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at