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Schrecken auf See

Tag Vier: Thriller - Sarah Lotz, Thomas Bauer

Am vierten Tag der Kreuzfahrt hält die „Beautiful Dreamer“ abrupt an. Das Schiff lässt sich nicht mehr starten und die Verbindung zur Außenwelt ist gekappt. Weder durch Internet noch durch Funksignale kann das Schiff auf sich aufmerksam machen und da ist es keinWunder, dass Passagiere sowie Besatzung langsam unruhig werden. Noch dazu wird eine Leiche entdeckt und mysteriöse Ereignisse häufen sich.

Dieses Buch hat mich vom Klappentext her sofort angesprochen, weil die Grundlage allein schon ziemlich aufreibend ist. Wenn man sich vorstellt, dass man nichtsahnend eine Kreuzfahrt macht und plötzlich bleibt das Schiff mitten am Meer liegen. Und es kann niemand Hilfe holen - schon allein beim Gedanken daran, kriege ich Gänsehaut!

Gleich beim Einstieg in die Geschichte hatte mich die Autorin an der Angel, denn sie beschreibt diese Urlaubsstimmung im Massenwahn, die man vielleicht vom Club-Urlaub oder sogar selbst von Kreuzfahrten kennt. Hier geht sie sehr realistisch vor, geht bei der Beschreibung auf die verschiedenen Urlauber-Typen ein und gesteht auch der Besatzung ihren Teil der Handlung zu. Auf diese Weise erfährt man, wie anstrengend die Arbeit auf einen „Dream Liner“ ist, wie unhöflich  manche Passagiere sind und gleichzeitig aber auch, wie sie von den Veranstaltern von vorne bis hinten geschröpft werden.

Die Kapitelunterteilung entspricht dem Perspektivenwechsel zwischen den verschiedenen Figuren, wobei man nur schwierig einen Protagonisten identifizieren kann, weil sich die gesamte Handlung über mehrere Charaktere erstreckt. Dabei sind die Kapitel immer so beschriftet, dass man sofort weiß, mit wem man gerade die Schrecken auf See erlebt und hat durch klangvolle Überschriften wie „Die Magd der Hexe“ oder „Die Selbstmord-Schwestern“ eine sehr gute Orientierung. 

Die Handlung ist eher ruhig aufgebaut, aber gerade das hat für mich immer einen gewissen Reiz. Im Großen und Ganzen kommt die Autorin ohne Actionszenen aus, schafft aber durch die Situation des liegengebliebenen Schiffes in Kombination mit mysteriösen Ereignissen einen eigenartigen Thrill, der mich nicht losgelassen hat. Denn es tun sich ständig neue Fragen auf. Man grübelt nicht nur, warum das Schiff mitten am Meer liegt und die Kommunikation nicht funktioniert, sondern auch, wo die Täuschung beginnt und die Wahrheit endet. Denn an Bord befindet sich ein Medium. Sie ist eine Frau, die mit Toten kommuniziert, und als Einzige absolute Ruhe bewahrt, obwohl sie eigentlich als Scharlatan verschrieen ist. Oder ist an ihrer Gabe doch ein Funken Wahrheit dran?

Das Ende der Geschichte hat mich ordentlich verwirrt. Es ist sehr interessant zu lesen und ich habe hier jedes Wort mit Hochspannung verfolgt. Dennoch hat es mich rastlos zurückgelassen, weil doch viele Fragen unbeantwortet bleiben und ich mir nicht wirklich einen Reim auf die Ereignisse machen kann.

Erst nach der Lektüre ist mir aufgefallen, dass es sich um eine Thriller-Reihe handelt und „Tag Vier“ bereits der 2. Teil ist. Hier muss ich sagen, dass ich nicht den Eindruck hatte, dass mir wesentliche Informationen fehlen. Ich wusste zwar, dass viele Personen eine Vorgeschichte haben, aber die wurde so geschickt in die Ereignisse eingesponnen, dass es mir gar nicht aufgefallen ist.

Insgesamt habe ich „Tag Vier“ mit hoher Spannung gelesen und es gefällt mir, dass die Autorin das gewöhnliche Schema F verlässt und einen ausgefallenen Weg mit ihrem Thriller beschreitet. Es ist eine faszinierende Mischung aus Mystery, Spannungsroman und Untergangsstimmung, die ich interessierten Lesern empfehlen und genau wie am Cover von Stephen King verlautet als „Erstklassige Unterhaltung!“ bezeichnen kann.

Bisher in dieser Reihe erschienen:
1) Die Drei
2) Tag Vier

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at