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Horror-Futter

Breed - Moritz Pliquet, Hoffmann und Campe, Chase Novak

Das hippe New Yorker Ehepaar Leslie und Alex ist verzweifelt. Trotz Diäten, Therapien, künstlicher Befruchtung und Selbsthilfegruppen will der Kinderwunsch einfach nicht in Erfüllung gehen. 
Bis sie von einer neuartigen Behandlungsmethode eines Kinderwunschspezialisten in Slowenien hören und darin ihre letzte Chance sehen.

Das war mal eine verquerte Horrorgeschichte, die teilweise sehr innovativ gestaltet war, auf der anderen Seite aber im Lauf der Handlung an Tiefe verloren hat.

Zu Beginn der Geschichte lernt man Leslie und Alex kennen. Sie sind ein gut betuchtes Ehepaar und stehen im Großen und Ganzen auf der Sonnenseite des Lebens. Bis auf diesen unerfüllten Kinderwunsch eben, der bei beiden doch ziemlich an den Nerven nagt. Zuerst erfährt man, welchen seltsamen Praktiken sie sich schon unterzogen haben, wie sie mit der ungewollten Kinderlosigkeit umgehen, dabei trotzdem die Freude am gemeinsamen Leben bewahren und erst nach und nach am Rand der Verzweiflung sind.

Gerade als Leslie aufgeben will, hören sie von dem Wunderknaben in Slowenien, der eine erstaunliche Erfolgsquote bei seinen Patienten vorzuweisen hat, und sogar bei ihnen eine kleine Sensation vollbringt.

Der erste Teil um Leslie und Alex hat mir sehr gut gefallen. Novak beschreibt das toughe Ehepaar mit all seinen Wünschen und Hoffnungen, wie sie manchmal an sich selbst zweifeln, dennoch weiterhin die Freude an ihrem Dasein behalten. 

Der Horrorteil beginnt mit Leslies Schwangerschaft. Daher denke ich, dass es bestimmt keine bevorzugte Lektüre für Frauen ist, die gerade ein Kind erwarten. Denn was alles mit Leslies Körper geschieht, möchte man sich im Normalzustand schon nicht wirklich vorstellen, und sicherlich erst recht nicht, wenn man in anderen Umständen ist.

Der weitere Teil der Handlung ist 10 Jahre später anberaumt. Auch hier nimmt der Autor einen guten, horrormäßigen Faden auf, ließ mich als Leser rätseln, wundern und hat mir das Grausen gelehrt. Doch dann knickt sie irgendwie ein und wird nicht mehr so geradlinig und spannend wie zuvor fortgesetzt. Denn auf einmal steht eine eher sinnlose Jagd im Vordergrund, auf die ich mir auch im Nachhinein keinen richtigen Reim machen kann. Obwohl die Handlung im vorletzten Abschnitt noch einmal enorm an Spannung gewinnt, konnte sie meiner Ansicht nach nicht mehr ganz die Kurve kriegen.

Richtig enttäuscht war ich zu guter Letzt vom Ende des Romans. Es kommt so abrupt und lässt den Leser mittendrin stehen, dass ich es mir noch einmal anhören musste, weil ich dachte etwas verpasst zu haben. Es hat mich sehr unbefriedigt zurückgelassen. Dabei ist es nicht einmal ein bösartiger Cliffhanger, wie man ihn manchmal kennt, doch trotzdem fehlt mir ein runder Abschluss, weil es eben auf diese Art für mich als Leser nicht zu Ende sein kann.

Obwohl es thrillermäßiger Horror ist, hat man es auch mit Splatterelementen zutun. Es gibt viel Blut, grausige Happen, bei denen einem der Appetit vergeht und ist daher für empfindliche Gemüter eher ungeeignet, auch wenn diese Szenen nicht die Oberhand gewinnen.

Insgesamt hat „Breed“ beachtliches Potential, das meiner Meinung nach nicht ausgeschöpft worden ist. Die Grundlage des Romans finde ich großartig, doch leider lässt die Handlung immer mehr nach, bis sie allzu plötzlich zu Ende ist. Wer allerdings neugierig auf diese meist widerliche Horror-Mahlzeit ist, sollte sich nicht den Appetit verderben lassen und einfach zugreifen, denn der Grundriss des Romans ist es auf jeden Fall wert. 

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at