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Geistreicher Schlamassel

Der Sterbeschlamassel (Das Dododilemma) - Anette Kannenberg

Aufgepasst! Es handelt sich um Band 2 des Dododilemmas.

Der Tod von Séamus Vater ist schon einige Monate her, als er beschließt, sich im alten Haus seiner Großeltern zu verbarrikadieren und eine Karriere als Schriftsteller anzustreben. Leicht nervös, dank der Gene des genialen Vaters eigenbrödlerisch angehaucht, hat er es mit mysteriösen Erscheinungen zutun, die ihm eine Gänsehaut bescheren.

Mir hat schon „Das Mondmalheur“ gefallen, aber mit „Der Sterbeschlamassel“ hat sich Anette Kannenberg meiner Meinung nach übertroffen.

In „Der Sterbeschlamassel“ präsentiert die Autorin einen genialen Jenseitsentwurf, auf den man erst einmal kommen muss. In sich logisch und schlüssig, hat man es mit „Geistern“ und „Engeln“ zutun, muss sich mit dem Jenseits abfinden und entdeckt trotzdem einen Weg um mit dem Diesseits zu kommunizieren, nur das Solchseits ist nach wie vor ein Problem …

Séamus ist sozusagen das Opferlamm der Geschichte. Er wirft sein Medizinstudium hin und wagt sich an seinem Lebenstraum - der Schriftstellerei. Nach dem Tod des Vaters sieht er sich ihm nicht weiter verpflichtet und kann es überhaupt nicht glauben, als ihm das Jenseits dazwischen funkt.

Anette Kannenberg sprüht vor Kreativität, sodass die Funken - in mehrfacher Weise - fliegen. Herrlich skurril, gewohnt bissig - wenn auch im Vergleich zu Band 1 etwas entschärft - hat sie auf kurios-bewährte Art ihre Geschichte weiter gesponnen, die mir sogar einen Hauch besser als der 1. Teil gefallen hat.

Da die Geschichte in der Zukunft spielt, haben wir es am Rande mit technischen Spielereien aller Art zutun. Auch hier zeigt sich der Einfallsreichtum der Autorin, die gegenwärtige Entwicklungen einfach einen Schritt weiterdenkt und dabei nicht vor dem Absurden zurückschreckt.

Selbstkritisch wird zudem mit den Versäumnissen des 1. Bandes aufgeräumt, „ … bei dem zwar Dodos angekündigt, aber bisher, …, nur einmal ganz kurz aufgetaucht waren“ (S. 112) In diesem Teil kommen die Dodos voll auf ihre Kosten, auch wenn sie manchmal irrtümlich mit anderen geflügelten Wesen verwechselt werden:

Irgendwas Weißes huschte durchs Bild, war das etwa ein Truthahn?“ (S. 35)

Da ich nunmal immer am Nörgeln, Jammern und Meckern bin, ist mir diesmal das Ende etwas zu abrupt gekommen. Ich habe gelesen und gelesen - hatte dabei die Seitenzahl im Blick - aber nicht, weil ich endlich durch sein wollte, sondern weil ich mir dachte, es kann doch nicht schon dem Ende zugehen! 

Die Bücher der Autorin sind bestimmt nicht für jeden geeignet, denn die Geschichten tropfen, triefen - nein - sie laufen vor Skurrilität über. Und man muss als Leser vielleicht einen dezenten Hang zum Wahnsinn haben, wofür man aber mit der abgefahrensten Geistergeschichte belohnt wird, die mir jemals unter die Augen kam.

Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der sich auf das Ungewöhnliche einlassen und herrlich leicht-lockeren, dabei bissigen sowie manchmal anspruchsvollen Humor verkraften kann.

Das Dododilemma:
1) Das Mondmalheur [Rezension lesen]
2) Der Sterbeschlamassel

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at