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Guten Schlaf und böse Träume.

Das Haus der bösen Träume: Roman - F.R. Tallis, Kirsten Borchardt

50er-Jahre. James Richardson ist Psychiater und tritt eine Stelle in einer Privatklinik mitten in der Einöde an. Hier arbeitet er für Dr. Maitland, einen der renommiertesten Vertreter seines Fachs und überwacht unter anderem den Schlafraum, wo im Rahmen eines Experiments kranke Frauen im künstlichen Tiefschlaf von ihren psychischen Störungen genesen sollen. Oder steckt etwas anderes dahinter?

Dr. Richardson nimmt die Stellung in der Privatanstalt an und dieses alte Gemäuer liegt inmitten einer einsamen Gegend. Es ist umgeben von Morast, Sumpf und Feldern, wie es für Nervenheilanstalten oft üblich ist. In dieser Abgeschiedenheit konzentriert er sich auf seine berufliche Tätigkeit. Aber auch das Gebäude an sich sorgt schon für schauriges Gruselambiente. Hier sind nur das wenige Personal und die Patienten anzutreffen, wodurch die düstere Stimmung durch die spürbare Ruhe verstärkt wird. Diese unheimliche Stille wird zusätzlich durch den Schlafraum bis zum Zerreissen getrieben. Dabei handelt es sich um jenen Raum, der für das neueste Experiment von Dr. Maitland dient und in dem einige Patientinnen im künstlichen Schlaf liegen.

Der Autor lässt Richardson und den Leser erst einmal in der Klinik ankommen und diese Ruhe fühlen. Längere Zeit über geschieht nicht viel, jedoch mag ich es, wenn ich mich zuerst gemeinsam mit den Figuren mit der neuen Situation vertraut machen kann und sich dabei langsam die Stimmung der Geschichte aufbaut. Je besser Richardson die Abläufe in der Klinik kennt, umso mehr kommen bei ihm Zweifel auf. Er zweifelt nicht nur an dem fragwürdigen Experiment, das sein renommierter Vorgesetzter durchführt, sondern auch an dessen Absichten und der Integrität dahinter, und außerdem sogar an seiner eigenen geistigen Gesundheit.

Denn nach und nach häufen sich mysteriöse Ereignisse, die Richardson schaudern und den Leser gruseln lassen.

Bei diesem Buch ist vor allem der historische Rahmen bemerkenswert, weil er großteils auf die psychologischen bzw. psychiatrischen Richtungen und ihre damaligen Erkenntnisse beruht. Es ist immer wieder interessant, wenn wissenschaftliche Entwicklungen aufgegriffen und als Grundlage eines Romans ausgearbeitet werden. Hier dienen die unterschiedlichen Ansätze der Schulmedizin bzw. Psychiatrie und jene der Freudianer (Psychoanalyse) als Basis, die mit den üblichen Mysteryelementen zu einem  ansprechenden Schauerroman verbunden sind.

Der Schreibstil ist entsprechend nüchtern und hat auf mich distanziert gewirkt, was der Erzählung dennoch nicht geschadet sondern eher einen gewissen Reiz sowie Authentizität verliehen hat.

Das Ende hat mich sehr überrascht, denn der Autor drückt dem Leser ein Paradoxon in die Hand, das man im Nachhinein noch etliche Male drehen und wenden kann, ohne letztendlich zu einem überzeugenden Schluss zu kommen.

Damit ist „Das Haus der bösen Träume“ mit allen Elementen ausstaffiert, die eine schön-schaurige Gruselgeschichte braucht. Eine Psychiatrie in der Einöde, ein einsamer junger Wissenschafter und ein Keller voll schlafender Frauen, die eine mysteriöse Atmosphäre umgibt. Trotz des ruhigen Stils habe ich dieses Buch recht gern gelesen, mich im stillen Schlafraum gegruselt, mit Dr. Richardson über die Experimente nachgedacht und danach noch über das Ende gegrübelt, das mir zu guter Letzt einen richtigen Schauer beschert hat.

 

© NiWa