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Herrlich amüsante Unterhaltungsliteratur

Schokolade zum Frühstück - Helen Fielding

Egal ob die Interpretation von Schwangerschaftstests, den Kampf gegen den Nikotin- und Alkoholkonsum, oder die Verbesserung der beruflichen Situation - Bridget Jones ist eine moderne Frau, die sich dem Leser in ihrem Tagebuch nicht gerade von ihrer Schokoladenseite präsentiert.

Man mag es glauben oder nicht, Bridget Jones war mir bisher unbekannt. Ich habe weder eines der Bücher gelesen noch die Filme gesehen, sondern nur mal die eine oder andere Vorschau im Fernsehen bemerkt. Ich glaube dieses Genre nennt sich Chick-Lit und ist in meinem Leseverhalten als Randerscheinung zu betrachten. Aber nachdem ich dieses Buch gewonnen hatte, habe ich mich gefragt, warum eigentlich nicht und ich habe es nicht bereut.

Bridget Jones lässt den Leser an einem Jahr in ihren Leben teilhaben. Ihre Geschichte ist in Tagebuchform geschrieben und so kommt man um die entwaffnende Ehrlichkeit und den entblößenden Charme Bridgets nicht herum. 

Während ich mir anfangs noch dachte, dass das Buch eigentlich ganz nett ist, habe ich Bridget immer mehr ins Herz geschlossen, bis ich richtig durch das Tagebuch geflogen bin.

Eigentlich ist die Handlung sehr banal. Die über 30jährige Bridget Jones ist noch immer Single, obwohl sie sich schon einen Mann an ihrer Seite wünscht. Gleichzeitig ist sie mit dem Job unzufrieden und findet an sich selbst kaum etwas liebenswertes. Sie denkt, sie sei zu dick, kämpft drastisch gegen ihren Nikotin- und Alkoholkonsum, und ständig liegt ihr die Familie in den Ohren, warum sie immer noch keinen Freund präsentieren kann.

Jedes Kapitel wird mit Bridgets Lastern begonnen. Pedantisch werden hier die zugeführten Kalorien, die Anzahl der Zigaretten und die Alkoholeinheiten festgehalten, und danach lässt einen Bridget an den Ereignissen des Tages teilhaben, was mich meistens zum Schmunzeln und etliche Male zum Lachen gebracht hat.

Nebenher kommt ihr Liebesleben in Schwung, sie muss einiges ertragen, vieles erdulden, und sogar ihre Eltern steuern eine Ehekrise an.

Außerdem ist Bridget herrlich chaotisch, absolut unorganisiert und hat das lebensbedrohliche Talent in äußerst unangenehme Fettnäpfchen zu treten, wobei man beim Lesen am liebsten laut auflachen und gleichzeitig um Erbarmen flehen will.

Ich denke, viele Frauen - egal ob Single oder nicht - können sich mit Bridget Jones identifizieren, weil sie die überhöhten Ansprüche an uns selbst auf die Spitze treibt. Natürlich sind wir alle tough, gepflegt und immer gesundheitsbewusst unterwegs. Aber in manchem ungesehen Moment lassen wir auch unser wahres Gesicht hervor, wenn wir Schokolade frühstücken, geschminkt ins Bett gehen oder verzweifelt vor dem Berg ungewaschener Wäsche stehen.

Das Geheimnis von Bridget Jones liegt meiner Meinung nach in ihrer Ehrlichkeit und ihrem entwaffnenden Charme, weil sie eine ganz normale Frau ist. Es hat mir unheimlich gut gefallen, wie sich Bridget darum bemüht, ernsthaft erwachsen zu werden, nur um wieder in altgewohnte Bahnen zurückzufallen, die sie eigentlich so gar nicht an sich leiden kann.

„Bridget Jones. Schokolade zum Frühstück“ ist herrlich amüsante Unterhaltungsliteratur, die bestimmt keine literarischen Ansprüche erfüllt, aber vielleicht gerade deshalb wunderbar zu lesen ist und einen bestimmt zum Schmunzeln bringt.


Die Reihe:
1) Bridget Jones. Schokolade zum Frühstück
2) Bridget Jones. Am Rande des Wahnsinns
3) Bridget Jones. Verrückt nach ihm
 
© NiWa
Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at