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Jane Austens "Emma"

Emma - Jane Austen

Emma ist eine selbstbewusste junge Dame, die weiß was sich geziemt und ihrer eigenen Meinung nach besonders gut abschätzen kann, wer mit wem den Bund für’s Leben schließen sollte. Immer darum bemüht, ihre Freunde glücklich zu sehen, geht sie die Aufgabe als Ehestifterin an.

Dieses Werk der Weltliteratur ist Anfang des 19. Jahrhunderts erschienen und der letzte Roman von Jane Austen. Ich würde „Emma“ als Gesellschaftsroman der damaligen Zeit einordnen, denn außer dem Bestreben der Protagonistin, zeigt sich ein Gemälde der damaligen feinen Gesellschaft als Motiv.

Emma ist jung, schön und sehr selbstbewusst. Sie kennt ihre gesellschaftliche Stellung, ist es gewohnt von anderen umworben und hofiert zu werden, und hat außerdem fast nur das Liebesleben sowie das Wohlergehen ihres sozialen Umfelds im Kopf. Nur Mr Knightley erlaubt es sich, der jungen Dame Paroli zu bieten und er ist auch der Einzige, der Emma zu kritisieren wagt.

Emma meint, ein feines Gespür für die Liebesbelange anderer zu haben und sieht Liebes- und zukünftige Ehepaare, noch bevor die Beteiligten überhaupt eine Ahnung haben. Rasch beschließt sie, ihre Freundin Harriett unter die Haube zu bringen und trotz des niederen Standes der Freundin, hat sie einen Gentleman als deren Zukünftigen auserkoren. Schnell reiht sich ein Missverständnis an das nächste an, wird Verwirrung gestiftet und zu guter Letzt ist sogar Emma selbst verliebt.

Ich denke, dass Hauptanliegen der Autorin war es, einen unterhaltsamen Gesellschaftsroman zu schaffen. Durch Emma und ihren Freundeskreis erhält man als Leser einen nachhaltigen Eindruck, wie sich dazumal die feinen Damen und Gentleman die Zeit vertrieben, worauf sie wert legten und was ihnen egal zu sein schien. 

Die Handlung selbst hat mir gefallen und ich fand es äußerst amüsant, wie Emma ihre Freunde in Verwirrungen verstrickte und sich selbst schwor, niemals zu heiraten, während man bei der Lektüre ahnt, dass das junge Mädchen diesen Schwur kaum halten kann.

Die Protagonistin empfand ich als schrecklich herablassend. Jane Austen hat angeblich selbst von ihrer Emma behauptet, dass sie mit ihr eine Figur geschaffen habe, die nur die wenigstens Leser mögen werden. Und hier muss ich der Autorin zustimmen. Emma war mir nicht sympathisch, weil sie sich und ihren Stand des provinzialen Bürgertums derart über andere Menschen erhoben hat, dass ich manche Stellen nur mit Abscheu gelesen habe. Zum Beispiel bildet sie sich binnen weniger Minuten ein vernichtendes Urteil über die neue Ehefrau des Pfarrers und maßt sich an für ihre Freundin niederen Standes entscheiden zu können, wie diese auf einen Heiratsantrag zu reagieren hat. Nichtsdestotrotz hat Jane Austen dadurch ein Abbild der Sichtweise dieser Gesellschaftsschicht geschaffen, die sich in Emma verkörpert und einem dadurch nicht nur einen Einblick sondern auch zu denken gibt.

Leider hat mich der Erzählstil meistens arg gelangweilt und es war ermüdend, gemeinsam mit Emma als Ehestifterin tätig zu sein. Das lag nicht an der Handlung, sondern an Austens Stil, der meinen Eindruck nach fast vollständig aus Dialogen besteht. Der Umgebung schenkt sie kaum Beachtung und so werden Besuche arrangiert, Gäste empfangen und es wird viel darüber nachgedacht, was sich geziemt und was beschämt und natürlich wer, wen, warum und wie die Ehre erweisen soll. All diese Abhandlungen fand ich furchtbar langweilig und ich habe mich nicht selten durch die Seiten gequält.

Trotz dieser sehr mühsamen Passagen, werde viele Dialoge häufig von einer schelmischen Brise umweht, lassen Austens feinen Humor spüren und sind doch auch amüsant zu lesen.

Der Sprachstil ist trotz des Alters - immerhin 200 Jahre - gut verständlich. Eine Eigenheit britischer Klassiker - zumindest habe ich das bisher beobachtet - ist es, Personen meistens mit den Nachnamen zu erwähnen, sogar wenn es sich um den Ehemann handelt. Daran hat man sich meiner Meinung nach rasch gewöhnt, auch wenn es manchmal zu Verwechslungen - zum Beispiel bei Brüdern, die beide Mr Knightley heißen - kommen kann.

Insgesamt ist Jane Austens „Emma“ das amüsante Bildnis einer jungen Frau, die in den feinen Kreisen der bürgerlichen Provinz logiert, wodurch die Autorin ein Gesellschaftsgemälde jener Zeit präsentiert. Spritzige Dialoge heben sich von überwiegend zähen Stellen nur selten ab und die Vorhersehbarkeit der Handlung hat für mich persönlich auch das Lesevergnügen gebremst. 

Für jemanden der Klassiker mag und sich besonders für das britische Bürgertum interessiert und mit dem - meines Erachtens nach - abstoßenden Snobismus umgehen kann, ist dieser Roman bestimmt geeignet.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at