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Teslapunk in Hamburg

Phoenix - Tochter der Asche - Ann-Kathrin Karschnick

Hamburg in einer anderen Welt. 1913 erschütterte ein fehlgeschlagenes Experiment Europa, 150 Jahre später geht ein Mörder in der Stadt um.
Leon ist mit den Mordermittlungen betraut und trifft dabei auf die rätselhafte Tavi, die er für die Mörderin hält.

Obwohl dieses Buch als Dystopie angepriesen wird, handelt es sich meiner Meinung nach eindeutig um Fantasy, genauer gesagt um Steampunk, und ganz genau um Teslapunk.

Eindeutiges Fantasyelement sind hier die Wesen, die es seit dem misslungenen Experiment sehr häufig gibt, aber die bereits davor existiert haben: Hexen, Magier, Cupidos und natürlich Phoenixe sind anzutreffen, die von den Saiwalo - einer gesichtslosen Elite - unterdrückt und ausgerottet werden.

Wie im Steampunk üblich hat sich die Technik anders als in der Realität entwickelt, sie wird aber nicht von Dampf sondern von Strom betrieben, wo wir bei Tesla sind.

Schauplatz der Geschichte ist Hamburg, hier geht ein Mörder um, obwohl die regierenden Saiwalo dank ihres strengen Regimes, kaum Morde zu verzeichnen haben.

Das Hamburg dieser Welt ist grau, düster und ausgelaugt. Die Saiwalo sind nicht nur dabei, die „seelenlosen“ Fantasywesen zu vernichten, sondern die gesamte Menschheit zu unterdrücken. So ist die Stadt in sich zerfallen, Häuser werden nicht in Stand gehalten und die Menschen gehen ihren alltäglichen Verpflichtungen gegenüber der Regierenden nach.

Aber wenn man meint, dass diese herrschenden Wesen als Bedrohung wahrgenommen werden, denkt man falsch. Viele Menschen glauben daran, dass sie durch sie vor größerem Unheil bewahrt werden. Und der Ermittler Leon ist einer von ihnen.

Leon ist gehor- und strebsam, hält sich aus Ärger raus und peilt seine Beförderung an. Gleichzeitig ist er ein sympathischer Charakter, der sich aufgrund seiner Vergangenheit zu diesem fügsamen Menschen entwickelt hat, und unbedingt den Mörder fangen will.

Tavi ist eine Phoenix. Ein altes Wesen, das sich unter der menschlichen Maske vor ihren Verfolgern - den Saiwalo - verbirgt und dabei als Tatverdächtige ins Visier von Leon gerät. Dabei will auch sie den Mörder zur Strecke bringen.

Der Einstieg in die Geschichte ist mir schwer gefallen und bis zuletzt fehlte es mir an Orientierung. Diese Welt ist unserer so fremd, dass man nicht so genau weiß, wie man Ereignisse deuten oder Figuren einschätzen soll. Hier bringt die Autorin allerdings immer gut Hintergrundinformationen ein, sofern sie für die weitere Handlung notwendig sind. Einerseits wurde dadurch meine Neugier und mein Interesse angefacht, andrerseits habe ich mir gewünscht, mehr über die Gesetzmäßigkeiten zu erfahren, weil ich so doch oft das Gefühl hatte, dass es mir an Durchblick fehlt.

Von den Figuren bin ich besonders angetan. Ich war sehr überrascht, aber auch froh, dass es zur Abwechslung tatsächlich mal Erwachsene sind, die man durch eine düstere, niedergedrückte Welt begleitet. Leon und besonders Tavi sind dem Teenie-Alter längst entwachsen, was für mich eine willkommene Abwechslung war.

Die Handlung konzentriert sich auf die Mordermittlung, die im Grunde kaum erwähnenswert ist, weil sie zwar den Weg vorgibt aber nicht die Geschichte prägt. Denn im Vordergrund steht eben diese Welt, in der man Phoenixe, Hexen, Magiern, Cupidos und anderen Wesen dieser Art begegnet, die sich verstecken und oft sogar fliehen müssen und in einer Art Untergrund leben. Zudem kommt noch die Unterdrückung der Menschen, die nicht einmal auf die Idee kommen, sich gegen Ausgangssperren, rationierte Lebensmittel, baufällige Wohnkomplexe oder zu wenig Kleidung zu wehren.

Die Geschichte wird im Wechsel aus der Ich-Perspektive von Leon und Tavi erzählt, was dem Ganzen zusätzlich Dynamik verleiht. Denn auf diese Weise erhält man nicht nur mehrere Blickwinkel auf die Mordermittlungen sondern auch zwei Sichtweisen auf diese Welt und die Herrschaft der Saiwalo, was mir richtig gut gefallen hat.

„Phoenix. Tochter der Asche“ ist ein Trilogie-Auftakt, den ich sehr gerne gelesen habe. Die freudlose Atmosphäre, die Unterdrückung der Menschen, die einzigartigen Fabelwesen mit ihren magischen Kräften und natürlich Tavi und Leon, haben mich Seite für Seite fasziniert, nur leider hat mich meine Orientierungslosigkeit manchmal auch irritiert.

Ich glaube, dieses Buch ist für Steampunk- und Fantasyfreunde die richtige Lektüre, die Hamburg unter der Herrschaft der Saiwalos erkunden möchten, gemeinsam mit Fabelwesen auf Mörderjagd gehen wollen und Interesse an einer Welt haben, die von Strom und Magie geprägt ist, und in der Phoenixe seit Jahrtausenden unter der Menschheit leben.

 

Die Phoenix-Trilogie:
1) Phoenix. Tochter der Asche
2) Phoenix. Kinder der Glut
3) Phoenix. Erbe des Feuers

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at