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Ausgedörrt.

Die Quelle - Argon Verlag, Catherine Chanter, Gabriele Blum

In England hält bereits jahrelang eine Dürre an. Nur auf Ruth und Marks Grundstück regnet es weiterhin. Zwar haben sie damit großes Glück, allerdings ziehen sie dadurch nicht nur Neider sondern auch andere gefährliche Menschen an.

Ruth und Mark wollten am Land neu anfangen. Sie sind von der Großstadt London in die Provinz gezogen und möchten ein ruhiges Leben auf ihrem Grundstück führen.

Vom Klappentext her habe ich eine Dystopie erwartet, aber mit diesem Genre hat die Erzählung meiner Ansicht nach nur wenig zutun. Eher würde ich sie als einen Roman der Gegenwartsliteratur einordnen, der sich - meiner Vermutung nach - philosophischen Fragen stellt.

Die Geschichte wird von Ruth in der Ich-Perspektive erzählt. Ruth ist verheiratet, hat eine erwachsene Tochter und einen Enkelsohn, den sie fast abgöttisch liebt. Im Rückblick erfährt man, wie sich aus dem Neuanfang am Land Ruths persönliche Hölle entwickelt, die vor allem ihre Familie betrifft.

Die bereits erwähnte Dürre kommt nur am Rande vor. Sie ist zwar die treibende Kraft für die Ereignisse in Ruths Leben, steht aber nicht im Mittelpunkt der Erzählung. Es geht in erster Linie um ihre Ehe, ihren Ehemann und ihre Familie. An dieser Stelle muss ich gleich anmerken, dass mir die Handlung gar nicht gefallen hat.

Ruth sinniert, wie ihr Grundstück, „Die Quelle“ genannt, Einfluss auf ihr Leben nahm. Es kommt zwar zu dramatischen Ereignissen, die sind jedoch in derart belanglosen und manchmal unzusammenhängenden Stil erzählt, dass es mich großteils gelangweilt hat.

Viele Fäden werden aufgegriffen, allerdings nur selten in ein rundes Gesamtbild geschnürt. Meistens bleiben Motive im Hintergrund, Fragen ungeklärt und wenn doch mal näher auf Hintergründe eingegangen wird, dann ist schnell „Die Quelle“ als Ursache des Übels parat.

Ich weiß nicht so recht, was ich mit dieser Erzählung anfangen soll. Zu Beginn war ich von dem ungewöhnlichen Thema richtig fasziniert, aber als es dann in Richtung Religiosität und Selbstfindung abgedriftet ist und sich Ruth immer mehr selbst leid getan hat, ist mein Interesse drastisch abgeflaut. 

Im Grunde hätte ich gerne viel mehr über die Dürre in England erfahren, die Auswirkungen auf die Bevölkerung und warum „Die Quelle“ als eines von wenigen Grundstücken nicht betroffen ist. Hier werden von der Regierung zwar Experimente durchgeführt, diese verkommen jedoch zur Randnotiz, weil Ruths Innenleben in den Vordergrund drängt.

Es gibt aber nicht nur die Dürre, sondern auch einen Mord, Intrigen und Verrat, was sich in meiner Rezension wahrscheinlich dramatischer lesen wird, als es tatsächlich im Buch umgesetzt ist. 

Leider hat mir Catherine Chanters „Die Quelle“ nicht gefallen. Ich konnte weder mit der Handlung, dem Rahmen noch der Protagonistin warm werden. Eventuell philosophische Fragen wurden derart schwammig behandelt, dass ich keinen Mehrwert daraus ziehen kann. Meiner Meinung nach ist „Die Quelle“ ein eigenartiger Roman, der sich eher an experimentierfreudige Leser richtet, die sich für die Selbstfindung einer alternden Frau erwärmen und mit philosophischen Fragen umgehen können.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at