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Emotionale Liebes- und Lebensgeschichte

Erzähl mir was von Liebe ... - Carina Posch

Verweint, einige Gläser Wein intus, sitzt die toughe Geschäftsfrau Rachel vor einem Scherbenhaufen. Schon in den 80er-Jahren hat sie gespürt, dass es auf diese Weise nicht gut ausgehen kann, doch als die leise Ahnung zur Gewissheit wird, ist es umso schmerzhafter.

Einst machte sich die junge Rachel voller Hoffnung in die große weite Welt auf. Genauer gesagt, haben sie ihre Ambitionen nach New York geführt, wo sie ihr berufliches Glück suchte und ihr privates Pech gefunden hat. Denn es gab noch ihren besten Freund und wahre Liebe Liam, der in Irland blieb und Rachel unbedacht vergrault und im nächsten Moment verloren hat.

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. Die ältere Rachel, die 2009 auf ihr bisheriges Leben blickt, und die junge Rachel in den 80er-Jahren, die von ihrem großen Traum weg, in die harte Realität getrieben wird.

Es geht weniger um die Liebe an sich, sondern um verpasste Chancen, falsche Kompromisse und fehlendem Mut, der für den richtigen Lebensweg oft so wichtig ist.

Die Autorin hat meiner Meinung nach ein emotional aufwühlendes Debüt gegeben. Dank ihres leicht lockeren Schreibstils taucht man sofort in die Geschichte ein, als man sich mit der jungen Rachel auf ins Leben macht. Rachel ist bereit, sie kündigt den Job, bereitet ihre Reise vor und kann es kaum erwarten, dem kleinen irischen Dorf ihrer Kindheit den Rücken zuzukehren. Hier besticht Carina Posch mit einer unschlagbaren Natürlichkeit, die mir sofort gefallen hat.

Die Erzählweise war manchmal etwas gewöhnungsbedürftig. Während Anfang und Ende der Geschichte sehr detailliert beschrieben sind, laufen die meisten Ereignisse dazwischen im Zeitraffer ab. 

Im Verlauf der Handlung hat es mir oft an Details gefehlt. Fokus liegt zwar eindeutig auf der Entwicklungsgeschichte der Protagonistin, aber weder Irland noch New York wurden mir vor Augen geführt, sondern haben eher wie ein laienhaft angemalter Hintergrund auf mich gewirkt.

Weiterer Kritikpunkt sind die standardisierten Charaktere, die dennoch sehr glaubwürdig geschliffen sind und die ich trotz einiger Klischees als authentisch empfunden habe. 

Denn Rachels persönliche Entwicklung hat mich ergriffen, aufgewühlt und betroffen gemacht. Hier hat die Autorin den Lebensweg einer Frau gezeichnet, die sich von einer lebensfrohen Träumerin zur knallharten Businessfrau wandelt, die sich aber - egal ob die mädchenhafte oder erwachsene Version - im Grunde ihres Herzens nach Liebe, Verbundenheit und Wahrhaftigkeit sehnt, und diese Bedürfnisse erst wahrnimmt, als es zu spät zu sein scheint.

Gut das letzte Viertel Romans ist mir so richtig nahe gegangen. Ich musste das Buch manchmal kurz zur Seite legen und über das Gelesene nachdenken, weil die Ereignisse so ruhig, realistisch und gefühlvoll geschildert wurden, dass es kaum jemanden unberührt lassen kann. 

Ehrlich gesagt, ich hatte einen klischeehaften Liebesroman erwartet und habe eine bewegende Lebensgeschichte gelesen. Carina Posch hat mich an Rachels Leben teilhaben lassen, manchmal musste ich den Kopf über sie schütteln, mit ihr schmunzeln, lachen, oft hat sie mir sehr leid getan und am Ende sogar zu Tränen gerührt. 

Mit „Erzähl mir was von Liebe … „ hat Carina Posch ein ergreifendes Debüt gegeben, das ich jeden empfehlen kann, der mit Rachel auf ihren bisherigen Lebensweg zurückblicken und dabei etwas über Liebe erfahren will.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at