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Exzellent aufgearbeitete Mystery-Elemente in dunkler Atmosphäre

Schweigt still die Nacht - Der Audio Verlag, Brenna Yovanoff, David Nathan

Gentry ist eine typische amerikanische Kleinstadt. Ohne Makel, perfekt abgestimmt, mit ausgelassenen Teenagern, verantwortungsvollen Erwachsenen und gepflegten Gärten. Doch unter der Oberfläche verbirgt sich eine Welt, die heimlich die Fäden zieht und den Ort in Düsternis tränkt.

Mackie stammt aus dieser dunklen Welt. Auf den ersten Blick ist er eigentlich ein ganz normaler Teenager, doch er wurde einst gegen das echte Kind „seiner“ Eltern ausgetauscht …

Mackie Doyle ist also kein Mensch. Zumindest kein Mensch im eigentlichen Sinn, was er jedoch mit Unterstützung seiner Familie gut zu verbergen weiß. Trotzdem kennt er die Hintergründe (oder Untergründe) seiner Geschichte und der Kleinstadt kaum. Als wieder ein Kind verschwindet, möchte er der Sache endlich auf den Grund gehen.

Brenna Yovannoff bringt interessante Themen in ihre Geschichte ein: Es geht um alte Mythen, Sagen und Legenden, die wohl jeder von seinem Herkunftsort in gewisser Art und Weise kennt. Gleichzeitig siedelt die Autorin die Handlung in der makellosen Kleinstadt an, die von jeher vom Mysteriösen heimgesucht wird und keiner ein Wort darüber verliert. Denn Mackie beißt ständig auf Granit, wenn er etwas über seine Herkunft erfahren will, die Stadtbewohner schweigen sich aus, bis er die Sache selbst in die Hand nimmt.

Gentry wird in eine dunkle, dichte Atmosphäre getränkt, dass man kaum atmen kann. Die Spannung, die Angst, das Böse und das Grauen liegen ständig in der Luft, jeder weiß es, jeder sieht es, und keiner tut etwas dagegen. Allein diese Stimmung ist eine besondere Erfahrung.

Außerdem ist es wirklich mal schön, einen männlichen Protagonisten zu begleiten, noch dazu einen jungen Herrn, der so außergewöhnlich ist. Mackie weiß, dass er anders ist, er hat gelernt, es vor den anderen zu verbergen und trotzdem sehnt er sich nach Zugehörigkeit.

Manche Nebencharaktere konnten mich nicht komplett überzeugen. Hier hatte man es dann doch  mit Figuren aus der Schablone zutun, die zwar für den weiteren Fortgang der Handlung sorgten, neben Mackie aber im Regen stehen. 

Die Handlung war durch die mystische Grundlage der Wechselbälger sehr interessant aufgebaut und es hat mir sehr gut gefallen, Yovannoffs Ideen dazu kennenzulernen. Denn sie reisst diesen alten Mythos aus der Vergangenheit und lässt ihn in unserer Gegenwart weiter wachsen, was fesselnd zu lesen war.

Im Mittelteil gab es einige Längen, hier kann es natürlich gut sein, dass das an der Hörbuchversion lag, trotzdem hätte ich mir etwas mehr Schwung in diesem Abschnitt der Handlung gewünscht.

Großartig war es übrigens, die Geschichte von David Nathan erzählt zu bekommen. Es ist ein Gefühl als ob Johnny Depp himself ein Buch vorliest, was für mich persönlich ein deutlicher Pluspunkt ist.

Insgesamt ist „Schweigt still die Nacht“ ein etwas anderer Jugendroman, mit exzellent aufgearbeiteten Mystery-Elementen, einem männlichen Protagonisten und einer dunklen Atmosphäre, die man schwer auf der Brust zu fühlen ahnt.

Ich kann dieses (Hör-) Buch an Leser empfehlen, die sich gern einmal auf eine moderne Version vergangener Mythen einlassen und sich von kleineren zähen Stellen nicht abschrecken lassen wollen.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at