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Thriller-Überraschung

Leons Erbe (Hochspannung 18) - Michael Theißen

Leon ist tot und damit ist Katjas Welt nun endgültig zusammengebrochen. Bei einem Autounfall hat sie ihren Sohn verloren, dabei hat die Familie mittlerweile den zweiten Schicksalsschlag binnen weniger Monate zu verkraften. Denn erst vor einem halben Jahr ist ihre Schwester Nicole spurlos verschwunden. Leon hat seiner Mutter aber auf geheimnisvollem Weg ein Erbe hinterlassen. Bei einem Notar nimmt sie eine kleine Holzkiste in Empfang, die ausgerechnet Nicoles Armband enthält!

Anfangs taucht man in Katjas unfassbare Trauer ein. Ich glaube, man kann sich gut vorstellen, wie sehr man als Mutter leidet, wenn das einzige Kind bei einem Autounfall ums Leben kommt. Erinnerungen an glücklichere Tage halten sie zunächst aufrecht, bis sie diese geheimnisvolle Kiste bei einem Notar in ihren Händen hält. Warum hat Leon Nicoles Armband an den Notar geschickt?

Man begleitet Katja und ist mit ihr gemeinsam dem seltsamen Vermächtnis ihres Sohnes auf der Spur. Woher hatte Leon Niccis Armband? Warum hat er es an diesen Notar geschickt? Und wo ist Nicci überhaupt?

Die gesamte Handlung ist bis auf kleinere Details packend, spannend und glaubhaft aufgebaut und kommt ganz ohne übertriebene Action und unnötige Konstruktionen aus. Sehr spannend geht man Leons Erbe und Nicoles Verschwinden auf den Grund, beschäftigt sich mit den letzten Monaten des Teenagers, wobei die Mutter erst merkt, wie fremd ihr der eigene Sohn geworden ist, und kommt dabei manch pikantem Geheimnis auf die Spur.

Ich habe ständig damit gerechnet, dass die plausible Handlung in eine überkonstruierte Abenteuerfahrt abdriftet, weil es gar so fesselnd war und ich mir keine einleuchtenden Erklärungen zurechtlegen konnte. Irgendwas ist doch faul, denkt man die ganze Zeit, und erwartet eigentlich, dass gleich die CIA aus dem nächsten Gebäude prescht oder die Aliens vor Katjas Haus landen. Doch weit daneben! Michael Theißen hat einen sehr einfach gehaltenen Plot in ein mitreissendes Glanzstück von einem Thriller gepackt, dass mir zum Ende hin schon fast der Mund offen blieb. Sehr fesselnd erzählt, sehr schön aufgelöst und bis zur letzten Seite hin hat mich der Autor tatsächlich durchgehend bei der Stange gehalten.

Kleinere Nörgeleien meinerseits, die aber dem Thriller-Vergnügen keinerlei Abbruch tun, betreffen zum Beispiel manche Details bei der Auflösung, die ich mir persönlich nicht ganz erklären kann beziehungsweise hat mir die eine oder andere Person zu sehr überreagiert, wobei man natürlich auch diese emotionale Ausnahmesituation aus Trauer, Verlust und Angst bedenken muss.

Für mich persönlich ist Michael Theißens „Leons Erbe“ jedenfalls die Thriller-Überraschung im bisherigen Lesejahr. Ohne Blut und grausige Szenen, ohne überkonstruierte Rahmenbedingungen, dafür aber mit umso mehr Spannung, hat der Autor einen Roman geschaffen, der mich zuerst gepackt und dann gefesselt hat, und den ich auf jeden Fall empfehlen kann.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at