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In der Falle

Die Falle - Der Hörverlag, Devid Striesow, Melanie Raabe, Birgit Minichmayr

Die Schriftstellerin Linda Conrads lebt äußerst zurückgezogen. Zwar veröffentlicht sie in regelmäßigen Abständen Neues am Büchermarkt, jedoch kriegt sie niemand zu Gesicht und wohnt in ihrem Haus verbarrikadiert. Leser und Medien denken an eine seltene Erkrankung, doch der wahre Grund ist nur Linda selbst bekannt.

Vor mehr als 10 Jahren wurde ihre Schwester ermordet. Der Täter wurde nie gefasst und die Erinnerung daran hat die Autorin mit sich gemeinsam eingesperrt. Bis plötzlich das Gesicht des Mörders in den Fernsehnachrichten erscheint. Jedoch nicht, weil er aufgegriffen wurde, sondern weil er für den Sender als Journalist tätig ist. In diesem Moment weiß Linda, was sie zutun hat. Sie lässt die Falle zuschnappen …

Allein der Klappentext lässt schon auf einen interessanten Thriller schließen, dennoch kann man im Vorhinein nicht ahnen, welch perfides Spiel sich Melanie Raabe hier ausgedacht hat.

Die Protagonistin Linda ist eine bekannte Bestseller-Autorin und wirklich sehr schräg. Sie lebt von der Außenwelt abgeschottet, hat nur wenig Kontakt zu anderen Menschen und existiert mehr oder weniger in ihrer Prachtvilla für sich allein - ohne auch nur einen Fuß nach draußen zu setzen.

Als Leser nimmt man Lindas Perspektive ein und staunt, wie gut sie sich mit diesen Umständen arrangiert hat. Jedoch lässt sie der Mord an der Schwester nicht zur Ruhe kommen. Immer wieder denkt sie daran, und als sie als damals einzige Augenzeugin den Mörder in den Nachrichten sieht, bastelt sie an einer Falle für ihn.

Die Falle - wie der Titel schon verrät - ist elementarer Bestandteil der Handlung und wird akribisch vorbereitet. Linda hat für alle Eventualitäten vorgesorgt, nur nicht dafür, dass sie vielleicht selbst in die Grube fällt …

Melanie Raabe zieht den Leser in Lindas Gedankenwelt rein, spielt mit ihren Erinnerungen und langsam kommen Zweifel auf. Entsprechen Lindas Gedanken wirklich den Tatsachen oder hat sie sich als Profi einfach selbst eine Geschichte zurechtgelegt? Wer ist Freund, wer ist Feind? Und was ist vor 11 Jahren wirklich passiert?

Außerdem weist der Erzählstil eine weitere Besonderheit auf. Man nimmt nicht nur aus Lindas Sicht am Geschehen teil, sondern bekommt zwischendurch ihr aktuelles Buch auszugsweise präsentiert, das sich mit dem Mord von damals auseinandersetzt.

Die Spannung bleibt bis zum Ende erhalten. Ist der Anfang noch in einem ruhigen Ton erzählt, verdichten sich die Ereignisse zu einem mitreissenden Sog aus Verdächtigungen,  Rückblenden und einem Verwirrspiel, dass die Protagonistin an den Rand des Wahnsinns treibt und den Leser in ein packendes Spektakel aus Diffamierung, Rache und Erschrecken setzt. 

Die etwas irre Protagonistin, die psychologische Spannung und die Zusammensetzung aus Erinnerung, Fiktion und Tatsachen hat Melanie Raabe zu einem ausgezeichneten Thriller-Debüt vermengt, das mich zum Rätseln gebracht und mir gut gefallen hat.

Alles in allem ist dieser Thriller also ein gelungenes Debüt, das durch erzählerische Dichte, ein andersartiges Setting und psychologische Tiefe hervorragend zu lesen oder hören ist und dessen Verwirrspiel wohl noch einige Thriller-Leser in die Falle gehen werden.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at