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Ein bisschen Geplänkel hier, noch mehr Geplänkel da

Stolz und Vorurteil - Jane Austen, Karin von Schwab

Fünf aufgeweckte Töchter denkt Mrs Bennet in nächster Zeit zu verheiraten. Denn im ausgehenden 18. Jahrhundert möchte sie nicht nur ihre gesellschaftliche Stellung durch angesehene Schwiegersöhne verbessern sondern ihre Töchter wirtschaftlich gesichert und versorgt wissen. Elisabeth ist eine davon. Als zweitälteste Tochter sieht sie sich nach geeigneten Heiratskandidaten um, doch ihr aufgesetzter Stolz und gar nicht so vorurteilsfreies Gemüt nehmen ihr die Sicht, wo doch der perfekte Ehemann vor ihrer Nase ist.

Dieses berühmte Werk der Weltliteratur ist Anfang des 19. Jahrhunderts erstmals erschienen. Angeblich hat Jane Austen bereits mit 21 Jahren daran gearbeitet und es nach mehreren Überarbeitungen letztendlich unter einem Pseudonym veröffentlicht. „Stolz und Vorurteil“ ist meiner Meinung nach ein Gesellschaftsroman, weil er einen kritischen Blick auf Leben und Alltag des britischen Bürgertums wirft, andrerseits kann es zudem als Entwicklungsroman bezeichnet werden, weil besonders Elisabeths charakterlicher Lernprozess im Vordergrund steht.

Elisabeth ist eine junge, ansehnliche Frau, wenn vielleicht auch nicht ganz so schön, wie manch andere. Sie ist auf ihre Weise selbstbewusst und stolz, eine Eigenschaft, die ihr fast das Glück kostet. Beinah überschätzt sie nämlich ihre gesellschaftliche Stellung, weil sie es durch ihre provinzielle Umgebung gewohnt ist, offensichtlich begehrt und hofiert zu werden. Bis sie allerdings erkennt, dass sie aufgrund mangelnder finanzieller Möglichkeiten, doch keine so gute Partie für potentielle Ehemänner ist.

Elisabeth ist der Meinung, einen guten Menschenverstand zu haben. Hausverstand hat sie allemal und ist meiner Ansicht nach nicht ganz so voreingenommen wie manch andere  in ihrer Familie. Jedoch bildet sie sich allzu rasch ein Urteil ohne sich so recht Gedanken über andere mögliche Perspektiven zu machen.

Meiner Meinung nach wollte Jane Austen mit ihrem Werk auf amüsante Weise auf die unglückliche Stellung der Frauen hinweisen. Denn egal ob Elisabeth oder ihre Schwestern, ohne Ehemann wären sie früher oder später mittellos dagestanden und demzufolge durfte man sich den Mann für’s Leben nicht nur aufgrund von Sympathie aussuchen, sondern musste vermehrt auf gesellschaftliche Stellung und finanzielle Einkünfte achten.

Die Handlung hat mir gefallen. Es war teilweise unterhaltsam mit dem Ehepaar Bennet ihre Töchter unter die Haube zu bringen, wenn auch manche Wahl etwas daneben ging und viele Entwicklungen für allerlei Furore sorgten, wobei natürlich Elisabeth besonders viel Verwirrung gestiftet hat.

Elisabeth selbst habe ich sehr gemocht. Sie ist eben ein junges Mädchen, ständig um andere bemüht, jeder gesellschaftlichen Etikette zum Trotz auch darauf erpicht, das Richtige zutun und schmeichelt sich damit in das Herz jedes Lesers ein.

Mit dem Erzählstil komme ich bei Austen einfach nicht zurecht. So gut die Handlung auch ist, dieses Buch hat mich ganz schrecklich gelangweilt. Es ist eine Abhandlung über Besuche und Bälle, Abendessen und Palastbesichtigungen, ein bisschen Geplänkel hier und noch mehr Geplänkel da, während wieder eine Kutsche vorbereitet wird, um erneut irgendeine Einladung anzunehmen und sich zum nächsten Besuch aufzumachen. Jane Austen konzentriert sich voll und ganz auf ihre Figuren und spart weitere Erläuterungen so gut wie vollständig aus. Seien es Beschreibungen der Umgebung oder Personen, der Roman ist auf Dialoge und gesellschaftliche Bedenken reduziert, was für mich persönlich jeden Elan aus der Geschichte nimmt. Ich finde das derart ermüdend, dass ich mich oftmals zwingen musste weiterzulesen und nicht selten ein Gähnen unterdrückt habe.

Nichtsdestotrotz finde ich den Sprachstil - obwohl dieses Werk mittlerweile gut 200 Jahre zählt - sehr annehmbar, denn man ist nach einer kurzen Eingewöhnung sofort in dieser Ausdrucksweise drin.

Alles in allem konnte mich Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ nicht überzeugen. Überwiegend langweilige Passagen werden nur selten von erheiternden Momenten aufgepeppt, wobei jedoch die herauszulesende Grundthematik, wie die damalige Stellung von Frauen und die gesellschaftliche Etikette an sich,  durchaus interessant zu lesen ist.

Ich glaube, dass sich Klassiker aus Jane Austens Hand vor allem an Leser richten, die Liebesgeschichten mögen, und ich daher diese klassische Version genau an solche empfehlen kann.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at