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Böse & Gut

Der seltsame Fall des Dr.Jekyll und Mr.Hyde: Halbleinen: mit Illustrationen von Charles Raymond Macauley - Ailin Konrad, Hannelore Eisenhofer-Halim, Robert Louis Stevenson

Dr. Jekyll ist ein angesehener Arzt in London, der bei seinen Freunden durch sein plötzlich aufgetretenes seltsames Verhalten Argwohn sät. Gerade sein Freund und Rechtsanwalt Utterson macht sich große Sorgen um ihn, denn der Arzt hat ihm sein Testament anvertraut und darin den abstoßenden Mr. Hyde als Alleinereben bedacht.

Die Geschichte von Dr. Jekyll und Mr. Hyde ist wohl den meisten in groben Zügen bekannt und genau das ist meiner Meinung nach das Problem daran, weil es dem ganzen Buch arg die Spannung nimmt.

Jedenfalls beschäftigt sich diese Erzählung mit der guten und schlechten Seite des Menschen. Sie berichtet davon, wie positive Eigenschaften durch Disziplin gestärkt werden und wie das Böse trotzdem von Zeit zu Zeit Oberhand gewinnt. 

Lange Zeit ist ungewiss, was Uttersons Freund in die selbstgewählte Einsamkeit treibt und warum er ausgerechnet die Gesellschaft des abstoßend wirkenden Mr. Hyde wählt. Denn alle Außenstehenden sind sich darin einig, dass man Mr. Hyde lieber aus dem Weg zu gehen gedenkt.

Mich hat zu Beginn verwundert, dass gar nicht von einem auktorialen Erzähler oder Dr. Jekyll persönlich berichtet wird, sondern man die ganze Zeit über den Rechtsanwalt Mr. Utterson begleitet, der sich um seinen Freund Dr. Jekyll sorgt. Diese Perspektive ist genial gewählt - insofern man nicht schon von Vornherein die Hintergründe kennt - weil dadurch das seltsame Verhalten des Dr. Jekyll durch Uttersons Augen richtig greifbar ist. Teilweise ist die Handlung zusätzlich von Briefen gespickt, die die Neugier wecken oder Anhaltspunkte liefern und sämtliche Ereignisse zu einem Gesamtbild zusammenführen.

Der Schreibstil und die Erzählweise sind sehr grob gefasst. Immerhin ist es „nur“ eine Novelle, die sich auf wenigen Seiten mit den Ereignissen mehrerer Jahre befasst, und sich daher nur in den wichtigsten Situationen detaillierten Schilderungen widmet.

Wüsste man nicht von Beginn an den Clou daran, wäre es bestimmt sehr spannend zu lesen, weil man sich genau wie Utterson Dr. Jekylls befremdliches Verhalten kaum erklären kann. Leider nimmt der Bekanntheitsgrad der Geschichte die Faszination und Spannung raus, was ich persönlich sehr schade fand.

Wer tatsächlich noch nie von Dr. Jekyll und Mr. Hyde gehört oder gelesen hat, kann sich auf eine merkwürdige Novelle mit interessanten Wendungen freuen. Wer allerdings - wie ich - schon längst von diversen Verfilmungen gespoilert ist, wird ein nettes Original vorfinden, das zwar schnell gelesen aber leider nur wenig spannend ist.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at