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Gewaltiges Verwirrspiel

Die Vermissten: Psychothriller - Caroline Eriksson, Nina West, Wibke Kuhn, Jessica Schwarz, Gabriele Blum

Greta, Alex und Töchterchen Smilla schippern gemütlich einer Insel mitten am See entgegen. Alex und Smilla gehen ausgelassen auf Erkundungstour, Greta relaxt im Boot und die untergehende Sonne schmeichelt dem perfekten Familienidyll. Bis Greta bemerkt, dass Alex und Smilla verschwunden sind …

Zu Beginn erhascht man einen Blick auf dieses idyllische Familienbild. Man stellt sich vor, wie Greta die Ferien mit ihrer Familie genießt. Man sieht schmunzelnd, wie die kleine Smilla vor Aufregung am Arm ihres Vaters zieht. Und schneller als gedacht löst sich alles in Luft auf und gemeinsam mit Greta steht man vor dem Rätsel, wohin die beiden verschwunden sind. Doch rasch zeigt sich, dass die Protagonistin selbst, das viel größere Rätsel ist.

Dieser Thriller hat es in sich, wenn er auch sehr verwirrend geschrieben ist. Man bekommt die Ereignisse großteils von Greta selbst erzählt. Dabei spart sie weder mit Gedanken noch Vermutungen und langsam schleichen sich Zweifel ein, ob Greta tatsächlich die Wahrheit spricht. Denn genauso wirr wie die Handlung, wirkt die Protagonistin, bei der man einfach nicht weiß, woran man ist. Bildet sie sich alles nur ein? Hat man es mit einer Geisteskranken zutun? Ist sie durch die Situation so verzweifelt, dass sie keinen klaren Gedanken mehr fassen kann? Oder treibt jemand ein perfides Spiel mit ihr, das sie selbst nicht durchschaut?

Alle diese Fragen und noch viele mehr tun sich auf, während man Gretas Erläuterungen lauscht. 
Das Hörbuch regt einen zum Grübeln und Rätseln an, weil man von einer Theorie zur nächsten springt. Die eine verwirft man, während man sich eine andere zurechtlegt und man bis zum Ende nicht weiß, was hier vor sich geht. Und mit diesem Ende hatte ich tatsächlich nicht gerechnet.

Dieser Erzählstil ist sehr spannend zu verfolgen. Von Anfang an zog mich die Autorin in ihr Verwirrspiel rein, hat mich mit ruhiger Hand durch Gretas Schicksal geführt und immer wieder auflaufen lassen, wenn ich dachte, sie durchschaut zu haben. Allerdings muss ich auch anmerken, dass diese verwirrende Schilderung hart an der Grenze war. Hätte sie es um ein Fünkchen weiter getrieben, dann hätte mich wohl der Mut verlassen.

Beim Hörbuch handelt es sich um eine gekürzte Version der Printausgabe und ich hatte oft das Gefühl von neuen Szenen überrumpelt zu werden. Hier kann ich nicht beurteilen, ob das am Hörbuch oder allgemein an der Erzählform liegt, denn es könnte auch ein Schachzug der Autorin sein. Jedenfalls wurde ich dadurch immer tiefer in den trüben See aus Lügen, psychischer Gewalt und Täuschung gezogen, der unter einem undurchdringlichen Nebelschleier verborgen lag. Dabei habe ich mich ständig gefragt, worauf das alles hinauslaufen soll. Bis endlich der Punkt erreicht war, an dem ich verblüfft von den Hintergründen erfuhr.

Dieses Grübeln, Rätseln und Theoretisieren hat mir sehr gut gefallen, weil es - zumindest für mich -  mal was anderes war und mich die Handlung von Anfang bis Ende gefesselt und sogar ein bisschen wütend gemacht hat.

„Die Vermissten“ ist ein gewaltiges Verwirrspiel und ich denke, dass Leser, die Psycho-Thriller mögen, bestimmt zum Staunen gebracht und ihre Freude daran haben werden.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at