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Charmante Philosophie der dritten Art

Ich und die Menschen - Matt Haig

Andrew Martin, Professor für Mathematik, landet in der Psychiatrie, weil er nackt die Autobahn entlang marschiert ist. Aber als Leser weiß man, es handelt sich nicht um Andrew Martin selbst, sondern um ein außerirdisches Wesen, das von ihm Besitz ergriffen hat.

Dieses Buch ist mir lange Zeit aufgefallen und ich musste jetzt einfach wissen, wie so ein Außerirdischer das Leben der Menschen sieht.

Es ist ein schönes, lustiges und philosophisches Buch. Es handelt von Familie, Freunden, was ihm Leben wichtig ist und was eigentlich wichtig sein sollte. Es geht um uns Menschen, um unsere Widersprüchlichkeit und darum, dass wir einfach mehr wir selbst sein sollen.

Die Geschichte ist wunderbar aufgebaut und hatte mich von Anfang an in ihrem Bann. Andrew Martin - der gar nicht Andrew Martin sondern ein Alien ist - hat für seinesgleichen einen Bericht über die Menschheit verfasst und schildert darin, wie es ihm auf Erden ergangen ist.

Dabei verweist er auf Alltäglichkeiten, die uns wichtig und doch so nebensächlich sind, wie essentiell es ist, einen Hund zu haben, dass man Kleidung tragen sollte, und dass die Menschheit im Grunde gar nicht so abgrundtief böse ist.

Andrews Mission hat mich gleichermaßen zum Lachen und Nachdenken gebracht. Etliche komische Szenen lassen das Zwerchfell beben, wenn man sich zum Beispiel vorstellt, wie er mit einem Hund spricht, die verworrenen Beziehungskonstellationen wie die Ehe nicht durchschaut, und sich gleich zu Beginn nackt in den Shop einer Tankstelle stellt. Es handelt sich um einen frontalen, gleichzeitig feinen Humor, der mir besonders gut gefallen hat.

Außerdem hat der Alien so einiges zum Nachdenken im Gepäck, weil man oft erst von Außen sieht, wie lächerlich so manches Wichtige ist. Dazu hat er 97 Ratschläge an einen Menschen verfasst, die zwar nicht immer ganz nachvollziehbar, aber erheiternd und oft nicht unwahr sind:

„Eigentlich hättest du gar nicht zur Welt kommen sollen. Deine Existenz ist so unwahrscheinlich, dass sie ans Unmögliche grenzt. Am Unmöglichen zu zweifeln, heißt, an dir selbst zu zweifeln.“ (S. 324 - 325; TB)

„Mach in Gedanken einfach jeden Tag zu einem Samstag. Und ändere das Wort ´Arbeit` in `Spiel`“. (S. 329; TB)

Allem überirdischen Charme zum Trotz, habe ich manche Stellen als langatmig empfunden. Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass seine familiäre Mission etwas mehr in den Hintergrund rutscht und er sich nicht ganz so im Familienleben verliert.

Trotzdem ist „Ich und die Menschen“ meiner Meinung nach ein bezaubernder Roman, der uns durch außerirdische Philosophie auf den Boden holt und zeigt, was auf Erden wirklich zählt.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at