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Gerade wenn es so schön kuschelig ist ...

Friedhof der Kuscheltiere - Deutschland Random House Audio, Stephen King, David Nathan

Die Creeds sind in ihrem neuen Heim angekommen. Das Häuschen in Ludlow, nahe am Wald, ruhig gelegen, scheint das perfekte Zuhause für die Familie zu sein. Wäre nicht das seltsame Gefühl, dass Louis von Anfang an hat, und die gefährliche Schnellstraße direkt am Haus, die schon manchem Haustier das Leben gekostet hat …

„Friedhof der Kuscheltiere“ war mein erstes Buch von Stephen King und nachdem dies schon ziemlich lange her ist, hatte ich mich dazu entschieden, auch das Hörbuch zu hören. Die (vollständig gelesene) Audioversion steht der Printausgabe um absolut nichts nach.

Als Leser findet man sich mit der Familie Creed in ihrem neuen Haus in Ludlow ein. Die Creeds kommen aus Chicago und müssen sich erst ans Landleben gewöhnen. Doch die begehrte Anstellung als Arzt, die Louis am hiesigen College gefunden hat, hat ihnen den Abschied von der Großstadt nicht schwer gemacht.

Die vierköpfige Familie kommt also in ihrem neuen Leben an. Vater Louis, der die Stelle am College antritt, Mutter Rachel, die sich um das physische und psychische Ankommen in der neuen Umgebung kümmert, und dabei natürlich Töchterchen Ellie und dem noch nicht den Windeln entwachsenen Sohn Gage im Auge hat. Außerdem gibt es noch einen Kater - Church - dem der Autor eine ganz besondere Rolle zugestanden hat.

Das Hauptthema des Romans ist der Tod. Ganz ungeniert geht Stephen King dem größten Mysterium des Lebens auf den Grund, und zwar dem, wie es endet. Das Ende des Lebens kommt in unterschiedlichsten Facetten vor: Der Arzt, der nur mehr den Tod erklären kann, der Leichenbestatter, dank dem der letzte Gang in Würde ist, das Ableben durch einen Unfall oder die Bürde des Alters, Vorstellungen vom Himmel und Religion oder den Konsequenzen, wenn eine verstorbene Person keine Kekse mehr backen kann, sowie das kindliche Begreifen der Endgültigkeit oder auch, ein Friedhof im Wald, für Tiere gedacht.

Dabei geht King den gewohnt behutsamen Weg. Er lässt den Leser gemeinsam mit Familie Creed in Ludlow ankommen, richtet das Haus ein, freundet sich mit den Nachbarn an, und lässt genau in dem Moment das Grauen zuschlagen, wenn man denkt, dass es gerade so schön kuschelig ist.  Allerdings hält er sich damit nicht lange auf, sondern setzt dem Ganzen noch eine schaurige Krone auf.

Die Handlung wird direkt von Louis erzählt. Gesprochen von David Nathan wird man mitten in sein Leben versetzt, trinkt ein Bierchen mit dem Nachbarn und muss sich der schlimmen Seite seines Jobs zuwenden, wenn sogar ein Arzt nicht mehr helfen kann. Aber sein Nachbar Jud weiß eine Lösung für dieses Problem … 

Gerade, dass Louis Geschichte so ungezwungen erzählt wird, haucht dem Roman unheimliches Leben ein. Meiner Ansicht nach hat es der Autor zur Perfektion getrieben, seine Figuren real werden zu lassen, und auch bei Louis hatte ich das Gefühl, es mit einem echten Menschen zutun zu haben.

Typisch für King ist es aber auch, dass sich seine Geschichten Zeit lassen. Man muss erst mit den Charakteren leben, um das Grauen zu begreifen. Das sollte man immer bedenken, wenn man sich für eins seiner Bücher entschließt.

Für mich ist „Friedhof der Kuscheltiere“ eines der besten Bücher von Stephen King. Denn hier ist es der unterschwellige Horror, der auf den ersten Seiten langsam aus dem Roman herauszukriechen beginnt, dem Leser sachte über den Rücken rinnt und ihm zu guter Letzt als Angst vor dem Tod wie eine eiskalte Hand auf die Schulter springt.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at