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Wer ist hier wirklich fremd?

Fremd - Christiane Marx, Ursula Poznanski, Arno Strobel, Sascha Rotermund

Du bist allein daheim und auf einmal kommt ein Fremder durch die Tür. Der Mann behauptet dein Verlobter zu sein, aber du bist dir sicher, ihn noch nie gesehen zu haben.
Nach einem langen Arbeitstag kommst du endlich heim, aber deine Verlobte erkennt dich dich nicht. Sie denkt, dass du sie stalken, vergewaltigen oder sogar töten willst.

Mit dieser Ausgangssituation beginnt „Fremd“ von Ursula Poznanski und Arno Strobel, und was das angeht, hat man es mit einer packenden Szene zutun. Weder Figuren noch Leser können sich die Situation erklären. Abwechselnd betrachtet man die Sichtweise von Joanna und Erik. Sie hat keine Ahnung, warum dieser Fremde in der Wohnung herumspaziert. Gleichzeitig ärgert er sich, weil ihn seine Verlobte nicht mehr erkennt und offensichtlich am Durchdrehen ist.

Man sieht, dieser Anfang ist mitreissend, durch die Perspektivenwechsel spannend erzählt und regt sofort das Gedankenkarussell an. Welches Spiel wird hier gespielt? Wer ist hier wirklich fremd? Bildet sich Erik alles nur ein oder ist Joanna sogar schizophren und erinnert sich einfach nicht mehr? Hundert Fragen schießen nicht nur den Figuren sondern auch dem Leser durch den Kopf. Dabei will man schon fast den Hut vor dem Autorenduo ziehen, bis die Geschichte weitergeht.

Die Protagonisten sind undurchsichtig und meinem Gefühl nach einfach gestrickt. Joanna ist das reiche Mädchen, das sich im Grunde alles leisten kann. Erik ist ein Mann, der sich das reiche Mädchen geangelt hat, aber nichts von ihrem Geld wissen will. Oder ist an der Sache mit dem Geld doch etwas dran?

Schon allein wie die Situation weiter gesponnen wird, hat mir nicht zugesagt. Obwohl jede der Figuren ihre Beweggründe hat, haben ihre Entscheidungen sehr unrealistisch auf mich gewirkt. Wenn ich heim komme und mein Mann erkennt mich nicht, dann rufe ich  einen Rettungswagen an. Dabei braucht es keine langwierigen Diskussionen, denn immerhin geht es um seinen Gesundheitszustand. Wenn ich daheim bin und ein fremder Mann marschiert durch die Tür, ist der Notruf genauso schnell gewählt. Dabei ist es egal, welche Geschichte er mir präsentiert, denn immerhin handelt es sich um einen fremden Mann! Aber gut, ein Thriller muss von etwas leben, und die Ausgangssituation soll eben in eine weitere Bahn gelenkt werden. 

Danach fand ich die Entwicklungen recht interessant und gut erzählt. Man spinnt Ideen weiter, bangt mit Erik und Joanna und versucht aus dem Ganzen schlau zu werden.

Dann kommt der große Knall! Der hat mir richtig gut gefallen und hat der Geschichte ordentlich Leben eingehaucht. Es war brenzlig und gefährlich, spannend und undurchsichtig und hat mich weiter grübeln lassen.

Doch am Ende angekommen, waren es Hintergründe auf Blockbuster-Niveau. In James-Bond-Manier fliegen die Fetzen und die Trümmer, werden Feindschaften gesät und die Polizei wird außen vor gelassen.

Thriller dieser Art sind einfach nicht mehr meins. Früher habe ich sie recht gern gelesen, aber ich hätte mir insgesamt einen komplexeren Ablauf gewünscht, weil es so gut begonnen hat.

Ich war sehr neugierig auf das Ergebnis der Zusammenarbeit der beiden Autoren, aber bis auf den Anfang, hat sich eher Strobel mit seinem überkonstruierten 007-Stil durchgesetzt und Poznanski hat meinem Empfinden nach die Lücken gefüllt.

Trotzdem ist es actionreiche Unterhaltung für Zwischendurch, die einen durch die packende Ausgangssituation an die Geschichte fesselt und in Blockbuster-Manier über die Ziellinie kracht, aber leider Logik und erzählerische Feinheiten großteils vermissen lässt.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at