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Herzliche Teenie-Liebe

Mein Herz wird dich finden - Jessi Kirby, Anne Brauner

400 Tage ist es her, dass Jacob gestorben ist. Was für den einen den Tod bedeutete, hat vielen anderen Menschen das Leben gerettet. Auch Noah wurde doch Jacobs Tod ein neues Leben geschenkt, denn er hat sein Herz bekommen. Obwohl dies ein tröstlicher Gedanke für Mia ist, kann sie ihre große Liebe Jacob einfach nicht gehen lassen und will unbedingt in der Nähe seines Herzens sein.

Mia macht sich also daran, die Organempfänger ausfindig zu machen und stößt via Internetrecherche auf Noah, in den sie sich zu verlieben beginnt. 

Das Thema Organspende verarbeitet in einem emotionalen Jugendroman hat mich sofort angesprochen. Zwar hatte ich befürchtet, dass es etwas kitschig werden könnte, aber es hat mir wirklich gut gefallen, denn Jessi Kirby nimmt sich des ernsten Themas auf behutsame Weise an.

Wenn man an Organspende denkt, ergeben sich gleichzeitig so viele Fragen. Welche Körperteile können gespendet werden? Wohin gehen diese? Ist es in Ordnung, wenn nur mehr - im wahrsten Sinne des Wortes - eine Hülle begraben wird? Und wie ist es für Angehörige, wenn sie die Organe eines Menschen, den sie liebten, lebendig an einem anderen sehen? 

Mit diesen und anderen Fragen arbeitet die Autorin und bettet sie in eine schöne Liebesgeschichte für Jugendliche ein. 

Protagonistin Mia ist mit ihrem Freund Jacob gemeinsam gestorben. Sie verkriecht sich in ihrem Schneckenhaus und schafft es einfach nicht raus. Sie hängt zu sehr an Jacob, sie kann sich nicht von ihm lösen und empfindet jede Geste des Vorwärtsschauens als Verrat an ihm. Wer leider schon einmal einen Menschen verloren hat, weiß, dass diese Gefühle natürlich sind und es seine Zeit braucht, bis man sie ausblenden kann.  Aber Mia hängt sich selbst an Jacobs Organen auf. Es ist eine lebende Verbindung zu ihm. Einerseits ist es ein Trost, weil sein Tod so viel Leben gespendet hat, andrerseits gibt es ihr einen Stich ins Herz, wenn sie bedenkt, dass Teile von ihm noch am Leben sind.

Aber sein Herz verweigert sich ihr. Der Organempfänger Noah reagiert nicht auf sie und daher nimmt sie selbstständig Kontakt zu ihm auf, wodurch aus einer bedenklichen Notlüge eine sanfte Liebesgeschichte entsteht.

Es gibt sehr schöne, lebensbejahende Szenen und trotz des ernsten Themas sprudelt die Geschichte vor purer Lebensfreude. Passend dazu ist sie im Sommer in Kalifornien angesiedelt und zog mich dadurch in ein angenehmes Sommer-Sonne-Feeling rein. 

Die Geschichte legt  ein gemächliches Tempo vor. Zuerst steht Mias Schmerz im Vordergrund, danach ihre Versuche, den vielen Empfängern nahe zu sein, bis endlich das Abenteuer Noah beginnt, dass Mia und den Leser gute Laune bringt. 

Zwar ist es sofort absehbar, wie die Geschichte enden wird, aber es ist meiner Meinung nach ein Wohlfühlbuch, dass wenig von Spannung, sondern von Stimmung und Thematik lebt.

Das Ende fand ich recht gedrängt. Seitenweise ist man in Schritttempo unterwegs und auf einmal ist man am Schluss angelangt.

Insgesamt ist „Mein Herz wird dich finden“ eine nette Liebesgeschichte, die sich mit dem ernsten Thema Organspende beschäftigt und den Leser gleichzeitig in das sonnige Kalifornien mit seinem Sommer-Sonne-Feeling versetzt.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at