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Ein merkwürdiger Fantasy-Roman

Harpyienblut - Daniela Ohms

Lucie würde sich niemals vor ihren Mitschülerinnen umziehen. Denn sie hat Flügel, die sie zusätzlich unter einer Binde versteckt. Warum sie diese Schwingen hat und welches Wesen sie eigentlich ist, ist ihr selbst nicht bekannt. Allerdings scheinen andere mehr über sie und ihre Bestimmung zu wissen, denn der Volleyball-Trainer Sergej und ein mysteriöser Schmetterlingsjunge haben sie fest im Blick. Und auf einmal wird sie auch noch von den Seelen verstorbener Kinder magisch angezogen …

Daniela Ohms hat mit „Harpyienblut“ ein interessantes Thema aufgegriffen. Sie beschäftigt sich mit alten Mythen und Legenden, die sich mit beflügelten Wesen verschiedenster Kulturen auseinandersetzen. Es geht um das Leben, den Tod und was danach kommen könnte.

Über alle Seiten hinweg ist eine dunkle, nebulöse Atmosphäre zu spüren. Die Stimmung ist düster, geheimnisvoll und lässt gemeinsam mit Lucie über ihr Schicksal grübeln.

Der Roman erstreckt sich über mehrere Monate und hat auf jeden Fall faszinierende Momente. Mit dem Erzählstil konnte ich mich aber nicht so recht anfreunden. Chronologisch werden Situationen abgearbeitet, mögliche Zusammenhänge gesponnen und trotzdem schaffen es weder Leser noch Figuren auf die Hintergründe zu blicken. Obwohl die Autorin alte Mythen gekonnt mit der Gegenwart vereint und dabei auf interessante Legenden zurückgreift, fehlt es am Spannungsbogen, der die Ereignisse zusammenhält. Manchmal kommt es zu dramatischen Situationen, aber meistens hat man das Gefühl, dass die Handlung vor sich hin plätschert und man durch einen dichten Nebel auf die Figuren blickt.

Die Charaktere fand ich gut ausgearbeitet. Lucie, die sich ihrem undurchschaubarem Schicksal stellt, der Volleyball-Trainer Sergej, der mehr zu wissen scheint, als andere ahnen, und der ominöse Schmetterlingsjunge, von dem eventuell Gefahr ausgeht, haben mir recht gut gefallen, auch wenn ihre Motivation teilweise nebulös geblieben ist.

Wenn man sich Lucie mit ihren Flügeln vorstellt, wie sie die Seelen verstorbener Kinder durch das Jenseits geleitet, bekommt man doch eine leichte Gänsehaut. Dennoch bleibt die Motivation hinter allem ein großes Rätsel, weil man bis zum Ende hin keine Antwort bekommt und man nach der letzten Seite mit einem großen Fragezeichen allein zurück bleibt.

Insgesamt ist Daniela Ohms „Harpyienblut“ ein merkwürdiger Fantasy-Roman, der mir durch seinen ungewöhnlichen Stil auf jeden Fall im Gedächtnis bleiben wird. Es ist nur schade, dass die Handlung die Motivation hinter den Ereignissen und in den Figuren versteckt und man einfach keine Anhaltspunkte für Beweggründe erhält.

Ich denke aber, wer sich auf Mythen und Legenden rund um geflügelte Wesen in einem modernen Setting einlassen will, wird damit interessante Lesestunden verbringen und sollte sich selbst ein Bild machen.

 

© NiWa

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at