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Der letzte Gang

The Green Mile - Deutschland Random House Audio, Stephen King, David Nathan

1932, Georgia, USA, im Staatsgefängnis Cold Mountain. Wer in Block eine Zelle sein Zuhause nennt, hat jede Hoffnung verspielt. Gefangene, die hier einsitzen, steht der letzte Gang zum elektrischen Stuhl bevor. Paul Edgecomb leitet hier die Gefängnisaufseher an. Dutzende Hinrichtungen hat er in dieser Funktion schon miterlebt, aber zum ersten Mal zweifelt er, ob es tatsächlich einen Schuldigen trifft.

„The Green Mile“ ist dank der großartigen Verfilmung mit Tom Hanks sehr bekannt. Daher hat es mich schon länger gereizt endlich einmal zum Buch bzw. Hörbuch zu greifen und es hat nachhaltigen Eindruck auf mich gemacht.

Die Hauptthemen sind das Leben und der Tod, wofür „the green mile“ und der elektrische Stuhl „Old Sparky“ Stellvertreter sind. Die letzte Meile, die aufgrund ihrer farbigen Gestaltung als grün bezeichnet wird, steht meiner Meinung nach symbolisch für das Leben, in dem wir auf den Tod zugehen.

Die Rahmenhandlung ist allerdings nicht im Georgia der 30er-Jahre anberaumt, sondern in der Gegenwart angesiedelt. Paul Edgecomb, einst ein gesunder, kräftiger Mann, der mitten im Leben stand, muss in seinen alten Jahren mit einer Seniorenresidenz vorlieb nehmen, wo er seine Geschichte erzählt.

Er war damals in den 30ern Aufseher im Zellenblock E, der ausschließlich den Todeskandidaten vorbehalten war. Hier hat er dem Tod im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge geblickt und mit „Old Spark“ mehr als 70 Leben ein Ende gesetzt. Eines Tages kommt ein riesiger schwarzer Mann in den Todestrakt und vom ersten Moment an fühlt Edgecomb, dass er sich nun endgültig an Gottes Schöpfung schuldig macht.

Die Figur Paul Edgecomb ist nicht nur wahnsinnig gut gelungen, sondern richtig lebendig. Als alter Mann schreibt er seine Geschichte auf. Er ist ein Mensch, der Fehler macht, meistens aber sehr besonnen auf widrige Umstände reagiert, und sich über das Leben und den Tod seine Gedanken macht.

Die Handlung ist nur von wenigen Mystery-Elementen gespickt, jedoch sind diese so eindringlich, dass es mir allein beim Gedanken daran wieder die Gänsehaut aufstellt. Es gibt nur wenig Schockmomente, und die wirklich grauslichen Szenen sind mehr dem Horror der Realität als der Fantasie entsprungen.

Besonders auffällig ist der emotionale Ton des Romans. King spricht den Leser durch Paul Edgecomb direkt an, der nach all den Jahren die Ereignisse von 1932 noch immer nicht fassen kann. Dadurch habe ich eine unbeschreibliche Verbundenheit zu ihm und der Handlung gefühlt, die durch die grandiose sprachliche Umsetzung von David Nathan weiter gesteigert wurde.

Die gefühlvolle Stimmung hat mich einfach nicht kalt gelassen, ich war gebannt, fasziniert, habe bei einigen Szenen den Atem angehalten und mir sind sogar die Tränen in den Augen gestanden. Ich glaube, wer die Geschichte der grünen Meile noch nicht kennt und Lust auf eine Mischung aus historischen und mysteriösen Elementen hat, sollte sich die Zeit nehmen und sich unbedingt Paul Edgecombs Geschichte erzählen lassen.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at