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Über die Bewohner von Sleepy Hollow

Die Legende von Sleepy Hollow: Washington Irving (Klassiker der Weltliteratur) - Washington Irving

Die Bewohner von Sleepy Hollow leiden unter Visionen und Erscheinungen, darunter ein furchteinflößender Reiter, der auf seinem Pferd kopflos durch das Tal zu traben pflegt. 

Die Legende von Sleepy Hollow hat meiner Ansicht nach Lagerfeuer-Charme. Sie gehört zu den Geschichten, die man mit gesenkter Stimme, im Feuerschein und einer Taschenlampe in der Hand als Gruselklassiker erzählt, und die vielleicht den kleinsten Zuhörern Gänsehaut beschert.

Als Kurzgeschichte von Washington Irving hat sie leider nur sehr mäßigen Eindruck auf mich gemacht. Denn es dauert eine gefühlte Ewigkeit, bis es zu den schaurigen Szenen kommt, die der Klappentext verspricht. 

Washington Irving thematisiert vielmehr das gesellschaftliche Gefüge im dörflichen Zusammensein, geht über die Liebe und die Eifersucht, bis er schelmische Boshaftigkeit und Schadenfreude zuschlagen lässt.

Der Schreibstil ist sehr ausschweifend, beschreibt unzählige Details und fordert den Leser, sich mit dem Tal Sleepy Hollow auseinanderzusetzen. Mit neckischem Unterton geht Washington Irving auf die Menschen dieser Region ein, dabei sind Erscheinungen oder Visionen letztendlich zur Randerscheinung verkommen, während man bei vielen Figuren einer Charakterstudie ausgesetzt wird.

Zuerst ist man im Tal Sleepy Hollow unterwegs. Man lernt die Bewohner, Sitten und Gebräuche kennen bis man dem Lehrer Ichabod zur Seite gestellt wird. Hier wird man großteils über seine Wesenszüge, sein Benehmen, seine Motive und sein Gebaren aufgeklärt, bis sich der Gruselklassiker dem Showdown annähert.

Dieses Finale hat weder schaurigen Charme noch erzählerische Finesse, sondern wird in wenigen Episoden abgehakt und hat auf mich einen sehr faden Eindruck gemacht. Zwar mochte ich den Schluss gern, aber auch hier wurde die Geschichte dem Gruselanspruch leider bei Weitem nicht gerecht.

Ich kann mir vorstellen, dass „Die Legende von Sleepy Hollow“ durch erzählerische Kunst - vorausgesetzt sie wird gestrafft und aufgepeppt - gut am Lagerfeuer erzählt werden kann. Mir hat die Geschichte trotzdem nicht gefallen, weil ich sie als langweilig empfunden habe, obwohl sie wohl zu den Klassikern der Gruselliteratur zählen mag.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at