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Abbitte

Abbitte - Ian McEwan

Im Sommer des Jahres 1935 geht mit der 13jährigen Briony die Fantasie durch. Schon länger liebt sie es, Situationen für ihre schriftstellerischen Ambitionen auszuschmücken, doch wer hätte gedacht, dass die Vorstellungen eines jungen Mädchens das Leben ganzer Familien prägen kann?

Briony wächst in einer wohlhabenden Familie auf. Im Sommer sind Gäste nicht rar und in der erdrückenden Schwüle gehen die Gemüter durch. Was treibt Robbie Turner mit ihrer Schwester am Brunnen und warum haben sie in der Bibliothek so schrecklich gekeucht? Brionys Gerechtigkeitssinn entgeht keine Regung und so nimmt sie die Situation selbst in die Hand.

Ian McEwans „Abbitte“ ist sicher kein Buch für Zwischendurch. Feinfühlig geht er dem Gemüt eines jungen Mädchens auf den Grund: Briony, die sich jetzt schon als großartige Schriftstellerin sieht, allerdings ihre Cousins bespaßen muss, obwohl sie sich viel lieber ihren Interessen widmen will. Sie interpretiert gern ein bisschen zu viel in Situationen hinein, und glaubt nicht daran, dass auch sie falsch liegen kann.

Der Roman ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil ist Briony die Hauptfigur, jedoch kommen auch andere Beteiligte zum Zug. Der Autor führt behutsam in die Familienverhältnisse ein, zeigt, wer wie zu wem steht und warum es sich so zugetragen hat. In diesem Abschnitt geht er meinem Geschmack nach viel zu sehr auf Details der einzelnen Figuren ein, wobei sich aber genau daraus eine unbeschreibliche Tiefe der Charaktere ergibt. 

Im zweiten Teil ist der Leser im Kriegsgeschehen in Frankreich unterwegs, wobei hier weder geschönt noch geschont wird. Zwar handelt es sich teilweise auch im eine etwas zu detaillierte Passage, allerdings zeigt Ian McEwan, wie schrecklich der Krieg ist und verweist darauf, was die Soldaten gerade noch so am Leben hält.

Im abschließenden dritten Teil findet man sich in einem britischen Krankenhaus wieder, wie man es in der Realität niemals erleben will. Den Krieg hat man hinter sich gelassen, aber wird brutal mit seinen Konsequenzen konfrontiert. Diesen Abschnitt habe ich als sehr intensiv empfunden, und er hat mich richtig aufgewühlt. Hier hat es der Autor geschafft, mich direkt in die Situation zu versetzen, die nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat.

Der Handlung selbst stehe ich zwiegespalten gegenüber. Obwohl es eine markerschütternde Geschichte ist, hätte sie wohl schneller erzählt werden können. Gerade die Darstellung einzelner Familienmitglieder im ersten Teil, fand ich etwas mühsam zu lesen, obwohl es für das Verständnis wahrscheinlich notwendig war.

Mit dem Ende muss man wohl einfach leben lernen, denn es hat wirklich weh getan. Ich weiß nicht so recht, wer hier tatsächlich Abbitte geleistet hat, ob es der Leser, eine der Figuren oder gleich eine ganze Familie war. Ich weiß nur, dass es mich lange Zeit weiter beschäftigt hat, was meiner Ansicht nach für das Buch zu werten ist.

„Abbitte“ ist eine starke Familiengeschichte mit pikanten Details, die bis in den Krieg und den daraus resultierenden Konsequenzen reicht, zwar mit seinem ausschweifenden Stil mühsam, aber am Ende auf seine eigene Art lohnenswert ist. 

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at