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Bereits gelesen: 38/463 pages

Finale im Nirgendwo

Die Spiegelstadt: Passage-Trilogie  - Roman - Justin Cronin, Rainer Schmidt

Die Menschen wagen sich wieder daran, ein richtiges Leben zu führen. Raus aus den Mauern, rein in die Wildnis - denn die Zwölf dunklen Wesen dürften keine Bedrohung mehr sein. Aber in der Ferne gibt es noch einen, den Ersten der Zwölf, der in der Dunkelheit lauert.

Es handelt sich um den Abschlussband von Justin Cronins Passage-Trilogie und um ein Finale, das die Vorgängerbände in einem würdigen Abschluss vereint.

Im Vordergrund steht der Kampf zwischen Licht und Dunkel, Leben und Tod, die Ewigkeit gegen das Vergängliche, und Amy gegen Zero. 

Zu Beginn leitet Cronin den Abschlussband mit einer kurzen Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse ein. Diese werden bibelartig in kurzen Sätzen geschildert und ermöglichen dem Leser alles bisher Geschehene Revue passieren zu lassen.

Im nächsten Teil macht man sich mit dem Figuren vertraut. Nach Jahren trifft man alte Bekannte wieder, begegnet ihnen, wie sie in ihrem neuen Leben stehen, bekommt ihre Entwicklung und Geschichte erklärt und merkt, dass ihnen etwas Großes bevor steht. Als weitere Hilfestellung ist im Anhang ein Personenverzeichnis beigefügt, das ich doch einige Male in Anspruch nahm.

Gleich in diesem Abschnitt der Erzählung habe ich mich richtig wohlgefühlt. Wenn ich an die ersten beiden Bände denke und nun sehe, wo die Protagonisten im Leben stehen, ist es tatsächlich so, als würde man nach Jahren alte Freunde treffen und sich ein bisschen wundern, was aus ihnen geworden ist. Es ist faszinierend zu lesen, wie jeder seinen Platz im weltlichen Gefüge eingenommen hat, wovon sie getrieben werden und was sie sich erträumen, wobei man ahnt, dass es bald zur dunklen Wende kommen wird. 

Zero nimmt einen wichtigen Part in der Erzählung ein. Wer kann sich noch erinnern, dass es einst mit einem erkrankten Wissenschafter in Bolivien begann? Diesmal erfährt man seine ganze Geschichte, die tragisch, schicksalshaft und sehr emotional zu lesen ist. 

Die Atmosphäre ist angespannt und gleichzeitig geht die Erzählung oft nur langsam voran. Zeitsprünge und detaillierte Beschreibungen wechseln sich meiner Ansicht nach genau richtig portioniert ab und sie lassen dadurch ein Verständnis für handelnde Personen und Ereignisse zu. Hier muss ich aber auch sagen, dass ich sicher nicht das Gefühl habe, alles wirklich verstanden zu haben. Die Passage-Trilogie ist ein derart episches Werk, das man es vielleicht erst beim zweiten Mal lesen vollständig begreift. Dennoch ist es eine Geschichte die gut zu unterhalten und den Leser von der ersten bis zur letzten Seite zu bannen weiß. 

Immer wieder driftet man in eine Zwischenwelt ab, die interessant zu lesen ist, aber eigentlich sehr verwirrend war. Denn so richtig habe ich nicht durchschaut, was es damit auf sich hat und ich frage mich im Nachhinein, ob es diese Passagen wirklich gebraucht hat.

Dafür gehen der Showdown und das Ende unter die Haut, so wie ich es erwartet hatte. Das Ende der Passage-Trilogie hat mich wehmütig und traurig gemacht. Einerseits, weil es Cronin beherrscht, mit den Emotionen seiner Leser zu spielen, andrerseits, weil ich es nicht glauben kann, dass der Übergang vollzogen ist und es für mich keine Amy im Nirgendwo mehr geben wird.

Justin Cronin hat dem Übergang meiner Meinung ein würdiges Ende bereitet, das mich erneut in seinen Bann gezogen hat. Ich glaube, wer bisher gern mit Amy im Nirgendwo gewesen ist, wird auch vom Grande Finale dieses epischen Meisterwerks gefesselt sein.


Die Passage-Trilogie:

1) Der Übergang [Rezension lesen]
2) Die Zwölf [Rezension lesen]
3) Die Spiegelstadt