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Düsteres Familiendrama

Eleanor - Jason Gurley

Eleanors Familie ist zerbrochen. Sie war gerade sechs Jahre alt, als ihre Zwillingsschwester Esmeralda bei einem Autounfall um’s Leben kam. Dies war der Punkt, an dem sich ihre Familie aufzulösen begann und seither am Schmerz um ihren Verlust ertrinkt. Bis Eleanor als Jugendliche auf einaml durch eine Tür geht und in eine mysteriöse Welt gleitet, in der es ein tödliches Geheimnis gibt.

Jason Gurley hat mit seinem Roman „Eleanor“ ein faszinierendes Debüt gegeben. Obwohl meinem Empfinden nach Cover und Klappentext auf ein Fantasyabenteuer schließen lassen, handelt es sich um eine düstere, dichte Erzählung, die sich mit Trauer und Verlust im Leben und in der Familie befasst.

Eleanor ist ein verzweifelter Charakter, der an Esmeraldas Tod schon als Kind gescheitert ist. Beklommen taucht man in ihr Leben ein, lernt ihre Familie kennen und sieht zu, wie sich die Jugendliche resigniert dem Alltag stellt. Sie tut, was zu machen ist. Sie entsorgt die leeren Schnapsflaschen ihrer Mutter, versucht sich Tag für Tag durch ihr tristes Dasein zu kämpfen und schafft es trotz aller Schmach für ihre Familie einzustehen. Dabei spürt man auf jeder einzelnen Seite, wie schmerzhaft Eleanors Leben ist. Man fühlt die Liebe zu ihrer Mutter, aber auch den Schmerz, der ihr von ihr zugefügt wird. Denn wie schlimm muss es sein, wenn man hört, dass damals die falsche Tochter gestorben ist?

Ihre Mutter hat einfach aufgegeben. Sie hat nach dem Autounfall nicht nur Esmeralda sondern sich selbst und ihre ganze Familie zu Grabe getragen. Seither vegetiert sie als Schatten vor sich hin und will nur mehr, dass es zu Ende ist.

Eleanors Vater steht dabei paralysiert am Rand. Er hat gekämpft, bis er nicht mehr konnte, und sieht nun hilflos zu, wie sich sein einziges Kind dem unausweichlichem Schicksal stellt. 

Sämtliche Charaktere sind von verzweifelter Tiefe beseelt. Ich habe mit ihnen gefühlt, bedauert und ihr Elend schon fast am eigenen Leib gespürt, das sich in dunkler Beklommenheit über die Seiten legt.

Die Handlung hat dabei einen faszinierenden Weg eingeschlagen, der auf jeden Fall etwas Besonderes ist. Laut Inhaltsbeschreibung dachte ich, dass es eher ein Fantasyabenteuer sei, nach den ersten Seiten habe ich mit einem Familiendrama gerechnet, und im Endeffekt habe ich eine faszinierende Mischung von beidem bekommen, wobei der Abenteuercharakter eher nicht vorgekommen ist.

Man nimmt unterschiedliche Perspektiven ein. Es gibt Zeitsprünge, die befremdlich wirken. Man schwenkt zurück zu dem Unfall und sieht zu, wie Esmeralda stirbt. Danach geht es wieder in die Gegenwart, wo Eleanor plötzlich eine fremde Welt betritt.

Die Kapitel um die Hüterin und die Sichtweise von Mea habe ich als sehr seltsam empfunden. Die Hüterin befindet sich in einem Tal, das lange Zeit keinen Sinn ergibt, und Mea ist in einem Fischglas, was noch merkwürdiger ist. Diese Passagen muss man einfach auf sich wirken lassen und sie fackeln auch die Neugier an. Denn irgendwie müssen sie doch mit Eleanors Geschichte zusammenhängen und am Ende merkt man, dass tatsächlich alles Sinn ergibt.

Der Schluss war mir etwas zu abgehoben, obwohl er gut zu lesen ist. Die Kapitel werden immer kürzer und die Handlung bekommt noch einmal einen philosophischen Schuss, der mich nicht unberührt gelassen hat.

Jason Gurleys „Eleanor“ ist ein schwermütiges Familiendrama, dessen düstere Faszination mich nach wenigen Kapiteln eingesogen und mich dem Schmerz der Figuren ausgesetzt hat. Durch philosophisch angehauchte Fantasyelemente hat der Autor ein faszinierendes Debüt gegeben, die diesen Roman zu einem besonderen Erlebnis machen.

Quelle: http://zeit-fuer-neue-genres.blogspot.co.at